Apfelbaum Wiese

Selbstgepflückte Äpfel aus dem Apfelparadies

Mit mittlerweile vier Kindern verdrückt meine Familie jede Menge Äpfel. Ich zum Beispiel esse gerne einen knackigen Apfel zum Frühstück. Oder zwei. Oder drei. Meine drei Vor- und Schulkinder bekommen Äpfel, ganz oder geviertelt, in die Brotdose für die Schulpause. Das Baby bekommt Apfelmus. Und nachmittags gibt’s Äpfel als Snack für zwischendurch für fast alle. Denn ich habe selbst mit meinem fast-alles-Obst-und Gemüse-Verächter-Kind einen Deal geschlossen: Ein Apfel am Tag ist ein Must-do, sonst gibt’s keine Süßigkeiten. Kurz: Das macht Summa summarum sechs bis acht Äpfel, die wir pro Tag verbrauchen.

Meist kaufe ich unsere Äpfel beim Apfelhändler auf dem Wochenmarkt. Der steht montags und donnerstags dort. Ich ziehe da seit Jahren ein, zwei Mal die Woche mit meinem Rollwägelchen hin – zur Zeit  auch mit dem umgeschnallten Baby – und kaufe, was der Apfelhändler an harten, sauren und knackigen Äpfeln hergibt. Denn nur so mögen wir die Äpfel. 

Äpfel müssen nicht makellos schön sein

Toll: Mein Apfelhändler aus dem Alten Land vor den Toren Hamburgs hat auch immer eine Kiste mit der Aufschrift „Diverse“. Darin sammelt er alle die Äpfel, die in Form, Farbe, Größe besonders vom Durchschnittsapfel der jeweiligen Sorte abweichen. Oder solche, die eine Macke haben. Diverse kosten deutlich weniger als die schönen Sorten. Mich stören Macken an Äpfeln nicht. Deshalb verlange ich auch immer einen Teil Diverse. Meine Kinder tun sich da schon schwerer: „Mama, was ist das?“ werde ich gefragt, wobei ein Kinderfinger auf eine Apfelwarze, eine Apfelnarbe oder eine Druckstelle zeigt. Ich erkläre dann ganz gelassen, dass das eben eine „Warze“ ist, „wie Du sie neulich auch mal unterm Fuß hattest, erinnerst du dich?“ Oder: „Das ist eine Narbe, ganz so, wie du sie bekommen hast, als du dich geschnitten hattest.“ Das reicht. Manchmal. Nicht immer. Als Erklärung. Gegessen wird dann … auch nicht immer. Aber häufiger. Doch das nur nebenbei. Zurück zum Apfelhändler.

Familienausflug ins Apfelpflückerparadies

Meiner kommt wie schon geschrieben aus dem Alten Land. Also der Apfelkiste vor den Toren meiner Stadt Hamburg. Und da ich immer wieder nach Ausflugszielen für meine Familie suche, habe ich neulich Jork als ein solches auserkoren. Mitten im Alten Land. Mitten im Apfelparadies. Zunächst murrte ein Teil meiner Großfamilie, doch das wohl eher, weil ich verlangte, Landkluft anzuziehen: wind- und wetterfeste Jacke, Gummistiefel. Schließlich wollte ich Äpfel pflücken, nicht aus irgendeinem Regal klauben.

Wie’s der Zufall (oder das Schicksal) wollte, hatte ich mir vorher im Internet genau den Apfelbauern ausgesucht, der nicht nur Äpfel en masse zum Selberpflücken bietet, sondern noch ein ganz besonderes Erlebnis. Einen Apfelgarten mit mehr als 250 Sorten verschiedenster, köstlichster Äpfel. Ein Paradies für einen Äpfelliebhaber wie mich.

Wir hatten unsere drei Obstkiepen dabei und haben zusammen 18 Kilogramm Äpfel zum Superpreis, knapp über die Hälfte des Marktpreises, gepflückt. Und dabei noch jede Menge genascht. Ich mindestens ein Kilogramm. Zu meiner großen Freude waren auch noch Zwetschgen zu pflücken. Da ernteten wir auch nochmal ganz fleißig (drei Kilogramm!). Und naschten, bis zumindest ich Bauchweh bekam. Aber egal. Direkt vom Baum schmeckt’s einfach am allerbesten.

Selberpflücken als Selbsterfahrung für Stadtkinder

Empfehlenswert an unserem Apfelsonntag ist, dass solche Stadtkinder wie meine es nun einmal sind, am Baum lernen, wie man Äpfel pflückt. Sie sehen dabei, dass viele Äpfel wachsen, wie sie wachsen und kleine Makel was ganz normales sind. Für meine „Ich esse nur geviertelte Äpfel ohne Kerngehäuse“-Esser war die Apfelpflückerei eine Herausforderung: galt es doch, sich zu überwinden und einfach in einen ganzen Apfel hineinzubeißen. Was für ein Apfelteuer!

An diesem Sonntag, den wir für unseren Familienausflug ins Apfelparadies vor Hamburgs Toren auserkoren hatten, war viel los: Die Apfelbauersleut hatten sich viel Zeit genommen, um allen Besuchern ihres Hofs zu zeigen, womit und wovon sie leben. So haben wir auch einen Blick in die Apfel-Sortierabteilung werfen können. Das technische Wunderwerk, das per Computer gesteuert wird, begeisterte auch meinen Sohn. Der es mit dem Land eher nicht so hat. Doch eine computergesteuerte Anlage, die die Äpfel wäscht und sortiert – das fand sogar er einen langen Blick wert.

Übrigens, schon dort, beim Sortieren in des Apfelbauers Scheune, wird über Wohl und Wehe eines Apfels entschieden. Schade, dass wir Verbraucher so auf Makellosigkeit getrimmt sind. Ich werde daran arbeiten. Und beim nächsten Mal nur aus der Diverse-Kiste kaufen, wenn ich wieder auf den Markt gehe, um unsere Wochenration Äpfel zu holen. Vielleicht treffen wir uns dort ja!

Und ganz klar: Apfelpflücken gehört von nun an zu unserem Herbstprogramm!

Foto: Doreen Brumme

 

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