Korb mit TransFair-Produkten

„FairTrade“ heißt nicht „Bio“ – und umgekehrt

Bevor man die beiden Qualitäts-Siegel „Bio“ und „FairTrade“ fälschlicherweise gleichsetzt, sollte man sie miteinander vergleichen, um zu wissen, was „FairTrade“ und „Bio“ eigentlich besiegeln. Welche Produkte warum ein „Bio“-Siegel tragen, könnt Ihr hier auf dem Blog beispielsweise im diesem Beitrag nachlesen. Und was „FairTrade“ beinhaltet, habe ich Euch hier zusammengefasst:

Wofür steht das Siegel  „FairTrade“?

Das „FairTrade“-Siegel wird vom unabhängigen und gemeinnützigen Verein „TransFair“ mit Sitz in Köln vergeben, der seit 1992 daran arbeitet, benachteiligte Bauern und deren Angehörige, sogenannte Produzenten-Familien, in Afrika, Asien und Lateinamerika zu fördern. Über das ökonomische Instrument „Fairer Handel“ sollen sowohl die Arbeits- als auch die Lebensbedingungen dieser Menschen nachhaltig verbessert werden, heißt es in der Selbstdarstellung des Vereins TransFair im Internet.

Laut Aussage Vereins sind derzeit etwa 1,2 Millionen Menschen in das faire Handelssystem eingebunden, zählt man die Familien dazu, kommt man auf etwa 6 Millionen. TransFair handelt demnach nicht selbst mit Waren, sondern verleiht fair gehandelten Produkten auf der Grundlage von Lizenzen das „FairTrade“-Siegel. Die Standards, die der Verein TransFair dabei zugrunde legt, entsprechen den internationalen Standards des Dachverbands der 25 Fairtrade-Siegel-Initiativen, der Fairtrade International (FLO). Die Zertifizierungsgesellschaft FLO-CERT zertifiziert in mehr als 70 Ländern Produkte und Händler nach den Fairtrade-Kriterien.

Was umfasst das „Sozial-Siegel“ FairTrade?

Die einzelnen Kleinbauern (Bauernfamilien, die ohne Hilfe von Angestellten produzieren) beziehungsweise Plantagen-Kooperativen im benachteiligten Süden dieser Welt, die mit FairTrade-Initiativen zusammenarbeiten, erhalten für das, was sie produzieren, stabile Einkommen. Sie bekommen Zugang zu den Warenmärkten im Norden, ausgerichtet auf langfristige und möglichst direkte Handelsbeziehungen.

Wer auf den Plantagen angestellt ist, erhält mindestens den gesetzlichen Mindestlohnund Leistungen wie

  • Schutzkleidung
  • bezahlter Urlaub
  • und soziale Vorsorge.

Gemeinschaftliche Projekte erhalten von jedem Einkauf eine verbindlich festgelegte Fairtrade-Prämie, gezahlt auf ein separates Prämienkonto des Projekts. Ob damit Trinkwasserbrunnen oder Schulen gebaut werden, der Anbau auf „Bio“ umgestellt oder der Arztbesuch subventioniert wird, entscheiden die Macher des Projektes selbständig und demokratisch. Das beinhaltet kein anderes Sozial-Siegel!

Warum sind die Produzenten-Familien überhaupt benachteiligt?

Wer in einem Entwicklungsland produziert, sieht sich als Marktteilnehmer dem Druck des Weltmarkts, seinen schwankenden Preisen und den häufig ausbeuterischen lokalen Zwischenhändlern gegenüber. Nicht jeder Kleinbauer oder Plantagenangestellte kann hier seine Interessen angemessen vertreten. Es kommt häufig zu Ver- und Überschuldungen, Arbeitslosigkeit oder gar Verelendung, schreibt der TransFair-Verband. Hinzu kämen noch Probleme

  • wie Drogenanbau,
  • Prostitution,
  • Kinderarbeit,
  • Flucht in die Elendsviertel der Großstädte
  • oder Emigration.

FairTrade böte demnach einen Ausweg aus dieser Abwärtsspirale.

FairTrae Bananenbauer
Santos More trägt Bananen auf einer Bananenfarm..

Wo gibt es FairTrade-Produkte zu kaufen?

Produkte, die das FairTrade-Siegel tragen, kann man in Supermärkten, Bio-Läden, Kaufhäusern, Drogerien, den sogenannten Weltläden oder im Fachhandel kaufen. Wer nach einem bestimmten Produkt sucht, kann es mit der Produkt-Datenbank des TransFair-Vereins finden.

FairTRade-Bananen
Bananen, die das FairTrade-Siegel tragen.

Warum ist „FairTrade“ nicht gleich „Bio“?

Wer FairTrade-Produkte kauft, kauft Produkte, die mit einem Sozial-Siegel ausgezeichnet sind. Das FairTrade-Siegel ist kein eigenständiges Bio-Siegel oder Umwelt-Siegel, obgleich es sowohl in den allgemeinen als auch in den produktbezogenen Standards auch Umweltstandards umfasst. Zum Beispiel ist eines der Ziele, sämtliche aus der Landwirtschaft stammenden Produkte so anzubauen, dass Ressourcen und Umwelt geschont werden. Laut Angabe des Verbands TransFair kommen etwa 65 Prozent der FairTrade-Produkte aus biologischem Anbau – das heißt, nicht jedes FairTrade-Produkt ist ein Bio-Produkt – noch nicht!

Umgekehrt lässt sich feststellen, dass nicht alle Bio-Produkte tatsächlich fair gehandelt sind, bestes Beispiel ist die Schokolade: Laut Greenpeace stammen nur 0,5 Prozent des weltweit geernteten Kakaos aus Bio-Anbau und nur 0,1 Prozent ist fair gehandelt. Da das Bio-Siegel nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Rohstoffe unter fairen Bedingungen produziert wurden, ist beim Kauf einer Bio-Schokolade also nicht auszuschließen, dass beispielsweise Kinder ausgebeutet werden, um bei der Kakao-Ernte zu helfen.

Nur wer Bio-Schokolade mit „FairTrade“-Siegel kauft, kann Kinderausbeutung bewusst ausschließen. Immerhin stammen Greenpeace zufolge 78 Prozent der fair gehandelten Schokoladenprodukte hierzulande aus biologischem Anbau.

Fotos: Fairtrade Germany / Miriam Ersch (2) / Santiago Engelhardt (1)

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