Aluminium Deo Gefahr im Verzug

Aluminium im Deo: Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Ich habe hier auf dem Blog bereits einmal das Thema Deo mit Aluminium behandelt. In meinem Beitrag: „Deo – herkömmlich oder bio?“ habe ich im Sommer vergangenen Jahres erklärt, warum Aluminium im Deo steckt. Deshalb kann ich mich diesbezüglich an dieser Stelle kurz fassen: Das Aluminiumsalz im Deo bewirkt vor allem, dass sich die Ausgänge der Schweißdrüsen in der Haut verengen (adstringierende Wirkung) und somit weniger Schweiß austritt. Für alle Menschen wie mich, die um nichts in der Welt möchten, dass sie nach Schweiß riechen und deshalb auf ein Deo mit Aluminiumsalz setzen, ist das eine große Hilfe, denn weniger Schweiß bedeutet auch weniger Schweißgeruch.

Alarm, Alarm! Deos mit Aluminium sind gefährlich – oder?

Immer wieder wird seit Jahren darauf hingewiesen, dass das Aluminium im Deo, richtig: das Aluminium im Anti-Transpirant, denn ein Deo übertüncht den Schweißgeruch nur mit seinem Parfüm/Duft oder versucht, die Zahl der Bakterien auf der Haut, die für das Enstehen des Übels Schweißgeruch verantwortlich sind, zu verringern, verdächtigt wird, Alzheimer oder Brustkrebs auszulösen. Eine solche medial verbreitete Verdächtigung war für mich im August letzten Jahres Auslöser für das Befassen mit dem Thema „Deo mit Aluminium“. Schon damals war der Stand der Dinge der, dass man besser auf Produkte mit Aluminiumsalzen verzichten sollte, wollte man nicht Gefahr laufen, gesundheitlichen Schaden zu erleiden. Auch wenn es schon damals keine Studien gab, die genau die Zusammenhänge zwischen Aluminium im Deo und Alzheimer beziehungsweise Brustkrebs belegten.

Hier ein Video der ARD zum Thema „Deo & Aluminium“ (Quelle: Youtube)

Nun schreiben die Medien seit zwei Tagen (wieder) lauthals hinaus in die Welt: „Aluminium in Kosmetika. Experten warnen vor bestimmten Deos“ (n-tv online), „Forscher schlagen Alarm: Zu viel Aluminium! Experten warnen vor giftigen Deos“ (Focus online). Ich könnte noch viele dieser Schlagzeilen auflisten, doch die beiden reichen, um zu belegen, worauf ich hinaus will. Nach dem ich diese Schlagzeilen zu Aluminium im Deo gelesen hatte, konnte ich die zugehörigen Meldungen nicht schnell genug lesen. Gibt es endlich hieb- und stichfeste Belege für die Schädlichkeit der Aluminiumsalze in Deos? Ich war sehr gespannt. So sehr, dass ich zu schwitzen begann, um ehrlich zu sein.

Doch meine Erwartung an den Informationsgehalt derart überschriebener oder eingeleiteter Artikel wurde nicht erfüllt. Besser: Die von den alarmierenden Schlagzeilen verursachte Erwartung in mir wurde schwer enttäuscht.

Wer schlägt hier eigentlich den Alarm wegen Deos mit Aluminium? Die Forscher oder die Medien?

Den Artikeln ist nämlich vor allem eins gemeinsam: Sie berichten von alarmschlagenden Wissenschaftlern und können diese Ankündigung nicht einmal belegen. Bitte versteht mich nicht falsch. Ich nehme das Thema „Aluminium im Deo“ als mögliche Gesundheitsgefahr sehr ernst. Dennoch empfinde ich die Art und Weise der Berichterstattung darüber als grenzwertig. Aus meiner Sicht schlagen hier die Medien Alarm.

Denn in keinem Artikel unter solchen Schlagzeilen sagt ein Wissenschaftler klipp und klar: „Ich warne vor dem Benutzen eines Anti-Transpirants oder Deos mit Aluminium!“ Dafür werden Dinge wie neu berichtet, die alles andere als neu sind: Mit einem Rechercheaufwand von nahezu Null habe ich die aktuelle Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) auf meinem Laptop-Bildschirm. Das entsprechende Dokument ist mehrere Seiten lang und durchaus eine aufmerksame Lektüre wert. Doch bevor ich gleich die spannendsten Auszüge daraus präsentiere, hier nur der Hinweis auf das Veröffentlichungsdatum der Stellungnahme des BfR namens „Aluminiumhaltige Antitranspirantien tragen zur Aufnahme von Aluminium bei“ mit der Nr. 007/2014: 26. Februar 2014. Das Dokument ist mehr als ein halbes Jahr alt! Doch die Medien schreiben (erst) jetzt von Alarm schlagenden Wissenschaftlern! Das Sprachbild erschließt sich mir nicht … Sorry, liebe Kollegen der Journaille.

Doch zurück zur Stellungnahme des BfR zu den Antitranspirantien mit Aluminium. Darin heißt es:

Die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Aluminium aus Antitranspirantien wird immer wieder kritisch hinterfragt. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Beteiligung an der Entwicklung der Alzheimer-Krankheit und der Entstehung von Brustkrebs. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass hohe Aluminiumdosen neurotoxische Wirkungen beim Menschen und embryotoxische Effekte in Tierstudien zeigen. Wenig bekannt ist jedoch über die Aufnahme und Wirkung von Aluminium aus kosmetischen Mitteln über die Haut. Hier fehlen wichtige Studien mit Humandaten. Dagegen ist die Aufnahmerate und Wirkung von Aluminium über die Nahrung gut untersucht. Aluminium ist als Element der Erde in vielen pflanzlichen Lebensmitteln und in Trinkwasser natürlicherweise enthalten. Zudem sind einige Aluminiumverbindungen als Lebensmittelzusatzstoffe in bestimmten Mengen zugelassen. Neben Antitranspirantien können auch dekorative Kosmetika, wie Lippenstift und Lidschatten, sowie Zahnpasten oder Sonnencremes Aluminium enthalten.

Jetzt wird’s ein bisschen rechenlastig, aber das Zahlenzeug muss sein:

„Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (tolerable weekly intake, TWI) von 1 Milligramm (mg) Aluminium je Kilogramm Körpergewicht für die orale Aufnahme über die Nahrung abgeleitet. In ihrer gesundheitlichen Bewertung gibt die EFSA für alle Aluminiumverbindungen, die über die Nahrung aufgenommen werden, eine mittlere Bioverfügbarkeit von 0,1 % an. Dies entspricht einer systemisch verfügbaren täglich tolerierbaren Menge von 0,143 Mikrogramm (µg) je Kilogramm (kg) Körpergewicht. Für einen 60 kg schweren Erwachsenen gilt damit eine systemisch verfügbare Dosis von 8,6 µg pro Tag als unbedenklich.“

Jetzt kommt’s zur Bewertung:

„Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die geschätzte Aluminiumaufnahme aus Antitranspirantien bewertet.“

Zur Datenlage, die man der Stellungnahme zugrunde legt, heißt es dann weiter:

„Dazu wurden die aus experimentellen Studien ermittelten Daten zur dermalen Aufnahmemenge von Aluminium aus Antitranspirantien für gesunde sowie für geschädigte Haut zugrunde gelegt. Die errechneten systemischen Aufnahmemengen liegen für die gesunde Haut mit rund 10,5 µg über den 8,6 µg pro Tag, die für einen 60 kg schweren Erwachsenen als unbedenklich angesehen werden. Sie liegen damit bei täglichem Gebrauch über der tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemenge der EFSA. Die Werte für geschädigte Haut, beispielsweise Verletzungen durch eine Rasur, liegen um ein Vielfaches darüber. Somit wird allein durch die tägliche Benutzung eines aluminiumhaltigen Antitranspirants der TWI möglicherweise komplett ausgeschöpft. Darüber hinaus müssen weitere Aluminiumaufnahmequellen, wie beispielsweise Lebensmittel, Kochutensilien oder weitere Kosmetika, berücksichtigt werden. 

Verbraucherinnen und Verbraucher nehmen bereits über Lebensmittel hohe Mengen Aluminium auf, und die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge ist wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung alleine durch Lebensmittel ausgeschöpft. Bei langfristiger Anwendung aluminiumhaltiger kosmetischer Mittel könnte der TWI dauerhaft überschritten werden und sich Aluminium im Körper anreichern.“

Zur wissenschaftliche Sicherheit der Aussagen über Aluminium in Deos schreibt das BfR:

„Wissenschaftliche Unsicherheiten bestehen derzeit aber noch u.a. in Bezug auf die tatsächliche Penetrationsrate und die Langzeitfolgen chronischer Aluminiumexposition. Die individuelle Aluminiumaufnahme kann prinzipiell reduziert werden. Aluminiumhaltige Kosmetika, wie Antitranspirantien oder Cremes, tragen zur Gesamtaufnahme von Aluminium bei. Die Aluminiumaufnahme durch Antitranspirantien kann vor allem gesenkt werden, indem diese nicht unmittelbar nach der Rasur bzw. bei geschädigter Achselhaut verwendet werden.

Das empfiehlt das BfR Verbrauchern bezüglich der Verwendung von Deos mit Aluminium:

„Es kann auch ein Deodorant ohne Aluminiumsalze verwendet werden.“

Habe ich schon probiert. Gleich im Anschluss an die Veröffentlichung meines Artikels im Letzten Jahr. Ich habe damals sämtliche Deos ohne Aluminiumsalze gekauft, die mein Lieblingsdrogist Budni zu bieten hatte: Leider haben die es nicht geschafft, mich geruchlos durch den Tag zu bringen wie mein bis dato benutztes Antitranspirant Rexona mit Aluminium. Doch in meinem Körper herrschten dazumal auch besondere Umstände, denn ich war mit meiner Nr. 4 schwanger. Schwangere wissen vielleicht, was ich mit den besonderen Umständen meine: Die Schweißproduktion in der Schwangerschaft ist buchstäblich dufte … Insbesondere, weil ich mit einem Jungen schwanger war. Ich finde, das der Duft der männlichen Hormone, die meinen Körper durchspülten, um einiges die Duftmarke übertraf als mit weiblichem Nachwuchs im Bauch.

„Ein kausaler Zusammenhang zwischen der erhöhten Aluminiumaufnahme durch Antitranspirantien und der Alzheimer-Krankheit bzw. Brustkrebs konnte trotz einer Reihe entsprechender Studien aufgrund der inkonsistenten Datenlage wissenschaftlich bisher nicht belegt werden. Aus Sicht des BfR besteht vor allem Forschungsbedarf hinsichtlich der tatsächlichen Aufnahmemenge von Aluminium über die Haut. Außerdem fehlen dem BfR Daten für eine Risikobewertung von Aluminium nach langfristiger dermaler Exposition. Erst mit solchen Informationen kann eine abschließende gesundheitliche Risikobewertung zu aluminiumhaltigen Antitranspirantien und weiteren aluminiumhaltigen Kosmetika vorgenommen werden.“

Hier das Ganze als Grafik:

 

 

Bleibt zu hoffen, dass erstens die Forschungen diesbezüglich bald zu verlässlich(er)en Ergebnissen führen, um zweitens Schluss mit den reißerischen Meldungen der Medien zu machen, die dann – wenn sie auch wichtige Infos verbreiten – dies in einer den Umständen nicht gerade angemessenen Art und Weise tun.

Ich für meinen Schweißteil werde es jetzt – im zwar unschwangeren aber noch voll stillenden – Zustand (mit auch eigener typischer Duftmarke) auf ein Neues versuchen mit den Deos ohne Aluminium.

Fotos: Doreen Brumme (Titel), BfR (Grafik und Legende)

 

 

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