Nachhaltig Einrichten ohne Tropenholz: vom Bodenbelag bis zu den Fenstern

Ich mag Holzmöbel. Seit ich während meines Studiums in einem Antiquitätenladen mitten in Hamburg jobbte, schlägt mein Herz insbesondere für altes Holz. Mit den Jahren habe ich mir das eine oder andere schöne Holzmöbel gekauft, meist aus Kiefer, einem einheimischen Weichholz mit vielen Astspuren (siehe Titelbild). Jedes alte Holzstück in meiner Wohnung hat eine Geschichte, das gefällt mir. Und wenn ich alte Möbel kaufe, verzichte ich zugleich auf neu produzierte. Statt also neue Rohstoffe zu verbrauchen, verlängere ich das Leben alter Möbel, indem ich sie weiter nutze. Nicht zu vergessen: Das Holz meiner alten Möbel hat mehr als 100 Jahre auf dem Buckel – es wuchs in Zeiten, als Umweltgifte noch kein Thema waren. So bleibt meine Raumluft unbelastet. 

Tropenholz ist nicht gleich Tropenholz

Beim Kauf eines neuen Möbelstücks verzichte ich gänzlich auf Tropenholzmöbel und andere Dinge aus Tropenholz, darunter Mahagoni, Teak, Bangkirai und Meranti. Aus meiner Erfahrung hinter dem Ladentisch weiß ich jedoch, die Nachfrage nach edlem Regenwaldholz ist hierzulande recht hoch. Aber aufgepasst: Nachhaltig ist dieses Holz nicht. Zumindest nicht immer. Ganz im Gegenteil: Es braucht sehr lange zum Wachsen (übrigens ein Grund für seinen edlen Charakter, ebenso wie die wenigen Äste, die es ausbildet, weil es wegen der Vegetationsdichte vor allem gerade nach oben wächst) und spielt für das Leben auf der Erde eine entscheidende Rolle. Man könnte sagen, unser Leben hängt davon ab: Der Regenwald ist schließlich die grüne Lunge der Erde. Ohne sie würden nicht nur alle Tiere und Pflanzen, sondern auch der Mensch drastische Einschränkungen hinnehmen müssen. Das Klima würde sich rapide zum Negativen ändern. Um das zu verhindern, muss jeder Einzelne mithelfen von uns und sich für nachhaltige Möbel entscheiden. Das gilt insbesondere bei einer Wohnung, wenn diese vom Bodenbelag bis zu den Fenstern neu eingerichtet wird. Angesichts dieser Herausforderung freut es mich zu lesen, dass bei steter Beliebtheit tropischer Hölzer die Nachfrage nach nachhaltigen und entsprechend zertifizierten Produkten in Deutschland steigt, was sich im Rahmen einer Umfrage des Malaysischen Holzzertifizierungsrates (MTCC) herausstellte, über die das Portal ForstPraxis berichtet.

Nachhaltiges Einrichten und Wohnen

Wie wichtig Nachhaltigkeit beim Einrichten von Haus und Garten ist, wird vielen erst bewusst, wenn sie den großen Schritt vom Mieter zum Eigenheimbesitzer wagen und sich Wohnung oder Haus kaufen. Denn dann steht die Frage im nun eigenen Raum: Wie und womit wollen wir uns einrichten? Für unsere Umwelt und unsere Zukunft sollten wir uns das Thema Nachhaltigkeit auch bei der Anschaffung neuer Bodenbeläge, Fenster und Möbel zu Herzen nehmen. Und Nachhaltigkeit endet nicht an der Haustür: Sie ist auch ein Thema für den gegebenenfalls anschließenden Garten. Auch dort lauern Stolpersteine in Sachen Nachhaltigkeit: Wer mehr zu Öko-Sünden im Garten lesen will – und wie man sie vermeidet – klickt auf den Link zu meinem Artikel dazu.

Gebrauchtmöbel kaufen und alte restaurieren

Nachhaltiges Einrichten fängt schon bei ganz kleinen Dingen an. Mit Nachhaltigkeit schonen wir nicht nur die Natur, sondern auch unseren Geldbeutel. Es müssen ja auch nicht immer gleich wertvolle Antiquitäten sein: Gebrauchte Möbel kann man oft zu einem günstigen Preis kaufen. Und natürlich macht das Restaurieren alter Möbel aus ökologischer Sicht Sinn, wenn es das Wegwerfen alter Möbel und den Neukauf frisch produzierter verhindert.

Meine besten Tipps für nachhaltiges Wohnen

  • Achtet auf Qualität. Gerade dann, wenn euer Budget nicht groß ist. Vermeidet den Kauf billiger Schnäppchen, die schon nach kurzer Zeit kaputt gehen. Fragt euch lieber, warum das Teil so günstig ist (Stichworte: Rohstoffherkunft und Verarbeitung!) Hochwertige  Möbel und Auslegware zertifizierter Hersteller erfreuen euch in der Regel euer ganzes Leben lang.
  • Man kann bei vielen Produkten sparen. Bei Möbeln sollte man es nicht tun. Der Schuss geht nämlich meist nach hinten los, da billige Möbel eine recht kurze Lebensspanne haben, kaum belastbar sind und dazu noch häufig in Osteuropa oder Asien produziert werden, was einen unfairen Handel unterstützt, da die Arbeiter dort oft immer noch schlecht bezahlt werden.
  • Wer exotische Wohnstile mag, kann Möbel aus nachhaltig angebautem Bambus ins Auge fassen. Bambus wächst sehr schnell . Falls ihr keine Bambusmöbel kaufen möchtet, achtet beim Einkauf zumindest auf einheimische Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft und holt euch guten Rat. Das Einrichtungshaus Knutzen Wohnen berät euch zum Thema nachhaltiges Einrichten.
  • Wichtig ist auch, nicht jedem neuen Möbeltrend zu folgen. Kauft lieber zeitlose Einrichtungsgegenstände.
  • Alte Möbel solltet ihr eher verschenken, anstatt sie wegzuwerfen.
  • Einen Umweltbeitrag leistet ihr auch mit Möbeln aus recycelten Materialien. Da geht ihr dann sogar mal mit der Mode, denn die sind gerade echt angesagt.
  • Beweist auch bei den Wohntextilien ökologische Weitsicht, indem ihr euch für organische Baumwolle entscheidet.
  • Schaut euch gründlich auf dem Möbelmarkt um, bevor ihr kauft: Es gibt genug deutsche und europäische Hersteller, die den Einsatz von Tropenholz in Möbeln ablehnen und komplett darauf verzichten. Mit etwas Glück finden ihr sogar einen Schreiner um die Ecke, der euch Möbel nach Maß zu moderaten Preisen anfertigt.
  • Wer sich im Handel nach geeigneten Möbeln umsieht, sollte auf das Zertifikate wie das FSC-Siegel achten, da dieses ein Zeichen für nachhaltige Bewirtschaftung ist.

Mit Bambus einrichten

Noch ein gutes Wort zu dem eben bereits erwähnten Bambusholz. Bambus ist als Material zur Möbelherstellung sehr gut geeignet. Es ist sehr hart und doch flexibel. Die dichte Zellstruktur verleiht hohe Stabilität. Bambus ist sehr resistent gegenüber Luftfeuchtigkeit und quillt daher nicht auf. Aber damit nicht genug: Die Pflanze braucht weder Dünger, noch Pestizide, ist pflegeleicht und schnellwüchsig. Nach nur fünf Jahren können schon meterhohe Stämme geerntet werden. Wer nachhaltiges und entsprechend zertifiziertes Bambusholz kauft, ist auf der sicheren Seite.

Foto: Doreen Brumme

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