Doreens Bestenliste: 10 Tipps für Eltern, deren Kinder ständig streiten

Streiten gehört zum Leben – zu dem von Groß und Klein. Ein Streit kann nötig oder unnötig sein, sinnvoll oder unsinnig. Doch während Erwachsene im Idealfall eine gesunde Streitkultur erlernt haben, ist diese bei Kindern noch nicht oder erst in Ansätzen entwickelt. Eltern stehen oft hilflos zwischen wütenden Streithähnen. Als 4-fach-Mutter weiß ich, wovon ich hier schreibe.

Warum ich diese Bestenliste hier zum Besten gebe

Dass man Kinder ruhig mal streiten lassen soll, ohne einzugreifen, wissen die meisten Eltern. Doch nicht immer funktioniert die Heraushaltetaktik: Manchmal wird von den jungen Streithähnen an Regeln oder gar Werten gerüttelt, an denen es nichts zu rütteln gibt – Schläge sind nun mal nicht erlaubt. Oder wir werden als Erwachsener zu Hilfe gerufen, um einen Streit zu schlichten.

Die folgende Top Ten ist meine persönliche Bestenliste, die von mir zwar erfolgreich erprobt, doch nicht auf meinem Mist gewachsen ist. Ich bin schließlich nur eine Mehrfachmutter, keine Kinder- und Familientherapeutin. Adele Faber und Elaine Mazlish dagegen schon. Ihr spannendes Buch „Hilfe, meine Kinder streiten. Ratschläge für erschöpfte Eltern“ ist ein Klassiker und mir bis heute eine große Hilfe. Leider ist das Buch nur noch gebraucht zu bekommen – auch deshalb stelle ich die Ratschläge der beiden erfahrenen Autorinnen hier gerne vor.

Ich kann allen Menschen, insbesondere denen, die mit Geschwistern aufgewachsen sind und inzwischen vielleicht selbst Eltern wurden, die Lektüre nur empfehlen, denn der Ratgeber empfiehlt uns noch viel mehr als die folgenden Verhaltensweisen im Falle des Streitfalls. Er zeigt auf, welche Bedeutung Geschwister bei der Entwicklung eines Kindes haben und wie wir Eltern Einfluss auf das Verhältnis der Kinder nehmen. Hervorheben möchte ich die vielen Schilderungen von Eltern, das Buch folgt im Aufbau quasi einem mehrwöchigen Elternkurs, die das beschreiben, was tagtäglich in der Familie passiert.

Neben konkreten Strategien, einen ausgebrochenen Streit zwischen Geschwistern zu schlichten oder zu beenden, liste ich hier solche auf, die laut Faber/Mazlish Eltern helfen können, einen Streit erst gar nicht zu verursachen.

Über den Umgang mit Gefühlsausbrüchen

„Ich hasse Tom!“, schreit Hannah wütend. Ob Tom nun ein jüngerer oder älterer Bruder, ein Kollege im Kindergarten oder ein Schulkamerad ist, sei mal dahingestellt: Das Mädchen ist in diesem Augenblick offensichtlich sehr wütend auf den Jungen. Wie gehen wir Eltern mit solch einem plötzlichen Gefühlsausbruch unseres Kindes um?

Erzählt ein Kind uns von seinen Gefühlen anderen Kindern gegenüber, sollten wir diese unbedingt annehmen. Dabei ist es ganz gleich, ob die Gefühle positiver oder negativer Natur sind. Vor allem die Möglichkeit, letztere ungestraft zu äußern, bietet sowohl dem Kind als auch den Eltern den nötigen Spielraum, um zu lernen, damit jetzt und vielleicht sogar künftig umzugehen, ohne dass die Wut zerstörerisch eingesetzt wird.

Bei einem plötzlichen Gefühlsausbruch eines Kindes solltet Ihr deshalb nicht versuchen, es zu beschwichtigen, indem Ihr das, was Eurem Kind zum Anlass gereichte, dass seine Gefühle wie meterhohe Wellen auf es einstürmen, banalisieren oder gar ignorieren. Stattdessen reicht es oft schon, dass Ihr als Erwachsener zunächst versucht, die Gefühle des Kindes in klare Worte zu fassen, um die Wogen zu glätten: „Ich sehe, du bist richtig wütend auf Tom.“ Das von seinen Gefühlen geschüttelte Kind hört so, dass Du es in seiner momentanen Gefühlswelt wahrnimmst und dass Du seine Gefühle kennst, denn Du nennst diese beim Namen: Wut.

Du kannst dem Kind auch zeigen, dass seine plötzlich aufsteigenden Gefühle ganz natürlich sind, indem Du es dabei unterstützt, seine Gefühle in der Phantasie auszuleben. Das macht insbesondere bei negativen Gefühlen Sinn, die man nicht in die Realität umsetzen darf: „Am liebsten würde ich Tom verprügeln!“ Wenn Du die Wünsche des Kindes in Worten aussprichst,  fühlt es sich mit seinen Gefühlen ernst genommen: „Du würdest Tom am liebsten mal so richtig eine runterhauen, stimmt’s?“

Hilf  dem Kind, seine Wut in Deinem Beisein symbolisch auszuleben: „Hau doch auf das Sofakissen, damit ich sehe, wie Du dich gerade fühlst!“ Oder Du bringst es dazu, die Wut kreativ auszuleben: „Mal doch ein Bild, um mir zu zeigen, wie wütend du auf Tom bist!“ Auch eine Liste macht sich gut, in der entweder das schon schreibende Kind oder andernfalls Du alles zusammenträgst, was Tom gerade zum Hass-Objekt Nummer Eins von Hannah macht.

Sollte die Klage Deines Kindes zu einer wahren Anklage werden, die möglicherweise Ursache eines erneuten Streites mit Tom werden kann, versuche, Tom aus der Rolle des „Bösen“ zu holen, indem Du vielleicht darauf hinweist, dass Du ihn auch als freundlichen, lustigen oder rücksichtsvollen jungen Mann kennengelernt hast. Vielleicht sieht auch Hannah die eine oder andere gute Seite des Jungen. Sie wird es momentan selbstverständlich nicht zugeben …

Ein Streit nach allen Regeln der Familie

Emma schaut dem älteren Anton beim Turmbau zu. Kaum steht das Bauwerk, greift sie unbeholfen danach und der Turm kippt um. Anton ist sauer. Er greift nach dem Ärmchen seiner kleinen Freundin/Schwester und will sie hauen. Emma schreit und wehrt sich. Und Anton schreit schließlich auch. Als Zeuge dieser Szene müssen wir Eltern jetzt eingreifen, denn Schläge verursachen Schmerzen und sind nicht erlaubt. Das ist eine Familienregel, die nicht gebrochen werden darf.

Solche wichtigen Verhaltensregeln müssen allen Familienmitgliedern vertraut gemacht werden. Jeder sollte wissen, dass Kämpfe nur erlaubt sind, wenn sie Spaß machen – und zwar allen Beteiligten. Und selbstverständlich muss ein Kampf sofort unterbrochen werden, wenn einer der Kampfhähne dabei Schmerzen verspürt und deshalb oder aus anderen Gründen „Stopp“, „Aufhören“ oder „Schluss“ ruft.

Doch zurück zu Anton: Statt ihn als Angreifer jetzt mit Worten anzugreifen, solltest Du Anton Wege aufzeigen, seinen Ärger in Worte zu fassen und diese an seine Schwester/Freundin zu richten. Nenne ihm die Regel deshalb klar und verständlich und hilf Anton, die richtigen Worte für seine Gefühle zu finden: „Anton, Schläge sind nicht erlaubt. Du kannst Emma mit Worten sagen, wie ärgerlich du darüber bist, dass sie deinen Turm umgeworfen hat.“ Du kannst Anton auch daran erinnern, dass er weiß, wie man höflich um etwas bittet, das man möchte.

Kinder müssen lernen, dass sie anderen kein Leid zufügen dürfen. Einander Schmerzen zu bereiten ist verboten. Deshalb ist es an uns Eltern, dem Nachwuchs beizubringen, wie man seinen Gefühlen Luft macht, ohne andere zu gefährden. Auch das gegebenenfalls gemeinsame Gestalten eines Verbotschildes „Bitte nicht stören“, das Anton an die Tür des Zimmers hängen könnte, in dem er baut, oder sein zeitweiser Umzug in einen anderen Raum wären Alternativen, die Anton hier weiter helfen würden.

Niemanden abstempeln oder den Kids Rollen zuweisen

Du hörst Geschrei aus dem Kinderzimmer und als Du in den Raum stürmst, siehst Du die weinende Holly und Ben, der mit seinem Lieblingsauto in der Hand triumphierend winkt. Du erfasst die Situation mit einem Blick: Offensichtlich hat Ben das Spielzeug Holly gerade erfolgreich abgenommen.

Bevor Du jetzt Ben als Angreifer abstempelst und ihn mit scharfen Worten angreifst, um ihn zurechtzuweisen, dass er Holly nicht hätte wehtun dürfen, auch wenn sie sich seines Spielzeugs bemächtigte, wende Dich bitte zunächst Holly – dem „Opfer“ – zu. Tröste das weinende Kind! Fasse dabei in Worte, was Du siehst: „Ich sehe du weinst. Du hast Schmerzen. Weil Ben dir weh getan hat. Er hat sich sein Spielzeug zurückgeholt und dich gehauen.“

Wenn Du dem „Opfer“ den nötigen Trost zugesprochen hast, gilt es, Ben zu sagen, dass er nicht das Recht hat, Holly körperlich anzugreifen. Wenn Du dies tust, indem Du immer noch zu Holly sprichst, stärkst Du sowohl das Mädchen als gleichberechtigten Spielkameraden als auch den sich seiner Schuld vielleicht inzwischen bewussten Jungen: „Ben muss lernen, wie er an sein Spielzeug kommt, ohne dich zu schlagen. Er hätte dich darum bitten oder dir ein Tauschgeschäft anbieten können.“

Vermeide, das „Opfer“ als Opfer hinzustellen, gib ihm stattdessen lieber Hinweise, wie das Kind sich selbstbewusster verhalten kann: „Holly, wenn du mit Bens Auto spielen möchtest, bitte ihn das nächste Mal darum. Oder frag, ob ihr zusammen damit spielen könnt.“

Dem Angreifer vermittelst Du in solch einer Situation am besten, dass er Deines Wissens nach sehr wohl die Fähigkeit habe, seinen Willen zu bekunden, ohne anderen weh zu tun. Sag ihm das ins Gesicht: „Ben, ich weiß, dass du Holly auch ohne handgreiflich zu werden, höflich um die Herausgabe des Autos hättest bitten können.“

Vergleiche verursachen oft Streit

Beim Frühstück verschüttet Paul Milch. Die Zeit drängt, Stress kommt bei Dir auf, als Du das Malheur entdeckst. Die Milch droht auf Pauls Sachen zu tropfen. Ärger steigt in Dir hoch: „Paul, konntest du nicht aufpassen! Immer passiert dir so was, schau mal, dein Bruder baut nicht so viele Unfälle!“ Klar, das hättest Du Dir besser klemmen sollen. Ein solcher Vergleich benachteiligt Paul gegenüber seinem Bruder Johannes – und kann sofort oder später in einem Streit zwischen den Jungs enden.

Stattdessen hätte es laut Faber/Mazlish gereicht, wenn Du das offensichtliche Problem lediglich in Worten beschrieben hättest: „Paul, die Milch tropft gleich auf deine Hose. Wird sie nass, müsstest du sie noch ganz schnell wechseln, wenn wir pünktlich in der Schule sein wollen.“ Paul werde so eine Lösung des Problems aufgezeigt – er müsste die Milch schnell aufwischen, damit seine Hose nicht nass wird.

Oder Du sagst klipp und klar, was Dich an Pauls Verhalten stört – ohne es mit dem seines Bruders zu vergleichen: „Paul, mich stört dein Gezappel am Tisch. Dabei kommt es schnell zu solchen Unfällen.“ Du könntest demnach auch Deinen Gefühlen einfach Luft machen ohne Vergleiche anzustellen: „Paul, ich mag es, trotz der Hektik am Morgen, wenn wir alle gemütlich am Frühstückstisch zusammensitzen. Dein Gezappel nervt mich und ich finde es blöd, wenn du die Milch damit verschüttest.“ Ein Vergleich dagegen, wie: „Johannes, dein Bruder ist immer so schusselig. Zum Glück schüttest du nicht auch noch deine Milch aus!“, der das eine Kind vorteilhafter erscheinen lässt als das andere, ist keine gute Lösung im Zusammenleben mit von Natur aus konkurrierenden Geschwistern/Freunden, sondern kann früher oder später zur Ursache einer Auseinandersetzung werden.

Versuche, Deine Kinder jedes für sich zu nehmen und seine individuellen Leistungen zu würdigen. Ein stolz auf seine Schulnote nach Hause kommendes Kind musst Du nicht auch noch vor seinen Geschwistern oder Freunden loben. Du könntest stattdessen lieber beschreiben, so Faber/Mazlish, was Du an Gefühlen siehst: „Du bist mächtig stolz auf deine Leistung.“ Oder Du würdigst die Arbeit, die hinter der guten Note steckt: „Du hast viel für dieses gute Testergebnis gelernt.“

Zeig Deine Begeisterung über die Schulnote am besten, wenn Du mit dem Kind allein bist – daher mein Tipp an Eltern mit mehreren Kindern: Sorge für regelmäßige Exklusivzeiten, in denen Du Dich jedem Kind und seinen speziellen Bedürfnissen jeweils ungeteilt zuwenden kannst. Ich mache das, indem ich dank der Hilfe meines Mannes und der meiner Mutter immer wieder solche Exklusivzeiten mit meine vier Kindern organisiere.

Individuelle Behandlung statt Gleichbehandlung

Nicht nur Geschwister achten peinlich genau darauf, dass wir Eltern weder das eine noch das andere Kind bevorzugen. Auch Freunde legen Wert auf die Verteilung gleichgroßer Portionen. Wittern die Kinder Vor- und Nachteile, ist Streit oft die Folge. Vermeide den Vergleich von Zuwendung materieller oder ideeller Art, indem Du – um im Beispiel zu bleiben – schon vorab nach den konkreten Wünschen/Bedürfnissen der Kinder fragst: „Wie viele Kartoffeln möchtest Du essen?“

Auf Diskussionen á la „Maries Pfannkuchen sind viel größer als meine“ solltest Du Dich gar nicht erst einlassen. Besser ist es, dem laut gewordenen Vorwurf damit zu begegnen, dass Du zeigst, dass Du die Bedürfnisse des „meckernden“ Kindes längst erkannt hast: „Ich sehe, Du hast noch Hunger. Möchtest Du noch einen halben oder lieber gleich einen ganzen Pfannkuchen?“

Wer versucht, seine Kinder gleich zu behandeln, wird sicher daran scheitern. Ich weiß als 4-fach-Mutter, wovon ich hier schreibe. Gleichbehandlung sollte aber auch nicht das Ziel Deiner Elternschaft sein. Die Besonderheiten jedes Kindes zu erkennen, es als das Besondere, das es ist, auch besonders zu behandeln – das ist das, was Kinder von ihren Eltern brauchen. Sag Deinem Kind, wie einzigartig es ist, anstelle ihm zu versichern, dass Du es genauso lieb hast wie seine Geschwister.

Vertrauen schenken

Ein Streit ist im Kinderzimmer ausgebrochen. Du stürzt dazwischen. Doch welche Taktik wendest Du an, um die Streithähne zu beruhigen und den Streit zu schlichten? Hast Du einen Plan? Vielleicht hilft Dir dieser von Faber/Mazlish weiter:

  1. Zieh für Dich selbst die emotionale Notbremse. Bleib so ruhig wie möglich und zeig mit wohlwollender Zuwendung, dass Du die Wut des einen Kindes auf das andere ernst nimmst und umgekehrt. Beschreib dann einfach nur, was Du an Gefühlen und Situation wahrnimmst: „Ihr seid sehr wütend aufeinander.“
  2. Höre jedem der in Streit geratenen Kinder zu, wenn es über seinen Part in dem Streit berichtet. Achte darauf, dass trotz eskalierter und womöglich eskalierender Emotionen nur ein Kind zur selben Zeit das Wort hat. Wende Dich nacheinander allen Streitenden zu.
  3. Zeige Verständnis dafür, dass das Lösen des Problems, das den Streit ausgelöst hat, auch in Deinen Augen schwierig ist.
  4. Nachdem Du Dich verständig gezeigt hast, solltest Du den Kindern vermitteln, dass Du ihnen nicht nur vertraust, sondern ihnen sehr wohl auch zutraust, selbstständig nach einer Lösung zu suchen, die von allen Beteiligten als fair empfunden wird. An dieser Stelle müsstest Du gegebenenfalls abwägen, ob die Kinder dazu in der Lage sind – notfalls kannst Du auch Lösungen andeuten.
  5. Verlasse dann den Schauplatz des Streites – je nach Alter der Kinder solltest Du den Kindern dazu sagen, dass sie Dich jederzeit ansprechen können, wenn sie Dich brauchen.

Wenn der Streit trotz Schlichtungsversuch erneut hochkocht

Wer sich nach dem Plan eben in einen Streit seiner Kinder eingemischt hat, wird mitunter von einem neuerlichen heftigen Streitausbruch heimgesucht, weil sich die Kinder nicht auf eine Lösung des Problems einigen können. Dann hilft nur, dass Du als Erwachsener den Streit schlichtest.

Kündige in ruhigen, klaren Worten an, dass Du genau das jetzt tun wirst und warum – weil Du nämlich nicht möchtest, dass der Streit anhält und die Kinder einander womöglich ein (erneutes) Leid antun. Sage deutlich, dass Du Dir im Klaren darüber bist, dass Deine Art und Weise der Streitlösung dem einen oder anderen Beteiligten nicht gefallen wird – oder gar keinem von ihnen. Dann triff die die notwendigen Entscheidungen.

Wichtig ist, dass Du anschließend noch einmal die Aufmerksamkeit aller Streithähne auf Dich ziehst, indem Du einen runden Tisch (siehe Punkt weiter unten) anberaumst, weil Du möchtest, dass in Deiner Familie klare Regeln aufgestellt werden. Die sollen künftig dafür sorgen, dass die Kinder sich wegen einer Sache wie der aktuellen Streitursache nicht erneut in die Haare kriegen.

Handgreiflichkeiten rigoros verhindern

Kinder drohen einander im Streit mitunter Handgreiflichkeiten an. Kommst Du zu so einem Fall dazu, musst Du handeln, damit die Drohungen nicht in die Tat umgesetzt werden. Es hilft wenig, sich mit aggressiven Worten einzumischen. Die wutentbrannten Kinder sehen mitunter nur noch Rot und sind selbstverständlich noch nicht oder nicht mehr in der Lage, ihr Handeln zu reflektieren und sich zu bremsen.

Deshalb ist es hilfreich, den Kindern zu beschreiben, was sie sich gerade antun wollen. Sag also in deutlichen Worten, was Du siehst: „Ich sehe ein Mädchen, das gerade seine Puppe werfen will … und ich sehe ein anderes Mädchen, das mit einem Buch hauen will“. Frage die Kinder,ob sie es ernst damit meinen oder es sich bei den Drohgebärden um Spaß handelt.

Setze den Streithähnen im Ernstfall eine klare Grenze für ihr angedrohtes gewaltvolles Handeln. Sage ihnen, wie gefährlich die aktuelle Lage ist. Du musst den wütenden, zornentbrannten Kindern eine sofortige Beruhigung der Gemüter verschaffen, notfalls, indem Du sie ihnen streng verordnest. Oft hilft es in solch einer Situation, die Kampfhähne als allererstes räumlich zu trennen.

Alle lösen das Problem gemeinsam

Wenn wir Eltern merken, dass unsere Kinder in einen für sie unlösbaren Konflikt geraten sind, ist es Zeit für einen runden Tisch. Lege einen Treffpunkt fest und sichere, dass die Streitparteien auch alle zugegen sind: „In unserer Familie gibt es offensichtlich einen Streit zwischen Lene und Lotte. Dabei geht es um die Nutzung des DVD-Players. Lasst uns heute Abend vor dem Essen gemeinsam nach einer Lösung für das Problem suchen.“

Wichtig: Lege als Erstes die Regeln für das Treffen fest.

  1. Jeder darf seinen Standpunkt zum Problem ausführlich schildern.
  2. Dabei wird er von niemandem unterbrochen.
  3. Es redet immer nur einer zur selben Zeit.

Hat sich jedes Kind erklärt, darf jeweils das andere seinen Senf dazugeben. Dann werden Lösungen gesucht und alle auf einen Zettel geschrieben, die Euch gemeinsam einfallen. Aus diesen werden die praktikabelsten herausgesucht und es wird gemeinsam beschlossen, welche als Erstes in die Praxis umgesetzt werden soll.

Nicht vergessen: Setze eine Art Kontrolltermin an: „Nächste Woche Samstag besprechen wir, wie Ihr Euch mit dieser Lösung fühlt.“

Wir haben zudem einen Beschwerdekasten in der Wohnung, der einmal die Woche geleert wird – und dessen Inhalt, nicht nur Beschwerden, sondern auch schon mal das ein oder andere Lob, dann gemeinsam besprochen wird.

Dem Hilferuf Folge leisten ohne Partei zu ergreifen

Wenn Dich das Hilfegesuch streitender Kinder erreicht, hast Du die Wahl: Du kannst es annehmen oder ablehnen. Wichtig ist für den Fall, dass Du es annimmst, dass Du nicht die Partei des einen Streithahnes ergreifst, der um Hilfe ersucht hat.

Stattdessen solltest Du in Deinen Worten die aktuelle Streitlage beschreiben und deutlich herauskehren, um welchen Wert der Streit entbrannt ist: „Nele, Du musst jetzt am Computer Hausaufgaben machen – und Du, Linus, möchtest Dein Spiel daran zu Ende spielen. Hausaufgaben haben Vorrang.“ Damit hast Du eine Regel aufgestellt, eine in der Familie bekannte, geltende Regel genannt beziehungsweise einen Wert festgelegt, an die/den sich die Kinder halten müssen.

Es sei laut Faber/Mazlish anschließend wichtig, dass Du den Kindern die Möglichkeit offen lässt, gegebenenfalls einen für beide Seiten akzeptablen Kompromiss auszuhandeln. Vielleicht in dieser Form: „Linus, wenn Du mit Nele einen Nutzungsplan für den Computer ausmachen willst, der Euch beide zufriedenstellt, kannst du dies gerne tun.“ Lass die Kinder dann allein.

Ich habe diese Liste vor einiger Zeit für das Portal Zehn.de geschrieben. Das wurde inzwischen geschlossen. Da ich diese Leiste jedoch für sehr wertvoll halte und selbst immer mal wieder lese, um mich daran zu erinnern, wie ich meine streitenden Kinder respektvoll behandle, veröffentliche ich sei jetzt hier auf meinem Blog. Ich hoffe, sie hilft Euch. Ich freue mich auf Eure Ideen, mit streitendem Nachwuchs würdevoll umzugehen. Schreibt mir gerne einen Kommentar!

Foto: Doreen Brumme

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