Daunen

Wohlfühlen ohne Daunen!

Meine Kinder übernachten mitunter auch bei ihrer Großmutter. Und Oma holt alljährlich im Herbst die guten, weichen und herrlich warmen Federbetten heraus. Und klar, es kam, wie’s kommen musste: Nach dem jüngsten Schlaffest bei Oma fragte mich meine Älteste, ob sie nicht auch so ein kuscheliges Federbett haben könnte. Ich hätte ihr mit einem schlichten „NEIN“ antworten können. Doch wer mich kennt, der weiß, so kurzgebunden bin ich selten. Vielmehr versuche ich all die Neins, die ich meinen Kindern gegenüber äußere, zu begründen. Gut zu begründen. Ausführlich zu begründen. Mein Ziel: Verständnis für das Nein zu wecken. Das bedeutet in diesem Fall, aufzuzeigen, warum für flauschige Daunen in unserem Haushalt kein Platz ist. Weder im Bettzeug, noch in der Winterjacke, noch in einem Schlafsack.

Warum es ohne Daunen gehen muss

Ich schreibe diesen Blogpost aber nicht nur für meine Tochter. Sondern auch für die Oma, selbst wenn die in Sachen Bio mitunter beratungsresistent zu sein scheint. Was ja nicht heißt, dass es sich nicht lohnt, ihr zu erklären, warum ich ohne Daunen leben will und ihre Enkeltochter ohne Daunen leben muss – zumindest solange sie in meinem Haushalt ist. Vielleicht färbt Bio ja ab.

Daunen – so nennt man eine Unterfeder mit kurzem Kiel und besonders weichen, langen, strahlenförmig angeordneten Federästchen ohne Häkchen. Das Fehlen der Häkchen macht die Daunen, deren Federäste aufgrund der Bewegungen des Körpers negativ geladen sind und so immer den größtmöglichen Abstand zueinander halten, zu der luftigen Schicht, die den Vogel vor Kälte oder Hitze schützt. Diese Fähigkeit zur Wärmedämmung machen wir Menschen uns im Federbett, im Daunenschlafsack und in der Daunenjacke zunutze. Ebenso wie ihre hohe Elastizität: Zerdrückt man eine Daune in der Hand und öffnet die Hand wieder, nimmt die Daune schnell ihre ursprüngliche Form an. Hinzu kommt, dass Daunen viel leichter sind als andere Federarten. Noch zwei tolle Eigenschaften, ohne Frage.

Daunen: so weich, so kuschelig, so mollig warm – und so blutgetränkt

Doch Daunen fallen nicht mal eben so vom Himmel, sondern wachsen einem Vogel auf dem Leib. 150 Gramm sind es pro Gans. Um sie in Federbett, Schlafsack oder Jacke zu stopfen, muss man sie rupfen. Dabei unterscheidet man den Lebendrupf vom Schlacht- oder Totrupf. Ich habe als Kind des Öfteren meiner Großmutter geholfen, die Weihnachtsgans zu rupfen. Die war bereits tot. Ich war also am Totrupf oder Schlachtrupf beteiligt. Unzählige Federn und Daunen  flogen dabei durch die Waschküche, daran erinnere ich mich noch sehr gut. Wikipedia beziffert ein Kilogramm Gänsedaunen auf 250.000 bis 400.000 einzelne Daunen. Bei den edelsten Daunen der sogenannten Eiderenten sind es sogar bis zu einer Million. 90 Prozent aller Daunen sollen laut Berichten in den Medien aus Totrupf stammen. Einem Lebendrupf habe ich nie beigewohnt. Zu meinem Glück. Denn was sich dabei Großteils abspielt, ist grausam. Und für mich einer der Hauptgründe, dass für Daunen in meinem Haushalt kein Platz ist.

Lebendrupf, so lese und sehe ich in Videos auf Youtube ist schmerzhaft. Den Tieren werden die Daunen herausgerissen, ohne dass sie auf diese Tortur mittels Betäubung vorbereitet werden. Besonders schmerzlich anzusehen: Beim Lebendrupf geht es sehr blutig zu. In meinen Augen sind die Daunen aus Lebendrupf blutrot. Doch seht Euch das ruhig selbst an. Zum Beispiel hier in diesem Video:

Doch das ist längst nicht alles: Tierschützern zufolge gehen bei der Tortur auch immer wieder Knochen in die Brüche. Die von den Vögeln wohlgemerkt. Wobei ich selbstverständlich kein Urteil über die Hände und deren Menschen abgeben möchte, die die Tiere im Rekord rupfen müssen. Für weniger als einen geringen Lohn. Sie haben oft keine andere Wahl.

Lebendrupf in der Massentierhaltung ist Tierquälerei

Wissen muss man dazu, dass auch zu Großmutters Zeiten schon Lebendrupf an Daunen vorgenommen wurde. Den sogenannten „bäuerlichen“ Lebendrupf. Allerdings zu Mauserzeiten, in denen sich die Daunen hormonbedingt leicht und schmerzarm bis schmerzfrei – quasi von alleine – lösen. Das tun sie mehrmals im Jahr. Und natürlich hat jeder Bauer nur seine paar Gänse um die Daunen erleichtert. In heutigen Zeiten, wo quasi jeder eine kuschelige Daunenjacke tragen möchte, reicht es nicht, die Mauserdaunen abzuwarten. Da wird gerupft, was es zu rupfen gibt. Ob fest oder nicht, schmerzlich oder nicht, das spielt mitunter weniger die Rolle. Die Nichtachtung der Tiere, ihre Nichtwertschätzung ist eine alltägliche Begleiterscheinung der Massentierhaltung. Wir reden von Milchvieh und Federvieh. Nicht von Kuh und Gans. Doch ich muss dabei nicht mitmachen. Ich habe Daunen abgewählt.

Und darum geht es mir: Um die Wahl. Ich wähle ein Leben ohne blutige Daunen. Und mit meiner Wahl beeinflusse ich den Konsum. Die Nachfrage nach Daunen.

Wer trotz allen Wissens um die auch blutigen Daunen, die möglicherweise im Federbett stecken, dennoch nicht auf dessen kuschelige Behaglichkeit verzichten möchte, dem will ich nicht reinreden. Bett ist privat. Allerdings rufe ich ins Schlafzimmer der Federbettfreunde ebenso wie ins Ankleidezimmer der Dauennjackenliebhaber und in die Packzone der Outddorschläfer: Achtet beim Kauf Eurer Daunenfederbetten, Daunenjacken oder Daunenschlafsäcke bitte auf die Herkunft Eurer Daunen.

Wanted: Mehr Infos zur Herkunft der Daunen

Lange war das ein schwieriges Unterfangen. Man musste den Angaben der Anbieter von Daunenprodukten Glauben schenken, die sich mitunter auf ihre Lieferanten beriefen. In den vergangen Jahren ist da so manches schwarze Schaf entlarvt worden. Ich erinnere nur an die Veröffentlichungen zu den Outdoor-Anbietern Patagonia oder Globetrotter, die teilweise von ihren Zulieferern über die Herkunft ihrer Daunen belogen wurden. Und Stiftung Warentest zufolge war 2013 keiner der Daunen-Bettzeug-Hersteller in der Lage, zu belegen, dass seine Daunen nur aus Totrupf stammten. Ganz zu schweigen von Infos darüber, woher, also von welchem Hof, die Daunen kamen. Ein Armutszeugnis, das traurigerweise typisch für unsere Zeit ist. Hier braucht es ohne Frage mehr Transparenz in der Lieferkette.

Gute Zeichen für Daunen

Der Verbraucher hat noch selten die Wahl zwischen blutigen und Daunen, die ohne Tierquälerei in die Bettdecke, den Schlafsack oder die Jacke gestpft wurden. Doch auch in der Daunenbranche bewegt sich etwas. 2009 hat das britische Outdoor-Unternehmen Mountain Equipment einen Down-Codex eingeführt. Hier sind die zugehörigen Infos. Und ganz frisch ist die Meldung, das sich etliche Label jetzt zum „Responsible Down Standards“ (RDS) bekannt hätten. Der wurde anfangs des Jahres von der Organisation Textile Exchange eingeführt. Unter den Bekennern sollen laut Medienberichten H&M, The North Face, Helly Hansen und Eddie Bauer sein. Bereits ab Herbst kommenden Jahres sollen Produkte mit dem Standard verkauft werden. Das zusammen mit der Industrie entwickelte Zertifizierungssystem gilt derzeit als umfassendster, unabhängig zertifizierter Tierschutz und Rückverfolgbarkeitsstandard weltweit. RDS könne laut Presseberichten auf alle Zulieferernetzwerke angewendet werden, die mit Wasservögeln in Verbindung stünden und soll so eine artgerechte Behandlung der Tiere vom Küken bis zum fertigen Produkt sichern.

Warum der Mensch Daunen so liebt? Alternativen hätten nicht den selben Wohlfühleffekt – heißt es seitens der Hersteller, die von Stiftung Warentest genau das gefragt wurden. Und ich sage: Meine Bio-Wolldecke ist kuschelig. Mir reicht das. Zum Schlafen.

 

 

 

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