Reisetipps von einer 4fach-Mutter

Doreens Bestenliste: 10 Tipps fürs Reisen mit Kindern

Ausnahmezustand – Reisen mit einem oder mehreren kleinen Kindern ist für Eltern oft eine besondere Belastungsprobe. Mit Geduld, den nötigen Utensilien und ein paar Tricks im Gepäck steht einer entspannten Reise jedoch nichts im Weg

Kleine Kinder kann man kaum mit elterlicher Vernunft zur Vernunft bringen– schon gar nicht auf Reisen. Langeweile und Ungeduld macht sich bei längerem tatenlosen Herumsitzen schnell breit. Zum Erhalten der guten Laune oder dam Verhindern schlechter Laune bedarf es ausgeklügelter Methoden. Dabei muss man oft auf Überraschung oder aufwendige Bespaßung zurückgreifen. Letztere kommt heutzutage meist in Form multimedialer Unterhaltung. Wenn alles nichts hilft, darf es auch schon einmal Bestechung sein

Diese Liste enthält meine Erfahrungen aus dem Reisealltag mit vier kleinen Kindern. Dabei ist der eine oder andere Tipp vielleicht auch für eure Kleinen geeignet. Gute Reise!

Die 10 besten Tipps fürs Reisen mit Kindern im Überblick

  1. Reisefieber und andere Unwägbarkeiten
  2. Die Urlaubsgeschichte
  3. Spiele spielen
  4. Bewegungspausen
  5. Lunchbox mit Überraschung
  6. Überraschendes am Wegesrand
  7. Letzte Reihe im Flieger
  8. MP3- und andere Musikabspieler
  9. Tragbare DVD-Player
  10. Die ultimative Notfalltasche

Wohlbefinden geht über alles

Eine bevorstehende Reise sorgt auch in Kinderkörpern für Aufregung, die einhergehen kann mit Durchfall oder Verstopfung. Und erst die Reise selbst verursacht bei dem einen oder anderen Kind Beschwerden, die man unter der Reisekrankheit zusammenfasst: Übelkeit und Erbrechen sind nicht selten. Manche Eltern geben den Kindern von vornherein homöopathische Mittelchen zur Vorbeugung, andere haben Akut-Helfer im Gepäck. Fragt euren Kinderarzt oder Apotheker am besten danach! Bei der Autofahrt bevorzuge ich es, Schüsseln, Spülwasser und Tücher dabei zu haben. Im Flugzeug müssen Tüten und Tücher reichen. Das und Wechselkleidung sowie luftdicht schließende Tüten für die gegebenenfalls bekotzte oder je nach Alter des Kindes auch mal bepinkelte oder gar bekackte Kleidung zählen zu meiner ultimativen Reise-Notausrüstung. Und dann harrt einfach der Dinge, die da kommen. Zuallererst müssen Eltern nämlich unbesorgt möglichen Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigenden unangenehmen Reisebegleiterscheinungen entgegen sehen können. Seid ihr dagegen gut gewappnet, kann alles Erdenkliche gegen Langeweile unternommen werden.

Es war einmal …

Wenn ihr mit diesen Worten verheißungsvoll in die Augen eures Nachwuchses blickt, dann beißt er bestimmt an und bittet euch, weiterzuerzählen. Und eine gute Geschichte kann so manche lange Reise kurzweiliger machen. Vielleicht gelingt es euch ja, aktuelle Reisegeschehnisse in die Geschichte einzubauen. Das macht diese für die Kleinen miterlebbarer und spannender. Auch das Lieblingsbuch oder eine noch unbekannte Lektüre können zum Zeit- oder Langeweile-Vertreiber avancieren. Probiert es aus. Packt ihr zudem Stifte und Malpapier ein, kann das Kind die Geschichte illustrieren – und ist damit im Idealfall über Kilometer beschäftigt. Das Buch kann während der Reise immer wieder hervorgeholt und (weiter)gelesen werden – kaum ein Kind kann sich der Faszination einer guten Geschichte entziehen. Nutzt die Zeit für inniges Zusammensein.

Vertreiben Zeit, Müdigkeit und machen schlau

Mit fast jedem Kind kann man in allen Reiselagen altersgerechte Spielchen spielen. Anleitungen gibt’s zuhauf in einschlägiger Fachliteratur, im Internet oder aus Omas Nähkästchen. Denn oft sind es die alten Klassiker, die bei den Kindern gut ankommen. Greift auf bewährte Renner euer Familie zurück – dann kennen alle die Spielregeln und können sofort anfangen zu spielen. Oder ihr nutzt die Langeweile verursachende Lage und setzt die Reise selbst in Spiele um: Auto-Kennzeichen, Auto-Marken oder auch die Insassen der um euch herum fahrenden Autos sind phantasieanregende Themen für kleine Spielchen. Dankbar können Eltern in Flugzeugen mittlerweile auch die vielen give-aways der Airlines nutzen, um diese gemeinsam mit den Kids auszupacken, zu entdecken und, um damit spielen. Hier kommt Punkt sieben der Liste zum Tragen: Ihr sitzt in der letzten Reihe direkt an der Quelle!

Zum Ablenken und Auspowern

Wenn möglich, also vor allem auf Reisen mit Auto, Bus oder Bahn, verschafft eurem Sprössling die Möglichkeit, sich zu bewegen. Legt dafür schon bei der Routenplanung fest, wo ihr wann stoppen wollt – idealerweise sucht ihr euch Raststätten mit Spielplätzen oder gleichwertigen Auslaufgelegenheiten dafür aus. Haltet euch beim Fahren an die vorgesehenen Stopps und überspringt keine – auch wenn die kleinen Mitfahrer in dem einen Moment ganz zufrieden scheinen, die beste Reiselaune kann schnell mal übel werden. Es macht mitunter auch Spaß, den Kindern kleine Aufträge zu erteilen, sobald eine Raststätte in Sicht ist: Zum Beispiel könntet ihr sie bitten, die Toiletten ausfindig zu machen oder auch einen guten Platz für das gegebenenfalls mitgebrachte Picknick – es muss ja nicht immer im Restaurant gegessen werden. Powert die Kids aus, lasst sie auf geeigneten Flächen ruhig toben und herumtollen – 15 Minuten solltet ihr dafür mindestens einplanen. In der Bahn kann man sich zumindest mal die Füße vertreten gehen und den Zug inspizieren. Eine Besichtigung des Bordrestaurants ist interessante Abwechslung. Oder ihr macht sportliche Mini-Übungen am Platz, damit das Kind sich etwas bewegen kann. Selbst im Flieger nimmt es einem kaum einer übel, wenn man mit den Knirpsen ein, zwei Mal den Gang rauf und runter geht.

Überraschung und Zeitvertreib

Egal, ob ihr im Flieger nach Flugplan bewirtet werdet oder eine Rast in einem Restaurant plant, packt ein Lunchpaket für eure Kinder. Und zwar eins, das überrascht. Denn eins ist sicher: Die Kleinen melden ihre ungeduldigen Bedürfnisse ungeplant an – meist immer dann, wenn der Service gerade nicht bei euch ist oder gerade bei euch war. Packt gegebenenfalls jedem Kind unbedingt sein eigenes Futter. Selbstverständlich muss es dabei gerecht zu gehen. Aus Erfahrung weiß ich: Allein das Vergleichen des Inhalts einer Lunchbox mit überraschenden Details lässt Langeweile vergessen und manchen Reisekilometer hinter sich. Apropos Lunchbox: Habt ihr euch schon mit dem Thema „Bento“ beschäftigt? Falls ja, wisst ihr, was ich mit „überraschender Lunchbox“ meine. In die Lunchbox gehören selbstverständlich vor allem gesunde Lieblingsspeisen und Getränke der Kids – ebenso selbstverständlich wie ungesundes Beiwerk. Hauptsache, die Kinder sind mit Auspacken, Beäugen, Vergleichen, Kauen und Schlucken beschäftigt.Bedingung für derlei Zeitvertreib: Die Kids müssen alleine essen können.

Die wirkungsvollste Abwehr von Langeweile

Ablenkung ist besonders wirkungsvoll, wenn sie den gelangweilten Kindern überraschende Momente bietet. Das gelingt selten spontan. Deshalb solltet ihr schon während der Reiseplanung mögliche Überraschungsmomente ins Auge fassen. Zum Beispiel könntet ihr „auf dem Weg liegenden“ Verwandten, Freunden oder Sehenswürdigkeiten einen Kurzbesuch abstatten. Klar, das verlängert die Reise – aber mit kleinen Kindern ist nun mal der Weg das Ziel. Bietet den Kids dazu noch die Wahl zwischen zwei möglichen Abstechern – könnt ihr hinterher nicht mal die Alleinschuld zugewiesen bekommen, wenn die Kinder dann doch noch irgendetwas daran auszusetzen haben. Besonders gut kommt die Überraschung an, die die Kinder quasi wie von selbst am Wegesrand entdecken. Auch das muss meist – je nach Alter der kleinen Reisenden – von sorgfältiger Hand eingefädelt werden. Aber Mütter und Väter können sowas – schließlich machen sie im Alltag auch nichts anderes, oder? Ihr könnt beispielsweise wie nebenbei erwähnen, dass das Museum, Schwimmbad oder Ähnliches von dem ihr wisst, dass es eure Kinder interessiert, ganz in der Nähe ist. Vielleicht kommen die kleinen Schlauberger dann selbst auf die Idee, Oma, Tante oder Vetter einen Besuch abzustatten; den ihr längst angekündigt hattet und jetzt – selbstverständlich von den Kindern – per Handy bestätigen lasst (oder im Zweifelsfall selbst heimlich per SMS schnell wieder absagen könnt, falls die kleinen Racker doch irgendwie keine Lust haben sollten).

Dicht am Service-Zentrum

Ich habe schon manchen Flugkilometer mit meinen Kindern hinter mir. Allein oder zu zweit und mit ein, zwei, drei und vier Kindern. Ich achte seit längerem beim Check-in immer darauf, möglichst in der letzten Reihe zu sitzen – dann sind hinter uns schon mal keine Fluggäste, die wir vielleicht stören könnten. Mit unserer Lautstärke, den vor und zurückklappenden Sitzen und allem, was andere an uns so stört. Stattdessen ist da eine Wand und dahinter direkt eins der Servicezentren des Fliegers. Und das ist hilfreich – egal, ob eins der Kinder spuckt, Durst oder Hunger hat, aufs Klo muss oder einfach nur gelangweilt ist. Ich habe bisher fast nur positive Erfahrungen mit den Crews gemacht, die haben uns manchmal geradezu verwöhnt: Handfest mit Gebäck aus der First Class/Bussines Class oder augenblicklich mit verstärkter Aufmerksamkeit, wenn die Kinder quengelten und Mama und Papa nicht alle gleichzeitig zufrieden stellen konnten. Die von manchen Airlines angebotenen Mutter-Kind-Sitze fand ich wenig hilfreich, wo das Baby so ein Körbchen bekommt: Meine Kids mochten die nicht und wollten darin schon gar nicht schlafen.

Etwas auf die Ohren

Viele Kinder hören gerne spannende Geschichten oder Musik – dank MP3-Playern ist der Aufwand heutzutage auch recht gering, entsprechenden Inhalt mit auf Reisen zu nehmen. Sie können dem Kind die Langeweile einer langen Reise vertreiben und den auf Reisen gestressten Eltern Augenblicke zum Durchschnaufen verschaffen – der nächste Stress liegt ja meist nur Minuten vor ihnen. Achtet auf Geräte mit langer Akkuleistung und kindgerechte Kopfhörer. Letztere gibt es in gut sortierten Fachläden. Sie schützen die sensiblen Kinderohren vor zuviel Dezibeln und lassen sich passgerechter auf Kinderohren setzen als die Modelle für Erwachsene.

Kino to go – Ablenkung für Unterwegs

Gelobt seien die Hersteller tragbarer DVD-Player. Zusammen mit den passenden Filmen retten die kompakten Geräte die kleinen Reisenden über manche langweilige Reisestunde hinweg – egal, ob in Auto, Bus, Bahn oder Flieger. Wichtigste Mitnahme-Bedingung: Die Kinder können die Geräte selbständig bedienen. Achtet beim Kauf der Abspielgeräte auf eine lange Akku-Laufzeit, die kann sich als Herstellerangabe schon um mehrere Stunden unterscheiden! Je länger der Akku hält, desto länger läuft das Ablenkungsmanöver „Kino to go“. Die tragbaren Player haben sich aber auch als unterhaltende Beschäftigung bewährt, wenn die Kinder am Reiseort selbst mal eine Auszeit von der geballten Action brauchen, sich nicht wohl fühlen oder einfach nur mal für ’ne Weile „still sitzen“ sollen. Im Urlaub ist eine Überdosis Lieblingsfilm erlaubt!

Für den Fall der Fälle

Wenn nichts mehr geht und die Reise an der schlechten Laune inzwischen aller Reisenden zu scheitern droht, dann dürfen ausgepowerte Eltern gerne zur letzten Wunderwaffe gegen Langeweile greifen: der ultimativen Notfalltasche. Die hat nun gar nichts mit Medizin und Erste Hilfe zu tun – dafür haben Sie ja den Erste-Hilfe-Kasten, die praktische Wickeltasche und die mythenumwobene Handtasche von Mama. Nein, eine ultimative Notfalltasche gegen Langeweile enthält im Idealfall und je nach Reisemittel – von Vorteil ist hier eindeutig der Kofferraum eines Autos – entweder das allerliebste Lieblingsspielzeug, für das kein Platz mehr war und das deshalb bei der Abreise zu Streit oder Tränen zwischen Eltern und Kind geführt hatte. Oder darin steckt das lang ersehnte Spielzeug, das die Eltern in Vorahnung dieses Reisemoments längst besorgt haben. Wenn alle Stricke reißen: Ein Notfall-Umschlag, -Portemonnaie oder -Kettchen mit bedeutungsvollem Anhänger, in dem ein Blanko-Gutschein steckt, den das Kind unmittelbar, am Reiseziel oder wieder daheim bei Mama und Papa einlösen kann und der einen innigen Herzenswunsch erfüllt – natürlich solange der machbar ist.

Foto: Doreen Brumme

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