Kindernotarztwagen

Doreens Bestenliste: 10 wichtigen Verhaltenstipps für Eltern, deren Kind krank ist

Kranke Kinder brauchen besonderen Beistand und spezielle Versorgung – nicht nur rein medizinisch, sondern vor allem elterntechnisch. Was Mama und Papa hilft, im Krankheitsfall mit der Lage und dem kleinen Patienten gut klar zu kommen, schreibe ich hier.

Als Mutter von vier Kindern (3, 8, 10 und 12) werde ich mit so manchem Krankheitsfall konfrontiert – und lerne diese Tag für Tag aufs Neue zu meistern. Hier sind meine ganz persönlichen Tipps für das hilfreichste Verhalten, dass wir Eltern an den Tag legen können, wenn unsere Kinder krank sind.

Achtung: Ich bin keine Medizinerin – ich bin eine Mama. Nicht mehr und nicht weniger. In diesem Sinn kommt hier keine Erste Hilfe, sondern vielmehr biete ich Rat für manchmal schier verzweifelte Lagen – Kids, die keine Fieberthermometer mögen, sich im Krankenbett zu Tode langweilen oder sich vom Arzt nicht untersuchen lassen wollen.

Und auch, wenn ihr dies in dieser Liste noch des Öfteren lest – einmal vorweg: Sobald ihr das Gefühl bekommt, mit einem Arzt über den Zustand eures Kindes sprechen zu wollen, tut dies! Vertraut eurer Wahrnehmung! Als Eltern haben wir ein gesundes, instinktives Gespür für das Wohlbefinden unserer Kids.

Geht lieber einmal mehr zum Kinderarzt und macht euch die Helfer in der Kinderarztpraxis zum Freund: Ein ehrlich gemeintes, freundliches Wort, ein herzliches Dankeschön oder eine kleine Spende für die Kaffekasse haben sie bestimmt verdient. Ich denke, sie bekommen die verdiente Aufmerksamkeit eh oft zu selten. Und so klappt es auch im Notfall mal mit einem Termin zwischendurch- meine Erfahrung!

Und auch das sei vorweggenommen: Die folgenden Tipps beziehen sich ausschließlich auf die „normalen“ Kinderkrankheiten und Wehwechen – sie bieten keinen Ersatz für medizinische Betreuung und Beistand.

Die 10 wichtigsten Verhaltenstipps für Eltern, deren Kind krank ist im Überblick

  1. Ruhe bewahren
  2. Kind beobachten
  3. Kind nach Befinden befragen
  4. Der Arztbesuch
  5. Kind trösten
  6. Langeweile bekämpfen
  7. Kontakt mit Freunden gestalten
  8. Medikamente verabreichen
  9. Fieber messen
  10. Krankes Kind, kranke Eltern

Auch wenn es schwer fällt

Wenn unsere Kinder einen Unfall haben oder krank werden, überflutet uns Eltern eine Welle der Sorge. Je nach Ernst der Lage bekommen wir es mit der Angst zu tun. Deshalb ist es gut zu wissen, was man im Notfall tun sollte. Außerdem solltet ihr ein Prozedere „was wäre wenn“ im Kopf haben, damit ihr es im Notfall abspulen könnt. Für eine ganze Reihe von Kinderkrankheiten gilt es, insbesondere bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern – den Arzt aufzusuchen. Andere Erkrankungen könnt ihr zu Hause „durchleben“, ohne sofort einen Kinderarzt zu konsultieren. Aber: Sobald sich deren Verlauf nicht bessert beziehungsweise verschlechtert, ist das ein Grund doch zum Arzt zu gehen. Fieber überfällt Kinder häufiger und plötzlich – und verschwindet beim sogenannten Eintages- oder Dreitagefieber auch genau nach dieser Zeit, anschließend zeigt sich beim Dreitagefieber oft der für die Kinderkrankheit typische Ausschlag. Hält das Fieber länger an und/oder lässt es sich mit Hausmitteln wie kalte Wickel (Stirn, Waden) nicht senken, geht unbedingt zum Arzt! Euer elterlicher Urinstinkt hilft zu entscheiden, wann ein Arzt das Kind untersuchen sollte. Vertraut diesem Bauchgefühl, es nährt sich ja aus der Beobachtung des Kindes – und scheut euch nicht, euch lächerlich zu machen, wenn ihr vielleicht überreagiert. Ein Kinderarzt kennt die Sorgen und Ängste der Eltern. Sagt dem Arzt alles, was ihr auf dem Herzen habt. Er entnimmt eurer Aussage wichtige Infos zum Zustand des Kindes.

Für alle Beteiligten, vor allem aber für das kranke Kind – ist es wichtig, dass ihr versucht, Ruhe zu bewahren und Zuversicht auf Heilung auch auf das Kind auszustrahlen. Ein Kind, dass sich ängstigt, weil Mama und Papa beunruhigt sind, verweigert die medizinisch nötige Kooperation: Es schluckt seine Medizin nicht und lässt sich nicht behandeln. Ein Teufelskreis entsteht: Mama und Papa sorgen sich noch mehr, geraten in Stress und steigern sogar die Ängste, sowohl eigene als auch die des Kindes. Dazu muss man wissen: Angst kann beispielsweise einen Pseudo-Krupp-Anfall verstärken.

Unauffällig und aufmerksam!

Wenn ihr den Verdacht hegt, euer Kind könnte krank sein, dann beobachtet euer Kind unauffällig, aber besonders aufmerksam: Aus dem Vergleich seines aktuellen Verhaltens mit seinen normalen Verhaltensweisen können Eltern jede Menge Infos über das Kind und sein Wohlbefinden ziehen. Kranke Kinder reagieren in alltäglichen Situationen häufig anders als üblich: Manche meckern viel mehr, andere jammern ohne Unterlass und wieder andere bleiben ungewöhnlich ruhig. Oft sind kranke Kinder für Stress anfälliger, sie reagieren launischer und können weniger gut Entscheidungen treffen oder sie suchen entgegen ihres sonstigen Verhaltens freiwillig das Bett auf. Kommt euer Kind nicht mit konkreten Beschwerden auf euch zu (siehe dazu auch Punkt 3 dieser Liste), versucht, im Zusammensein mit eurem Kind äußerliche Anzeichen einer möglichen Krankheit wahrzunehmen, ohne dass das Kind es gleich bemerkt. Beobachtet die Veränderungen der Hautfarbe, Körpertemperatur und des Mundgeruchs. Achtet darauf, ob sich das Kind auffällig häufig an bestimmte Stellen seines Körpers greift, zum Beispiel an die Ohren, in den Mund oder an den Bauch.

Befragung in den Alltag einbauen

Glückwunsch den Eltern, deren Kind ihnen mitteilt, wo genau es weh tut. Der Bauch muss als Schmerzzentrum erwiesenermaßen auffallend häufig herhalten – auch wenn er gar nicht der Übeltäter ist. Das sollten Eltern unbedingt wissen. Den tatsächlichen Verursacher von Beschwerden auszumachen, ist für Eltern unheimlich schwer. Kinder ordnen Unwohlsein eben nach ganz eigener Auffassung zu. Deshalb ist die Körpersprache manchmal viel aufschlussreicher – insbesondere dann, wenn sich die Kids unbeobachtet fühlen. Mit Kindern, die einigermaßen verstehen, was Worte wie „Aua“ bedeuten, kann man sich schon im Dialog verständigen und gemeinsam nach Schmerzursachen oder Gründen für Unwohlsein suchen. Wichtig ist dabei das Gesprächsklima. Vermittelt eurem Kind, dass ihr gemerkt habt, dass es ihm nicht gut geht. Hört ihm ruhig zu und fragt bei Unsicherheiten nach. Versucht ruhig und ernst zu bleiben – und Angst und Sorge nicht allzu offensichtlich zu zeigen. Es hilft, ein Gespräch über das Befinden in den Alltag einzubauen, so ist es für das kranke Kind nicht ungewöhnlich auf diese Weise befragt zu werden. Oft hilft es, dem Kind offen zu sagen, dass man sich Sorgen macht. Dann muss man nicht erst versuchen, die Sorgen vor dem Kind zu verstecken – ein Unterfangen, dass häufig misslingt (siehe Punkt 1).

Spielerische Vorbereitung auf die Untersuchung

Macht eurem Kind klar, dass ihr ihm nicht helfen könnt, die Beschwerden loszuwerden. Nur ein ausgebildeter Arzt kennt Mittel und Wege, die dafür sorgen, dass es ihm besser geht. Kinderbücher wie „XYZ geht zum Kinderarzt“ gehören meiner Meinung nach in die ultimative „Grundausstattung für Eltern“. Die Eltern sollten das an gesunden Tagen immer wieder zum Vorlesen anbieten, um die Kinder auf den nötigen Besuch beim Kinderarzt vorzubereiten. Es ist hilfreich Kinder bereits während der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen mit dem Kinderarzt und dessen Handgriffen und Instrumenten vertraut zu machen. Erklärt während der Untersuchung, was der Arzt gerade macht, womit und warum. Auch der „Doktorkoffer“ im Kinderzimmer hat sich als Vorbereiter auf den Notfall  bestens bewährt. Mithilfe dieser Erfahrungen könnt ihr euer Kind mit einem Kinderarztbesuch vertraut machen.

Begünstigt den Heilprozess

Kranke Kinder brauchen neben der gegebenenfalls zu verabreichenden Medizin vor allem ein Heilmittel: den Trost der Eltern. Die tröstenden Arme von Mama und Papa sind die beste Medizin gegen fast alle Wehwehchen. Also nehmt euch beim Betreuen eures kranken Kindes die Zeit, es einfach nur im Arm zu halten und zu kuscheln. Man kann sich mit ins  eingerichtete Krankenlager legen und eine Geschichte erzählen, ein Buch vorlesen oder gemeinsam einem Hörspiel oder Musik lauschen. Glaubt mir, mit vier Kindern weiß ich eins: Trost muss gespendet werden, wenn das (kranke) Kind ihn einfordert. Ein Verschieben aus „Erwachsenen-Gründen“ verschlimmert die gefühlte Gesamtsituation nur. Eltern können zum Beispiel berichten, an welche Krankheitstage ihrer Kindheit sie sich erinnern und wer ihnen damals beigestanden oder auf welche Weise getröstet hat. Ihr werdet euch wundern, welche Details euer neugieriger Sprössling euch dabei aus dem Gedächtnis kramt. Gemeinsame Zeit und das intensive Eingehen auf den Trostbedarf des Kranken kann Heilung begünstigen.

Überdosis TV gegen Langeweile ist erlaubt

Ein krankes Kind verlangt der ganzen Familie einiges ab. Betreuer neigen anfangs dazu, das Kind zu verwöhnen. Da werden mitunter am ersten Tag sämtliche Lieblingsspiele aufgefahren, viele Bücher gelesen und weitere zeitintensive Aktivitäten ausgeübt. Das geht gut, wenn der Kranke nicht mehrere Tage bettlägerig ist und ihr nebenbei kaum noch etwas anderes zu tun habt. Andernfalls verausgabt ihr euch und legt den Betreuungsstandard extrem hoch – das kranke Kind erwartet dann die Beibehaltung der Erstbetreuung. Es ist gut, wenn ein Kind gelernt hat, sich selbst zu beschäftigen. Dann kann es dies hoffentlich auch, wenn es krank ist. Findet heraus, worauf euer krankes Kind eigentlich Lust hat. Bücher und Spiele sind toll, damit kann es sich auch allein beschäftigen. Ich richte mir mein Laptop meist in Reichweite des Krankenlagers ein.  Ich erlaube meinen kranken Kids auch eine größere Dosis an TV und DVD als gewöhnlich – wenn ich den Sendern/Sendungen vertraue beziehungsweise den Inhalt kenne.

Mein Tipp: Erledigt anfallende Arbeiten in Job und Haushalt möglichst dann, wenn es dem Kind besser geht oder wenn es schläft, damit ihr mit ihm möglichst viel Zeit verbringen könnt. Gerade Fieber ist morgens häufig niedriger als abends, entsprechend solltet ihr abends verstärkt zur Verfügung stehen und Trost spenden (siehe Punkt 5 der Liste).

Moderne Kommunikationsmittel nutzen

Ein krankes Kind leidet wahrscheinlich darunter, dass es nicht wie gewohnt mit Freunden spielen kann. Dagegen könnt ihr dank der modernen Technik einiges unternehmen: E-Mail, Skype, Telefon oder PC sind nur einige der Verbindungen zur Außenwelt, die ihr eurem Kind schaffen könnt. Je nach Alter des kleinen Patienten könnt ihr gemeinsam mit Oma telefonieren und dem kranken Kind Zuspruch einholen. Größere Kids können via Internet Kontakt zu Spiel- oder Schulkameraden aufnehmen. Insbesondere Schulkinder bleiben so am Schulstoff. Natürlich ist auch ein echter Krankenbesuch eine Möglichkeit, Kontakt zum gesunden Alltag zu bewahren.

Etwas „Zwang“ muss sein

Manchmal führt kein Weg daran vorbei, dass kranke Kinder mit Medizin versorgt werden müssen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das alles andere als ein Kinderspiel ist. Lässt sich ein Kind beim ersten Mal vielleicht noch zum Schlucken überreden oder mit einem Tröpfchen überraschen – dann ganz bestimmt kein zweites Mal. Uns Erwachsene treibt das nicht selten zur Verzweiflung. Ich habe alles versucht – und bin oft kläglich gescheitert: Gelaber, Getue und Gespiele haben nicht funktioniert. Deshalb mache ich heute wenig Theater um die Vergabe von Medikamenten – ich greife stattdessen beherzt zu und „zwinge“ meine Kinder, diese zu schlucken oder sonst irgendwie aufzunehmen. Ich versichere euch, das tut meinem Mutterherz echt weh – aber „was muss, das muss“. Schaffe ich es nicht alleine, bitte ich gegebenenfalls andere Erwachsene, also Papa oder Oma oder Freundin, mir dabei zu helfen. Bitte rechnet bei der Verpackungsgröße immer mit dem natürlichen Schwund, der beim Verabreichen der Medikamente entsteht. Ich stand schon des Öfteren beim Arzt meines und des Vertrauens meiner Kinder und musste gestehen, dass ich beim Verabreichen mehr als die Hälfte auf den Babyklamotten, meinen Klamotten, dem Teppich, der Wand und in Papas Gesicht verteilt habe. Babymüttern sei gesagt: Es geht immer viel daneben, das ist normal!

Wann, wo und wie oft

Meine Kinder fanden Fiebermessen schon immer einfach nur doof. Sobald ich mich klammheimlich mit dem Fieberthermometer, wohl wissend das neuste und empfehlenswerteste Modell für Babys und dieses an den Handflächen warm gerieben, der Wickelkommode und dem nackten kleinen Babypo näherte, ging gar nichts mehr. Zumindest meine Kids haben ein Gespür dafür! Und eine Abneigung! Die sie mir jedes Mal deutlich zeigten. Also habe ich mich nach dem x-ten gescheiterten Versuch beim ersten Baby schon auf meine Hände verlassen und die Temperatur pi-mal-Daumen abgenommen: Dabei lege ich meine Hand jeweils auf die Stirn, auf den Bauch und auf die Handflächen des Kindes. Das tue ich bis heute – inzwischen beim vierten Kind – so. Bisher bin ich damit gut gefahren – selbst mein Kinderarzt nimmt mich mit den auf meine Weise ermittelten Fieberwerten ernst. Wem das allerdings zu vage ist, der sollte versuchen, die Temperatur morgens und abends mit einem geeigneten Thermometer zu messen, im Po oder im Mund oder im Ohr.

Was tun, wenn alle krank sind?

Ihr  glaubt, zur Versorgungssituation eines nörgelnden, jammernden und launischen kranken Kindes gäbe es keine Steigerung? Dann fragt mal Mütter mit mehreren Kindern, die können euch vielleicht was erzählen. Oder lassen euch von euren Freunden berichten, wie es ist, wenn die ganze Familie krank ist. Ich habe das schon erlebt – und wünsche es keinem. Zwischen Kloschüssel und Spuckeimer kriechend auf allen vieren auch noch die bespuckte Wäsche von dem Baby und seinen Geschwistern und die „durchgefallene Windel“ zu wechseln, ist Höchstleistung – und doch keine Seltenheit.

Mein Tipp für diese Art von familiärem Notfall: Lasst alles liegen, was ihr zu erledigen hättet! Wichtig ist nur eins: Dass alle schnell gesund werden. Ein „krankes Familienlager“ mit der schon in Punkt 6 beschriebenen Überdosis an multimedialer Zerstreuung ist eine sehr gute Möglichkeit, selbst zur für die Heilung nötigen Ruhe zu kommen. Kinder lassen sich wie wir Erwachsene auch im Krankheitsfall gerne einfach mal nur berieseln. Staubsauger und Konsorten haben auf jeden Fall frei. Der Dienst von Pizza- und sonstigen Essensboten ist dagegen willkommen, wenn denn familiärer Appetit darauf besteht. Geht gar nix mehr, greift unbedingt auf Notfallressourcen zurück: Großeltern, Nachbarn, befreundete Eltern befreundeter Kinder oder das soziale Netzwerk staatlicher und anderer Organisationen. Ihr seid nicht allein! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich um Hilfe bat, diese auch geleistet wurde. Überwinden euch also und bittet andere, euch und den euren in diesem Notfall zu helfen.

Bleibt gesund oder werdet es ganz schnell!

Foto: Doreen Brumme

x geteilt

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.