Ingwer und Zitrone

Täuschungsmanöver: Wasser mit Geschmack

Stiftung Warentest veröffentlichte gestern die Testergebnisse von 25 Wassern mit Geschmack – trendige Durstlöscher, die seit einigen Jahren den Getränkemarkt überfluten. Beim Lesen der Testergebnisse wird mir echt schlecht.

25 Wasser mit Geschmack im Test bei Stiftung Warentest: Keins ist „Gut“

Keins der 25 getesteten Wasser mit Geschmack erhielt von den Warentestern das Testurteil „Gut“. Fünf Kandidaten erzielten sogar nur ein „Mangelhaft“. Hauptkritik: Von der vielumworbenen und mit Bild und Name versprochenen Fruchtigkeit findet der somit getäuschte Verbraucher im Wasser mit Geschmack nichts: Statt vollem Fruchtaroma sei im Wasser meist nur ein Fantasiearoma, schreibt Stiftung Warentest auf ihrer Internetseite.

Das finde ich noch übertrieben freundlich ausgedrückt. Geht es hier doch statt um echte Fruchtaromen um künstlichen Geschmack, auf den man uns gezielt bringt.

Besorgniserregend dann die Eilmeldung, die die Warentester hinterherschieben:

Last-minute-Befund: Schad­stoff Benzol gefunden

Kurz vor Veröffent­lichung der Test­ergeb­nisse kommt die Nach­richt aus dem Labor: Die Tester wiesen den Schad­stoff Benzol in den Wässern Penny/Elitess aqua plus Kirsch, Volvic Kirsche und Vitrex Kirsche nach. Benzol kann beim Menschen Krebs auslösen. In Vitrex Kirsche lag der Benzol­gehalt mit 3 Mikrogramm pro Liter deutlich über dem Grenz­wert von 1 Mikrogramm Benzol pro Liter, der für Trink­wasser gilt. Einen Grenz­wert für Erfri­schungs­getränke gibt es nicht. Die anderen beiden Wässer lagen mit 0,9 Mikrogramm je Liter (Penny/Elitess aqua plus Kirsch) und 0,6 Mikrogramm je Liter (Volvic Kirsche) unter dem Grenz­wert.“

Demnach sei noch unklar, woher das Benzol in den getesteten Wassern mit Geschmack komme, „denn Benzol entsteht aus dem Konservierungs­stoff Benzoesäure, wenn ein Getränk zugleich Ascorbinsäure enthält“. Doch die klaren Wasser mit Geschmack, die die Stiftung Warentest gepüft hatte, enthielten gar keine Ascorbinsäure. Ascorbinsäure werde laut den Warentestern vor allem einge­setzt, „damit Getränke mit Frucht­saft­anteil ihre schöne orange oder gelbe Farbe nicht verlieren“.

Woher kommt also das Benzol?, frage ich. Ich wünsche mir hier dringend Aufklärung.

Kunstaroma statt echter Frucht

Ich bin ja nur froh, dass wir solche Fruchtaroma-Wasser nicht kaufen und trinken. Stattdessen hat meine Tochter (8) uns neulich mit ihrer ersten selbstgemachten Zitronen-Limonade überrascht: aus Bio-Zitronen, Leitungswasser und etwas Biozucker. So kommt bei uns nämlich der Geschmack ins Wasser!

Doch die Anbieter von Wasser mit Geschmack arbeiten anders. Laut Stiftung Warentest enthielten sämtliche Testprodukte ein individuelles Kunstaroma. Prangte diese Tatsache offensichtlich auf der Flaschenbanderole, entschiede sich jeder Verbaucher nach eigenem Gutdünken Für oder Wider den Kauf. Doch dem ist bei Weitem nicht so. Stattdessen wird mit Fruchtabbildungen geworben. Ein Täuschungsmanöver!

Als Verbraucher kann ich mich laut Stiftung Warentest nicht mal auf die Zutatenliste verlassen: „So täuscht bei Volvic Apfel nicht nur der Apfel auf dem Etikett. Im Zutaten­verzeichnis steht ‚Apfelaroma‘. Das bedeutet: Für den Geschmack dürfte hier nur das authentische Aroma des Apfels sorgen. Doch im Labor entdeckten die Tester ein aus verschiedenen synthetischen Aroma­stoffen zusammengesetztes Fantasiearoma, das geschmack­lich ein Apfelaroma vortäuscht. Das bedeutet: test-Qualitäts­urteil mangelhaft für Volvic Apfel. Auch vier andere Produkte fallen wegen falscher Zutaten­liste durch.“

Zum Glück habe ich meinen eigenen Geschmack. Und der hat beim Kosten der Wasser mit Kunstgeschmack – selbstverständlich habe ich das Zeug irgendwann schon mal probiert!- gestreikt. Ich habe bis heute keins gefunden, dass mir wirklich schmeckt.

Zuckerfrei löscht den Durst am besten

Ich mache mir deshalb meist selbst mein Wasser mit Geschmack – nicht so süß wie mein Kind oben seine Limo, sondern eher würzig-scharf mit frischem Ingwer, mit Minze oder Zitrone. Das löscht den Durst. Und gibt mir Energie.

Allerdings nicht dank Zucker, den die Tester von Stiftung Warentester auch in vielen Wassern mit Geschmack fanden: „Fast allen wird Zucker zugesetzt. Am meisten Zucker enthalten die Getränke mit Erdbeer­geschmack. Außerdem werben 16 der 25 Produkte damit, kalorien­arm zu sein. Das dürfen sie laut EU-Verordnung, so lange sie pro 100 Milliliter nicht mehr als 20 Kilokalorien enthalten. … Im Test waren nur zwei Produkte zucker- und kalorienfrei.“

Also ich kaufe das Zeug nun erst recht nicht!

Foto: Doreen Brumme

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