so badet die Welt

Geokosmetik-Serie: So badet die Welt

Das Körperbad hat eine so vielseitige und lange Kultur, dass ich ihm einen eigenen Part in meiner Geokosmetik-Serie widme. Und obwohl ich schon so manches fremdländische Bad am eigenen Leib genießen durfte, schicke ich voraus, dass ich am liebsten in meiner eigenen Badewanne bade. In diesem Sinne: Wasser marsch! Ab in die Wanne!

Duschen ist ein reinigendes Must-do vor dem Bad!

Doch halt! Ich habe mir schon die ein oder andere Badesitte abgeschaut. Die Wichtigste: Ich reinige mich komplett, bevor ich ein Bad nehme. Das heißt im Klartext, ich dusche vorher ganz fix  und wasche gegebenenfalls auch die Haare- selbstverständlich unter Berücksichtigung wassersparender Maßnahmen wie: Wasser aus während des Einseifens des Körpers und des Einshampoonierens der Haare -, so dass ich „rein“ bin. Erst dann schließe ich den Ablauf und lasse mir das Bad. Übrigens ist das der Grund, warum ich ungern in öffentliche Schwimmhallen gehe – als Mutter dreier Kinder ist das ein Ding, das ich nur mit knirschenden Zähnen und wegen der Kids aushalten kann – ich muss immer daran denken, wie wenige Gäste vor dem Schwimmen in der Dusche waren. Eklig!

Japan: Heißes Bad für die innere Reinigung

Viele Asiaten, allen voran die Japaner, baden nicht, ohne sich vorher vom alltäglichen Schmutz zu reinigen. Denn das Bad dient Japanern als Ritual zur geistigen Reinigung und Entspannung. Es ist also eher ein Seelenbad, denn ein Körperbad. Im Badewasser hat der Japaner nämlich nur ungern Seife. Stattdessen badet er in ausgewählten, natürlichen Essenzen, entweder in fertig gemischten Produkten oder er schüttet sich einen Liter Milch ins zumeist heiße Badewasser. Die wirkt hautrückfettend und hinterlässt dabei nicht diesen mir unangenehmen Film auf der Haut wie ein reichhaltiges Ölbad – von den schmierigen Ölrändern in der Badewanne will ich hier mal lieber ganz schweigen. Heiß bade ich auch, die kreislaufschonenden 37-Grad-Bäder, die immer wieder empfohlen werden, empfinde ich als viel zu kalt.

Ebenso wie die Toiletten sind auch die Badewannen in Japan oft sehr modern – ein Whirlpool ist Standard. Ich mag Sprudelbäder auch und lege mir deshalb gerne mal eine Sprudeltablette ins Wasser, auch wenn der Effekt eher mickrig wirkt und nicht zu vergleichen ist mit der massierenden Wasserkraft eines Whirlpools.

Baden im Meerwasser – Thalasso in der eigenen Wanne, fernab vom Meer

Häufig bade ich in Meersalz, das ich in meiner Lieblingsdrogerie hole. Die Mineralien des Salzes wirken sich positiv auf den Feuchtigkeitshaushalt meiner Haut aus. Trockene Hautpartien sind nach einem Bad in Meersalz feucht und insgesamt wirkt das Hautbild beruhigt und ausgeglichen. Das Salz kribbelt angenehm auf der Haut, es wirkt außerdem entzündungshemmend. Die Thalasso-Kultur ist heute anerkanntes Wellness- und Therapie-Programm für die Haut. In ihrem Mittelpunkt stehen Anwendungen mit kaltem oder erwärmten Meerwasser und den Dingen, die am Strand so gesund sind: Sonnenlicht, Meeresalgen, Meeresschlick und Sand.

Hauptanbieter von Thalassotherapien soll derzeit Frankreich sein, gefolgt von Tunesien. Ich kenne Thalasso aus Algerien – und muss zugeben, ich mag Thalasso sehr. Frankreich gilt als Ursprung der Meerwasser-Therapie, an der bretonischen Atlantikküste gibt es bis heute unzählige Thalasso-Zentren mit Weltruf. Deshalb nennt man ein Meersalzbad übrigens auch Bretonisches Bad. Nach einem salzigen Bad soll man sich gut mit klarem Wasser duschen, sonst mache man den hautbefeuchtenden Effekt kaputt.

Hamam – mein Besuch eines orientalischen Badehauses

Ich habe im Orient schon so manche Stunde im Hamam zugebracht. Das auch türkische Dampfbad genannte Bad ist ein Beautytempel der ganz besonderen Art. Längst haben sich Hamams auch in unseren Großstädten einen festen Platz in der Wellness-Kultur erobert. Doch ich muss sagen, hier stehen Faktoren wie Wellness eher im Vordergrund, während ein orientalisches Hamam viel mehr als Beauty-Ritualen dient. Es ist eben auch Marktplatz der Gesellschaft, wo man sich über alles austauscht, was der Rede wert ist. Männer und Frauen besuchen ein Hamam nicht zusammen, das ist meist nur in Hotelanlagen üblich. Öffentliche Hamams haben entweder separate Räume für die Geschlechter oder getrennte Öffnungszeiten.

Ich mag das Gesellige am Hamam, die Offenheit in den Gesprächen und die dabei stets gewahrte Höflichkeit, die sich zum Beispiel darin äußert, dass man sich nicht nackig voreinander zeigt. Eine islamische Frau zählt es zu ihren wie ein islamischer mann zu seinen Tugenden, sich nicht vor anderen Geschlechtsgenossen zu entblößen. Ich mag das. Ein FKK-Strandgang, den meine Mutter mir als Kind auferlegte, hat mich bis heute traumatisiert. Aber wie gesagt, im Hamam ist weder Frau noch Mann nackig.

Dafür wird man im Hamam Zeuge der verschiedensten Beauty-Rituale – angefangen von Enthaarung, über das Färben der Haare bis hin zu Maniküre und Pediküre.

Im zentralen Raum des Hamams warten die Bademeister, die einen auf Wunsch in Unmengen von Schaum bearbeiten: Sie reinigen, massieren, kneten, reiben und schaben die Haut. Die ist danach krebsrot und braucht einen Guss. Oder mehrere. Warme und kalte. Dann folgt die Erholungsphase in der Chill-out-Zone. Hier geht es rege zu. In den Chill-Räumlichkeiten zieht man sich etwas Leichtes an und isst etwas Leichtes: Oft Obst in mundlicher Größe. Dazu wird getratscht und geratscht – ein tolles vergnügen, vor allem, seit ich auch sprachlich hinterherkomme und mich gelegentlich sogar einmische. Da viele Frauen ihre Kinder mitbringen, ist auch der Geräuschpegel hier eher höher, als in einem teils recht steifen deutschen Hamam.

Der Besuch des Hamams ist für muslimische Frauen auch ein wichtiger Termin, weil sie sich dort nach der allmonatlichen Regel der rituellen Ganzkörperwaschung unterziehen, um anschließend wieder in die körperreine Gebetsphase einzutreten, die während der Regelblutung ausgesetzt ist.

Alternativ gibt es neben dem Hamam auch öffentliche Duschen – doch die sind weniger ein kulturelles Erlebnis als ein praktisches.

Baden mit Kräutern – back to my roots

Ich stehe auch zu meinen Kräuterwurzeln: Schließlich haben die Kelten und altvorderen Germanen schon Kräuterbäder getätigt. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes eine „Kräuterhexe“. Ich koche mit Kräutern und trinke Kräutertees wie andere Kaffee oder Cola Zero. Ich bade in Kräutern, am liebsten in Melisse. Im Winter ist ein Kräuterbad genau das, was ich mir gönne, um mich aufzuheizen. Oder ich heize mit der für Kräuterbäder ausnahmsweise „erlaubten“ höheren Wassertemperatur meinem Körper ordentlich ein, um eine sich anschleichende Erkältung abzuwehren. Das funktioniert, wenn man dem Bad Kräuter wie Thymian oder Kampfer zusetzt, sehr effektiv.

Schokobad statt Hüftgold

Ich habe stets einen Vorrat an Badeessenzen, damit ich im heimischen Bad ganz nach Stimmung wählen kann, was ich mir ins Badewasser gebe. Diesen Winter hieß mein Favorit: Kakao. Und als Schokosüchtige muss ich ehrlich sagen, so ein Bad mit Schokoduft befriedigt in der Tat die Gelüste des Gaumens. Ich konnte das erst gar nicht glauben. Doch es ist seit Ewigkeiten der erste und laut den Wetterfröschen ja wohl auch der trübste Winter gewesen, den ich erlebte, ohne den üblichen Winterspeck anzusetzen. Ich habe kalorienbewusster gegessen als sonst und auf Schokolade als Heizfutterstoff verzichtet – stattdessen habe ich darin gebadet. Die wegen der weniger Kalorien auftretende Kälte habe ich mit heißem Wasser verjagt. Mein Rezept gegen Winterspeck – es hat funktioniert.

Foto: Doreen Brumme.

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2 Kommentare

  1. Pingback: Geokosmetik – Einblicke in fremde Badezimmer - Angebot-Info.de - Preisvergleiche und Angebote
  2. Hallo Frau Brumme,

    interessanter Bericht über Geokosmetik im Migros.

    Ich möchte gerne in der Marktforschung freiberuflich in diesem Sektor tätig sein.

    Können Sie mir hierzu einige Institute empfehlen?

    Viele liebe Grüße

    B. Pfaff

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