Welche Rolle kann Mann bei der Geburt im Kreißsaal spielen?

Doreens Bestenliste: 10 wichtige Rollen, die Mann bei der Geburt spielen kann

Bei der Beantwortung der Frage, ob der werdende Vater bei der Geburt dabei sein sollte oder nicht, scheiden sich nach wie vor die Geister. Die folgende Liste zeigt zehn mögliche „Rollen“ auf, die ein Mann während der Geburt übernehmen kann, um daran teilzuhaben. Ob er diese Rollen tatsächlich „spielen“ möchte und auch soll oder nicht, muss er zunächst für sich und schlussendlich mit der werdenden Mutter gemeinsam entscheiden.

Bei der Entscheidung für oder wider das „Engagement im Kreißsaal“ ist vielleicht der Rat erfahrener Hebammen für euch hilfreich: Für die Anwesenheit des Vaters bei der Geburt spricht eine aktuell liebevolle und harmonische Beziehung zwischen den werdenden Eltern.

Die Entscheidung dabei zu sein, sollte freiwillig und unabhängig von gesellschaftlichen Zwängen und Vorgaben gefällt werden. Es sollte darüber hinaus selbstverständlich sein, dass der Mann den Kreißsaal jederzeit verlassen kann, wenn er dem weiteren Geburtsverlauf nicht mehr beiwohnen möchte.

Die 10 wichtigsten Rollen, die Mann bei der Geburt spielen kann im Überblick

  1. Teilhaber
  2. Versicherer
  3. Versorger
  4. Therapeut
  5. Ge(h)hilfe
  6. Kontaktmann
  7. Entertainer
  8. Motivator
  9. Fotograf
  10. Traditionalist

Teilhaber: Sei nicht nur dabei!

Als Erzeuger des Nachwuchses ist es für werdende Väter selbstverständlich, an der Schwangerschaft ihrer Herzallerliebsten mit allen Sinnen teilzuhaben – im Rahmen der Möglichkeiten, die Mann eben so hat. Das Finale, also die Geburt des eigenen Kindes, mitzuerleben, stellt für viele Väter den Höhepunkt dieser Teilhabe dar.

Und als Teilhaber solltet ihr euch auch verstehen, wenn ihr eure Liebste zur Geburt begleitet. Wie groß und welcher Art euer tatsächlicher Anteil an der Geburt sein wird, hängt ganz von euch beiden ab. Doch selbst, wenn ihr Details schon vor der Niederkunft mit eurer Liebsten oder den Geburtshelfern in der Klinik oder dem Geburtshaus besprecht – seid euch beide dessen gewiss: Bei der Geburt läuft sowieso meist vieles anders, als man plant. Das ist völlig normal. Dennoch solltet ihr versuchen, euch auf die eine oder andere Weise einzubringen.

Vertraut als künftiger Vater auf euer beider Beziehung zueinander. Seid während der Geburt offen für das, was geschieht und versucht, die Bedürfnisse der werdenden Mutter in den Mittelpunkt zu stellen: Sie erledigt schließlich die Hauptarbeit – unter großen Schmerzen.

Versicherer: Seid ihr Felsen!

Aller Geburtsvorbereitung und Fachliteratur zum Trotz: Eine Geburt ist für eine Frau – und das schreibe ich als 4fach-Mutter – eine Ausnahmesituation. Gerade bei der Geburt des ersten Kindes gilt: Egal, wie sehr sie sich vorher gedanklich mit dem Ergebnis auseinandergesetzt hat – so richtig vorstellen, wie es nun tatsächlich abläuft, konnte sie es sich nicht. Zumal ja auch tatsächlich jede Geburt anders verläuft.

Das ist natürlich beängstigend. Daher ist die vielleicht wichtigste Rolle, die ihr bei der Geburt eures Kindes spielen könnt: Eure Anwesenheit verschafft eurer Liebsten Sicherheit. Sie kennt euch vermutlich so gut wie keinen anderen der Geburtshelfer, sie vertraut euch wie keinem anderen.

Seid euch bewusst, dass eine Gebärende das, was um sie herum geschieht, aus ganz anderer Sicht wahrnimmt als ihr – ich weiß das aus eigener Erfahrung. Nicht zuletzt, weil die Frau sich gegebenenfalls in einer Geburtsposition befindet, die ihr den Überblick über das Geschehen unmöglich macht. Haltet also Augen und Ohren offen, beobachtet und teilt eure Beobachtungen mit der Frau eures Herzens.

Versorger: Stillt ihre menschlichen Bedürfnisse!

Statistiker sagen, dass eine durchschnittliche, spontane und normal ablaufende Geburt zwischen acht und 13 Stunden dauert. Doch was nützt euch und eurer Liebsten schon der Durchschnittswert? Während die eine Geburt (schnellstenfalls: Sturzgeburt, hatte ich bei Nr. 4) so rasant abläuft, dass die Gebärende und ihre Geburtshelfer kaum zur Ruhe kommen, dauert die andere vielleicht sogar viele Stunden (ungünstigenfalls mit Leerlauf – hatte ich bei Nr. 1) – sodass sich auch bei der werdenden Mutter (und euch!) früher oder später Hunger und Durst einstellen.

Lange Zeit galt, dass Frauen in den Wehen weder trinken noch essen sollen, weil das zu Problemen bei einem eventuellen Notkaiserschnitt unter Vollnarkose führen könnte. Inzwischen weiß man es besser und rät gebärenden Frauen, das zu essen oder zu trinken, worauf sie Appetit haben. Dabei gelten sämtliche Ernährungsregeln, zum Beispiel, dass Zucker in Form von Schokolade nur kurzfristig Energie verschafft, Müsliriegel dagegen langfristig.

Gut, wenn der zukünftige Vater im Fall des aufkeimenden Appetits (wichtig: auch des eigenen!) den passenden Happen aus der Kliniktasche zaubern kann, weil er zuvor mit seiner Liebsten abgestimmt hat, was eingepackt werden soll. Notfalls kann der werdende Vater auch zum nächsten Kiosk oder Bäcker laufen, um das Gewünschte zu kaufen: Steckt euch also unbedingt Geld ein!

Hebammen empfehlen gegen den kleinen Hunger zwischendurch übrigens oft Knäckebrot, Reis- oder Maiswaffeln sowie frische grüne Gurken. Als Getränk ist stilles Wasser gut geeignet.

Wichtig: Viele Frauen verspüren nach der Geburt einen Bärenhunger. Und nach all der anstrengenden und kräftezehrenden Geburtsarbeit haben sie sich ihre Lieblingsspeise verdient. Wer die nicht mitgebracht hat, sollte zumindest entsprechende Kontakte zu Lieferanten parat halten, um sich das Essen bringen zu lassen.

Therapeut: Seid ihr Masseur!

In Geburtsvorbereitungskursen lernen die werdenden Eltern den ein oder anderen Handgriff, um der Gebärenden während der Geburt körperliche Erleichterung zu verschaffen. Dazu gehört das Streicheln oder Massieren des Rückens oder auch das Lockern der Muskeln des unteren Rückens und des Gesäßes, indem man die Region klopft oder schüttelt.

Haltet euch als werdender Vater bereit und helft eurer Liebsten auf deren Wunsch über Schmerzen hinweg – handelt als Teamplayer! Mancher Frau hilft es beispielsweise, wenn sich der Partner als „Sessel“ hergibt, in den sie sich geborgen lehnen und bei (Press-)Wehen auch hineinstemmen kann.

Zum Verwöhnen gehört darüber hinaus auch das Reichen eines kühlen Tuchs für die Stirn, wenn’s der Liebsten zu heiß wird. Oder ihr gebt ihr die Hand, wenn’s zu arg schmerzt oder einen „Labello“ gegen trockene Lippen. Auch den mitunter beschwerlichen Gang auf die Toilette erleichtert ihr der Frau, wenn ihr sie dorthin begleitet und ihr bei den kleinen oder größeren Geschäften behilflich seid.

Ge(h)ilfe: Seid ihre Stütze!

Oft wird Gebärenden geraten, sich ein wenig zu bewegen, um die Geburt voranzutreiben. Denn beim Laufen tut nicht zuletzt die Schwerkraft ein Übriges. Der starke Arm des werdenden Vaters bietet der Frau in den Wehen dabei die beste Stütze. Er kann seine Liebste schließlich am besten genau so halten, wie sie gerade gehalten werden will.

Ob ihr bei schönem Wetter im Garten des eigenen Hauses (Hausgeburt) oder des Geburtshauses, im Park der Klinik oder bei schlechtem Wetter in deren Fluren und Treppenhäusern wandert, ist egal: Hauptsache, ihr steht eurer Liebsten zur Seite.

Dabei aber nicht vergessen, welchem Zweck dieser „Spaziergang“ dient: Macht Pausen, wenn die Frau Pausen braucht, atmet die hoffentlich frische Luft tief ein und überlasst bei jedem Schritt eurer Frau die Führung. Sie gibt das Tempo vor und bestimmt, wie weit gegangen und wann umgekehrt wird. Eure Rolle beschränkt sich auf körperliche Stütze und moralischen Beistand.

Kontaktmann: Seid ihr Anrufbeantworter!

Naht der Geburtstermin, werden in der Regel alle Menschen, denen man nahesteht, unruhig. Allen voran natürlich die liebsten Verwandten, insbesondere Eltern und Schwiegereltern. Aber auch Nachbarn, Freunde und Kollegen wollen natürlich auf dem Laufenden gehalten werden.

Wer sich stündliche Kontrollanrufe von allen Seiten ersparen möchte, kann einen bewährten Trick anwenden: den wahrscheinlichen Entbindungstermin von vornherein nur vage andeuten oder bewusst einen späteren als den tatsächlichen angeben. Das ist dann zwar eine Unwahrheit, bewahrt einem selbst aber die nötige Ruhe. Die ungeduldig Wartenden werden mit der „etwas früher als errechnet“ erfolgten Geburt dann einfach überrascht.

Während der Geburt ist der werdende Vater der Kontaktmann zur Außenwelt. Gegebenenfalls eingeweihte und vor Ungeduld zu platzen drohende Verwandte und Freunde hält er auf Distanz – und zwar auf genau die Distanz, die von euch, den künftigen Eltern, gewünscht wird.

Der werdende Vater ist also bestens beraten, Handy und Co. mit ins Krankenhaus zu nehmen und dort notfalls auch das der Liebsten zu bedienen. Tipp: Prüft rechtzeitig, dass alle Kontakte aktuell sind und die Akkus vollgeladen, sodass ihr euch keinen Ärger mit der Verwandtschaft einhandelt, weil sie nicht oder nicht sofort informiert wurde.

Entertainer: Vertreibt ihre Langeweile!

Die Zeit bis zum Austritt des Kindes aus dem Mutterleib wird mitunter lang – und langweilig. Wer mag, kann versuchen, sich und der Gebärenden Ablenkung zu verschaffen. Redet miteinander, falls die Liebste eine Unterhaltung wünscht. Oder lest ihr aus der aktuellen Tagespresse vor – immerhin spiegelt diese das Weltgeschehen am Geburtstag Ihres Kindes wider. Internetfähige Technik (so sie denn erlaubt ist) macht diese Form des Informierens nahezu überall möglich.

Unterhaltsam (vor allem: für die werdende Mutter) kann auch eine Folge der Lieblingsserie eurer Liebsten sein oder ein Kapitel ihres Lieblingsbuchs. Andere Frauen posten vielleicht gerne auf Facebook oder twittern über die Geburt und deren Fortgang Verwandten, Freunden und Kollegen.

Packt die Kliniktasche diesbezüglich vorausschauend und geht auf die Wünsche der Gebärenden ein. Denn alles, was sie beim Warten ablenkt, ist gut. Und ausgewählt hat eure Liebste euch ja unter anderem wegen eures tollen Sinns für Humor, oder?

Motivator: Glaubt an sie!

Naturgemäß könnt ihr der Mutter eures Kindes den Löwenanteil der Geburtsarbeit nicht abnehmen. Auch wenn ihr das vielleicht am liebsten tun würdet. Umso größer ist wahrscheinlich euer Bedürfnis, im Rahmen eurer Möglichkeiten alles zu tun, was eurer Liebsten bei der Geburt von Nutzen sein kann.

Bis auf ein paar kleine – aber nicht unwesentliche! – physische Hilfestellungen (siehe Listenpunkte 3, 4 und 5) ist eure Hauptaufgabe die psychische Unterstützung eurer Liebsten. Seid aufmerksam, konzentriert euch voll auf sie und tröstet sie in Momenten großen Schmerzes. Redet ihr gut zu und motiviert sie, durchzuhalten – aber bitte nicht von oben herab.

Wer eine gute Beziehung führt, weiß aus Erfahrung, mit welchen Worten er sich bei der von der Geburt strapazierten Liebsten Gehör verschafft – und in welcher Tonart diese bis zu ihr vordringen, ohne sie zu irritieren. Zeigt eurer Frau, dass sie zwar ihr Kind alleine auf die Welt bringen muss, aber dass ihr mit ihr mitfühlt. Versichert ihr, dass ihr sicher seid, dass sie das auch schaffen wird.

Fotograf: Verewigt den Augenblick!

Das ist ein Punkt, der von unterschiedlichen Menschen mitunter völlig unterschiedlich bewertet wird. Für die einen ist die Geburt des eigenen Kindes ein so intimer und privater Moment, dass es ihnen nie in den Sinn kommen würde, ihn in Bildern festzuhalten. Aber natürlich ist sie auch ein so prägender Moment, dass wiederum andere etwas haben wollen, um sich auch nach Jahren noch wieder in die Situation von damals hineinversetzen zu können.

Solltet ihr beide zu letzterer Gruppe gehören, dann obliegt die Verewigung der Geburt fürs Familienalbum euch als werdender Vater. Bereitet euch aber schon während der Schwangerschaft als künftige Eltern auf diese Aufgabe gemeinsam vor! Legt detailliert fest, was ihr von der Geburt mit dem Sucher der Kamera/Videokamera erfassen sollt – und was nicht.

Als Fotograf seid ihr selbstverständlich auch verantwortlich für das technische Equipment – ihr solltet es zusammen mit der gepackten Kliniktasche einsatzbereit halten. Und nicht vergessen: Auch hier gibt die werdende Mutter den Ton an. Schließlich werden die hier entstehenden Aufnahmen wesentlich mehr Intimes von ihr als von euch preisgeben. Respektiert hier also die Wünsche eurer Liebsten – auch, wenn sie vielleicht gar keine Fotos möchte!

Traditionalist: Heißt den neuen Menschen willkommen!

Die Geburt eines Kindes ist eine wichtige Wegmarke auf dem Lebensweg, den ein Paar gemeinsam beschreitet. Ihr seid nicht mehr nur ein Liebespaar, Freunde und/oder Gefährten: Ihr seid jetzt Eltern – für euer ganzes Leben, ganz egal, welche Zukunft euch als Paar beschert wird.

Der ein oder andere möchte den Augenblick der Geburt mit einem besonderen Ritual begehen – das Teil der Familientradition werden soll. Während die Gebärende nach Ankunft des neuen Erdenbürgers unter Umständen noch mit Nachgeburt und medizinischer Versorgung der Geburtswunden beschäftigt ist, kann sich der frischgebackene Vater für einige Momente ganz dem Kind widmen. Manche Väter flüstern ihrem gerade geschlüpftem Nachwuchs gemäß den Vorschriften ihrer Religion Begrüßungsgebete ins Ohr, andere singen ihm ein Ständchen.

Genießt die erste Begegnung mit eurem Kind – stellt euch ihm vor und heißt es in euren Armen und eurem Herzen willkommen. Nehmt euch die Zeit und lasst das Baby eure Wangen spüren, euren glücklichen Herzschlag hören!

Alles Gute!

Foto: free download from picjumbo

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