Ratgeber zu Öko-Sünden im Garten

Doreens Bestenliste: Die 10 größten Öko-Sünden im Garten

Ein Garten kann dem Menschen zur Erholung dienen – er kann aber auch der Natur Raum zur Entfaltung geben. Damit Mensch und Natur im Garten im Einklang leben, gibt es zehn Öko-Sünden, die man vermeiden sollte

Seit Urzeiten hält Mensch sich einen Garten – für den Anbau von Obst und Gemüse und zu seiner Erholung nach getanem Tagwerk. Das ist bis heute so. Doch während sich früher der Mensch in seinen Schutzraum Garten zurückzog, um beim Gärtnern oder Müßiggang Ruhe und Ausgleich zu finden, dient er heute eher Tieren und Pflanzen als schützender Rückzugsort. Gut zu wissen: In Deutschland gibt es laut dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) etwa 13 Millionen Gärten. Sie nehmen eine Fläche von 6.000 Quadratkilometern ein – das sind 2,4 Prozent der Gesamtfläche der Bundesrepublik Deutschland. Die Fläche aller deutschen Gärten ist damit ungefähr genauso groß wie die Gesamtfläche aller Naturschutzgebiete in Deutschland.

Fakt ist: Ein Garten, egal, ob öko-korrekt oder konventionell gehalten, ist menschliches Handwerk. Jeder Garten ist ein Eingriff in die Natur und heute mitunter auch die Rückkehr dahin. Wer beim Gärtnern nicht nur an sich denkt, muss Mutter Natur Raum zur Entfaltung geben: Die folgende Liste zeigt, worauf ihr dabei achten müsst.

  1. Billige Turbo-Pflanzen
  2. Illegales Pflanzgut
  3. Kunstdünger
  4. Pestizide und Fungizide
  5. Gartenteich um jeden Preis
  6. Mit Spaten umgraben
  7. Monokultur
  8. Elektrisches Licht
  9. Laub restlos entfernen
  10. Gießen mit Trinkwasser

Achtet auf die Qualität des Pflanzguts!

Gartenexperten warnen immer wieder davor, minderwertige Pflanzen zu kaufen. Preiswerte Angebote in Baumärkten, Gartencentern, Discountern und Blumenketten lockten demnach zwar mit leuchtenden Blüten – doch im Plastiktopf faulten die Wurzeln, weil sie zu stark gewässert werden. Laut Greenpeace-Magazin (5/06) kommen viele dieser Pflanzen schon „schlapp, überdüngt und mit Pestiziden voll gepumpt in Deutschland an“. Herangezogen würden die Pflanzen demnach oft in Reagenzgläsern gefüllt mit einer Nährlösung aus sogenannten Meristern – das sind die Stammzellen der Pflanzen. Die in-vitro-Zucht geht im Turbogang – natürlich gezogene Pflanzen brauchen viel länger zum Wachsen. Dafür seien die Turbo-Pflanzen anfälliger gegenüber Einflüssen von außen, zum Beispiel Krankheitserregern, schreibt Greenpeace weiter. Das sind auch Gründe dafür, dass die Billig-Pflanzen oft nicht lange im Garten überleben.

Vorsicht vor Raubzwiebeln!

Besonders preiswerte Pflanzenzwiebeln solltet ihr argwöhnisch und kritisch begutachten: Lest unbedingt die Informationen auf dem Etikett – und lasst die Hände davon, wenn ihr aus den Angaben des Anbieters nicht schlau werdet. Greenpeace weist insbesondere bei Schneeglöckchen, Alpenveilchen, Strahlen-Anemonen, Winterlingen und Aronstabgewächsen auf die Gefahr hin, dass diese aus geplünderten Wildbeständen im Ausland stammen könnten.

Laut dem international geltenden Washingtoner Artenschutz-Abkommen unterlägen diese geschützten Pflanzen nämlich strengen Erntequoten – doch Profitgier führt Menschen immer wieder dazu, die natürlichen Bestände zu plündern.

Auf der sicheren Seite sei ihr, wenn ihr eure Pflanzenzwiebeln, Samen und Pflanzen bei einem regionalen, anerkannten Bio-Gärtner kauft. Dann kennt ihr Herkunftsort und Aufzuchtbedingungen der Bio-Pflanzen aus persönlicher Anschauung.

Öko-korrekter Dünger statt Kunstdünger!

Wer in seinem Bio-Garten stets darauf achtet, dass der Boden gesund und nahrhaft ist, der braucht laut Experten keinen Kunstdünger. Der auch Mineraldünger genannte, künstlich produzierte Dünger belastet nur unnötig die Umwelt. Außerdem besteht die Gefahr, zuviel Dünger zu verstreuen. Statt also auf Mineraldünger solltet ihr auf selbst produzierten Kompost zurückgreifen, um eurem Gartenboden und damit euren Pflanzen Nährstoffe zuzuführen.

Gründüngung ist eine bewährte Methode, bei der spezielle, meist schnell wachsende Pflanzen angebaut werden, die eine Humusbildung fördern, Unkräuter teilweise unterdrücken, der Erosion des Bodens vorbeugen und die Regenfeuchte optimal halten. Jeder Bio-Gärtner sollte sich einen Komposthaufen halten – dort könnt ihr viel von dem lagern, was in Haushalt und Garten abfällt: Küchenabfälle wie Obst- und Gemüsereste, alte, welke Pflanzenteile, Rasenschnitt, Zweige und mehr.

Ihr spart mit dem Komposthaufen im Garten nicht nur die Biotonne und die zugehörigen Gebühren, sondern auch Geld für Dünger. Allerdings sieht sich der Kompostierwillige längst nicht mehr nur klassischen Holzverschalungen gegenüber, wenn er im Handel nach einem Kompostsystem Ausschau hält: Längst gibt es zig moderne, teils geschlossene Systeme, um Bio-Müll zu recyceln. Als Regel könne man sich laut NABU merken, dass der klassische Komposthaufen der einfachste Weg zu nährstoffreichem Humus ist. Teure Technik empfehlen Experten nur für diejenigen, die wenig Platz im Garten (oder auf dem Balkon) haben und/oder auch Essensreste verwerten wollen und/oder Angst vor Ungeziefer haben.

Pflanzenschutz – aber bitte ohne umweltschädigende Gifte!

Der Einsatz giftiger Mittel gegen vermeintliche oder tatsächliche Schädlinge pflanzlicher oder tierischer Herkunft sollte in einem Bio-Gartenein absolutes Tabu sein. Denn das Gift aus der Giftspritze schadet nicht nur dem Übeltäter, sei es nun eine Schnecke oder ein Pilz. Reste davon lassen sich in der Pflanze und ihren Früchten nachweisen, gelangen in den Boden un damit ins Grundwasser.

Statt dessen solltet ihr Schnecken und andere Unerwünschte Bewohner zum Teil als Mitbewohner diese Planeten/Ihres Gartens ertragen und ihnen einen entbehrlichen Teil eurer Früchte überlassen.

Das ist nur natürlich. Und wenn ihr es dann doch mit einer echten Schneckenplage zu tun habt, könnt ihr auf bewährte Hausmittel gegen Schnecken zurückgreifen, um der Schleimer Herr zu werden. Als allereinfachste Methode gilt nach wie vor das regelmäßige Absammeln und Ganz-weit-weg-Tragen.

Ein Gartenteich ist nicht jedes Bio-Gärtners Himmelreich!

Viele Zeitgenossen meinen, ein Gartenteich sei ein Muss: Laut NABU gibt es über eine Millionen davon hierzulande. Doch ein Gartenteich ist nicht immer ökologisch sinnvoll, insbesondere dann, wenn er zu klein oder zu flach ist und deshalb im Winter total zufrieren könnte. Dabei kämen seine Bewohner ums Leben!

Ziel einer Teichanlage sollte es sein, diese so naturnah wie möglich und in eurer Region natürlich vorkommend zu gestalten. Also müssen zum Beispiel die Ränder natürlichen Teichen nachempfunden werden!

Versucht nicht, heimische Wasserbewohner zu fangen und umzusiedeln, das ist verboten. Und hütet euch auch davor, exotische Frosch-  und Schwanzlurche ansiedeln zu wollen – das ist ebenfalls gesetzlich untersagt: Es besteht Vermischungsgefahr mit heimischen Arten, die schädliche Folgen haben könnten. Lasst die Tiere ihren eigenen Weg zu euch in den Garten finden!

Hände weg vom Spaten!

Muttererde: Darum drehen sich Gedeih und Verderb eures Gartens. Ein gesunder Boden ist Voraussetzung für einen gesunden Garten. Natürliche Gegebenheiten könnt ihr – falls nötig – mit ökologischem Gärtnern verbessern, zum Beispiel mit Gärtner-Methoden wie Fruchtwechsel und Mischkultur (siehe dazu weiter unten).

Die obere Schicht – etwa 30 Zentimeter – des Bodens ist der direkte Lebensraum eurer Pflanzen. Diese Schicht wird Humusschicht genannt und sollte besonders gepflegt werden: „Mulchen“ ist eine bewährte Methode, denn das Bedecken des Bodens mit organischem Material sorgt dafür, dass diverse kleine Lebewesen dieses zu Humus zersetzen können und so für einen nahrhaften Boden sorgen.

Der Erhalt der Humusschicht – das mühsame Werk natürlicher Gartenhelfer wie Regenwürmer – ist oberstes Gebot, rät der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU). Ein Spatenstich und Erdüberschlag würde die Schicht nachhaltig zerstören. Deshalb sollte nur derjenige, der eine Wiese urbar machen will, noch zum Spaten greifen. Ökologisch arbeitende Gärtner bedienen sich zur Lockerung des Bodens und dessen Lüftung deshalb anderer Werkzeuge, etwa Grabgabel und Sauzahn.

Der NABU rät jedem Bio-Gärtner, eine vielseitige Grabgabel anzuschaffen. Man steche sie demnach in den Boden, bewege sie einmal vor und zurück und wiederholt dies im Abstand von wenigen Zentimetern hintereinander. Die Grabgabel sollte den NABU-Experten zufolge aus geschmiedetem Stahl sein, mit vier flachen, starken Zinken und einem T-Stiel aus Eschenholz.

Der ultimative Bio-Bodenlockerer sei jedoch der sogenannte Sauzahn. Er bestehe aus einem sichelförmig gebogenen Zinken, der in eine platte Spitze auslaufe, informiert der NABU. Der Stiel sollte leicht gebogen sein, mit der Krümmung nach unten.

Der Sauzahn sei deshalb empfehlenswert, weil man mit ihm die Erde mit geringem Kraftaufwand bis auf 20 Zentimeter Tiefe komfortabel lockern könne, ohne das natürliche Gefüge des Bodens durcheinander zu werfen. Außerdem könne der Bio-Gärtner so Kompost und Zwischendüngung in die Erde einbringen.

Verzichtet auf einseitige Pflanzung!

Ein Bio-Garten wird gezielt geplant, bebaut und gepflegt. Auch wenn man angesichts der Vielfalt von Flora und Fauna meinen mag, hier herrsche Mutter Natur allein. Der Bio-Gärtner muss verantwortungsvoll entscheiden, welche Pflanze er wann und wo mit welcher anderen zu einem Team macht. Schließlich greift jede Pflanze anders auf die Ressource Boden zu und hinterlässt dort auch individuelle Spuren.

Fruchtwechsel bedeutet eine gezielte, aufeinander abgestimmte Abfolge der Bepflanzung mit Kulturpflanzen. Dies dient dazu, den Boden nicht auszulaugen – ebenso wie die Mischkultur: So nennt man die gezielte Kombination aufeinander abgestimmter Pflanzen, die gleichzeitig und nebeneinander angepflanzt werden.

Der Klassiker in der Fruchtfolge: Ein Dreijahreszyklus. Laut NABU pflanze man auf einen nahrhaften Boden im ersten Jahr sogenannte „Starkzehrer“. Dazu zählten demnach Kohl oder Lauch. Im zweiten Jahr baut der Bio-Gärtner die „Mittelzehrer“ an, zum Beispiel Karrotten, Zwiebeln oder Paprika. Schließlich folgen im dritten Jahr die „Schwachzehrer“: Kräuter, Bohnen oder Erbsen.

Die beiden letztgenannten Hülsenfrüchte punkten, weil sie den Boden mit Stickstoff anreichern – quasi düngen.

Doch auch der Bio-Gärtner kennt Ausnahmen dieser Anbauregeln: Erdbeeren lässt er drei Jahre im Beet stehen und seinen Rhabarber verpflanzt er nie.

Verzichten Sie auf stromfressende Leuchtmittel

Auch wenn in eurem Garten viele Feste gefeiert werden – eine Festbeleuchtung mit zugehöriger elektrischer Anlage ist meist unnötig. Spart stattdessen Strom und Geld! Zerstört nicht mit Kabeln und Zubehör Lebensraum von Tieren und Pflanzen.

Inzwischen gibt es längst solarbetriebene Gartenbeleuchtungsmittel – und nicht zuletzt könnt ihr selbstverständlich nach regional und saisonal geltenden Vorschriften auf kontrollierte Feuerquellen – Fackeln, Kerzen und Ähnliches – setzen, denn ihr seid ja im Freien. Das Feuer sorgt für romantische Stimmung und ist der Natur allemal näher als jede Glühbirne.

Entfernt Laub nicht restlos aus dem Garten!

Ordnung ist das halbe Leben? Wer beim Umgang mit Laub nach diesem Prinzip handelt und womöglich noch mit lärmendem Gebläse statt mit Rechen und Besen dafür sorgt, dass sämtliches Laub aus seinem Garten verschwindet, der zerstört Leben. Denn unzählige Nützlinge überwintern in der zugegeben manchmal unansehnlichen Laubschicht. Wichtig: Das kraftvolle Gebläse eines Laubsaugers an sich mordet häufig Boden- und Krautschichtbewohner, teilweise sogar kleine Säugetiere.

Deshalb gilt im Bio-Garten: Entfernt nur das Laub vom Rasen.Unter Sträuchern, auf Beeten mit Stauden und auch auf den Boden bedeckenden Anpflanzungen, die das Laub quasi „schlucken“, lasst es unbedingt liegen.

Mit Regenwasser statt wertvollem Trinkwasser gießen!

Die Deutschen sind trotz Sparens immer noch Wasserschweine – nicht zuletzt, weil wir immer noch größtenteils mit Trinkwasser spülen: Geschirr und Toilette. Für Bio-Gärtner muss es eine Selbstverständlichkeit sein, ohne Trinkwasser aus dem Hahn im Garten auszukommen. Deshalb gilt es, Regen aufzufangen und aufzubewahren. Die gute alte Regentonne ist nach wie vor eine ökologisch wertvolle Einrichtung.

Für Feuchtigkeit im Garten kann ein Bio-Gärtner aber auch mit gestalterischen Maßnahmen sorgen: ein naturnaher Gartenteich (siehe oben) oder ein schattiger Sumpfgraben (stehendes Wasser, kein Bach!) sind empfehlenswert.

Foto: Doreen Brumme

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