Gift im Tee

Gift im Tee: Hilfe, ich habe meine vier Kinder vergiftet!

Ihr habt sicher die zumindest mich sehr beunruhigenden Meldungen der vergangenen Tage bezüglich der Untersuchungen von Tee mitbekommen. Laut Stiftung Warentest steckten in Schwarztee Schadstoffe: „In allen 27 Darjee­ling- und Ceylon-Assam-Tees fanden sie (gemeint sind die Tester von Stiftung Warentest – Anmerkung von mir) Anthrachinon – teils nur in sehr geringen, teils in erheblichen Mengen. Der Stoff ist potenziell krebs­er­regend. Risiken sind noch nicht eindeutig geklärt. Offen ist auch die Frage, wie die Substanz in den Tee kommt.“ Wenige Tage später folgt ein Test von der ZDF-Sendung WISO: Demnach sind „einige Babytees mit krebserregenden Pflanzengiften belastet. Dies ist das Ergebnis unserer Stichprobe. In vier von insgesamt 19 Kräuter-Babytees konnten sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PAs) nachgewiesen werden – teilweise in sehr hohen Mengen. Laut der Aussage des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) kann dieses Pflanzengift den Organismus schädigen und bei langer und hoher Dosierung Lebertumore verursachen.“

Das folgende ARD-Video der Sendung „die reportage“ von 2013 zeigt, warum mir bei Tee statt Genuss ein bitterer Nachgeschmack nach Chemikalien, darunter Giften, bleibt. (Quelle: Youtube).

Gift im Tee – (k)eine böse Überraschung

Ich hatte hier auf dem Blog schon im Mai dieses Jahres von den WISO-Testergebnissen zu Kamillentee berichtet. Und im Sommer vergangenen Jahres gab es schon ähnliche Testergebnisse, die in den Medien veröffentlicht wurden, zum Beispiel hier im Hamburger Abendblatt: „Warnung vor Giftstoffen in Tees: Branche will handeln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat in handelsüblichen Teesorten hohe Dosen sogenannter Pyrrolizidinalkaloide entdeckt, die bei hohem Verzehr vor allem für Schwangere und Kinder krebserregend sein können“, hieß es dort im Juli 2013. Das Gift in Tees steckt, ist also keine Überraschung, die Fakten sind bekannt.

Schlecht ist mir trotzdem. Denn ich bin ein absoluter Teetrinker. Zwar trinke ich keinen Schwarztee, sondern alles andere, aber das macht angesichts der Testergebnisse wohl keinen Unterschied.

Mein Durstlöscher ist Tee! Was trinke ich jetzt statt Tee?

Dass Gift im Tee steckt, regt mich sehr auf. Und dafür habe ich mehrere Gründe:

  • Ich bin derzeit zum vierten Mal stillende Mutter. Immerhin kann ich inzwischen schon 69 Stillmonate (das sind 5 Jahre und 9 Monate!) auf meinem Mutterschaftskonto verbuchen. Das heißt: Das sind 69 Monate, in denen ich Tag für Tag bewusst entschieden habe, was ich zu meinem und zum Wohle des gestillten Kindes esse und trinke. Und mein Durstlöscher ist Tee. Insbesondere Stilltee. Ich trinke davon literweise. Pro Tag. Von einer Sorte. Da hilft mir der Expertenrat, es käme auch bei dem Gift im Tee immer auf die Menge an, nicht wirklich weiter. Der Stilltee wirkt milchbildend und bekommt mir dank seiner würzigen Kräutermischung (Fenchel, Anis, Kümmel und andere) sehr gut. Kurz: Er tut mir magen- und darmwohl. Wenn nun die Ursache für das Vorhandensein von Schadstoffen, die teilweise krebserregend sind, womöglich in der Verpackung der Tees oder der Trocknung der Tees liegt, dann steckt auch in meinen Kräuter-Stilltees Gift. Gift! Gift im Stilltee? Ich glaube, ich werde gleich wahnsinnig. Habe ich meine Stillbabys vergiftet?
  • Tee ist aber auch deshalb mein Durstlöscher, weil ich nicht immer nur stilles Wasser ohne Geschmack trinken mag. Und da ich nunmal nicht (mehr) die allergrößte Sportskanone bin, die Gründe dafür liegen mir am Herzen: Job und Familie, versuche ich mein Gewicht – und damit meine Figur, mein Selbstbewusstsein, mein Lebenswertgefühl, bewusst zu beeinflussen, indem ich zumindest bei den Getränken auf Kalorienarmut achte. Und deshalb kalorienfreien Kräutertee trinke. Gift! Gift im Kräutertee! Ich glaube, ich werde wahnsinnig. Habe ich meinen Körper vergiftet?
  • Tee ist inzwischen auch beliebt bei meinen drei älteren Kindern, derzeit 10, 8 und 5 Jahre alt. Die trinken wie ich Kräutertees. Gift! Gift im Kräutertee! Ich glaube, ich werde wahnsinnig. Hab ich meine Kinder vergiftet?

Alternativen zu giftigem Tee?

Klar könnte ich wegen des Gifts im Tee wieder zu Wasser umschwenken. Und statt des giftigen Tees literweise stilles Wasser trinken. Doch das schmeckt mir nicht immer. Kräutertee ist mir auch Genuss und Freude. Allein sein würziger Duft verwöhnt mich schon. Dagegen ist schlabbriges Wasser eben nur schlabbrig. Kaffee mag ich auch nicht. Denn kann ich tatsächlich nur wohl riechen. Hmmm! Vom Trinken bekomme ich Durchfall und Magenbeschwerden.

Fruchtsäfte behandle ich wie Obst. Sie sind keine Sache, die ich statt des zwar kalorienfreien dafür aber giftigen Tees literweise trinken kann. Dafür steckt darin zuviel Fruchtzucker. Hinzu kommen die auch nicht berauschenden Testergebnisse von Fruchtsäften, die in der Vergangenheit Zutaten oder Verarbeitungsmethoden ans Licht brachten, die ich nicht schlucken möchte.

Milch ist für mich auch keine Alternative. Nicht nur, dass ich Milch schlecht vertrage, sondern Milch gehört in meinen Augen dem Kälbchen der Kuh. Doch das ist ein ganz anderes Kapitel. Wer meine Meinung zu Milch kennenlernen möchte, dem empfehle ich diesen Artikel hier. Allerdings entfallen die von mir dort aufgeführten veganen Alternativen zu Milch auch als Alternativen zu giftigen Tees: Denn die enthalten jede Menge Kalorien.

Der bittere Nachgeschmack unserer Zeit

Ich bin wirklich sauer. So langsam verzweifle ich. Was kann ich überhaupt noch guten Geschmacks und guten Gewissens essen? Und was tische ich meinen Kindern Tag für Tag auf? Das Gift im Tee, um im Beispiel zu bleiben, macht schließlich vor Bio nicht halt. Auch Bio-Tee-Sorten waren vergiftet. Ich kaufe kaum noch vorgefertigtes Essen. Ich koche täglich frisch für meine Familie. Viel regionales. Viel Bio. Doch der Spaß daran – Kochen war mir immer willkommener, Freude bringender Ausgleich zum Schreiben – vergeht in Zeiten wie diesen. Ich fürchte um meine Gesundheit und um die meiner Kinder. Ich denke, dass wir Menschen mit der Industrialisierung der Nahrungsmittelherstellung viele Fehler gemacht haben. Ob bewusst oder unbewusst, das will ich hier gar nicht diskutieren. Ich fühle mich ohnmächtig und ausgeliefert, obwohl ich schon sehr gesund lebe und bio-bewusst kaufe, habe ich oftmals keine wirkliche Wahl.

Dabei fällt mir gerade ein, dass ich bei meinem ersten Praktikum 1995 während meines Journalistik-Studiums in einer Food-Redaktion war. Und was ich dort erlebte. Für die Weihnachtsausgabe des Magazins, in dessen Redaktion ich mein Praktikum absolvierte, bestrich man damals  den Weihnachtsbraten fürs Foto mit Bootsklarlack. Bootsklarlack!Und das Eiweiß schäumte auch nicht richtig beim Aufschlagen – alles kein Problem! Nehmen wir Seifenschaum, das sieht man auf dem Foto nicht! Seifenschaum! Keiner bekommt einen so glänzenden Braten zu Weihnachten hin, wie es das Foto zeigte. Bootsklarlack! Und bei keinem war das Eiweiß so schaumig. Seifenschaum!

Ich frage: Was machen wir uns eigentlich vor? Und: Wo führt das alles hin? Wie fühlt Ihr Euch dabei? Schmeckt’s Euch noch? Kocht Ihr noch gerne?

Auf Eure Antworten bin ich gespannt!

Foto: Doreen Brumme

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Ein Kommentar

  1. So, hier die Reaktion des BNN (Bundesverband Naturkost Naturwaren) auf die Ergebnisse der Tests/Recherchen der ZDF-Sendung WISO zu Gift im Babytee:

    4.11.2014 – „PFLANZENGIFT IM BABY-TEE“. ZDF WISO SCHÜRT BIO-ÄNGSTE BEI VERBRAUCHERN
    Das ZDF-Magazin WISO hat in seiner gestrigen Sendung (19:25 Uhr) zu Pflanzengiften in Babytees berichtet. Im Fokus standen die so genannten Pyrrolizidinalkaloide (PA), die durch versehentliches Miternten von Beikräutern in das Produkt gelangen können. In vier von dreizehn Bio-Produkten wurden PA nachgewiesen.
    Im Sommer 2013 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erstmals auf diese Thematik hingewiesen, woraufhin Tee-Hersteller Minimierungsmaßnahmen einleiteten.
    Der BNN hält die redaktionelle Behandlung des Themas PA in Tee für durchaus legitim, weist aber die gezogenen Schlüsse und die Art der Berichterstattung deutlich zurück. Nicht bedacht hat die WISO-Redaktion unter anderem, dass die Verteilung der PA-Gehalte in den Chargen stark variiert; hohe Gehalte kommen nur punktuell vor.
    „Bereits etwa fünf PA-bildende Beikräuter pro 50.000 bis 60.000 Nutzpflanzen auf einem Hektar Anbaufläche reichen aus, um nachweisbare Gehalte im Erntegut zu erzeugen“, heißt es von Seiten des Deutschen Teeverbandes. Somit ist nahezu auszuschließen, dass in jeder Packung einer Charge auch der gleiche PA-Gehalt gemessen werden kann. Eine Hochrechnung zum Teekonsum von Kindern und Erwachsenen, wie es ZDF WISO durchexerziert, ist folglich unseriös.
    Dies bestätigt auch PA-Experte Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Stenzel, Sachverständiger für Lebensmittel: „Eine Endproduktkontrolle, wie in diesem Fall, lässt keine tatsächlichen Schlüsse über die durchschnittliche Belastung des Tees zu. Nur eine durchgehende Qualitätskontrolle am Produktionsverlauf – quasi vom Feld bis in die Tasse – lässt ernsthafte Aussagen zu. Ein akutes Risiko durch PA für Erwachsene in Tee ist nicht gegeben. Eine Lösung ist nichts desto trotz notwendig: Für Säuglings- und Kleinkindernahrung sowie bei Schwangeren müssen die Tee-Erzeuger weiter an ihren Minimierungsmaßnahmen arbeiten, um eine deutliche Reduzierung anzustreben.“
    „Die Argumentation der WISO-Redaktion ist äußerst dürftig. Beispielsweise werden in der aktuellen Ausgabe der ÖKOTEST Kräutertees auf PA getestet, bei denen alle Bio-Tees hervorragend abgeschnitten haben. Lediglich in konventionellen Produkten wurden deutliche PA-Nachweise gefunden. Ein paar Tage nach Erscheinen eines solchen Testergebnisses die Angst vor Bio schüren zu wollen, ist schon ein starkes Stück“, so Elke Röder, Geschäftsführerin des BNN. „Wir wollen aber nicht missverstanden werden“, führt sie weiter aus. „Es ist absolut notwendig, an dem Thema dran zu bleiben und durch immer bessere Maßnahmen die Qualität zu sichern. Dies aber bitte seriös und ohne die Verbraucher zu verunsichern.“
    Auf der Website von ZDF WISO werden die PA-Nachweise in Bio-Tee mit folgendem Satz begründet: „Ohne Einsatz von Pestiziden gedeiht eben auch Schadstoff haltiges Unkraut besser.“ Den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide in einem Verbrauchermagazin als Nachteil aufzuführen, lässt ebenfalls an der Objektivität einer solchen Berichterstattung zweifeln.

    (Quelle: http://www.n-bnn.de/aktuelles/4112014-%E2%80%9Epflanzengift-im-baby-tee%E2%80%9C-zdf-wiso-sch%C3%BCrt-bio-%C3%A4ngste-bei-verbrauchern)

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