Tote Weihnachtsbäume

Alle Jahre wieder: Haufenweise tote Weihnachtsbäume ringsum

Als ich heute morgen aus dem Fenster schaute, griff ich einfach mal zu meiner Kamera und drückte auf den Auslöser. Das Bild könnte quasi an nahezu jeder Ecke in Hamburg gemacht worden sein. Denn obwohl die Stadtreinigung schon seit Tagen durch die Stadt fährt, um an Weihnachtsdeko einzuladen, was Hamburger an Weihnachtsdeko loswerden wollen, kommen täglich noch immer neue Exemplare hinzu: entsorgte Weihnachtsbäume. Tote Bäume. Ich bekomme jedes Jahr angesichts der Christbaumhaufen schlechte Laune.

300.000 Weihnachtsbäume werden in Hamburg von der Stadtreinigung entsorgt

Das Hamburger Abendblatt schreibt in seiner Onlineausgabe, dass die Stadtreinigung noch bis Ende Januar rund „300.000 aussortierte alte Tannenbäume sammelt“. Deren Sprecher Reinhard Fiedler wird mit den Worten zitiert: „In diesem Jahr war es wärmer, die Leute wollten ihre Bäume schneller loswerden“. Demnach ließen Hamburger ihre Weihnachtsbäume länger stehen, wenn das Wetter winterlich mit Schnee sei.

300.000 tote Bäume. Wenn ich jeden mit einer Höhe von 1,5 Metern annähme und die Bäume der Länge nach aneinander reihte, ergäbe das eine Strecke von 450.000 Metern, also 450 Kilometern. Ich möchte gar nicht an die Strecke denken, die sich allein für deutsche Weihnachtsbaumleichen ergäbe.

Die Würde eines Baumes stirbt zuletzt

Der Meldung im Hamburger Abendblatt entnehme ich weiter, dass die „Tannen“ (das sind doch nicht nur Tannen!) eine „Biomasse von insgesamt 1.400 Tonnen ergeben, die in einem Biogas- und Kompostwerk zu Holzschitzeln und Kompost recycelt würden. Das tröstet mich nicht. Verglichen mit Stolz und Würde eines gewachsenen Bäumchens ist so ein Häufchen Kompost oder Holzschnitzel recht würdelos in meinen Augen. Vor allem, wenn ich bedenke, wie kurz der Strahlemoment für jedes einzelne Bäumchen war. Und ganz ehrlich, das Schmücken mag viel Freude bereiten, das geschmückte Weihnachtsbäumchen die Weihnacht dekorieren, doch viele denken schon wenige Stunden später nur an die rieselnden Nadeln, die der Staubsauger fressen muss. Oder etwa nicht?

Absurde Züge einer Tradition: Weihnachtsdeko unterliegt schnelllebigem Modediktat

Ich will hier keineswegs gegen den Weihnachtsbaum an sich wettern, doch die Tradition bekommt in unserer Zeit absurde Züge, wie ich meine. Bedenkt, dass hinter den Bäumen eine ganze Branche steht, die alljährlich mit neuem Weihnachtsbaumschmuck aufwartet, der inzwischen den schnelllebigen Diktaten der Mode und der Technik unterworfen werden. Es werden nicht nur neue und mehr Trends umgesetzt, sondern auch immer mehr Produkte. Allein in meiner Lieblingsdrogerie werden damit ab Oktober immer mehr Regalmeter gefüllt.

Alternative zum toten Baum: Ein Christbaum mit Wurzel

Wer sich einen Baum mit Wurzel ins Wohnzimmer holt, denkt zumindest an dessen Leben. Doch das sind noch viel zu wenige. Selbst die Möglichkeit, einen Bio-Baum aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu kaufen, können nicht alle nutzen, die es gerne wollten. Eine Freundin meinte, angesprochen auf ihren Baum im Topf, das sei ihre Alternative zum Bio-Baum, der für sie unerreichbar weit gewesen wäre.

Die Vorteile eines Bio-Weihnachtsbaumes gegenüber herkömmlich angebauten Christbäumen liegen auf der Hand: Ich habe darüber an anderer Stelle schon mehrfach geschrieben, zum Beispiel auf Zehn.de. Überzeugt Euch selbst!

Foto: Copyright Doreen Brumme

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Ein Kommentar

  1. Hallo Doreen,
    wir hatten auch einen Weihnachtsbaum… Meine Familie mag es. Aber einen mit Wurzeln? Woher bekommt man den? Die Bäume in den Töpfen/ Eimern – da sind ja die Wurzeln abgehauen -zumindest gekürzt – sie wachsen nicht mehr an.
    Erinnern Sie sich noch an mich? Wohne seit Jahren auch in Hamburg und arbeite in Altona. Meine vier (erwachsenen) Kinder auch. Grüße an Marlies!
    Yvonne

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