Wie ökologisch ist mein Buch?

Wie ökologisch ist mein Buch?

Ich bin eine Leseratte – schon Zeit meines Leselebens. Ich kaufe Bücher wie andere Schuhe (ich kaufe auch Schuhe!) und sammle sie wie Schuhe. Trotz kleiner Wohnung habe ich sehr viele Bücher. Mein Lieblingsgenre ist: English Fantasy. Die Leidenschaft für diese Literatursparte zahlt sich in barer Münze aus: 1. Englische Bücher sind oft um einen bedeutenden Teil billiger als deutschsprachige Bücher. 2. ich lese für einen verlag auch englische Manuskripte und gebe ein Gutachten darüber ab, ob sie ins Deutsche übersetzt werden sollten. 3. Ich vertiefe meine Englischkenntnisse, wenn auch passiv, mit jedem Buch. Will sagen, my reading skills are much better than my speaking skills, but, who cares?

Was mir zunehmend Sorge bereitet, ist die Klimabilanz meines analogen Buchkonsums. Jedes Buch, das ich kaufe, ist aus Papier. Papier, dessen Hauptrohstoff Zellstofffasern aus Holz sind. Holz, das von Bäumen stammt. Von Bäumen, die das Klima auf unserer Erde produzieren. Ist es ökologisch verantwortlich, Bücher zu kaufen? Oder ist die Alternative E-Book-Reader, also ein elektronisches Lesegerät für digitalisierte Bücher, ökologischer?

Büchermarkt Deutschland

Aktuellen Wirtschaftszahlen zum deutschen Büchermarkt zufolge erwirtschaftete dieser 2011 einen Umsatz von 9,6 Milliarden Euro – mehrere Hundert davon sind mein Anteil! Nach Angebn der Verlage lag der Anteil der E-Books an ihrem Gesamtumsatz im Schnitt bei 6,2 Prozent.

E-Book-Reader – Marktanalyse

Der Heise-Newsticker meldete Ende vergangenen Jahres, dass „in diesem Jahr weltweit 14,9 Millionen E-Book-Reader verkauft“ würden. Das seien 36 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis, so heißt es in der Meldung weiter, seien die Marktforscher von iSuppli in einem Bericht gekommen. Darin sagen sie auch für die kommenden Jahre einen weiteren massiven Einbruch der Verkaufszahlen von E-Book-Readern voraus, die Schätzungen belaufen sich demzufolge auf rund 7,1 Millionen Geräte im Jahr 2016. Laut des von Heise zitierten Berichts hätten die E-Reader 2011 mit 23,2 Millionen verkauften Geräten bereits ihren absoluten Höhepunkt erreicht und stünden nun vor ihrem Ende. Eine Ansicht, die der Verband Bitkom übrigens ganz und gar nicht teilt: Laut den Ergebnissen einer ebenfalls Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Studie steige die Zahl der E-Book-Leser in Deutschland noch stetig, acht Millionen seien es derzeit.

Aber: Lohnt es sich aus ökologischen Gründen, in eine Technologie zu investieren, die ihren Höhepunkt hinter sich zu haben scheint? Während meiner Jahre in der Redaktion von Computerbild habe ich gelernt, das sowas keine gute Entscheidung ist …

Schaut man sich an, warum die E-Book-Reader von den iSuppli-Marktforschern so eine schlechte Zukunftsprognose bekommen haben, wird auch klar, was die bessere Investition sein könnte: Demnach bewiese der Rückgang der verkaufszahlen für E-Book-Reader, „dass Geräte mit nur einem Verwendungszweck erbarmungslos durch Konkurrenzprodukte ersetzt werden, die wie die Tablets mehr als eine Funktion erfüllen“, schreibt Heise.

Klimabilanz: Analoges Buch vs. digitales Buch

Auf der Suche nach der Antwort auf meine Frage, welche Klimabilanzen analoges Buch und digitales Buch, das auf einem E-Book-Reader gelesen wird, aufweisen, stieß ich auf eine Studie des Öko-Instituts e.V. Freiburg aus dem Sommer 2011.

Die Studie begründet sich auf einen durchschnittlichen Konsum von zehn analogen Büchern pro deutscher Nase pro Jahr. Bei der Herstellung eines E-Book-Readers fielen demnach etwa acht Kilogramm Kohlendioxid(CO2)-Emissionen an, das Drucken eines analogen Buches verursache demgegenüber nur ein Kilogramm des klimakillenden Treibhausgases CO2. (Laut Utopia.de besagt ein Bericht der US-amerikanischen Buchindustrie anderes: Demnach verursache der Druck eines Buches eine CO2-Emission von vier Kilogramm CO2.) Je mehr Bücher man auf seinem E-Book-Reader lese, desto besser dessen Klimabilanz – die Klimabilanz meiner Bücherregale voll analog verarbeiteter Buchstaben hingegen verschlechtert sich mit jedem Buch um ein Kilogramm CO2. Autsch.

Mein Hauptargument gegen den E-Book-Reader  – sein Stromverbrauch – entkräfteten die Freiburger Wissensschaftler: Der Stromverbrauch der Geräte halte sichdemnach in Grenzen, selbst indirekt würden kaum noch kaum noch Treibhausgase produziert. Beim Wiederaufladen mit Ökostrom werde ein E-Book-Reader sogar zum „Null-Emissions-Apparat“.

Im Fazit der Öko-Institutler heißt es unter anderem: „Sowohl E-Book-Reader mit eInk-Display als auch Lesegeräte mit LCD-Bildschirm und Hintergrundbeleuchtung weisen bei durchschnittlicher Nutzung (10 Bücher pro Jahr) Vorteile beim Energieverbrauch und den Treibhausgasemissionen gegenüber herkömmlichen Büchern auf. Am stärksten ausgeprägt sind diese Vorteile bei E-Book-Readern mit eInk-Displays. Insgesamt findet ein Großteil der Umweltauswirkungen in der Herstellungsphase statt, sodass eine möglichst lange Nutzungsdauer der Geräte entscheidend für die Gesamtbilanz ist. Zudem muss sichergestellt sein, dass E-Book-Reader auch tatsächlich zum Ersatz von gedruckten Büchern führen. Dies kann beispielsweise durch Kriterien zur umfassenden Eignung für alle gängigen E-Book Dateiformate unterstützt werden.“

Wer mehr als 10 Bücher liest, liest auf einem E-Book-Reader ökologischer

Was ich daraus lerne? Da ich mehr als zehn Bücher pro Jahr kaufe und lese, lohnt sich für mich eine elektronische Alternative zu meinen Paperbooks offensichtlich. Wobei das Gerät meiner Wahl – und hier spreche ich eben nicht nur von den E-Book-Readern – mindestens drei Jahre halten müsste. Bis ich jedoch eine Kaufentscheidung treffe, muss ich meine Gefühlslage sortieren. Denn ich muss zugeben, ich liebe Papierbücher. Ich bin voller Stolz auf meine Buchsammlung und sitze gerne einfach so vor meinen vollen Regalen und lasse meinen Blick über die teilweise auch doppelt hintereinander gereihten Buchrücken schweifen. Bücher sind mein Leben. Ich brauche sie um mich herum. Kann ich ohne diesen Anblick leben? Vielleicht. Wenn ich mir die tatsächlichen Vorteile eines E-Book-Readers anschaue, beispielsweise aufgelistet hier, komme ich nicht umhin, zuzugeben, dass mich einige davon sofort überzeugen. Insbesondere der Spareffekt an Geld und Platz klingt gut in meinen Ohren …

 

 

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