Schöne Haut

Geokosmetik-Serie: Schöne Haut in den Augen der Welt

Wer sich wie ich im Rahmen der Geokosmetik-Serie Gedanken über die Gewohnheiten und Schönheitsrituale in den Badezimmern dieser Welt macht, muss sich  natürlich auch mal mit der Frage beschäftigen, was das Schönheitsideal „schöne Haut“ eigentlich bedeutet. Ist die glatte Haut von Barbie und Ken weltweit als schön akzeptiert? Offensichtlich gibt es einerseits Kriterien, die von allen Menschen als schön empfunden werden, und andererseits Kriterien, die von Region zu Region variieren.

Forscher wissen, was hierzulande „schöne Haut“ ist

Für das Verbraucher-Portal YaaCool Beauty führte ich vor einiger Zeit ein Interview mit Dr. Bernhard Fink, Soziobiologe und Antrophologe, der mit seiner Forschungsarbeit an der Universität Göttingen das Geheimnis lüftete, was schöne Haut, zumindest weibliche Haut, ist.

Schöne Haut ist demnach vor allem eins: ebenmäßig. Schöne Haut ist frei von Falten und Flecken (Altersflecken, die beispielsweise auch von UV-Strahlen gefördert werden). Schöne Haut hat laut Dr. Fink einen leichten Teint und ist gleichmäßig durchblutet. Je nachdem, welche Merkmale die Haut kennzeichnen, beurteilen Betrachter die Haut und deren Besitzer unterschiedlich: „Homogene Haut, also eine Haut, die frei ist von Fleckigkeit wie sie im Alter zunimmt, erhält die beste Beurteilung und wird am jüngsten eingeschätzt.“ Zumindest hierzulande, denn dass das Schönheitsideal nicht weltweit gilt, sagte der Wissenschaftler gleich im nächsten Satz: „Wir sprechen hier vorerst über die Variation bei ‚hellhäutigen‘ (kaukasischen) Frauen und können noch keine Aussage über andere Hauttypen machen.“

Damit ist das hier geltende Schönheitsideal für Haut recht gut charakterisiert. Wir empfinden glatte, ebene Haut mit einem frischen Teint als schön und gesund. Kombiniert mit dem Schönheitsideal der Haarlosigkeit, auf das ich bereits eingegangen bin, ist enthaarte, glatte und gut durchblutete Haut also das Ideal, dem wir hier Großteils nachstreben – ich in meinem Bad und Ihr irgendwie auch.

Doch wir streben weder planlos noch hilflos nach Hautschönheit: Milliarden Euro geben wir für Pflegeprodukte aus, in der Hoffnung auf deren unterstützende Wirkung in unserem Bemühen, schön zu sein, schön zu altern. Doch nicht vergessen. In kaum einer Beziehung zu Konsumgütern ist die Diskrepanz zwischen Wirkversprechen und tatsächlicher Wirkung wohl größer und für die Verbaucher selbstverständlicher, als in der zu Kosmetik. Man kauft, woran man glaubt. Und der Glaube an Kosmetika ist groß.

Übrigens, eine repräsentative Umfrage im Auftrag von YaaCool Beauty ergab 2008, dass Deutsche bereit wären, sogar noch mehr Geld für Kosmetika ausgeben würden, wenn sie neutraler und ehrlicher darüber und über deren Wirkung informiert werden würden.

UV-Licht und Haut – schöne Haut und hässliche Haut

Als Hautkrebspatientin freut mich, dass sich das Bewusstsein vieler für sonnengeschädigte Haut, und nicht anderes ist sonnengebräunte Haut nun mal, die eine zeitlang als höchst erstrebenswert galt, mittlerweile geschärft hat – wenn auch nicht bei allen Zeitgenossen. Hier ist sicher noch viel Aufklärungsarbeit zu tun, aber ich kenne zumindest in meinen Kreisen keinen mehr, der sich ungeschützt intensiven Sonnenstrahlen aussetzt. Mag sein, dass ich mich wegen meiner eigenen Lebenslage – als Mutter von drei Kindern – in Kreisen bewege, die Sonnenschutz als Must-do für die Haut ihres Nachwuchses verstehen und sich darüber auch selbst reflektieren und infolge dessen schützen.

Das Wissen um die Schäden, die Sonne auf der Haut anrichten kann, zählt für mich heute zum Allgemeinwissen – ebenso wie die Möglichkeiten sich zu schützen. Ich gebe es direkt weiter an meine Kinder, die sich Sonnenschutz ohne Wenn und Aber antun lassen.

Bei meinen Besuchen an den sonnenverwöhnten Stränden von Spanien, Portugal oder Algerien bin ich nach wie kopfschüttelnd unterwegs, wenn ich die Einheimischen in der Sonne braten sehe. Hier greift weder die Schutzmaßnahme vor Hautkrebs noch die vor Falten und anderen Lichtschäden.

Letztere spielt ganz sicher hierzulande eine große Rolle, wenn es um Hautschönheit geht. Seit junge, glatte Haut nicht nur für Schönheit, sondern auch für beruflichen Erfolg, Jugendlichkeit und gesunde Vitalität steht, setzt sich entsprechender Sonnenschutz im Alltag mehr und mehr durch. Eine Entwicklung, die, wenn nicht exessiv (über)betrieben, Sinn macht.

Selbstbräuner statt Sonne – gesündere Bräune für ideale Schönheit?

Schönheitsideale – wie sonnengebräunter Teint es für viele Besitzer heller Haut ist – führen dazu, dass man heutzutage Sonne meidet und sich stattdessen mit Selbstbräunern braunere Haut verschafft. Kaum ein namhafter Kosmetikhersteller, der Selbstbräuner nicht im Programm hat. Auch getönte Tagespflege gibt es zuhauf. Martin Ruppmann, der Geschäftsführer des VKE-Kosmetikverbandes in Berlin ist, sagte 2010 in der Online-Ausgabe der Apotheken-Umschau, dass Selbstbräuner eine risikofreie Alternative zur Sonne sei, um an braune Haut zu gelangen. Die „Befürchtung, dass Verwender von Selbstbräunern ein erhöhtes Melanomrisiko haben, wurde durch eine Studie widerlegt“, heißt es in dem Artikel weiter.

Offensichtlich wurde das Risiko von Selbstbräunern unterschätzt. 2012 sagte Jacqueline McGlade, die Geschäftsführende Direktorin der Europäischen Umwelt Behörde, laut RTL.de der britischen Zeitung ‚The Sun“: „Es wäre klug, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, bis die Auswirkungen der verwendeten Substanzen vollständig aufgeklärt sind. Da diese Chemikalien in Verbindung mit anderen Stoffen ein Faktor im Zusammenhang mit den steigenden Fällen von Krebs, Diabetes, Übergewicht und sinkender Fruchtbarkeit sein könnten“.

Langjährige Studien hätten demnach ergeben, dass Bräunungslotions Inhaltsstoffe enthielten, die sogar hormonverändernd wirken könnten. Die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen, könne davon empfindlich gestört werden, schreibt RTL.de weiter.  Außerdem könne auch die Bildung von Krebszellen begünstigt werden. Und bei schwangeren Frauen, die regelmäßig zu Selbstbräuner griffen, erhöhe sich das Risiko für eine Schädigung des ungeborenen Babys.

Cellulites – in Asien (noch) seltener als hierzulande

Das ist kein Geheimnis. Aufgrund ihrer traditionellen Ernährungs- und Lebnsweise neigen Asiaten eher seltener zu Cellulites. Studien haben jedoch ergeben, dass sobald sich Asiaten an westlichen Ernährungsstandards orientieren, also mehr Fett und Eiweiß sowie weniger Ballaststoffe und Soja essen, auch sie zunehmend von dieser und anderen – hierzulande inzwischen gerne als Volkskrankheiten beschriebenen – Erkrankungen heimgesucht werden. Eine interessante Auseinandersetzung mit dem Thema fand ich hier.

Serientäter: Asiatinnen lieben Pflegeserien

Doch lasst uns mal woanders hinschauen. Geokosmetik ist ja der Blick in fremde Badezimmer: In Asien steht ein ebenmäßiger Teint aus meiner Sicht noch höher im Kurs als hierzulande. Mit großer Disziplin unterziehen Japanerinnen, Koreanerinnen und andere ihre Gesichtshaut einer mehrgängigen Gesichtspflege – Tag für Tag, morgens und abends. Fünf und mehr Produkte einer Serie – möglichst aufeinander abgestimmt und sich in ihrer Wirkung ergänzend – kommen dabei ganz selbstverständlich zum Einsatz, liest man in einschlägigen Foren.Wobei Asiatische hautpflegeprodukte oft mit sehr natürlichen Ingredienzien wirken. Ich habe jahrelang eine japanische Serie (Kanebo) benutzt, die begeisterte mich und meine Haut. Doch sie war auch sehr teuer. Irgendwann zu teuer.

Jungen asiatischen Mädchen wird die Pflege ihrer Gesichtshaut von klein auf an als Must-do vermittelt. Asiatische Frauen sollen insbesondere große Poren fürchten und seien nahezu süchtig nach heller Haut.

Bleichmittel für Asiens Haut

Helle Haut ist ein Privileg – sie steht nach wie vor für priviligierten Lebensstil – der nicht auf dem Feld in der Sonne stattfindet, sondern in-house oder sonnen(schirm)geschützt. Ein Grund, warum Asiatinnen übrigens auch auch dunkelhäutige Afrikanerinnen) oft Bleichmittel für die Haut benutzen – und das, obwohl Hautbleichmittel die natürliche Pigmentierung verändern und nicht selten auch Hautkrebs verursachen.

Helle Haut hat in Asien traditionell auch hohen Sex-Appeal. Auch das ist ein Grund, dem Schönheitsideal gerecht zu werden.

Schöne Haut – Must-have für (chinesische) Männer

Ein Mann ist ein Mann, das galt lange genug. Heute ist ein Mann ein schöner Mann! Auch hierzulande beugen sich die Männer zunehmend einem gesellschaftlichen Erwartungsdruck an ihre Erscheinung. In Partnerschaft – privat oder beruflich – ist Gepflegtheit ein hohes Attribut. Schöne Haut wird nicht nur von möglichen Sexualpartnern sondern auch von Vorgesetzten und Geschäftspartnern mit Intelligenz, Ehrgeiz und Strebsamkeit gleichgesetzt. Gleichzeitig genießen die Männer, zumindest wohl die meisten, die inzwischen selbstverständliche Pflege ihrer Haut und die zugehörige Auswahl entprechender Pflegekosmetika. Studien ergeben, dass Männer längst ebenso viel Zeit und Geld zur Hautpflege aufwenden wie Frauen.

In China allerdings geraten wegen des wachsenden Männerüberschusses infolge der restriktiven Ein-Kind-Politik, wo insbesondere in ländlichen Gebieten noch immer selektiv weibliche Ungeborene abgetrieben werden – so eine Studie der Akademie der Sozialwissenschaften – in Zugzwang. Die Süddeutsche Zeitung meldete, dass „rund 24 Millionen Chinesen 2020 auf der Suche nach einer Lebensgefährtin leer ausgehen werden“. Und wer die Wahl hat, sucht sich den Partner und Vater künftigen Nachwuchses auch nach Aspekten der Attraktivität aus, keine Frage.

Parfüm – hier unisex, da weiblich, da männlich

Junge moderne deutsche Männer sehen Parfüm heute als ein Beautyprodukt, das seinen Luxusstatus verloren hat. Männer tragen Parfüm wie Frauen. Viele produkte kommen unisex oder in Versionen für SIE und IHN auf den Markt. Ältere Männer sind nach wie vor eher skeptischer gegenüber einer nicht natürlichen Duftmarke.

In Teilen Asiens galt Parfüm zum Beispiel lange Zeit als äußerst unmännlich. Ein Mann sollte nicht stark duften. Das überließ man den Frauen und den Eunuchen am Hof, wobei dort leichte, natürliche und unaufdringliche Düfte den Vorzug sowohl weiblicher als auch männlicher Käufer bekommen. Im Orient ist schweres Parfüm dagegen ein von Männern traditionell gern getragenes Accessoire. Dort erntet eher eine Frau, die sich auffällig parfümiert in der Öffentlichkeit bewegt, ein Naserümpfen. Schließlich soll eine Frau nicht derartig Aufmerksamkeit erregen.

China hat eine lange Dufttradition, die allerdings eine Weile in Vergessenheit geriet. Inzwischen erwartet man für den chinesischen Parfüm- und Deomarkt Wachstumsraten von bis zu 14 Prozent, für den indischen gar 20 Prozent.

Foto: Doreen Brumme

 

 

 

 

 

 

 

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