macht stillen schlank? Meine Erfahrungen

Macht Stillen schlank? Ein Erfahrungsbericht nach vier Kindern

Ich bin eine überzeugte Langzeitstillerin. Ich bin das nicht von Geburt. Weit gefehlt! Aufgewachsen bin ich als Einzel- und Scheidungskind. Also eher einsam. Bezug zu Babys hatte ich in meiner Kindheit kaum. Vorbereitet aufs Stillen wurde ich weder in der Familie, noch in der Schule. Mit dem wachsenden Kinderwunsch verband ich lange Zeit auch den nach einer Karriere.

Meine Schwangerschafts- und Stillgeschichte: Kilos rauf, Kilos runter

Erst als sich der Kinderwunsch nicht eben mal so in die Tat umsetzen ließ und eine Fehlgeburt der nächsten folgte, setzte ich mich intensiv mit meinem Körper auseinander. Und verschob Prioritäten, weg von der Karriere hin zu einer Familie. Sechs Fehlgeburten in Folge festigten den Wunsch nach einem Kind. Und als die siebte Schwangerschaft dann plötzlich ohne Komplikationen verlief, bis schlussendlich ein gesundes Kind aus mir heraus kam, war ich, was Versorgung, Pflege und Stillen anbelangte, ehrlich gesagt, doch recht unbedarft. Ich glaubte an das Gelingen der Schwangerschaft und hoffte, das Kind stillen zu können. Diese Hoffnung erfüllte sich. Das Kind trank und das Stillen verlief ohne große Probleme. Ich lernte, wie gut Stillen mir und dem Kind tut. Und stillte und stillte. Schnell war ein Jahr um.

Mit 16 Monaten und 10 Tagen verweigerte Nr. 1 plötzlich die Milch. Was ich geradezu als Beleidigung empfand. Doch wenig später stellte ich fest, dass Nr. 2 es sich in meinem Bauch bequem gemacht hatte. Einfach so. Stillen fand mit Nr. 2 nur mit Stillhütchen aus Silikon statt, doch auch das konnte, da wohlorganisiert (kein Schritt ohne mindestens zwei Exemplare der Stillhütchen am Leib), ohne Probleme geschehen. Mit 18 Monaten und 10 Tagen wollte Nr. 2 keine Muttermilch mehr. Ein stiller Abschied vom Stillen, traumhaft harmonisch.

Kurz darauf kündigte sich Nr. 3 an und kam ebenfalls ohne Probleme auf die Welt. Die Stillzeit mit Nr. 3 war meine längste bisher: 25 Monate und 10 Tage. Das Abstillen fiel uns beiden schwer, gleichwohl ich es wirklich wollte, da der Einzug in den Kinderladen sich schon am Horizont abzeichnete. Als wir es endlich geschafft hatten, waren wir beide geschafft.

Dann folgten fünf weitere Fehlgeburten. Und als ich Frieden schloss mit meinem tollen Trio meldete mein Bauch die Einnistung von Nr. 4. Dessen Stillzeit läuft seit fast 13 Monaten. Das nur als Vorwort.

Ergänzend will ich meine Gewichtsentwicklung schildern. Meine Kindheit verbrachte ich als Speckmensch. So nannte mich mein Großvater zeitlebens. Das hat mich wohl nachhaltig verletzt und geprägt. Ich wog 1999 gute 74 Kilogramm bei 168 Zentimetern Größe. Ich aß, was mir schmeckte und kochte der Nase nach. Ich nahm zum Jahreswechsel 1999/2000 15 Kilo in drei Monaten ab. Dank einer kompletten Ernährungsumstellung. Leider konnte ich die Gewichtsreduktion nicht wirklich genießen, ich empfand mich auch mit 59 Kilo noch immer als zu dick. Ich nahm deshalb gezielt weiter ab. An manchen Tagen aß ich nur einen Apfel. Und feierte mich dabei. An meinem 30. Geburtstag wog ich 53 Kilo und fand mich toll. Andere meinten, ich sähe krank aus. Dann wollte ich den Kinderwunsch in die Tat umsetzen. Doch leider begannen die Fehlgeburten, teilweise im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung mit Hormonen, die ich – weil erfolglos – beendete.  Ich hatte mein Gewicht, vor allem wegen des Nachgebens auf den Appetit, den mir die täglichen Hormonspritzen bescherten, wieder erhöht und schwankte um die 68 Kilogramm. Als ich zum siebten Mal und zum ersten Mal erfolgreich schwanger wurde, wog ich 69 Kilo. Am Tag der Geburt 80. Nach der Geburt marschierte ich viel draußen, die Kilos verloren sich dabei wie von selbst. Die meisten an Hamburgs Außenalster. Ich wog 10 Monate nach der Geburt 59 Kilo und fühlte mich toll. Dann kam Nr. 2, an dessen Geburtstag ich 84 Kilo auf die Waage brachte. Zwei Jahre später war ich bei 64 Kilogramm und zufrieden. Fast. Dann kam Nr. 3, bei deren Geburt wog ich wieder 80 Kilogramm. Es dauerte vier Jahre, bis ich wieder eine 63 auf der Waage sehen sollte. Nach Nr. 4, Gewicht am Geburtstag: 84 Kilogramm, wiege ich jetzt, ein Jahr später, 68 Kilo. Und hadere damit. Mein Traum: 62 Kilogramm. Doch noch stille ich. Und darum geht’s.

Baby Nr. 4

Stillen macht schlank!

Überall liest frau, dass das Stillen ein großartiger Schlankmacher sei. Eine britische Studie aus dem Jahr 2012, für die Daten von 750.000 Frauen erfasst und analysiert wurden, sagt: „Mütter, die ihre Kinder mindestens sechs Monate lang an die Brust legen, sind … auch nach den Wechseljahren schlanker als Frauen, die nicht gestillt haben. Stillende Mütter nehmen nach der Schwangerschaft … nicht nur besser ab, sondern legen auch noch Jahre später weniger zu.“ Ich kann das nicht bestätigen. Überhaupt nicht! Denn ich habe während des Stillens auch Appetit. Einen unbändigen Appetit, der sich nur schwer mit kalorienarmer Nahrung besänftigen lässt. Im Gegenteil: Mein Verlangen gilt Süßem und Fettigem. Puddings, Schokolade, Kuchen. Dazu Deftiges. Ein Jahr lang habe ich jetzt nachgegeben und gegessen, wonach mir war. Der Preis: Immer noch etliche Kilo weit weg von meinem Wunschgewicht. Ganz ehrlich: Am 18. Januar diesen Jahres wog ich 74 Kilo. Oha. Also beschloss ich, die Süßigkeiten wegzulassen. Mehr Bewegung ist derzeit leider nicht drin. Denn ich arbeite ja im Sitzen am Computer. Mit dem Baby ständig um mich herum und ab Mittags sind auch die Vor- und Schulkinder im Haus. Alltägliche Bewegung ist deshalb derzeit alles, was mir bleibt. Und so bleiben auch die Kilos länger in der Babyschutzzone, also am Rumpf – rundum. Nach vier Wochen Ernährungsumstellung bin ich jetzt bei 68 Kilogramm gelandet. Und ich muss sagen, es war nicht leicht, auf die Süßigkeiten zu verzichten. Dennoch, ich fühle mich schon etwas besser und träume von 62 Kilogramm Lebendgewicht.

Stillen macht doch nicht schlank!

Ich stille nach wie vor nach Bedarf, nachts mindestens alle zwei Stunden, tagsüber sicher auch mindestens ebenso häufig. Ich werde in absehbarer Zeit sicher nicht abstillen. Also mache ich langsam weiter mit der bewussten Ernährung. Manche sagen, so lange, wie es kommt (gemeint ist die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft), so lange braucht auch das Gewicht, die Mutter wieder zu verlassen. Nun, diese Volksweisheit kann ich nur für Kind Nr. 1 bestätigen. Und da hatte ich neben der vielen Bewegung auch einen Riesen-Stress zu Hilfe, weil mein langjähriger Arbeitgeber, ein riesiger deutscher Verlag, der immer wieder Preise als familienfreundliches Unternehmen einheimst, Redakteurinnen mit Kind als zu unflexibel erachtete, um sie weiter zu beschäftigen. Die Entscheidung, mich selbständig zu machen, trug ihrerseits offensichtlich erfolgreich zu meiner Gewichtsreduktion bei. Aber das war auch vor zehn Jahren. Mein Körper verbrennt mit den Jahren Speckschwarten sicher auch schwerer. Oben schon erwähnte Studie hatte aber auch folgendes Ergebnis: „Die Gewichtsabnahme durch das Stillen eines Säuglings kann die Gewichtszunahme durch eine Schwangerschaft  in der Regel nicht kompensieren. Hier stimmt tatsächlich, was viele Frauen beklagen. Jede Schwangerschaft bringt  im Schnitt zwei Kilo mehr auf die Hüften. Die britischen Studienergebnisse zeigen eindeutig: mit jedem Kind stieg der BMI der Studienteilnehmerinnen leicht an. Bei Frauen, die vier oder mehr Kinder geboren hatten, lag der BMI in der Menopause durchschnittlich bei 26,2 – und damit deutlich im Bereich des Übergewichts“, berichtet Wissenschaft aktuell (SWR2).

Vier Jahre soll der mütterliche Körper brauchen, sagt eine andere Faustregel, bis die schwangerschafts- und geburtsbedingten Änderungen wieder im Normalzustand sind. Diese Jahre gebe ich mir jetzt einfach mal, um meine Wunschfigur wieder zu erreichen. Was das Stillen mir also nicht bringt, ist ein schnelles Abnehmen. Das muss ich mit Willenskraft schaffen. Meiner eigenen. Deshalb sende ich hier ein kurzes Stoßgebet gen Himmel: „Mein Abnehmwille geschehe …“

Fotos: Doreen Brumme

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