Doreens Bestenliste: Meine hilfreichsten Tipps zum Abstillen

Ich habe jahrelang auf dem Listenportal Zehn.de als Familien-Expertin geschrieben. Zum 1. März 2016 wurde das Portal aus dem Netz genommen. Deshalb veröffentliche ich nach und nach meine Bestenlisten von dort auf meinem Blog hier. In dieser Bestenliste geht es ums Abstillen.

Jede Stillzeit hat ihr Ende. Optimal wäre es, wenn Mama und Kind das Ende des Stillens gleichermaßen wollen. Aber so eine Situation ist eher selten und so muss oftmals ein gesunder Kompromiss gefunden werden. Ich zum Beispiel habe meine drei Kinder jeweils 15, 18 und 25 Monate plus jeweils zehn Tage gestillt. Das vierte  stille ich derzeit im 26. Monat.

Mein ältestes Kind hat sich von selbst abgestillt: Eines Abends verzog es das Gesicht und machte „bäh“. Zugegeben, ich war ein wenig beleidigt – fand aber wenige Tage später heraus, dass ich wieder schwanger war und dass sich der Geschmack der Milch mit einer Schwangerschaft ändert. Das zweite Kind hat immer weniger getrunken und schließlich meine abendliche Ansage, dass ab sofort die Stillzeit beendet sei, zufrieden geschluckt, sich in den Schlaf singen lassen und nie wieder nach der Brust verlangt.

Das dritte Kind und ich, wir haben uns das Abstillen viel schwerer gemacht. Ich habe mehrere Anläufe genommen, die Trinkmahlzeiten zu reduzieren und bin damit kläglich gescheitert. Mein Kind hat mit Kurz-vor-Zwei zwar akzeptiert, dass es tagsüber keine Milch mehr gab. Aber: In besonders unglücklichen Momenten hat es dennoch auch tags nach der Brust verlangt. Nachts wachte es alle drei, vier Stunden auf, um zu trinken und zu nuckeln.

Ich habe mir Rat bei Hebammen aus dem Okzident wie dem Orient geholt: Die meisten Ratschläge liefen wegen der Hartnäckigkeit meines Kindes darauf hinaus, konsequent zu verweigern und gleichzeitig Abscheu vor der Brust hervorzurufen – mit Mittelchen wie Bittermandelaroma oder Senf.

Um es kurz zu machen: Als ich schließlich völlig erschöpft von all dem Experimentieren war, habe ich es auf die in meinen Augen „harte Tour“ gemacht: Ich habe mein wütendes und bis zur Erschöpfung – meiner, seiner und der der ganzen Familie – schreiendes Kind zwei Nächte lang für Stunden abgelenkt und getröstet und mich schweren Herzens und tränenden Auges verweigert. In der dritten Nacht habe ich das erste Mal seit Jahren durchgeschlafen. Mein Kind auch. Und das taten wir noch lange Zeit. Quasi bis kurz vor der Geburt von Nr. 4 – da war Nr. 3 fast 5 Jahre alt.

Alles, was ich in dieser Abstillzeit selbst an Rat bekommen und an eigenen und den Erfahrungen anderer gesammelt habe, ist in der folgenden Bestenliste zum Abstillen aufgezählt.

Milchproduktion drosseln – Angebot bei Nachfrage

Das Stillen ist eine Sache von Nachfrage und Angebot. Solange das Kind angelegt wird und saugt, produziert Mama Milch. Wer es schafft, die Nachfrage nach Muttermilch zu reduzieren, senkt auch das Angebot. Das kann gut gehen oder auch nicht. Wer noch recht viel Milch produziert und abzustillen möchte, kann mit Salbeitee versuchen, die Milchproduktion herunterzufahren und gleichzeitig das Kind weniger bis gar nicht mehr anzulegen. Dazu trinkt man drei Mal täglich eine frisch aufgebrühte Tasse Salbeitee, der etwa zehn Minuten Zeit zieht, bevor er abgeseiht wird. Salbei kann Generationen von Hebammen zufolge die Milchbildung beeinflussen beziehungsweise verringern. Man sagt auch, dass Salbei die Milchdrüsen zusammenziehen lässt und so einen Milchstau verhindert. Andere Quellen beschreiben die milchbremsende Wirkung des Salbeis – verweisen jedoch darauf, dass es der Medizin noch nicht gelungen sei, aufzuklären, wie Salbei das eigentlich schafft.

Ich habe die Milchproduktion damit nicht merklich verringert.  Aber dann bekam ich den Hinweis meiner Hebamme, es mit dem Mittel Phytolacca auszuprobieren. Das Mittel Phytolacca ist allerdings nicht unumstritten.

Allgemein wird auch geraten, in der Abstillzeit einen möglichst engen BH zu tragen und eher wenig zu trinken.

Milchstau vorbeugen – Ausstreichen der Milch und Kühlen der Brust

Wenn das Kind während der Abstillzeit weniger angelegt wird, verbleibt mehr Milch in der Brust – das kann zu Beschwerden führen: Die Brüste werden praller, die Milch staut sich, Entzündungen können entstehen. Wer also merkt, dass sich zuviel Milch in der Brust sammelt, kann die Milch vorsichtig ausstreichen – ein Abpumpen wäre kontaproduktiv, da es die Saugbewegung des Kindes imitiert und somit die Brust nur wieder anregt, neue Milch zu produzieren. Zum Ausstreichen geht man am Besten unter eine warme Dusche oder ins warme Wannenbad. Die Wärme erleichtert das Vorhaben, die Milch aus den sogenannten Milchseen, oder auch Milchkammern, zu streichen.

Die La Leche Liga empfiehlt folgende Ausstreichtechnik:
1. Formt mit Daumen und Mittelfinger ein C.
2. Legte Daumen und Mittelfinger anschließend jeweils in Daumenbreite hinter die Brustwarze auf die Brust.
3. Hebt die Brust leicht an.
4. Drückt dann mit Daumen und Mittelfinger in Richtung Brustkorb, also waagerecht nach hinten.
5. Rollte Daumen und Finger nach vorne ab, als wolltet Ihr deren Abdrücke auf der Brust machen.

Diese Bewegungen könnt Ihr fortlaufend wiederholen. Wandert dabei rundum um die Brust, damit Ihr alle Milchkammern zu fassen kriegt und entleeren könnt. Benutzt dazu jeweils beide Hände. Geraten wird auch, die Brüste zwischendurch sanft zu schütteln und mit kleinen, kreisenden Bewegungen zu massieren. Das soll den Milchflussreflex anregen.

Anschließend sorgt ein Kühlen der Brust – mit einem kalten Wasserstrahl oder einem geeigneten Kühlkissen dafür, dass sich das milchproduzierende Gewebe zusammenzieht. Auch kühlende Quarkwickel sind hier ein oft gegebener Ratschlag.

Schnelle Abstill-Pille: Den Prozess mit Tabletten beschleunigen?

Der natürliche Abstillvorgang soll im Schnitt zwei Wochen dauern. Manchmal erfordern es die Umstände, dass es schneller gehen muss. Etwa, wenn die Mutter medikamentös behandelt werden soll, plötzlich ins Krankenhaus oder einen unaufschiebbaren Job erledigen muss.

Für solche Fälle gibt es Medikamente, sogenannte Prolaktinhemmer. Dazu muss man wissen, wie die Milchbildung abläuft. Etwas vereinfacht dargestellt, wird Milch mithilfe von Prolaktin im Hypophysenvorderlappen gebildet und durch Oxytocin ausgeschüttet. Das wiederum wird beim Saugen freigesetzt, verursacht aber auch Wehen. Oxytocin wird außerdem während eines Orgasmus verstärkt ausgeschüttet: Das erklärt auch das befriedigende Gefühl bei Frauen, das das Stillen hervorruft und mitunter Grund dafür sein kann, dass einer Mama das Abstillen schwer fällt.

Kurz: Das Abstill-Medikament hemmt über sogenannte Dopaminrezeptoren des Hypophysenstiels die Freisetzung von Prolactin. Wirkbedingung ist, dass das Kind nicht saugt und somit kein Oxytocin ausgeschüttet wird. Der Prolactin-Hemmer ist ein Medikament, eine chemische Keule – deshalb muss ich den folgenden Satz loswerden: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragt  bitte unbedingt Euren Frauenarzt!

Brustgeschmack ändern – das Säugen unangenehm machen

Wenn Mama bereit ist, die Brust nicht mehr anzubieten, hilft es manchen stark danach fragenden Kindern, wenn sie merken, dass die Brustwarze nicht wie gewohnt nach Mama und Milch schmeckt, um davon loszukommen. Deshalb kursieren eine ganze Reihe von „bewährten Geheimwaffen“ unter Stillmüttern und Hebammen, die dem Kind den Brustgeschmack versauen sollen: Meine Hebamme riet mir zu Bittermandelaroma, das ich im Bio-Supermarktregal zwischen den Backzutaten fand. Der Geruch des Zeugs ist widerlich süß und der Geschmack tatsächlich ekelhaft bitter.

Um es kurz zu machen, hier und anderswo werden Senf, Harissa oder Wasabi auf die Brust geschmiert. Bei mir hat schon das Bittermandelaroma böse gebrannt, wenn ich es auftrug. Und nicht vergessen: Manche Kinder mögen es ja auch ganz gern scharf. Den Versuch mit Kaffeepulver habe ich gelassen – das Koffein wollte ich meinem Kind nicht anbieten.

„Milchersatz“ zum Trinken – Gewohnte Mahlzeit ersetzen

Wer das Abstillen plant, kann versuchen, das Kind „umzuprogrammieren“. Nämlich von Muttermilch auf normale (Baby-)Nahrung oder auch Muttermilch-Ersatz. Und damit meine ich keine Kuhmilch. Denn ich  glaube, Kuhmilch ist optimal fürs Kälbchen – wie meine Milch es für meine Kinder ist. Und deshalb setze ich Kuhmilch in unserer Familie als ganz normales Nahrungsmittel sparsam ein- und nicht etwa als hochgelobtes Allheilmittel.

Sehr viele Abstill-Tipps gehen in die Richtung, die letzte Abendmahlzeit besonders sättigend zu gestalten. Mit Milchbreis, Getreidebreis und anderem. Da mein drittes Stillkind bereits vollwertig am Familienessen teilnahm, habe ich die Muttermilch-Mahlzeit zum Einschlafen mit spezieller Babynahrung, sogenannter Folgemilch, ersetzt.

Der Austausch hat ganz gut geklappt. Mein Kind hat sich den Bauch dann eben mit dem Fläschchen vollgetrunken und dann nur noch ein Schlückchen aus der Brust genommen – anschließend allerdings stundenlang an der Brust genuckelt, um einzuschlafen. 🙂

Möglicher „Brustersatz“: Schnuller statt Brustwarze?

Manche Kinder gehen auf den Deal ein und lassen sich mit einem Schnuller statt der Brust zum Einschlafen bewegen. Meine nicht. Nie. Wie also soll Mama das bloße Nuckeln an der Brust beenden? Zunächst einmal geht das wohl nur, wenn Mama auch tatsächlich abstillen will. Doch dazu muss man zunächst bedenken, dass das Nuckeln nicht nur Macht der Gewohnheit sondern auch tatsächliches Bedürfnis ist, um beispielsweise alltägliche Dinge zu verarbeiten, sich zu beruhigen und friedvoll einzuschlafen.

Manche Mütter berichten, sie haben ihrem Kind das Nuckeln abgewöhnt, indem sie es einfach von der Brust nahmen, wenn sie spürten, dass es nicht mehr saugt. Ich wusste aus – zugegeben seltenen – Situationen, dass mein Kind auch ohne Brust einschlafen konnte. Ein Schnuller hat mir beim Abstillen meines Dritten nicht geholfen – wohl aber eine Nuckelflasche.

Die habe ich als inszeniertes Ritual gemeinsam mit dem Kind gekauft und gemeinsam gefüllt – zunächst mit warmer Folgemilch und später mit Bio-Kuhmilch, die mit einem winzigen Schuss Agaven-Dicksaft gesüßt wurde. Die Mischung durfte mein Kind höchstpersönlich rühren und wir haben dabei ein kleines Kinderlied gesungen: „Rühre, rühre Löffelstiel, kleine Kinder rühren viel, große noch viel mehr!“ Was soll ich sagen: Mein Kind hat die Nuckelflasche angenommen.

Ablenkung beim nächtlichen Aufwachen – Lichtspiele

Die Wieder-Aufwach-Momente während der Abstillnächte können Mütter und den Rest der Familie in den nervlichen Zusammenbruch treiben: Mama ist ja vom Abstillen an sich körperlich schon massiv gefordert. Und bräuchte ihren Schlaf. Sie hat schließlich schon tagsüber alles getan, um das Abstillkind bei Laune zu halten. Doch da ist man ja meist nicht allein, Familie und Freunde sind eine prima Ablenkung. Das Kind bräuchte den Schlaf übrigens auch, nur sieht es das ganz anders. Erschwerend kommt außerdem die Tatsache hinzu: Mamas Hormone treiben beim Abstillen ihr wechselvolles Spiel – sie schwebt zwischen Himmelhochjauchzend und Zutodebetrübt.

Ich hatte Momente, da wollte ich eigentlich nur weglaufen – oder die Brust einfach wieder hinhalten. Nur, damit das Kind endlich aufhört, zu jammern, zu meckern, zu weinen, zu schreien, zu treten und zu strampeln. Ich habe das Kind kaum noch halten können und es deshalb auf’s Fensterbrett gesetzt. Zum Autosgucken. Dann habe ich es in meinen Ergo-Carrier gepackt und gewartet, bis es eingeschlafen war. Das funktionierte, weil mein Kind die praktische Tragehilfe  als Einschlafhelfer seit langem kannte. Die erste Abstillnacht habe ich das drei Mal gemacht, jeweils für mehr als eine Stunde. In der zweiten Nacht musste ich das nur noch ein Mal tun. In der dritten Nacht schlief es durch. Und ich mit ihm.

Neues Einschlafritual

Kinder brauchen Rituale! – Diesen Satz hat wohl jede Mutter schon mal gehört. Die meisten werden der Aussage zustimmen, oder? Denn tatsächlich ist für Kinder genau das hilfreich, um bestimmte Zusammenhänge zu erkennen und instinktiv begreifen zu lernen. Dem Einschlafritual kommt dabei eine besonders große Bedeutung zu. Niemals sonst ist der Vertrauensvorschuss, den uns das Kind gibt, wohl größer als beim Einschlafen: Sich fallen lassen, sich von Mamas Blick zu trennen, ohne schon zu wissen, dass man morgens wieder aufwachen und in Mamas Augen blicken wird, das ist schwer. Deshalb soll man auch beim ersten Einschlafen Raum für Rituale schaffen. Klappt es nämlich, fällt es dem Kind auch leichter, in der Nacht wieder ein – und weiterzuschlafen.

Fürs Abstillen bedeutet das, dass viele Kinder wohl zunächst durchschlafen lernen – wobei durchschlafen hier nicht meint, von abends bis morgens, sondern vier, fünf, sechs Stunden am Stück. Ich habe Rituale gefunden, die den Kindern signalisieren, dass es ist Zeit zum Schlafen ist.

Das hat nicht nur fürs Abstillen geholfen: Bis heute gehen sie freiwillig und vor allem gerne ins Bett – ohne zu murren, ohne wieder auf der Bildfläche zu erscheinen – Notfälle ausgenommen. Darauf bin ich stolz.  Dabei passen sich die Rituale an die Bedürfnisse der wachsenden Kinder an. Dem Kinderlieder-Vorsingen nach Wunsch folgte das gemeinsame Vorsingen, dann kam das Geschichten erzählen, dem die Märchenzeit folgte. Ausgedachte Geschichten haben wir uns lange gegenseitig erzählt.

Heute verschwinden die großen Geschwister nach dem Zähneputzen gemeinsam und haben einige Minuten für sich. Dann ist Ruhe. Darauf kann ich mich verlassen – und am Ritual für das Kleinste basteln.

Personalwechsel: Wenn nichts mehr hilft: Tauschen

Eine Freundin von mir berichtete, sie habe sich ihr großes Kind geschnappt und den Vater mit dem Kleinen für drei Tage zu Hause gelassen. Dazu muss man wissen, dass er das Kind zuvor an Wochenenden schon tagsüber allein betreut hatte. Für die Freundin und deren Familie war das ein hilfreicher Weg beim Abstillen. Andere spannen zu diesem Zweck Oma und Opa oder andere Verwandte ein. Ihr kennt Euer Kind und könnt am Besten einschätzen, wie es diesen Personalwechsel überstehen wird.

Die Light-Variante davon ist, dass der Papa einfach mit dem Abstillkind zu Bett geht und über Nacht bei ihm bleibt. Das klappt nach meiner Erfahrung aber nur bei jüngeren Kindern- oder einer größeren Wohnung als der unseren.

Belohnung für Lernerfolg: Feiert Euch und das Kind!

Nach der ersten durchschlafenen Nacht habe ich am Morgen meinem gewachsenen Kind gezeigt, wie sehr ich mich über unseren gemeinsamen Lernprozess und den erzielten Erfolg freue. Wir hatten es geschafft! Ich habe ihm immer wieder gesagt, wie stolz ich auf es bin und wie groß es jetzt ist. Ich habe das über den folgenden Tag verteilt immer wieder wiederholt. Abends betont und nach der zweiten durchschlafenen Nacht ebenso. Dann hat mein Kind das übernommen und es mir am dritten Abend selbst gesagt.

Geholfen haben mir übrigens immer diese Sätze zweier Hebammen:
„Wenn Dein Kind weint, wächst es.“ 
und
„Mit zwölf wird dem Kind das Stillen peinlich – und es lässt es von allein sein.“

Ich fand darin Trost. Obwohl ich weiß, dass beim nächsten Kind erneute Abstill-Arbeit anfällt. Vielleicht helfen die Weisheiten Euch ja auch über die Abstillnächte hinweg. Viel Erfolg!

Foto: Doreen Brumme

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