kindersichere kueche

Mama, ich schaffe mein Essen nicht mehr oder: Restmülltonne Mama

Wie oft ich diesen Satz schon gehört habe? Unzählige Male! Von jedem meiner drei bereits sprechenden Kinder. Und Nr. 4 wird ihn sicher lich auch noch häufig genug sagen. Damit Ihr mich nicht missversteht: Ich finde es toll, dass Kinder noch eine so gute Beziehung zu ihrem buchstäblichen Bauchgefühl haben, dass sie merken, dass sie satt sind. Zumindest bei meinen, 10, 8, 6 und 1 Jahr/e alten Kindern ist das der Fall. Ich hingegen wurde so sehr sozialisiert (Was auf den Teller kommt, wird gegessen! Wenn Du nicht aufisst, scheint morgen nicht die Sonne!, Essen kostet Geld!, Wenn andere Kinder Dein Essen nur einmal in der Woche hätten …! usw.usf.), dass ich auch mal über den Sättigungsgrad hinaus esse – aus Gründen des wortwörtlich zu nehmenden guten Geschmacks oder der Höflichkeit halber zumeist. Das Problem an Fingerfood, Kindertellern, Eiswaffeln & Co., das nicht in den Kindermagen gelangt ist jedoch, dass es häufig in meinem, also Mutterns Magen wandert – und dann auf die Hüfte.

Ich habe das viel zu oft gemacht: Wollte ein der Kids sein Essen nicht aufessen, habe ich die Reste vertilgt. Ist doch schade drum! Kann ich doch nicht wegwerfen! Hab’s doch im Zweifel gekauft, heimgeschleppt, zubereitet und angerichtet – mit ganz viel Liebe! Und während ich so wider der Lebensmittelverschwendung die Reste meiner Kinder aufesse, werde ich selbst zur Restmülltonne auf zwei Beinen. Ich stecke da in einem Dilemma. Das Wegschmeißen wertvoller Lebensmittel ist mir zutiefst zuwider. Ich arbeite hart und zu Lasten der Familienzeit für mein Geld. Ich kaufe umwelt- und nährstoffbewusst ein. Ich koche frisch, regional, bio und gesund. Jeden Tag. Und jeden Tag bleibt gutes Essen übrig. Klar wärme ich Reste nochmal auf. Klar zaubere ich Reste-Essen, die überhaupt nicht mehr nach dem Rest aussehen, der ausschlaggebender Rohstoff für ihre Kreation war. Klar friere ich Reste ein. Klar, mache ich alles. Doch mitunter ist der Rest nicht Halbes und nichts Ganzes. Dann schiebe ich ihn mir schon mal selbst rein.

Und ja, ich übe selbstverständlich mit den Kindern das magenfüllende Portionieren ihrer Portionen. Das ist nur ein ziemlich langer Lernprozess. Und da ich niemals verlange, aufzuessen, es sei denn, ein Kind schnappt allen anderen unfairerweise was weg und ist nicht bereit, abzugeben – dann muss es das aufessen! – lassen die Kinder immer wieder mal was an Essen stehen. Selbst dann, wenn sie am Entstehungsprozess der Mahlzeit unmittelbar beteiligt waren und die Portionen häppchenweise genossen werden durften (wie bei unserer Cupcake-Produktion).

häppchenweise Kinderessen - cup cakes

Und so habe ich einen Grund für meine drei, vier Kilo Übergewicht, mit denen ich sehr hadere, weil sie so anhänglich sind, identifiziert. Ein Ausweg aus dem Restedilemma muss her! Ich möchte meiner Linie in beiderlei Hinsicht treu bleiben:

  1. So wenig wie möglich Lebensmittel wandern in den Müll!
  2. So wenig wie möglich Lebensmittel von Tellern anderer wandern in meinen Verdauungstrakt!

Um diesen beiden Ansprüchen gerecht zu werden, muss ich zum einen meinen Kindern wohl klar machen, dass ich nicht mehr als Resteverwerter zur Verfügung stehe. Und dass ich nach wie vor nicht bereit bin, Essen in den Müll zu schmeißen. Damit das Ganze dann auch klappt, bin ich bereit, dazu zu lernen, sprich: mich auch in meiner von Haus aus bereits sehr vielseitigen Küche gerne noch vielseitiger zu verausgaben. Wobei, die Vielseitigkeit ist meist nicht das beste Rezept für leergefutterte Kinderteller, oder? Bei meinen bräuchte es nur so viele Gerichte, wie ich sie an zwei Händen abzählen könnte, schon wären die Teller immer leergeputzt. Aber das wäre dann nicht ich. Aufgewachsen bei Müttern, Tanten und Großmüttern, denen das leibliche Wohl der Familie inklusive kommunikatives Essen aller an einem großen Tisch immer sehr am Herzen lag und liegt, koche ich gerne und gerne Neues. Inspirieren lass eich mich dabei auch immer gerne von Verwandten, Freunden, Rezepten aus dem Netz oder von Büchern. Gerade las ich das Buch von Guido Schmelich und Helmut Nußbaumer „Das Kita-Kochbuch. Die Küche im Griff und der Meute schmeckt‘s“ aus dem TRIAS Verlag, Stuttgart, Preis 24,99 Euro. Das liefert laut Verlag über 100 saisonale Rezepte für Kinder zwischen eins und sechs Jahren und ist eigentlich für Tagesmütter, Krippenköche und Ähnliche geschrieben. Aber mit meiner vierköpfigen Schar bin ich einer kochenden Tagesmutter zumindest kochtechnisch sicher ähnlich. Und deshalb lasse ich mich gerne von den leichten Rezepten inspirieren.

Ich bleibe also bei meiner Vielfalt. Es hilft mir wohl eher eine noch bessere Kommunikation bezüglich der anstehenden Mahlzeit und ihrer Inhalte. Allerdings könnte das auch wieder kontraproduktiv sein, denn manchmal ist das Kosten von Unbekanntem wirkungsvoller, wenn man nicht weiß, was genau da drin steckt. Doch auch das ist bei drei nicht auf den Mund gefallenen Kindern, die schon über Zutaten Bescheid wissen und diese gegenüber einem mäkelndem Geschwisterkind auch nicht hinterm Berg halten, wenn ich darum bitte, ein Unding.

Ich mache kochtechnisch also wohl weiter wie bisher. Bekanntes, Bewährtes, Gerngefressenes und immer mal was Neues. Mit dem Unterschied, dass ich zu Gunsten meiner Wohlfühlfigur jeden Rest, der mir dargereicht wird, verweigere. Egal, wie gut, teuer oder viel er ist.

Was habt Ihr für Erfahrungen mit der Restmüllentsorgung von den Tellern Eurer Kinder gemacht?

Fotos: Doreen Brumme

 

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