menstruationskappe

Test: Menstruationskappe Lunette

Alle Tage wieder greifen Frauen weltweit zu Tampon und Binde, um ihr Menstruationsblut aufzufangen. An den Tagen zwischen den Tagen nutzen viele Frauen Slipeinlagen, die alltäglichen Ausfluss aufnehmen. Dabei kommt ein riesiger Müllberg zustande. Ein sündhaft großer Müllberg. Ich überschlage das mal kurz ganz allein für mich: Ich habe meine Regel seit knapp 30 Jahren. 30 mal 12 macht 360. Jede Regel dauert etwa 7 Tage, pro Tag plus Nacht brauche ich fünf bis sechs Tampons und/oder (je nach Stärke der Regelblutung) Slipeinlagen beziehungsweise Binden. Macht knapp kalkuliert 360 mal 7 mal 6. Das sind  15.120 Tampons, Slipeinlagen und Binden bisher. Die Hochzeiten des Verbrauchs in der Schwangerschaft (Ausfluss) und nach der Geburt (Wochenfluss) lasse ich hier mal unberücksichtigt, da die Regel in der Stillzeit ja auch mal ’ne Weile ausblieb und ich nur Slipeinlagen benötigte. Hinzu kommen die alltäglich von mir benutzten Slipeinlagen, auf die ich seit vielen Jahren nicht verzichten mag. Und noch ist nicht aller Tage Ende!

Die Online-Ausgabe von Schrot & Korn bezifferte 2008 die jährlich in Deutschland verkaufte Zahl von Tampons auf eine Milliarde. Drei Viertel der deutschen Frauen benutzen demnach Tampons. Grund genug, nach ökologischen Alternativen Ausschau zu halten, zumindest für mich.

Tampons und Binden – herkömmlich vs. bio

Herkömmliche Tampons sind aus Zellulose (Viskose) gemacht, zumindest der saugstarke Kern (Saugkörper). Manchmal mischen die Hersteller auch Viskose- und Baumwollfasern. Der Kern wird mit einem dünnen Vlies (häufig synthetisch) ummantelt, das verhindern soll, das Fasern des Kerns in der Scheide der Frau zurückbleiben (die dann von Bakterien besiedelt und Ursache schlimmer Infektionen werden könnten). Manchmal ist das auch eine perforierte Folie. Bio-Tampons sind aus Bio-Baumwolle, die ohne Chlor gebleicht wurde. Herkömmliche Binden absorbieren die Flüssigkeit mit ihren Polyacrylaten (sogenannte Absorber, die auf Erdölbasis hergestellt werden), kleinen Kunststoffkügelchen, die in eine Schicht aus Zelluloseflocken eingestreut oder in ein verdichtetes Luftkissen aus Zellulose, Latex, Acryl-Bindemittel und Klebstoff eingelassen werden, heißt es bei Schrot & Korn. Hinzu kämen mitunter Duftstoffe, optische Aufheller und anderes Beiwerk. Nicht zu vergessen  die Folien, die man vor dem Einsatz der Binden entfernen muss, um die damit geschützten Klebestreifen freizulegen, die für den perfekten Sitz der Binde/Slipeinlage im Slip sorgen sollen.

Ökologische Alternativen zu Tampon & Co.?

Zwei meiner Freundinnen berichteten mir von wiederverwendbaren Naturschwämmchen, die sie sich vor Jahren einschoben, um das Menstruationsblut darin aufzufangen. Sie empfanden das beide als unpraktisch, da man das Schwämmchen ja auch jedes Mal ausspülen musste, wenn man es benutzt hatte. Sie hätten stets Sorge gehabt, die Schwämmchen nicht richtig zu säubern. Außerdem habe sich das ein oder andere Tröpfchen Blut schon seinen Weg auf die zur Sicherheit benutzte Slipeinlage gefunden.

Meine Mutter berichtete mir von auswaschbaren Stoffbinden, die sie als junges Mädchen mit Bändern befestigt und doch rutschend tragen und auch noch selbst auswaschen musste.

Beides nix für mich, die Schwämmchen erscheinen mir nicht sicher, die auswaschbaren Binden, die es auch heute (noch oder wieder) gibt, lösen das Problem nicht wirklich, denn auch Wäschewaschen, insbesondere, wenn es sich um Blutflecken handelt, ist nicht gerade umweltfreundlich.

Doch halt! Da war noch was: Vor wenigen Tagen trudelte in meine Mailbox eine Einladung auf die BioFach 2013 nach Nürnberg ein, die nächste Woche ihre Pforten für Gäste öffnet – von der Lune Group Oy, Firmensitz ist die kleine Landgemeinde Juupajoki in Nord-Pirkanmaa, Finnland. Das Produkt, zu dessen Besichtigung ich eingeladen wurde, ist die Lunette – eine Menstruationskappe aus Silikon, die das Ende meines Müllberges bedeuten könnte.

Da ich als Mutter dreier kleiner Kinder nicht mal eben so nach Nürberg fahre, habe ich mir eine Lunette schicken lassen, um sie sozusagen (schleim(haut)nah zu testen. Hier mein Testbericht:

Lunette – wiederverwendbare Menstruationskappe im Test

Gerade pünktlich zu meinen Tagen bekam ich eine blaue Lunette der Größe 2 (da ich bereits mindestens eine Geburt hinter mir habe; Größe 1 ist für junge Mädchen) per Post geschickt. Die habe ich quasi ausgepackt, ausgewaschen und entsprechend der Anleitung einmal zusammengedrückt, dann gefaltet und eingeführt. Ich hatte wirklich Bammel, das gebe ich zu, doch schon beim ersten Versuch saß die Kappe (Fassungsvermögen 30 Milliliter) so, dass ich das Gefühl hatte: bequem!, und so, dass trotz der starken Regel (1. und 2. Tag sind bei mir immer so stark, dass ich zwei Binden oder ein Super-XXXL-Tampon und eine Binde benutzen und nach anderthalb, zwei Stunden regelmäßig wechseln muss), kein Tropfen auf die zur Sicherheit von mir eingelegte Slipeinlage floss. Selbst die Nacht zwischen erstem und zweiten Tag – normalerweise nutze ich hier drei extra große Nachtbinden, übereinander und zueinander versetzt zu einem fürchterlich sperrigen Paket zusammengebastelt – war für meine Lunette kein Problem: Sie hielt das viele Blut, völlig ohne Auslauf-Pannen.

Menstruataionskappe Lunette
Menstruationskappe Lunette auf Einführen in die Scheide vorbereiten.

Der Handgriff zum Herausnehmen ist einer, den man sich ganz bewusst machen muss, um nicht aus Versehen mal eben zu stark am Zipfel zu zupfen. Ja, selbstverständlich habe ich das extra probiert: Es ist unangenehm. Am besten greift man stattdessen mit Daumen und Zeigefinger den Becher und drückt ihn bei gleichzeitigem Ziehen etwas zusammen, um den Unterdruck zu lösen.

Menstruationskappe Lunette im Test
Menstruationskappe Lunette auf Einführen in die Scheide vorbereiten.

Zu der Lunette bekam ich übrigens eine Probe der hauseigenen Spezialseife: Lunette Flüssigseife Feelbetter. Damit soll man die Lunette nach jedem gebrauch auswaschen. Die Seife, so der Hersteller sei „keine normale Handseife, die lediglich mit einem Lunette Etikett versehen wurde“, sondern speziell zur Reinigung von Silikonmenstruationskappen hergestellt worden: „Zitronen- und Eukalyptusöle pflegen die Lunette und haben zusätzlich einen angenehmen Geruch, der aber nicht zu stark ist. Die Flüssigseife reizt die Schleimhäute nicht und kann auch von den meisten Allergikern benutzt werden. Die Lunette Flüssigseife Feelbetter hat einen für die Scheide angepassten ph-Wert von 3,5 aber Du kannst sie auch zum Händewaschen benutzen.“

Die Flüssigseife ist vegan, also auf Pflanzenbasis, und wurde ausführlich – jedoch nicht an Tieren – getestet. Die Seife enthält laut Unternehmen keine Farb- oder Konservierungsstoffe.

Ich muss zugeben, ich habe meine Lunette nicht jedes Mal damit gewaschen, das war mir zuviel – sondern nur ein Mal am Tag. Zwischendurch habe ich die Lunette mit der rechten Hand herausgenommen, ausgeleert, mit heißem Wasser (laut Boiler: 50 Grad Celsius) abgespült, kurz auf einer sauberen Unterlage abgelegt, mein kleines oder großes Toilettengeschäft erledigt, mich anschließend mit Papier und Wasser (linke Hand) gesäubert, die Lunette wieder eingeführt – fertig. Händewaschen folgte, ganz klar.

Für unterwegs gibt es auch spezielle Feuchttücher, um das Leeren der Lunette so leicht wie möglich zu machen – man kommt ja schlecht an fließend Wasser, wenn man in einer 08/15-Toilette des öffentlichen Lebens gefangen ist.

Meine Frage, ob man die Menstruationskappe auch während der Schwangerschaft tragen könnte, um den oftmals stärkeren Ausfluss aufzufangen, bejahte das Unternehmen.

Die Lunette gibts für rund 30 Euro zu kaufen. Sie wird in einer umweltfreundlichen Verpackung geliefert und frau bekommt ein kleines Stoffsäckchen dazu, in der sie die Lunette für alle Fälle diskret verschwinden lassen kann.

Lunette – woraus besteht die Menstruationskappe?

Die wiederverwendbare Lunette besteht laut Hersteller aus medizinischem, hypoallergenem (also ohne allergieauslösende Inhaltsstoffe) Silikon, die Färbemittel, die bei den bunten Kappen verwendet werden, seien demnach unbedenklich. Sie beinhalteten keine Schwermetalle oder Phthalate (Weichmacher). Die Farben würden auch im medizinischen und Lebensmittelbereich verwendet, sie könnten nicht ausgewaschen oder abgegeben werden, da sie sich im Silikon befänden, antwortete der Hersteller auf meine konkrete Nachfrage. Das verwendete Silikon sei von der FDA (Food and Drug Administration) und der TGA (Therapeutic Goods Administration) als sicher anerkannt. Das Material sei langlebig, geruchsneutral (kann ich bestätigen), latexfrei und in keiner Weise schädlich für menschliches Gewebe. In Finnland wurden zudem alle Lunette Produkte mit der finnischen Schlüsselfahne ausgezeichnet, die für höchste Qualität und Sicherheit steht, erklärt der Lunette-Hersteller.

Fazit: Meine neue Lebensgefährtin heißt Lunette

Ich bin mit meiner Menstruationskappe in den vergangenen Tagen längere Strecken gelaufen und allen alltäglichen Aktivitäten (Job, Einkauf, Hausputz) nachgegangen. Ich habe meine Lunette dabei kaum gefühlt, gestört hat sie mich nie. Ich kann die Lunette aus tiefstem Herzen (besser: tiefster Scheide) empfehlen und werde sie ganz sicher weiter benutzen, denn die nächsten Tage kommen bestimmt.

Foto: Lunette, Menstruationskappe, Lune Group Oy

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2 Kommentare

  1. Dankeschön für den tollen Bericht!

    Ich benutze die Lunette auch schon mehrere Jahre und kann das gar nicht verstehen, wie meine Freundinnen immer noch zu Tampons und Binden greifen können.

    Durch die Lunette habe ich so sehr an Lebensqualität gewonnen, ich gehe auch mit ihr schwimmen, man sieht nichts, es läuft nichts daneben und ich spüre sie überhaupt nicht. Ich habe sie sogar schon mal vergessen :-). Auch trocknet sie die Schleimhäute nicht aus wie ein Tampon.

    Ich würde sie zu 100 % weiter empfehlen.

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