Osterlamm -Sinn

Ostern und Osterlamm – ein Festessen hinterfragt

Viele Deutsche verzehren zu Ostern Lammfleisch. Mehr als im ganzen übrigen Jahr. Aber warum tischt man zu Ostern eigentlich gern Lamm auf? Und: Gibt es eine vegetarische Alternative zum Osterlammbraten? Gemüse satt statt Fleischkonsum? – Fragen, die dieser Artikel zu beantworten versucht.

Eins vorweg: Ich esse seit einigen Tagen kein Fleisch mehr. Kein. Fleisch. mehr. Aus vielerlei Gründen. Ich fasse mich kurz und sage dazu nur: aus ethischen (Stichwort: Tierschutz), ökologischen (Stichwort: zu hoher Fleischkonsum) und gesundheitlichen Gründen. Ich stille meinen Appetit (das Wort Hunger benutze ich nicht, weil ich glaube, es wäre anmaßend zu sagen, dass ich je in meinem Leben bereits HUNGER kennenlernen musste) seit Tagen mit Gemüse. Roh, gedünstet oder überbacken. Und ich werde auch satt davon, doch das nur nebenbei.

Meine Familie isst noch immer Fleisch. Sonntags wird’s deshalb auch weiterhin häufig einen Lammbraten geben, der allen (einschließlich mir bisher) gut schmeckt. Aufkeimende Diskussionen über das niedliche kleine Lämmchen, dessen Filet als Sonntagsbraten verzehrt wird, hat der gesunde Appetit auf das Lammfleisch – angemacht mit frischem Rosmarin- bisher hinweggefegt.

Wir sahen bei unserem jüngsten Ausflug in Hamburgs Umland springlebendige Lämmchen auf der Weide herumtollen. Kaum ein schöneres Bild von Mutter Natur lässt sich vorstellen. Ich konnte nicht anders: Ich musste angesichts der possierlichen Tierchen unseren am nächsten Tag anstehenden Braten laut in Frage stellen. Was soll ich sagen: Meinen Töchtern schossen Tränen in die Augen. Warum essen wir denn so süße Lämmchen, Mama? Ja, warum eigentlich? (Ich esse sie seitdem nicht mehr!) Und warum ist ein Lammbraten gerade zu Ostern hierzulande buchstäblich in aller Munde, wenn Schaffleisch in Deutschland doch eher ein Schattendasein fristet?

Tradition, Brauchtum, Religion: Warum wird zu Ostern Lamm aufgetischt?

Der Osterlammbraten hat eine lange Tradition. In vorchristlicher Zeit brachten die Menschen in der ersten Vollmondnacht nach Frühlingsanfang ihren Göttern Opferlämmer dar. Die Christen symbolisieren mit dem Osterlamm das „Lamm Gottes“ (Agnus Dei), als das Johannes der Täufer Jesus mit den Worten „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ bezeichnete.

Juden und Muslime essen Schaffleisch auch in Gedenken Gottes, die einen anlässlich des Passahfestes in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten und damit an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei, die anderen anlässlich des Opferfestes (ʿĪdu l-Aḍḥā) in Erinnerung an den Propheten Ibrahim (Abraham), der der Überlieferung nach die göttliche Probe bestanden hatte und bereit war, Ismail (Ismael), seinen Sohn, zu opfern.

Wer sieht in seinem österlichen Lammbraten noch das Opferlamm? Kaum einer schlachtet hierzulande und heutzutage sein Osterlamm noch selbst. Es stammt auch nicht aus einer Schafherde, die man mit eigenen Händen gehegt und gepflegt hat, kurz: Der Verbraucher hat kaum eine Beziehung zu der Lammkeule, die er für Geld kauft. Ein Grund mit der Tradition zu brechen? Für die wenigsten:

Lamm zu Ostern – überdurchschnittlich hoher Verbrauch

Bis heute ist das Lamm zu Ostern ein weit verbreitetes traditionelles Gericht, der Pro-Kopf-Verzehr an Lamm liegt hierzulande an Ostern weit über dem Jahresschnitt: Von den mehr als 60 Kilogramm Fleisch, die jeder Deutsche pro Jahr verzehrt, sind etwa ein Kilogramm Schaffleisch. Etwa 15 Prozent des von privaten Haushalten eingekauften Lammfleisches entfalle auf die Woche vor Ostern. Dabei entschieden sich die Kunden in erster Linie für frische Lammkeulen, deren Anteil an den Festtagseinkäufen bei 63 Prozent läge, schreibt proplanta 2012. Religion und Tradition haben offensichtlich spürbaren Einfluss auf den Konsum von Lammfleisch zu Ostern. Kein Problem, wenn das Osterlamm denn artgerecht aufwuchs: als Bio-Lamm.

Osterlamm: Bio-Lamm oder nicht?

Laut einem Bericht des aid Infodienstes Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V. wurden 2011 in Deutschland rund 1,7 Millionen Schafe gehalten, 12.500 davon seien Mutterschafe gewesen. Nach den Kriterien des ökologischen Landbaus werden allerdings nur rund sechs Prozent der Schafe aufgezogen. Was so viel heißt, wie: Die wenigsten Lämmchen sind Bio-Lämmer, die mit viel Muttermilch verwöhnt wurden – Gras und Heu, das sie fressen, stammen aus eigenem Anbau, der ohne Pestizide erfolgte.

Doch die seit Jahren rückläufige Schafzucht hierzulande deckelt den Schaffleischbedarf nicht – Importe sind demzufolge nötig. Großteils stammen die Schafe, die wir essen, demzufolge aus Neuseeland (tiefgefroren werden sie zu uns gebracht), andernteils aus europäischen Nachbarstaaten, zum Beispiel Polen. Laut Berichten werden viele Tiere von dort lebendig nach Deutschland transportiert. Stress pur für die Tiere.

Fazit: Wenn schon Lamm auf den Osterteller soll, dann bitte ein Bio-Lamm. Das ist in meinen Augen die einzige Alternative zu konventionellem Lammfleisch.

Verzicht auf Osterbrauch – Bruch mit der religiösen Tradition?

Wer wie ich hier über das Osterlamm als solches nachdenkt, stellt sich auch die Frage, was ein Verzicht auf das Opferlamm denn bedeuten würde. Den Bruch mit einer religiösen Tradition? Ist die Tradition in Zeiten der Massentierhaltung überhaupt noch haltbar? Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Fragen stieß ich auch auf zahlreiche Seiten im Netz – die eine spannende Diskussion widerspiegeln: Unter anderem darüber, ob Jesus vegetarisch lebte. Oha! Denkstoff genug also für diejenigen, die in diese Richtung weiterdenken wollen.

Das fleischlose Ostermenü

Wer wie ich ganz auf Fleisch verzichten möchte, muss auf ein köstliches Ostermahl, oder besser: köstliche Ostermahlzeiten nicht verzichten. Festliche Menüvorschläge, die anderen Symbolen des Frühlings huldigen, gibt es zuhauf im Internet, mein Favorit ist das hier. Die appetitlichen Farben der vorgeschlagenen Speisen wecken in mir Frühlingsgefühle – und genau das taten die kleinen Lämmchen auf der grünen Wiese auch!

Foto: Doreen Brumme

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3 Kommentare

  1. liebe doreen,

    toller beitrag zum bewussten umgehen, bzw. nicht-verzehr von fleisch. speiseplan-gewohnheiten, gerade an feiertagen, sind oft schwer zu ersetzen. sind wir doch so aufgewachsen, dass ein gutes stück fleisch zum festmahl gehört…

    aber: die gute nachricht ist:, man kann auch fleischähnliche festmahl-braten braten, ohne dafür auch nur ein lebewesen töten zu müssen. das zauberwort heißt „saitan“ – und die noch bessere nachricht ist: saitan schmeckt auch lecker:-)

    hier http://www.smilefood.de/vmchk/Seitan/Zeige-alle-Produkte.html
    kann man tolle „bratenstücke“ bestellen, eine soße dazu zaubert man eben mit kräutern, gewürzen, brühe, rotwein, zwiebeln und knoblauch – und wer eine rahmsoße möchte, der kann das sößchen zum saitanbraten mit soja- oder hafercreme cremig machen – so zeigt man auch der konventionellen milchwirtschaft die kalte schulter;-)

    in diesem sinne: ein frohes und tierglückliches osterfest!

    1. liebe petra,
      danke für deinen ausführlichen kommentar und den hinweis auf saitan. das werd eich ganz bestimmt probieren. Ich habe zwar ein bisschen Bammel davor, die Soße hinzubekommen, aber ich werde den saitanbraten testen. auch dir ein tierglückliches osterfest!

      1. Liebe Doreen,
        keine Angst vor der Soße;-)

        Ein Rezept für Dich:
        1 Bund Suppengemüse
        2 EL Öl
        2 Zwiebeln
        2-3 Knoblauchzehen
        Tomatenmark
        Puderzucker
        Orangensaft oder roter Saft (Muttersaft) – oder Rotwein
        Thymian, Rosmarin, Chilli & Ingwer

        Putze das Suppengrün und schneide es in grobe Teile – brate es mit den Zwiebeln in Öl scharf an (Röstaromen!)

        Wenn das Gemüse angebraten duftet, füge den Knoblauch hinzu, das Tomatenmark und lasse diese Geschmackverstärker ein bis zwei Minute ihre Aromen abgeben – dann überstäubst du das gemüse mit Puderzucker, lässt den karamellisieren und gießt dann Saft (oder Rotwein oder Brühe) hinnzu.

        Streue dann die Kräuter in den Sud, gib ein Stück Ingwer dazu und lasse alles zusammen ein bis zwei Stunden köcheln….

        Dann streiche den Sud durch ein Sieb, schmecke ihn ab (Salz und Pfeffer, Chilli, etc,) – binde ihn mit Stärke ab, gib einen Schuss Soja- oder Hafercreme hinzu (wenn du es cremig magst) – ud fertig ist eine leckere So0e zum Saitan-Braten!

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