Biosünde Kaugummi

Bio-Sünde Kaugummi?

Ich bin, also kaue ich. Ich kaue, also bin ich. Weniger philosophisch ausgedrückt: Ich kaue seit ich denken kann Kaugummi. Nahezu täglich. Ausgenommen die Zeiten, in denen ich schwanger war. Dann nämlich wurde mir vom Kaugummikauen mehr als übel. Doch an einem normalen Tag wie heute schiebe ich mir nach dem morgendlichen Tee ein Kaugummi zwischen die Zähne. Schmeckt es mal nicht mehr, macht es meist Zwischenstation auf dem Laptop – bis ich es in die Küche zum Mülleimer trage.

 

Kaugimmi auf der TastaturWährenddessen kaue ich schon auf dem nächsten Kaugummi, einen entsprechend großen Vorrat habe ich stets in der Hosentasche. Den stocke ich alltäglich morgens auf.

Und damit bin ich nicht allein: Laut dem Verbraucherportal Utopia kauften wir Deutsche im vergangenen Jahr 2014 für rund 650 Millionen Euro Kaugummi (Quelle: Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V., kurz: BDSI). Nicht ganz 15 Millionen Deutsche kauen demnach  jeden Tag oder zumindest an mehreren Tagen in der Woche Kaugummi.

Gute Gründe fürs Kaugummikauen

Meine guten Gründe fürs Kaugummikauen sind die:

  • Ich kaue Kaugummi als allererstes als prophylaktisches Mittel gegen Mundgeruch.
  • Ich genieße den dank des Kaugummikauens spürbar reinigenden Effekt auf die Zähne.
  • Ich kaue Kaugummi auch als Unterstützung gegen Heißhunger, also als gegen zu viel zu essen helfendes Mittelchen bei der kalorienarmen Ernährung.
  • Ich glaube außerdem Studien bestätigen zu können, die da behaupten, Kaugummi sei gut zum Denken. Ich schreibe irgendwie konzentrierter, wenn ich kaue.

Was ist Kaugummi?

Laut dem oben schon erwähnten BDSI wird Kaugummi aus fünf Hauptzutaten gemacht:

  1. Kaugummibase
  2. Zucker (bei zuckerfreien Kaugummis: Zuckerersatzstoffe)
  3. Maissirup
  4. Aromastoffe
  5. Zusätze, die die Konsistenz beeinflussen (Ziel: Weichheit und Geschmeidigkeit)

Die „Sendung mit der Maus“ (Quelle: YouTube) hat hie rin diesem Video anschaulich erklärt, wie Kaugummi hergestellt wird:

 

Ist Kaugummi eine Bio-Sünde?

Diese Frage kann man angesichts der unzähligen Kaugummileichen, die einem in unserem Alltag auf Schritt und Tritt begegnen (und uns nicht selten klebenderweise an der Schuhsohle zumindest zeitweise begleiten), wohl nur mit einem Ja! beantworten. Gleichwohl ich mir bis zur Recherche dieses Artikels nicht wirklich einen Kopf darum gemacht habe, welche Halbwertzeit wohl ein Kaugummi hat. Eine klare Antwort dazu habe ich auch nicht gefunden. Die Schätzungen gehen da doch weit auseinander. Ich hänge mich jedoch nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich jetzt mal behaupte, dass es „jahrelang“ dauert, bis sich die Kaugummis zersetzt haben.

Grund dafür sind ihre Inhaltsstoffe. Laut Utopia.de bestünden „moderne Kaugummis fast ausschließlich aus synthetischen Rohstoffen. Den ‚Gummi‘-Anteil bilden dabei Polymere auf Erdölbasis„. Wir kauen demnach auf Kunststoff herum. Kunststoff, der aus dem fossilen Rohstoff Erdöl gewonnen wird – das ist an für sich schon ein Unding. Plastik! Eine Bio-Sünde ist es allemal. Aufgrund dieser Rohstofflage ist Kaugummi nur schwer biologisch abbaubar. Das Ausspucken eines Kaugummis in der freien Wildbahn, sei diese nun in grünster Natur oder mitten in der Stadt, ist deshalb ein Umweltproblem. Das Entsorgen von Kaugummis, insbesondere festgetretenenExemplaren von der Straße, funktioniert meist nicht mit herkömmlichen Besen (Kehrmaschinen).

Im Gegenteil: Die Kommunen müssen oft Spezialwerkzeug einsetzen, um die Kaugummis vom Gehsteig zu kratzen. Hochenergetische Heißdampfkehrer kommen laut Wikipedia beispielsweise in Köln zum Einsatz. Die arbeiten demzufolge zwar mit umweltverträglichen Tensiden. Aber selbst das könnte man sich ja sparen, wenn alle ihre ausgelutschten Kaugummis ordnungsgemäß entsorgen würden.  „Je nach Verschmutzung und Untergrund schafft es die Maschine, stündlich 75 bis 100 Quadratmeter Fläche von Gummi- und Ölrückständen zu befreien. Untergrund und Verfugungen werden dabei nicht beschädigt. Die Reinigungsmaschine kann auch – gegen Rechnung – privat angefordert werden: ein Quadratmeter kostet 4,60 Euro plus Anfahrtspauschale“, schrieb der Kölner Stadt-Anzeiger kurz nach Inbetriebnahme des 20.000 Euro teuren Reinigungsgeräts im Jahr 2004.

Mein Tipp: Ich habe früher, als ich noch außer Haus jobbte, heute schreibe ich ja im Home-Office, eine kleine Zahndose dabei gehabt, in der ich Kaugummis verwahrte. Entweder zum Weiterkauen, jaja, so eine bin ich. Oder zum späteren Wegschmeißen.

Runterschlucken ist übrigens nur eine Alternative für den Notfall. Denn die Frage ist ja:

Kaugummi verschluckt: Besteht Gefahr für Leib und Leben?

Laut einem Bericht auf Spiegel online sei das Verschlucken eines Kaugummis weniger gefährlich, als es uns von – es natürlich immer nur gut mit uns meinenden – Erwachsenen als Kind erzählt wurde. Der Kaugummi bleibe demnach mitnichten im Magen. Er forme mitnichten einen riesigen Kaugummiball. Er bilde mitnichten beim Pupsen riesige Kaugummiblasen. All das sind Märchen. Doch was passiert denn tatsächlich, wenn man einen Kaugummi verschluckt? Oder auch zwei? Oder drei? Die Kollegin von SPon schreibt dazu:

  1. Erstens müsse man nicht befürchten, dass der Kaugummi, der an sich überall kleben bliebe, was das Zeug halte, dies auch im Inneren unseres Verdauungstraktes täte. Dem sei nicht so. Der Grund: „Ob im Mund, in der Speiseröhre, im Magen oder im Darm: Überall legt sich ein Feuchtigkeitsfilm auf den Kaugummi, der einen direkten Kontakt mit der Körperoberfläche verhindert. Festkleben ausgeschlossen.“
  2. Zweitens verwerte unser Körper nur „winzige Mengen eines Kaugummis“. Und zwar „ausschließlich der Zucker und andere Zusätze wie Aromen“ lösten sich demnach beim Verstoffwechseln „aus dem Kaugummi und verteilen sich über die Blutbahn im gesamten Organismus“. Mit dem großen Rest, so schreibt  Irene Berres von SPon weiter, „der weißen Kaumasse“, könne der Körper nichts anfangen. „Sie wandert, von den unermüdlichen Wellenbewegungen der Verdauung angetrieben, vom Magen über den Dünndarm weiter in den Dickdarm.“ Und plumpse am Ende ins Klo. Berres zeitiert dann noch die Aussage „Was oben reingeht, kommt auch unten wieder raus“ von Axel Enninger, ein Kindergastroenterologe am Klinikum Stuttgart.

Mein Fazit: Kaugummikauen ist mir eine liebgewonnene Gewohnheit. Von der ich mich nicht trennen möchte. Allerdings ist mir dank der Recherche zu diesem Artikel klar geworden, auf was ich da täglich kaue. Plastik! Deshalb werde ich nach Alternativen zum erdölbasierten Plastik-Kaugummi Ausschau halten. Allzu viele scheint es da noch nicht zu geben. In meiner Drogerie gibt es „Chicza“:

Biologisch abbaubare Alternative zu herkömmlichen Plastik-Kaugummis

Dessen Gummimasseanteil sei laut eigenen Angaben zu 100 Prozent biologisch und mache insgesamt 40 Prozent aller Inhaltsstoffe aus. Chiczas natürlicher Geschmack versuche die Essenz von frischen, wilden Früchten, Kräutern und Gewürzen einzufangen. Es habe diese original gummiartige Konsistenz, die nur natürliches Kaugummi haben könne, heißt es auf der deutschen Produktseite.

Und weiter steht dort: „Einer der großen Vorteile an der Rezeptur von Chicza sei seine biologische Abbaubarkeit. Einmal weggeworfen, verwandeln sich alle seine natürlichen Inhaltsstoffe binnen weniger Wochen zu Staub. (Es verbessert sogar den Kompost).

Ich sage nur: Chicza als Kaugummi und Kaugummi zu Staub. Amen. Ich kauf  mir die gleich morgen mal … Welche Erfahrungen habt Ihr mit Bio-Kaugummis? Schreibt mir gerne in einem Kommentar!

 

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