Stinkefinger

So ein Stinkefinger!

Da hat mir doch heute einer seinen Stinkefinger gezeigt! Also den ausgestreckten, nach oben gerichteten Mittelfinger seiner Hand. Es war die Linke. Ich muss mir deshalb hier mal gehörig Luft verschaffen. Und da ich nicht ich und nicht der schreibenden Zunft angehörte, wenn ich alles, was mir so geschieht, in mich hinein fräße und dann still und heimlich vor mich hin gärte bis ich irgendwann lautstark explodierte, teile ich meinen Ärger über diesen Stinkefinger lieber hier mit Euch. Aus meiner Sicht war die Geste völlig unbegründet, da ich, mit Baby vorm Bauch geschnallt lediglich für einen kurzen Moment nicht Herrin meines – zugegeben just als ich eine Straße bei Grün überquerte – von einer Hamburgischen Bö ins Gegenteil verkehrten Regenschirms war und noch bei Rot für mich und Rot für ihn, den Besitzer des Stinkefingers in dem niedrigen schwarzen Auto, auf der Fahrbahn weilte. Ich frage Euch, ist das ein Grund, einer Mutter mit Säugling einen Stinkefinger zu zeigen? Keinesfalls!

Und weil mich der Stinkefinger den ganzen Tag sehr wurmte, habe ich mich jetzt mal ein wenig mit dem Stinkefinger an sich beschäftigt. Passt ja auch irgendwie zu einem meiner Lieblingsthemen, der „Geokosmetik“. Wer den Bezug noch nicht erkennt – abwarten. Ich schreibe schnell, versprochen.

Stinkefinger – eine Beleidigung

Ich empfinde den Stinkefinger als Beleidigung. Wer das anders sieht, möge sich jetzt bitte melden! Aber schön mit dem gen Himmel gerichteten Zeigefinger, im Sinne von „Ich, hier, Herr Lehrer!“  Wikipedia meint, der Stinkefinger sei eine obszöne Geste, also eine schmutzige, schamlose. Strafrechtlich werde der Stinkefinger in Deutschland als Beleidigung angesehen, er erfülle laut Wiki den Tatbestand derselben nach Paragraf 185 des Strafgesetzbuches. Wer einem Polizisten einen Stinkefinger zeige, müsse demnach mit einer Anklage rechnen.

Nun bin ich zwar keine Polizeibeamte, aber beleidigt hat mich der Typ schon. Leider hatte ich nicht den Nerv, mir die Autonummer zu merken oder gar eine Diskussion anzufangen. Doch der Stinkefinger dieses Mannes hat mich ziemlich betroffen gemacht. Klar, ich könnte das Ganze locker wegstecken, aber ehrlich, als stillende Mutter habe ich mit dem Wegstecken solcher Erlebnisse hormonell bedingt gerade arge Probleme.

Apropos Wegstecken:

Warum stinkt der Stinkefinger? Viele Erklärungen …

Zur Geschichte des Stinkefingers habe ich Einiges gefunden. Gleichwohl man sich nicht einig über Herkunft und Bedeutung des Gestanks des Stinkefingers zu sein scheint. Da aber mehrere Herleitungen plausibel klingen, will ich kurz alle Fundstücke aufzählen und Ihr könnt Euch mit der Euch genehmsten Erklärung anfreunden.

Stinkefinger in der Antike

Bei den Alten Griechen soll der Stinkefinger einen Penis in Bestform (also erigiert) symbolisiert haben, der als sexuell gefärbte Drohung gezeigt wurde. Er ist also ein sogenanntes Phallussymbol. Die römische Antike kannte den Stinkefinger ebenfalls – als: digitus impudicus („schamloser“ oder „unzüchtiger Finger“). Hier habe ich auch gelesen, dass „Römische Strichjungen sich auf den Straßen zu erkennen gaben, indem sie den Mittelfinger in ihr Kopfhaar schoben. Kurz, der Mittelfinger hatte ganz klar damals schon eine anstößige Bedeutung, und das hat sich übers Mittelalter bis heute durchgezogen. auch mit der Folge übrigens, dass es seit Angedenken der einzige Finger ist, an dem man üblicherweise nie einen Ring trägt!“

Stinkefinger in Deutschland

Hierzulande soll der Stinkefinger übrigens lange Zeit gar nicht so bekannt und / oder als Geste verbreitet gewesen sein. Stattdessen zeigte man sich hier eine andere Geste: die Feigenhand – die ich nun wieder Zeit meines Lebens nicht nur derart obszön kenne, sondern auch als „geklaute Nase“ bei kleinen Kindern.

Stinkefinger als medizinisches Werkzeug

In Foren habe ich auch Erklärungen dafür gefunden, warum der Stinkefinger Stinkefinger heißt. Da schreibt bei gutefrage.de ein toterbiber, dass das „ursprünglich aus einer Zeit, wo die Medizin noch nicht so weit fortgeschritten war“ stamme, denn „hatte man damals ein rektales Problem, nahm der Arzt schon mal gern seinen längsten Finger zur Hand und überzeugte sich selbst, was bei seinem Patienten da hinten drin los ist.“ Und weiter: „Dadurch hat dieser Finger sein schlechtes Ansehen bekommen, man zeigt quasi den Leuten seinen dreckigsten Finger.“ Anderswo nennt man den entsprechenden Griff auch „Urologengriff“. Und weil der Arzt mit dem Mittelfinger – wohin auch immer – Salbe schmierten, heißt der ursprünglich auch „digitus medicinalis“.

Nun, rektale Untersuchungen sind auch heute noch Gang und Gäbe, zum Beispiel beim Proktologen oder auch beim Gynäkologen. Als Mutter von vier Kindern … was sol ich schreiben als: alles schon erlebt. Doch das nur nebenbei an User toterbiber.

Stinkefinger der Bogenschützen

Im England des Mittelalters soll man Wild-/Dieben den Mittelfinger abgetrennt haben, um sie zu markieren. Das war insofern eine nachhaltig geschäftsschädigende Strafe, als dass man damals den Jagdbogen mit dem Mittelfinger spannte.

Auch diese Legende (Bogenschützen-Theorie) zum Stinkefinger lebt bis heute: Laut User nickthebig auf gutefrage.de sei der Stinkefinger „die Geste englischer Langbogenschützen gegenüber französischen Soldaten während des Hundertjährigen Krieges“ gewesen. „… allerdings zusätzlich mit Zeigefinger. Sie signalisierten somit, dass sie den Franzosen entkommen waren, da gefangenen Bogenschützen der Zeige- und Mittelfinger (zum Bogenschießen unbedingt notwendig …) abgetrennt wurden.“

Stinkefinger in der Forschung

Die Zeitung „Die Welt“ hat 2012 einen Artikel veröffentlicht, dessen Titel lautet: „Warum in Deutschland der Mittelfinger ’stinkt‘„. Klingt vielversprechend – liefert aber nicht wirklich eine Antwort, gleichwohl der Autor, Hans-Martin Gauger, demnach ein Experte, nämlich Professor für Romanische Sprachwissenschaft  (Linguistiker). Viel spannender ist der Artikel „Was der Stinkefinger zu sagen hat„, der schon 2009 in der Zeitung erschien und über den Forschungsstand von der Geste Stinkefinger und anderen berichtet.

Meine „geokosmetische“ Erklärung: Stinkefinger vielerorts der Poputzer

Ich selbst habe eine andere Erklärung für das Stinke im deutschen Stinkefinger, so es denn ein linker Finger ist: Der bloße Mittelfinger der linken Hand wird schließlich bis heute in vielen Regionen dieser Welt zum Putzen des Allerwertesten benutzt, dort nämlich, wo man nicht Papier verwendet, sondern Wasser. Und hier ist nun endlich auch der versprochene Bezug zu meiner Geokosmetikserie! Und weil der Mittelfinger, wenn er an dem großen Geschäft beteiligt, jedoch anschließend nicht selbst auch gründlich geputzt wird, nun mal stinkt, heißt er wohl Stinkefinger. Allerdings ist diese Poputze-Praxis in Deutschland unter Deutschen recht wenig verbreitet. Eher unter Orientalen und Asiaten …

 

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