FAIR TRADE ODER BIO-PRODUKTE?

Fair Trade oder Bio-Produkte? Was ist besser?

Premiere: Ihr lest heute zum ersten Mal einen Gastbeitrag auf der insiderin.de. Geschrieben hat ihn Anna Lefik, deren Engagement in Sachen Fair Trade ich seit Jahren beobachte und das mir sehr imponiert. Und da die Frage, die sie in den Raum stellt, auch mich bewegt, mache ich hier auf meinem Blog gerne Platz für Anna:

Konsumenten treffen ihre Kaufentscheidung zunehmend bewusster und wählen immer öfter  biologische und faire Produkte. Aber was genau steckt dahinter? Was macht ein faires Produkt im Vergleich zu einem biologischen Produkt aus?

Der Faire Handel (engl. Fair Trade) ist die Antwort auf das Versagen des konventionellen Handels, vor allem in den armen Ländern des Südens nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.  Daher haben sich bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts die ersten Fair-Handels-Organisationen zunächst in den USA, später in Europa gegründet. Das älteste Fair-Handels-Unternehmen in Deutschland – die gepa – feiert dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum.

  • 2001 haben sich die internationalen Dachorganisationen des Fairen Handels (FLO, WFTO, NEWS!(2008 aufgelöst) und FINE) auf folgende Definition für den Fairen Handel geeinigt:
  •  „Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzent/innen und Arbeiter/innen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.“ FINE-Grundlagenpapier zum Fairen Handel, 2001

In der „Charta der Prinzipien des Fairen Handels“ haben die beiden international agierenden Netzwerke Fairtrade International und World Fair Trade Organisation (WFTO) 2009 die Kerngrundsätze des Fairen Handels festgehalten:

  • Marktzugang für marginalisierte ProduzentInnen (vorwiegend Kleinbauern)
  • Nachhaltige und faire Handelsbeziehungen: Berücksichtigung aller direkten und indirekten Produktionskosten, einschließlich des Schutzes der natürlichen Ressourcen und der Deckung des zukünftigen Investitionsbedarfs.
  • Capacity Building und Empowerment: Produzenten-Organisationen bekommen Wissen zu Marktbedingungen, Produktion und Trends vermittelt und können damit ein selbstbestimmtes Leben führen.
  • Aufklärung von VerbraucherInnen und politische Arbeit
  • Fairer Handel als „Sozialvertrag“: Verpflichtung zu einer langfristigen Handelspartnerschaft auf der Basis von Dialog, Transparenz und Respekt.
  • Arbeitnehmerrechte nach ILO-Konvention sind im Fairen Handel die Mindeststandards. Die Fair-Handels-Unternehmen gehen in vielen Punkten darüber hinaus, indem die ProduzentInnen und ArbeiterInnen positiv und aktiv zur Weiterentwicklung ermutigen.

Sri Lanka, Kandyan-Homegarden-Curcuma

Im Gegensatz zu Fair-Handels-Organisationen, stehen bei den Herstellern von Bio-Produkten ökologische Aspekte an erster Stelle. Sie sind bei der Produktion ihrer Produkte darauf bedacht, dass Umwelt und Ressourcen möglichst wenig beeinträchtigt werden. Im besten Fall werden die Produkte in einem sich selbst regenerierenden System angebaut. Der Begriff Bio ist in der EU gesetzlich definiert und ein Bio-Produkt muss folgende Voraussetzungen erfüllen:

• Herkunft aus ökologisch kontrolliertem Anbau;
• Keine gentechnische Veränderung;
• Verzicht auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger oder Klärschlamm;

• Tierische Produkte müssen von Tieren stammen, die artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung und nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden.

• Keine ionisierende Bestrahlung;

• Weniger Lebensmittelzusatzstoffe.

Die Kerngrundsätze von fair gehandelten und Bio-Produkten klingen zunächst sehr unterschiedlich, im Prinzip ist das Ziel aber das Gleiche – nämlich eine nachhaltige Entwicklung!

Der Faire Handel setzt bei den Produzenten an, aber sein Ziel ist ebenso die Ressourcenschonung unter nachhaltigen Produktionsbedingungen. Denn nur so kann der Faire Handel den Produzenten des Südens langfristige Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Mittlerweile tragen 65% der Fairtrade-Siegel-Produkte auch das Bio-Siegel.

Im Gegensatz dazu konzentriert sich der ökologische Landbau zunächst auf die Produktionsmittel Land, Pflanzen und Tiere. Aber ein umsichtiger Umgang mit diesen Ressourcen, kann konsequenterweise nur zu einem umsichtigen Umgang mit der „Ressource Mensch“ führen. Bekannte Bio-Unternehmen haben dies längst erkannt und haben eigene Fair Trade-Siegel entwickelt, wie beispielsweise Rapunzel mit dem Hand-in-Hand-Siegel.  Der faire Umgang mit der Ressource Mensch gehört bei vielen Bio-Unternehmen daher auch zur Unternehmensphilosophie.

Über Anna, die Autorin:

Anna Lefik, 33, engagiert sich seit über 15 Jahren für den Fairen Handel und betreibt seit 4 Jahren die unabhängige Informationsseite www.fairer-handel-aktuell.de. Sie ist außerdem Mitglied im Fairtrade-Lenkungskreis der Stadt Mainz und betreut die Kampagnen-Homepage www.fairtrade-stadt-mainz.de.

Fotos: Anna Lefik (Die Bilder zeigen laut Anna sogenannte „Kandyan Homegardens, eine Form des Waldfeldbaus. Die Kandyan Homegardens sind besonders bekannt für ihre Pflanzenvielfalt und sind durch ihr natürliches Gleichgewicht hervorragend geeignet für den Bio-Anbau.“)

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