Besteck Kunst

Veranstaltungstipp: Steinbeisser in Berlin – Essen trifft Kunst trifft Recycling

Meine Mutter hat mich dazu erzogen, zum Essen Messer und Gabel zu benutzen. Auch beispielsweise zum Abendbrot. Also das Messer zum Schmieren der Stulle und beides dann zum Essen derselben in mundlich zerkleinerten Häppchen. Ich habe diese Tradition nur insofern fortgeführt, als dass ich meinen Kindern das Essen mit Messer und Gabel gezeigt habe. Sie kennen und können das. Ansonsten bin ich bei meinen Kids einen anderen Weg gegangen: Ich habe sie angehalten, viele Speisen, die Oma mit Messer und Gabel isst, mit den bloßen Händen zu essen. Und damit meine ich nicht nur Fingerfood.

Ich ermutige sie deshalb dazu, weil ich ihre Sinne schärfen wollte für die besonderen Konsistenzen, Temperaturen und Eigenarten der einzelnen Lebensmittel. Vieles fühlt sich doch mit den Fingern anders an, als es aussieht und mit den Fingern nochmal ganz anders, als mit der Zunge. Und so essen wir viele Dinge mit den Fingern, während Oma mitunter den Kopf schüttelt. Und Messer und Gabel schwingt. Egal, Hauptsache, es schmeckt, oder?

Und weil ich es so spannend finde, wie man sein Essen zum Munde führt, möchte ich Euch hier die folgende Veranstaltung ans Herz legen:

Steinbeisser – Experimentelle (vegane) Gastronomie

Anfang Juli, genauer: vom 2. bis zum 5., soll im Berliner „Nobelhart & Schmutzig“ unter der kulinarischen Leitung von Chef Micha Schäfer und Wirt Billy Wagner ein 5-Gänge-Menü serviert werden, das auf rein pflanzlichen (veganen) Zutaten aus biologisch-dynamischem Anbau aus verschiedenen Regionen Deutschlands basiert. Laut der entsprechenden Pressemitteilung des Gastro-Kuratoren Martin Kullik, der seit 2009 „Steinbeisser – avantgardistische Tafeln an wechselnden Orten“ betreut – wird Micha Schäfer, der wiederum bei Chef Matthias Schmidt in der vor kurzem geschlossenen und ehemalig mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Villa Merton gelernt hat, in seine Gerichte besonders außergewöhnliche Pflanzensamen und Blüten einarbeiten.

Doch nicht nur das Essen an sich soll ein Erlebnis der Sinne werden. Nein, Steinbeisser will die an herkömmliches Besteck gewöhnten Gäste auch werkzeugtechnisch überraschen:

Eine Gabelkette von Nils Hint. Foto: Steinbeisser.

Steinbeisser – Ungewöhnliches Besteck aus Altmetall und Geschirr

Das Essen soll nämlich mit Besteck zum Munde geführt werden, das aus der Hand des Eisenschmieds Nils Hint aus Estland stammt. Er fertigt seine ungewöhnlichen Bestecke (siehe Titelfoto), die teils Messer, Gabel oder Löffel und teils Hammer, Schraubenzieher oder Kneifzange sind, aus Metall- und Werkzeug-Restbeständen, die er als Altmetall sammelt: Flügel eines Hubschraubers, U-Boot-Teile, Waffen, Werkzeug, Besteck. Nils sammelt den Eisenschrott auf Flohmärkten und Schrottplätzen in Estland und recycelt ihn zu ungewöhnlichen Löffelformen in seiner Schmiede. Die Stücke von Nils Hint könne man während des Abends auch käuflich erwerben, heißt es in der Pressemitteilung.

Dirk Aleksic wird, inspiriert von der modernen und der traditionellen japanischen Keramik, demnach das Geschirr für das Steinbeisser-Event gestalten. Es soll an ungewöhnlichen Stellen löchrig sein – seid also gespannt!

Alle wichtigen Infos zum Steinbeisser-Event in Berlin im Überblick

  • Was: 5-Gänge-Menü mit Wein- oder Saftbegleitung für 125 Euro (Ich weiß, das ist viel Geld. Dennoch empfehle ich die Veranstaltung, weil sie die Themen Recycling, veganes Essen und Kunst ganz sinnlich miteinander verknüpft und in meinen Augen ein Novum ist.)
  • Wer: 40 Gäste pro Abend
  • Wann: 2., 3., 4. und 5. Juli 2015 um 19:00 Uhr
  • Wo: Nobelhart & Schmutzig – Friedrichstrasse 218, 10969 Berlin-Kreuzberg
  • Reservierung, gerne unter Angabe von Intoleranzen gegenüber bestimmten Lebensmitteln, die laut Veranstalter selbstverständlich berücksichtigt würden, per Email an: info@nullsteinbeisser.org

Wer mehr Spannendes zum Thema Besteck und Wahrnehmung von Lebensmitteln erfahren möchte, dem empfehle ich das Interview hier mit Martin Kullik. Dort liest man beispielsweise, dass schweres Besteck gut zu Speisen passe, die langsam gegessen werden sollten, zum Beispiel solche aus der ayurvedischen Küche oder aus der makrobiotischen. Oder, dass die Farbe Blau uns veranlasse, Salz stärker zu schmecken …

Ach ja, und wer es nicht nach Berlin schafft, der hat Ende September Aussicht auf ein weiteres Steinbeisser-Event. Mit neuen Chefs und ihren veganen Leckereien. Mit neuen Besteckkünstlern. Mit neuen Geschirrkünstlern. Wo? In Frankfurt.

Guten Appetit!

Fotos (2): Steinbeisser

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