#CoronaEltern unter Strom

#CoronaEltern: Ständig unter Strom!

Unter dem Hashtag #coronaeltern finden sich derzeit viele Wortmeldungen von #CoronaEltern zur alltäglichen Lage in der #CoronaFamilie: in den Medien und in den sozialen Netzwerken. Da möchte ich auch ein Wörtchen mitschreiben! Denn als #motherof4 und Vollzeit im Home-Office tätige Journalistin stehe ich hier inzwischen ständig unter Strom!

Als Hamburger Familie traf uns die Schulschließung von Gymnasium (Nr. 1, 2 und 3 sind 9., 7. und 5. Klasse) und Grundschule (Nr. 4 ist Vorschüler) direkt nach den Hamburger Märzferien. Die auch gerne „Skiferien“ genannt werden, weil dann viele Familien aus der Hansestadt in die bekannten Skigebiete im Süden fahren. Hamburg stand in diesem Jahr aus pandemiologischen Gesichtspunkten vor einer großen Herausforderung, als die Frühjahrsferien zu Ende waren. Viele Urlauber blieben direkt zwei Wochen in selbstauferlegter oder ihnen vom Amt verordneter Quarantäne. Die Sorge um das Urlaubsmitbringsel Covid19 ließ mir die Haare zu Begre stehen.

Das heißt, wir #CoronaEltern, die wir nicht die Stadt verlassen hatten, waren zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Wochen mit unseren vier Kids daheim, die des eher mäßigen Wetters wegen, des allmorgendlichen Seepferdchenkurses des Kleinen wegen und meiner Arbeit wegen auch kaum mehr als einen Halbtagsausflug geboten bekamen und bereits ordentliche Anzeichen eines Budenkollers aufwiesen.

Für mich ist meine Selbständigkeit, also das Arbeiten als Freie Journalistin im Home-Office, selbst gewähltes Schicksal, über das ich mich nicht beschwere. Ich genieße die Freiheit einerseits, plage mich zugleich aber auch immer wieder mit Ängsten und Sorgen um das existenzielle Morgen. Denn ich sorge für den größeren Teil des Lebensunterhaltes unserer Familie. Arbeite ich nicht, fließt kein Geld. Und deshalb schreibe ich seit Jahren ständig: von Montag bis Sonntag. Von Januar bis Dezember. Jeder Tag ist damit für mich ein Wochentag. Oder ein Wochenendtag. Ich mache das, weil ich das Beste für die Familie wünsche. Und auch, weil ich meinen Job als Journalistin über alles liebe und weil ich genieße, dass meine Schreiberei gefragt ist.

Dennoch gebe ich gerne zu, dass die üblicherweise zwölf Wochen Schulferien zu den Zeitspannen im Jahr gehören, in denen mich das Arbeiten daheim besonders herausfordert und sehr anstrengt. Denn in unserer für sechs Personen sehr kleinen Wohnung – 3wie2 Zimmer auf 67 Quadratmetern – ist mein Arbeitsplatz die Sofaecke im Wohn-/Schlafzimmer, in dem Raum also, in dem sich das Familienleben tagsüber abspielt. Ich bin es zwar seit fünfzehn Jahren gewohnt, dass mich beim Arbeiten ständig Kinder ansprechen (Ich formuliere kaum einen ganzen Satz, ohne mindestens einmal unterbrochen zu werden.), aber das ist und bleibt dennoch anstrengend. Während der Schulzeit genieße ich deshalb meine vier Stunden von acht Uhr dreißig bis zwölf Uhr dreißig kinderfreie Zeit als störungsfreie Arbeitszeit. Diese störungsfreie Zeit habe ich mit Corona nicht mehr. Sie fehlt mir. Sehr. Das Alleinsein mit mir selbst fehlt mir sehr. Wobei ich zugleich mehr als froh bin, in derartigen Notzeiten alle meine Liebsten um mich herum zu haben.

Inzwischen sind wir seit mehr als sieben Wochen in der Wohnung – in selbst auferlegter Isolation. Und als Hamburger #CoronaEltern machen wir auch seit mehr als fünf Wochen Homeschooling, was uns nicht nur technisch an die Grenzen der Belastbarkeit bringt.

Stecker zieh’n – bevor #CoronaEltern die Sicherung durchbrennt

Stellt euch bitte vor, dass drei pubertierende Gymnasiasten von ihren Lehrern mit Aufgaben bestückt werden. Reichlich. Und nicht nur mit Aufgabenblättern, sondern auch mit den dazu nötigen Schulbuchseiten, denn die Hamburger Schüler hatten wegen der Ferien Großteils kaum Schulsachen mit nach Hause genommen. Und so gab es Lehrer, die uns 49seitige Papiere mitschickten, die der zu beschulende Schüler zum Bearbeiten bitte ausdrucken sollte. Unser Drucker druckt Tag für Tag wie von der Rolle. Ich habe bereits zwei Mal Nachschub an Papier und Druckerpatronen geordert, das ist ein dreistelliger Kostenbetrag und damit ein Riesenposten an extra Betriebsausgaben, die mir wohl keiner abnimmt!

Ganz zu schweigen von den Mehrkosten an Strom, die das Homeschooling uns beschert. Hier laufen fünf Laptops von morgens bis abends! Dazu nicht selten TV, Playstation und Tablet, denn der Jüngste muss auch mal vor diesen „geparkt“ werden – mit Kopfhörern auf den Ohren, damit die Hintergundbeschallung die anderen nicht stört. Anders ließen sich virtuelle Klassentreffen nicht machen. Hinzu kommen Handys, drei an der Zahl.

Ich glaube nicht, dass der grüne Strom, den ich von meinem Ökostrom-Anbieter @Polarstern beziehe, in absehbarer Zeit günstiger wird. Im Gegenteil: Wie viele andere Stromverbraucher auch mussten wir Anfang des Jahres eine Strompreiserhöhung hinnehmen. Den coronabedingten Mehrverbrauch an Strom zahle ich aus eigener Tasche. Hier wäre mal eine Corona-Stromflatrate für Familien nett, denn die tatsächlichen Stromkosten sind ja längst gesunken! Wäre schön, wenn das auch bei uns ankäme.

Zurück zum Homeschooling: Selbstverständlich läuft hier alles drunter und drüber, anfangs fühlte ich mich von Lehrer-E-Mails nahezu bombardiert und kam kaum hinterher, diese an die Kids zu verteilen. Geschweige denn, inhaltlich den Überblick zu behalten. Das Verteilen hat sich inzwischen gut eingespielt, da unser Gymnasium die drei Großen längst auch direkt anspricht: via Padlets, Zoom, Jitsi und auch mal mit einem Anruf. Dennoch ersetzt die von den sehr bemühten und durchaus einfallsreichen Lehrern gezeigte Zuwendung natürlich nicht die persönliche Ansprache, bei der man sich auch in die Augen schaut. Und so kommt uns #CoronaEltern natürlich die Rolle als (Stoff)Vermittler zu. Und das ist nicht ohne!

Im Chaos der zweiten Woche Homeschooling – inzwischen war auch unser Papa von seinem Arbeitgeber heim geschickt worden, da es keine Kitas und Schulen mehr gab, die von dem Caterer, für den er arbeitet, versorgt werden mussten – habe ich deshalb eine Familienansage gemacht. Angesichts meines täglich zu erledigenden Schreibauftrags und der zugleich zu bearbeitenden Homeschooling-Aufträge der Kids habe ich für unsere #CoronaFamilie die Reißleine gezogen.

Ich habe meinen Kids gesagt, dass sie das machen sollten, was sie schaffen. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe ihnen gesagt, das sie von mir aus auch gerne mal einen Tag alles an Schulkram liegen lassen könnten. Damit habe ich meinen Kindern eine Wahl gegeben, ihnen Entscheidungsfreiheit überlassen. Zugleich biete ich ihnen Sicherheit, denn ich habe ihnen auch gesagt, dass es in Ordnung sei, nicht alles zu schaffen, was aus Sicht der Schule geschafft werden sollte. Ich habe den Kids ebenso versichert, eben diesen Standpunkt unserer #CoronaFamilie in Coronatime auch gerne gegenüber der Schule zu vertreten. Was ich in den Wochen danach mehrfach am Telefon getan habe.

Denn das Wichtigste für unsere #CoronaFamilie ist es in dieser Corona-Zeit, gesund zu bleiben, körperlich wie seelisch. Jeder von uns, ganz gleich, ob sechs Jahre alt oder fünfzehn oder achtundvierzig, macht sich seinen eigenen Kopf. Jeder von uns hat Ängste, Sorgen und Ideen. Familiärer Frieden und Zusammenhalt sind uns zurzeit wichtiger als der Schulstoff, der uns #CoronaEltern und unsere #CoronaKinder unter Druck setzt.

Ihr hättet mal die Gesichter der Kinder sehen sollen!

Von dem Moment an, fühlte ich, wie sich mein aufgeladener Zustand entlud. Ich konnte wieder tiefer atmen, klarer denken und handeln. Ich habe den Stecker zu dem Kabel gezogen, das uns unter Strom setzte. Ich wünschte, dieses Signal wäre von der Schule gekommen. Fürs Leben lernen, das ginge derzeit auch ganz anders. Ich habe mir von Corona-Anfang-an gewünscht, dass man dieses Schuljahr in einer Version 2.0 einfach wiederholt. Keinem von uns würde es schaden. Niemandem ginge etwas verloren. Wir alle wären in der selben Lage.

Natürlich hatte ich immer wieder Zweifel, ob meine die richtige Entscheidung sei. Denn selbstverständlich haben die Kids das eine oder andere liegengelassen. Es sind Kinder! Die sich in Notzeiten – und der zwingend einzuhaltende Abstand zu ihren Freunden versetzt die Kids in einen Notzustand – auch mit eigens gewählten Dingen bei Laune halten: Während das eine Kind in der Küche experimentiert und uns mit Kreationen überrascht, die einem das Wasser im Munde zusammen laufen lassen, nimmt sich das andere Kind endlich mal wieder Zeit für sein kreatives Hobby, das wegen schulischer Last lange keine Rolle spielen konnte.

Nach nunmehr sieben Wochen zu Hause ist die Stimmung überraschend friedlich. Ich bin davon überzeugt, dass zu diesem familiären Frieden auch maßgeblich beiträgt, dass wir Sport täglich auf den Plan gesetzt haben. Wir sind eh eine sportliche Familie, mit fünf Karateka und einem Judoka betrteiben wir aber alle Kontaktsportarten, die bislang in der Gruppe trainiert wurden. Zum Glück ist der Papa ein Schwarzgurt mit Trainerqualität, der uns jetzt fast alle trainiert. Unsere tägliche Portion Sport bis zum Schwitzen ist ein Ventil für viele Emotionen, die anders wohl hochkochen und so manchen Unfrieden stiften würden.

Doch auch der viele Sport geht zu Lasten der Familienkasse: Das Laufband läuft über Stunden (die Sportlehrer der Gymnasiasten haben schließlich 12.000 Schritte pro Tag und Schüler vorgeschrieben), der Durchlauferhitzer im Bad muss für viel mehr Duschwasser als sonst sorgen, denn die Sportler duschen jetzt nach jeder Trainingseinheit daheim. Ich fürchte mich schon heute vor der Corona-Stromnachzahlung im kommenden Jahr. Nur nebenbei: Selbstverständlich halten wir unserem Verein die Treue, zumal unsere Karate- und Judo-Trainer derzeit online alles geben, um uns zu bewegen.

Wobei mir heute zum Thema Sport fast dei Sicherungen durchgebrannt sind, als der Sportlehrer der 9. und der 7. Klasse eine neue Aufgabe geschickt hatte: Die Teenies sollen eine schriftliche Abhandlung zum Thema „Schnelligkeit“ verfassen. Schriftlich! Eine solche Aufgabe verbuche ich unter „reiner Beschäftigung“ und habe sofort erklärt, dass meine Kinder diese Aufgabe bitte nicht erfüllen. Es mus sauch mal reichen! Da bemühen wir #CoronaEltern uns Tag für Tag um die ganzkörperliche Bewegung unserer #CoronaKinder und dann sollen die anstelle sich zu bewegen, Schreibarbeit leisten? Nein, nicht bei uns!

Auf ein Neues: 2020 2.0 für #CoronaKids & #CoronaEltern

Ich habe folgenden Vorschlag: Wie wäre es mit einer Wiederholung des Jahres 2020 für alle Schüler und Lernenden in Lehranstalten? Mit einem 2020 2.0 hätten alle die gleichen Chancen auf ein Neues.

#CoronaWetter: Sonnig satt.

Zu guter Letzt noch ein Wort zu diesem unglaublich schönen #CoronaWetter da draußen: Bemerkenswert ist dieser wolkenlose, blaue Himmel, den ich im April noch nie in dieser Kontinuität über Hamburg erlebt habe. Wenn ich’s mir recht überlege, habe ich Hamburg noch nie so sonnig und wolkenlos erlebt. Seit Wochen bin ich jeden Morgen aufs Neue erstaunt, wie unendlich blau der Himmel sich über unserem Hamburg zeigt. Und weil im #CoronaHamburg auf der sechsspurigen Straße, zu der unser Balkon geht, hör- und riechbar weniger Autos fahren, können wir zum ersten Mal in sechzehn Jahren, die wir hier schon leben, auch auf dem Balkon sitzen und unsere Nase gen Sonne am Himmel recken. Mir bringt die tägliche Dosis Sonennschein pure Lebensfreude und Wohlgefühl. Auch das hilft ein wenig.

Foto: Doreen Brumme

Ein Kommentar

  1. Zum Artikel selbst kann ich nicht viel sagen, aber wenn ich an eurer Stelle wäre, dann würde ich erstmal umziehen. Das sind ja keine Zustände. Und wenn Hamburg zu teuer ist, dann halt ins Umland. Das haben wir hier auch so gemacht und es geht uns besser denn je.

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