Gelber Teller mit frischem Fleisch

Kann ich mit Fleischverzicht die Umwelt retten?

Vor gut fünf Jahren appellierte die damals amtierende Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) an die deutschen Verbraucher, sich ausgewogener zu ernähren und weniger Fleisch zu essen. Ich fühlte mich davon nicht angesprochen, schließlich esse ich nicht viel Fleisch. Doch was steckt eigentlich dahinter?

Kann man mit Fleischverzicht das Klima schützen und die (Um)Welt retten?

Laut Statistiken verzehrt jeder Deutsche pro Jahr etwa 60 Kilogramm Fleisch und Wurst. Mehr als die Hälfte davon ist

  • Schweinefleisch (knapp 40 Kilogramm)
  • gefolgt von Geflügelfleisch (mehr als 10 Kilogramm),
  • Rindfleisch (knapp 9 Kilogramm),
  • Schaf- und Ziegenfleisch (weniger als ein Kilogramm)
  • sowie sonstiges Fleisch (zum Beispiel: Innereien).

Um der Deutschen großen Hunger auf Fleisch und Wurst zu stillen, braucht man der WWF-Studie „Fleisch frisst Land“ (Teil 1 und Teil 2, 2011) zufolge 8,42 Millionen Hektar (1 Hektar, ha = 10.000 Quadratmeter, qm) Land – das entspricht der Fläche Österreichs. Ein solch großer ökologischer Fußabdruck hinterlässt Spuren: 18 Prozent der weltweit verursachten Treibhausgasemissionen (CO2 ist ein Treibhausgas) werden von der Viehwirtschaft produziert. Circa ein Drittel der gesamten Landoberfläche der Erde werde laut WWF allein zur Futtermittelproduktion verwendet – mit steigender Tendenz.

Weniger Fleisch zu essen ist gesünder und klimfreundlicher

Ernährungsexperten, zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), empfehlen jedem Deutschen, 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche zu essen. Das mache pro Jahr 15 bis 30 Kilogramm, also höchstens die Hälfte des tatsächlichen Fleisch- und Wurstkonsums hierzulande.

Weniger Fleisch essen, Zessner WienDie Empfehlung der DGE beruht auf gesundheitlichen Aspekten – der Verzicht auf einen Teil des Fleisches würde laut Professor Matthias Zessner von der Technischen Universität Wien, der in einer Studie die Vorteile einer ausgewogenen Ernährung für Österreich erforschte und dabei die Empfehlungen der DGE zugrunde legte, jedoch „nicht nur Krebsraten reduzieren und Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen“, sondern auch den „Flächenbedarf für die Ernährung durch ausgewogenere Ernährung von 3.600 Quadratmeter auf 2.600 Quadratmeter pro Person senken“.

Gemüse statt Fleisch?

Zum Vergleich: Mit den derzeit 60 Kilogramm Fleisch, die der Durchschnittsdeutsche pro Jahr vertilgt, verursacht er einen CO2-Fußabdruck von etwa 1.000 Quadratmetern. Wer auf einen Teil des Fleisches verzichtet, ersetzt es mit anderen Nahrungsmitteln (Gemüse, Obst, Getreideprodukte) – man will ja schließlich satt werden. Der jährliche Kartoffelverbrauch der Deutschen zum Beispiel verursacht „nur“ einen C02-Fußabdruck von 15 Quadratmetern, schreibt der WWF.

Die Rechnung, zugunsten des Klimas auf einen Teil des bisher selbstverständlich konsumierten Fleisches zu verzichten, ginge demnach also auf. Nun mag mancher sich die Frage stellen, ob es denn gleich ein teilweiser Verzicht auf Fleisch sein müsse? Reichte es vielleicht auch schon aus, statt des großteils aus herkömmlicher Viehwirtschaft stammenden Fleisches Bio-Fleisch zu kaufen?

Bio-Fleisch statt herkömmliches Fleisch?

Matthias Zessner zufolge habe der Umstieg auf Bio-Nahrung, also auch auf Bio-Fleisch, „deutlich geringere ökologische und gesundheitliche Auswirkungen“. Wolle man sich und der Umwelt Gutes tun, sei demnach der Griff zu frischem Obst und Gemüse viel wichtiger als jener zum Bio-Fleisch.

Fleischfreier Tag spart CO2

Täglich Fleisch und/oder Wurst auf dem Teller – das ist uns konsumverwöhnten Menschen hierzulande eine selbstverständliche und liebgewordene Gewohnheit – die zu ändern schwer fällt. Das ist ganz klar. Doch schon der Verzicht der Deutschen auf Fleisch und Wurst an nur einem einzigen Tag in der Woche brächte eine Flächenersparnis von 600.000 Hektar, das ist die doppelte Fläche des Saarlandes, und damit eine entsprechende Verkleinerung unseres viel zu großen CO2-Fußabdrucks.

Ich selbst tische mir und meiner Familie höchstens zwei Mal die Woche Fleisch auf – Wurst essen wir gar nicht. Stattdessen gibt’s bei uns viel Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte sowie Kartoffeln, Reis, Couscous, Bulgur, Nudeln und mehr.

Fotos: TU Wien (Porträtfoto), Doreen Brumme (Titel)

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Ein Kommentar

  1. Interessanter Ansatz. Allerdings kann das nicht die Lösung sein. Mal angenommen wenn nun wirklich immer mehr Personen anfangen würde auf Fleisch zu verzichten. Was werden diese dann essen? Ja – mehr Gemüse, Getreide usw.

    So.. woher bekommt man nun die ganzen Äcker die man braucht um den immer steigenden Bedarf zu decken? Es werden wahrscheinlich Wälder gerodet und natürliche Lebensräume zerstört. Ich glaube nicht, dass das besonders Umweltfreundlich ist.

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