Test: kein Shampoo

Test: No-poo – ohne Shampoo für die Haare!

Ich habe überschulterlange Haare. Viele davon. Als ich jahrelang Strähnchen trug, stöhnten die Friseure stets, denn für Foliensträhnchen brauchten sie gut dreieinhalb Stunden bei mir. Darüber, wie ich währenddessen innerlich stöhnte, weil ich mir dabei meinen Hintern platt gesessen habe, will ich hier gar nicht reden. Schließlich tue ich so manches, um schön zu sein. Nach zwölf Jahren Strähnchen hatte ich nicht nur die Nase von den teuren Friseurbesuchen voll, sondern auch von dem stets unmittelbar danach sichtbaren Ansatz. Zumal meine Haare in letzter Zeit sehr dunkel geworden waren. So dunkel, dass ich vor drei Jahren beschloss, den damals angesagten Trend von Blondie zu Brondie mitzumachen und meine Haare renaturieren und braun färben ließ. Nach viereinhalb Stunden erfolgreicher Friseurarbeit und meiner Geduld verließ ich als Brondie den Friseur.

Brond statt Blond

Ich mochte meine dunkeln Haare von Anfang an. Der nachwachsende Ansatz blieb nahezu unsichtbar, dauerhaft! Dafür mehren sich heute die grauen Haare. Und auch den fettigen Ansatz, zu dem ich neige, sieht man in Brünett deutlicher als in Blondgesträhnt. Doch im Winter habe ich nahezu jeden Tag eine Mütze auf, sodass ich mir neue Farbe spare und mit  Farbe, die die grauen Haare übertüncht, auf den Frühling warte. Mit dem Gedanken, mir ein paar Strähnchen machen zu lassen, spiele ich gleichzeitig. Vielleicht auch ein Thema für den kommenden Frühling. Also keine Farbe seit sechs Monaten. Stattdessen habe ich ein wenig herumexperimentiert. Nicht mit Farbe, Gott bewahre! Nein, ich habe einen Test gemacht: den no-poo-Test.

Eine Freundin hatte den schon vor Jahren hinter sich gebracht und war überzeugt von der positiven Wirkung des Verzichts auf Shampoo für Kopfhaut, Haar und Umwelt – gleichwohl sie auch darauf aufmerksam machte, dass der Test einem einiges an Durchhaltevermögen und Selbstliebe abverlange.

Ich jedenfalls habe vor einigen Wochen den Schritt gewagt und meine Haare ohne Shampoo gewaschen. Normalerweise wasche ich meine Haare alle zwei bis drei Tage, wie gesagt, der Ansatz fettet recht schnell nach. Ich benutze seit langem Bio-Haarshampoo.

no-poo – ohne Shampoo – plausible Hintergründe eines schmutzigen Trends?

Doch selbst darauf wollte ich jetzt verzichten. Warum um Himmels Willen, wird der eine oder andere vielleicht fragen? Nun, ihm sei hier der Hintergrund der No-poo-Methode kurz geschildert: Verfechter des vor allem in den USA seit längerem auszumachenden Trends, unter anderem sollen dazu gehören: Robert Pattinson (von meiner Schwäche für Twilight muss ich hier leider schweigen, sonst sprengt dieser Artikel das Blog, aber ich gestehe: Ich bin Twilight-Fan, die englischsprachige Vampirsaga um Bella und Edward gehört definitiv auf meine Bestenliste), Prinz Harry und der sich als Celebrity Hairstylist verkaufende Orlando Pita, schwören, dass nach etwa sechs Wochen des Haarewaschens ohne Shampoo, also nur mit klarem Wasser, sich das Haar und die Kopfhaut auf ihre naturgegebene Fähigkeit besönnen, sich autonom zu versorgen – schließlich seien die Systeme nicht auf Haarshampoo ausgelegt. Manch Dermatologe bestätigt dies. Dass die Haare nach sechs Wochen kräftiger und glänzender seien, sagen viele no-poo-Anhänger.

Viele verzichten auf Shampoo, weil Shampoo unerwünschte Inhalte enthalte, zum Beispiel Silikon.

Silikon in Haarshampoo und Haar – ohne mich!

Was Fugen zwischen den Badfliesen und der Badewanne dichtet, Silikon, oder Busen pimpt, Silikon, steckt nämlich nach wie vor in Shampoos, auch wenn viele Verbraucher silikonhaltige Produkte bewusst liegen lassen. In Shampoos bewirkt Silikon einen sichtbaren Effekt der damit gewaschenen Haare: Silikon legt sich wie ein Film ums Haar, das wird kämmbarer, geschmeidiger und glänzender. Tolle Sache, wenn da nicht der Haken wäre, dass Silikon sich nicht mehr auswäscht, sondern am Haar anlagert. Von Wäsche zu Wäsche wird das Haar schwerer, es fällt infolge dessen schnell in sich zusammen. Von Fülle keine Spur mehr. Ein Friseur hat zudem Mühe, mit Silikon quasi versiegeltes Haar zu färben. Auch die Kopfhaut werde auf diese Weise versiegelt, heißt es. Während die Kopfhaut nicht mehr optimal atmen könne, bemerke der Verbraucher zunächst einen positiven Effekt: Eventuelle nervende Schuppen sind plötzlich verschwunden. Doch auf Dauer tut Silikon der Kopfhaut nicht gut. Es wird sogar verdächtigt, Allergien auszulösen.

Für mich Gründe genug, Bio-Shampoos ohne Silikon und mit natürlichen Zutaten zu kaufen. Die sind biologisch abbaubar. Doch ein no-poo-Verbraucher verzichtet sogar ganz auf das Shampoo und belastet nichtmal damit die Umwelt.

Testergebnis: no-poo – ohne Shampoo kein spürbarer Effekt

Zurück zumeinem Test: Ich wusch zum letzten Mal meine Haare mit meinem Bio-Shampoo und wartete auf das, was da komme. Von oben. Die ersten zwei Tage waren wie immer. Der dritte Tag wäre spätestens mein Waschtag gewesen. Ich hielt ihn ohne Waschen der Haare durch. Am vierten Tag wusch ich mir den Kopf mit klarem, warmem Wasser. Komisch hat sich das angefühlt. Doch die Haare fühlten sich sauber an. Allerdings nur einen Tag lang. Dann hatte ich das droíngende Bedürfnis, sie zu waschen. Mit Shampoo. Ich widerstand und setzte stattdessen eine Mütze auf. Ganztags. Eine schöne Mütze, eine von Grau nach Schwarz farbverlaufende Long-Beenie. Tag 7: Ich wusch meine Haare mit klarem Wasser. Sie fühlten sich nach dem Trocknen anders an, als normalerweise. Irgendwie weicher. Aber auch etwas fettig.

Dieser Zustand hielt etwa vier Wochen an. Ich fand die Haare während dieser Zeit nahezu niemals schön genug, um sie offen zu zeigen. Ich trug also tagtäglich Mützen. Mir kribbelte darunter der Kopf und ich verspürte keine nennenswerten positiven Effekte. Nach sechs Wochen beendete ich mein No-poo-Experiment ohne die „versprochenen“ schönen, kräftigen und glänzenden Haare – meine glänzten immer noch fettig – und schäumte seelig meine Haare ein. Mit Bio-Shampoo. Doch damit ist der Test „no poo – ohne Shampoo“ nicht komplett gescheitert. Denn die no-poo-Anhänger sind vielfältig in ihrer Beziehung zu Shampoo: Manche benutzen statt Shampoo beispielsweise Backpulver oder Waschnüsse, die ich bisher lediglich als ökologisch korrekte Alternativen zu Putzmitteln und Waschmitteln gesehen habe. Manch anderer spült auch mit Apfelessigwasser nach. Die einen verzichten also konsequent auf Shampoo & Co., die anderen minimieren seinen Verbrauch möglichst.

Wie wäscht man seine Haare mit möglichst wenig Shampoo?

Allerdings habe ich mir von anderen die Haare und/oder die Umwelt schonen wollenden Verbrauchern ein paar Dinge abgeschaut, die mir bei der Recherche zu no-poo positiv und nachahmenswert auffielen:

  • Ich spüle meine Haare vor dem Shampoonieren lange und gründlich aus, so dass sich das Fett zu lösen beginnt und Schmutz schon mal herausgespült wird.
  • Ich schäume das Shampoo nicht mehr nur in der Hand auf, sondern fülle viel weniger als meine übliche Shampoo-Menge in ein kleines Fläschchen (Applikator, habe ich vom Friseur), das ich mit Wasser auffülle und kräftig schüttele, um anschließend das so verdünnte Bio-Shampoo gleichmäßig auf dem Kopf zu verteilen.
  • Ich spüle meine Haare nach dem zweiten und letzten Shampoonieren lange und noch gründlicher aus, als vor meinem no-poo-Test.
  • Ich wickele die Haare nur noch mit einem Microfasertuch ein und drücke sie vorsichtig trocken.
  • Ich föhne die handtuchtrockenen Haare nicht mehr mit Stufe 3 (heiß) meines Föns, sondern mit eigentlich unangenehmer Stufe 1 an.
  • Ich lasse sie wenn möglich zu Ende lufttrocknen.

Dass ich meine Haare seltener waschen würde, von manchen als ein Effekt einer no-poo-Zeit beschrieben, trifft bei mir zu. Statt alle zwei, drei Tage wasche ich meine Haare jetzt alle drei, vier Tage. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich mich an den Anblick meiner fettigen Haare so gewöhnt habe, dass es mich weniger stört oder ob die Haare tatsächlich weniger schnell fetten. Ich werde das weiter beobachten.

Foto: Doreen Brumme

 

 

 

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Ein Kommentar

  1. Liebe Doreen,
    wenn Sie noch interessiert sind am Thema, dann schreiben Sie mich bitte an. Ich benutze seit Jahren keinen Shampoo mehr.
    Viele Grüße
    Robert

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