Ernährungswende einläuten

Ernährungswende einläuten: Ernährungslehre und Hauswirtschaft: ab in die Schule damit

Als Mutter dreier kleiner Kinder (8, 6 und fast 4) bin ich tagtäglich mit der Aufgabe betraut, meinen Nachwuchs mit gesunder und ausgewogener Nahrung zu versorgen. Ich sorge mit Bio-Leidenschaft für das Angebot und bediene damit die Nachfrage. Das läuft in unserer Familie wie in der Wirtschaft, Nachfrage reguliert Angebot, Angebot reguliert Nachfrage. Ein im wahrsten Sinne des Wortes gesundes Gleichgewicht ist Ziel meiner Bemühungen. Denn zum einen, möchte ich weder zuviel anbieten, so dass ich Lebensmittel zu lange lagern oder gar ungegessen entsorgen muss, weil die Nachfrage zu klein ist, noch etwas anbieten, was gar nicht nachgefragt wird.

Jedem das Seine: Bei drei ist ein Kostverächter dabei

Von mir aus sehe ich beim Ausbalancieren unseres familiären Lebensmittelmarkts kaum ein Problem. Ich wohne nah genug an Gemüsehändler, Supermarkt und Wochenmarkt, dass ich die Warenbeschaffung prima nebenbei auf Wegen zwischen Kinderladen, Schule oder Sportverein und unserer Wohnung/Home-Office erledigen kann – zu Fuß, ökologisch korrekt. Doch die wirtshaftliche Rechnung habe ich ohne den Nachwuchs aufgestellt. Zwei meiner Kids kommunizieren problemlos mit mir über ihre Vorlieben bezüglich Speis und Trank, so weit so gut. Das Dritte allerdings bildet da eine Ausnahme, es ist nicht nur ein Gemüse- und Obstmuffel, sondern ein Kostverächter. Gegessen wird Butter mit Brot und Wurst, Fleisch und Kartoffeln in allen Zubereitungsvarianten. Kein Gemüse, kein Obst – außer der eine Apfel am Tag, den ich mir schwer erhandelt habe, und ohne dessen Verzehr es für das Kind keine Tagesration Süßes gibt.

Strategien zur gesunden Ernährung von Suppenkasper und Gemüsemuffel

Ich verzweifle an den Essgewohnheiten dieses Kindes regelmäßig. Ich trickse immer mal wieder beim Kochen, um in seinen Magen Nahrungsmittel zu bekommen, die es nie essen würde, wenn es wüsste, dass die in der schön glatt (ohne Stückchen!) pürierten Suppe sind. Ich bastle aus den Lebensmitteln wunderhübsche Arrangements in kindermundgerechten Häppchen auf dem Teller und lebe gesundes Essen selbstverständlich vor. Ebenso wie die Geschwister und der Vater, übrigens. Einen großen Erfolg verbuchte ich kürzlich, als ich das Schulbrot von hell auf dunkel, also von hellem Weizenmehl auf dunkles Mehl wie Dinkel und Roggen, umstellen konnte und mein Kind diesen Wechsel schluckte.

Gesunder Saft statt alltäglicher Zoff um gesundes Essen

Mein Kinderarzt sah das Ganze entspannter als ich, er empfahl mir, die in meinen Augen fehlenden Nährstoffe aus Obst und Gemüse via Säfte in den Kinderkörper zu füttern. Seitdem kaufe ich Säfte in den verschiedensten Geschmacksrichtungen und presse mit meiner neuen professionellen Saftpresse auch noch den letzten Tropfen Saft aus

  • Zitrone
  • Mandarine
  • Orange
  • und Pampelmuse
Mein guter Rat an alle Saftfreunde: Achtet beim Kauf einer elektrisch betriebenen Saftpresse unbedingt auf deren Motorleistung. Meine erste Maschine kapitulierte bei einer Pampelmuse, die Sicherung flog raus und die halbe Wohnung war stromlos dunkel. Jetzt habe ich ein Gerät mit hoher Wattzahl und die geht nicht in die Knie beim Saftpressen, selbst große Grapefruits legt sie trocken.

Doch zurück zu den Strategien, Kinder gesund zu ernähren. Ich habe da noch ein paar Tricks auf Lager, wobei ich zugeben muss, dass nicht jede so fruchtet wie gewünscht.  Zum Beispiel erfinde ich Lieblingsspeisen für meine Kinder – Abwandlungen bewährter Gerichte – die ich dann mit besonderen Namen betitele. Oder ich bitte das Kind, dem das Essen am besten schmeckt, sich einen Namen für das Essen auszudenken. Eine spätere Nachfrage klappt mal, mal nicht.

Selbstverständlich beziehe ich die Kinder in den Einkauf der Lebensmittel mit ein – vom Malen beziehungsweise Schreiben der Einkaufszettel über das Einkaufen bis hin zum Auspacken und verstauen. Auch bei der Zubereitung sind Kinderhände mir jederzeit herzlich willkommen: Allerdings ist mein bester Hilfskoch auch mein größter Kostverächter.

Gesunde Ernährung sollte Schule machen: Ernährungslehre? Von mir aus sofort!

Vor diesem Hintergrund begrüße ich das Thesenpapier des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), das dieser im Vorfeld der morgen beginnenden weltgrößten Agrarwoche „Grüne Woche“ gerade vorlegte und damit die Ernährungswende forderte: Darin geht es auch um die Rolle von uns Verbrauchern: „Da alle Menschen mit ihrem Ernährungsstil und ihrer Kaufentscheidung einen entscheidenden Beitrag zur Ernährungswende leisten können, sollten sie durch die Einführung der Fächer Ernährungslehre und Hauswirtschaft in allen allgemeinbildenden Schulen früh an verantwortungsbewusstes Essen herangeführt werden“, sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW. Das wünschte ich mir auch! Denn das gemeinsame Zubereiten und Essen von Speis und Trank mit gleichaltrigen Freunden hat dann noch mal eine gänzlich andere Wirkung als mein mütterlich-besorgtes Nahrungsbeschaffungs- und -zubereitungs-Management.

Schreibt mir doch mal: Wie klappt bei Euch die alltägliche Sättigung der Kinder?

Foto: Internationale Grüne Woche Berlin 2013

 

 

 

 

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