Bio-Journalistin in Stiftenot: Bio-stiftlos unglücklich

Heute ist ein ganz besonderer Tag. Zum ersten Mal in meinem Schreibleben, an dessen Anfänge ich mich bewusst gut 40 Jahre zurückerinnere, stand ich heute in meinen vier Wänden und fand keinen Stift zum Schreiben! Das hat mich umgehauen. Wie konnte das geschehen?

Stifte gab’s immer satt

Ich bin seit meinem 18. Lebensjahr, auf den Tag genau seit dem 13. August 1990, dem ersten Tag meines Volontariats bei einer Tageszeitung, schreibend unterwegs: Zuerst als Volontärin für die Lokalredaktion, dann für den Wirtschaftsteil und den Politikteil der Zeitung. Während des Studiums von Politik, Wirtschaft und Journalistik machte ich Praktika in Werbeagenturen, PR-Agenturen und Zeitschriften. Danach schrieb ich zunächst als Freie für mehrere Medien, dann jahrelang als angestellte Redakteurin, seit 2006 bin ich selbständig. Immer hatte ich in dieser Zeit Stifte zur Hand. Stifte wie Kugelschreiber, Fineliner und Bleistifte gab’s für mich überall. Auf Pressekonferenzen, Messen, Ausstellungen. Sie wurden mir als Journalistin quasi immer und überall angereicht. Selbst in der Redaktion gab’s von Firmen, die ihre Produkte, oder von Verbänden und Parteien, die ihre Programme zum Besten gaben, fast immer einen Stift an der Pressemappe, die sie einem da ließen. Ohne, dass ich drum gebeten hätte und ohne, dass ich dafür hätte bezahlen müssen.

Gesucht: Ein Stift, ein Stift …

Die Stifteflut von einst ist offensichtlich versiegt. Zumindest schwappt sie nicht mehr bis zu mir. Nicht ins Home-Office. Die stiftereichen Zeiten haben sich offensichtlich geändert. Kein Wunder: Mein Beruf findet inzwischen Großteils digital statt. Ich schreibe am Laptop, Smartphone und Tablet. Ich sende meine Texte via Internet, ebenso die Rechnungen. Viele Presseveranstaltungen finden heute online statt, Pressemappen kommen per Mail zu mir, Pressemeldungen finde ich im Netz. Der digitale Journalismus, dem ich mich mit Leib und Seele verschrieben habe, hat viele Vorteile: Ich muss nicht mehr zu Presseveranstaltungen, sondern hole mir die Infos, wann immer ich sie brauche online. Treten dann doch mal Fragen auf, stehen Interviews und Ähnliches an, rede ich öfter per Skype mit den Ansprech- und Interviewpartnern, als per Telefon. Das spart vor allem eins: Zeit. Zeit, die ich als Journalistin mit vier Kids – ohne jetzt arrogant klingen zu wollen – besser zu nutzen weiß. Aber: Der Nachteil der virtuellen Journaille ist offensichtlich der: Ich bekomme kein echtes Schreibwerkzeug mehr in die Hand. Dazu muss ich sagen, dass ich Interviews immer per Hand aufnehme. Das ist so ein beruflicher Tick (auch Macke genannt) von mir. Auch Listen zum Einkaufen, zum Organisieren des Alltag und so weiter schreibe ich täglich mit der Hand. Ich schreibe gerne mit Stift & Co. und lasse mir das auch nicht nehmen.

… ein Bio-Stift!

Nun wäre das alles kein Problem. Selbstverständlich könnte ich jetzt einfach irgendwo Stifte kaufen gehen. Um die Ecke gibt’s sogar einen kleinen, inhabergeführten Schreibwarenladen. Ich könnte sogar jederzeit online Stifte bestellen, wegen der Zeitersparnis, die mir der Onlinehandel beschert. Was ich als vielbeschäftigte Journalistin, Mutter und einen Haushalt betreibende Frau sehr zu schätzen weiß. Wie geschrieben, das wäre kein Problem, wäre da nicht die Tatsache, dass ich mich in meinen journalistischen Berufsjahren spezialisiert habe: Ich habe mich nicht nur der Schreiberei, sondern insbesondere der Bio-Schreiberei verschrieben. Ich lebe und arbeite in Bio. Ich würde auch gern in Bio schreiben. Das bin ich mir und der Umwelt schuldig, finde ich.

Stiftenot: Wo gibt’s Bio-Stifte?

Nur ungern würde ich den Berg an ausrangierten Kugelschreibern & Co. aus Plastik erhöhen. Also mache ich mich flugs auf, um nach öko-korrekten Bio-Stiften zu suchen. Zunächst im Internet. Die Ausbeute ist recht dünn: Die paar Anbieter von ökologischen Bio-Stiften, die ich fand, haben zwar ganz hübsche Bio-Stifte, meist aus Holz oder Pappe, im Programm – aber: Man muss sie Hunderten abnehmen. Bitte was soll ich mit 250 bis 1.000 Stiften?Und die drei Stifte aus teilweise recyceltem Kunststoff, die ich fand, gefielen mir jetzt nicht wirklich. Nicht zu vergessen: Die Stifte aus echten Ästen. Bio? Ja! Aber nicht wirklich geeignet, um mir als Stift im journalistischen Alltagsgeschäft zu dienen. Gibt’s tatsächlich kaum ökologische Stifte im Handel zu kaufen? Das kann doch nicht wahr sein! Wir haben 2016! Irgendwo muss ich doch einen öko-korrekten Stift kaufen können? Hat jemand hier vielleicht eine Idee?

Gut, denke ich mir nach der erfolglosen Such nach Bio-Stiften im Internet, gehste halt zum Schreibwarenhändler. Doch der guckte nur komisch, als ich ihn nach Stiften in Bio-Qualität fragte. Ich sei die erste, die ihn danach fragte. OK, es gibt keine Nachfrage für Bio-Stifte. Zumindest nicht, wenn es um Schreibwerkzeuge für Große geht. Kinder-Malstifte gibt’s in Bio-Qualität, das weiß ich aus eigener Kauferfahrung.

Und nun sitze ich hier. Immer noch ohne Stift. In meiner Bio-Stiftenot wage ich sogar einen Blick in die Stiftekiste der Kinder. Doch jeder Griff dort hinein endet nur mit einer Stiftekrücke, die ich unangespitzt herausfische. Klar, die funktionierenden Schreibgeräte und Malwerkzeuge stecken in den Schulranzen. Ich will einen Bio-Stift! Ich will ihn nicht mal geschenkt! Ich will einen Bio-Stift kaufen. Jetzt!

Für guten Rat, Bezugsadressen und mehr bin ich sehr dankbar! Schreibt mir bitte ins Kommentarfeld!

Foto: Doreen Brumme

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Ein Kommentar

  1. Hey 🙂 Wie wäre es mit einem Füller, den du über viel Jahre verwenden kannst? Du könntest ein Tintenfässchen aus Glas und eine wieder auffüllbare Patrone benutzen. Den Füller und die Patrone könntest du ja gebraucht kaufen. Das Glas des Tintenfässchen kann recycelt werden…. Das wäre zwar nicht „bio“ aber dafür nachhaltig und komplett ohne Abfall! Das kann umweltschonender sein, als Bioprodukte, die, neu in Mode gekommen, fernab extra produziert werden und dann auf langem Transportweg zu uns gelangen! Was, wenn Bio Kugelschreiber in Mode kommen und dafür extra eine Fabrik und Maschinen gebaut würden? Von weiten Transportwegen und Verpackungsmüll ganz zu schweigen. Bio ist nicht immer gleich ökologisch sinnvoll! (Stichwort Bio Kartoffeln aus Ägypten, Israel oder Bio Zwiebeln aus Neuseeland in deutschen Supermärkten!) Manchmal sind althergebrachte Methoden auch sinnvoll! Vielleicht ja sogar eine echte Feder und Tusche zum schreiben zu Hause? 😉 Auf jeden Fall wäre ein gebrauchter Füller mit Tinte, auf einem lokalen Flohmarkt gekauft ein Beitrag für die lokale Wirtschaft (wenn auch ein kleiner) und meiner Meinung nach die sinnvollste Art ökologisch sinnvoll zu schreiben 🙂

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