Medienkonsum von Kindern

Medienkonsum von Kindern: Natürlich sind meine Kinder jetzt lange online!

Lasst uns über den Medienkonsum von Kindern reden: Es sieht für mich so aus, als kämen wir auch in diesem zweiten pandemischen Winter nicht ohne massive Einschränkungen aus. Die vierte Welle ist heftig. Vor der fünften warnt das RKI bereits. Bei uns sind seit dem Wochenende fünf von sechs Familienmitgliedern zwei Mal geimpft, wir warten darauf, dass auch Kind Nr. 4 (7 Jahre alt) endlich geimpft werden darf.

Das heißt zu unserer und der Sicherheit aller, dass wir als Familie schon jetzt wieder versuchen, Begegnungen mit anderen Menschen aufs Minimum zu begrenzen. Schule, Arbeit, Sport (seit letztem Samstag in Hamburg als 2-G-Angebot), Arzt – machen wir. Doch viele echte Verabredungen mit lieben Mitmenschen bleiben auf der Strecke. Schon wieder. Kontakt halten wir, Eltern wie Kinder, online: per Festnetztelefon, Handys, Tablets, Laptops. Die Verweildauer von uns allen an digitalen Endgeräten ist lang. Schon wieder. Immer noch.

Wir lieben Hamburg. Punkt. Wir möchten unsere Heimatstadt mit keinem anderen Ort in Deutschland tauschen. Punkt. Wir ertragen das Hamburger Schietwetter mit dem Wissen, dass auf das Grau in Grau, Nass in Nass, Kalt in Kalt immer wieder mal ein sonniger Tag folgt. Punkt. Natürlich haben wir unseren eigenen Weg finden müssen, mit den Herausforderungen fertig zu werden, vor die die Pandemie uns als Familie mitten in der Millionenstadt Hamburg stellt. Punkt.

Kopf hoch!

Abstand halten? Kontakt beschränken? Zu Hause bleiben? – Haben wir gemacht!

Wir erlebten das erste pandemische Jahr zu Sechst in einer Wohnung mit drei wie zwei Räumen auf 67 Quadratmetern. Das war hart. Härter als hart. Denn die zeitweise Kurzarbeit des Familienpapas, meine sowieso Vollzeitarbeit im Homeoffice und das parallele Homeschooling der vier Kinder haben uns allen sehr viel abverlangt. Kein Vereinssport. Keine Familienbesuche. Keine Verabredungen mit Freunden. Bei schönem Wetter gingen wir in freien Zeiten raus. Doch das taten mit uns viele der anderen Hamburger auch. Abstand halten war so mitunter sehr anstrengend. Also gingen wir irgendwann nur noch spätabends vor die Tür. >Im Dunkeln. Bei schlechtem Wetter blieben wir drin. Hockten quasi aufeinander.

Die Kontakte wurden online gehalten, Schule fand online statt. Wer konnte, suchte in der Freizeit an seinem Endgerät seine Ruhe vor dem aus allen Nähten platzenden Familienleben. Das war und ist für mich mehr als verständlich. Da ich auf dem Sofa meinen tagtäglich Job machte, war ich froh um jeden, der sich irgendwo zurückzog, Kopfhörer aufhatte und mich in Ruhe arbeiten ließ. Unsere Nerven lagen wegen der beengten Wohnsituation sowieso schon blank, die Pandemie verschärfte das nur noch.

Online arbeiten, online lernen, online leben? Haben wir gemacht!

Im März dieses Jahres veränderten wir mit unserer Teenager-WG unsere enge Wohnsituation. Die drei älteren Kinder zogen über uns in eine Wohnung in der vierten Etage. Zum ersten Mal hatte jedes Kind sein eigenes Zimmer, das es nach seinen Vorstellungen einrichten konnte. Und natürlich verbrachte es dort erst einmal sehr viel Zeit. Alleinzeit. Endlich hatte jeder Raum für sich! Endlich konnte beim Online-Unterricht auch mal ungeniert geantwortet werden, ohne dass jemand zuhörte oder dazwischen quatschte. Endlich konnte online mit den Freunden gespielt und gechattet werden, ohne, dass jemand um Ruhe bat. Endlich konnten Sprachnachrichten für Freunde aufgenommen und die Antworten von Freunden abgehört werden, ohne dass jemand lauschen die Augen verdrehte.

Diese neue Freiheit wurde ausgekostet. Selbstverständlich.

Das Wetter des zweiten Pandemiesommers ließ vielerorts zu wünschen übrig. Nicht nur in Hamburg. Wir sind aus dem Pandemie-Modus vorsichtshalber kaum rausgekommen, wir hatten uns an weniger Kontakte in Echt und dafür an mehr online längst irgendwie gewöhnt. Echte Treffen fühlten sich mittlerweile mitunter sogar merkwürdig an.

Aber: Keiner von uns infizierte sich! Alles richtig gemacht.

Medienkonsum von Kindern begrenzen – wie soll das gehen?

Als Eltern von vier Kindern haben wir uns längst vor der Pandemie schon von unseren Vorstellungen davon, wie viel Zeit unsere Kinder vor Geräten IDEALERWEISE verbringen, verabschiedet. Oh, Mann … Wenn ich daran denke, wie lange es brauchte, bis wir zum Medienkonsum von Kindern überhaupt einen Plan hatten … Was habe ich dazu nicht alles gelesen! Wie viele Veranstaltungen in der Schule besuchte ich, um mich zum Thema Medienkonsum von Kindern zu informieren! Wie viele Stunden verbrachte ich im Austausch mit anderen Müttern zum Medienkonsum unserer Kinder! Was für ein Stress!

Irgendwann hatte ich dann einen Richtwert gefunden, von dem wir dachten, er wäre in unserer Familie lebbar (gemeint war natürlich: über unsere Familienregeln durchsetzbar!): Die Kinder sollten demnach neben den Medienzeiten, die mit der Schule zusammenhingen, nach der Faustregel “Alter mal 10 Minuten” Zeit an ihren Geräten verbringen dürfen.

Soll ich euch was sagen? Es hat nicht funktioniert.

Und das hatte bei uns diesen Grund: In dem Augenblick, wo wir begrenzte Medienzeiten in unseren Familienalltag einführten, hätten wir etwas tun müssen, wenn die Zeiten von unseren Kindern überschritten würden. Grenzen aufstellen und durchsetzen – um welchen Preis? Ein feines Thema, an dem wir Eltern uns so richtig schön hätten aufreiben können. Haben wir nicht. Weil wir schon nach wenigen Tagen merkten, dass diese Methode nicht unsere ist, wenn es um den Medienkonsum von Kindern geht. Denn wer Konsequenzen ansagt oder gar damit droht, ohne diese auch tatsächlich folgen zu lassen, der wird unglaubwürdig. Und was soll ich meinen Kindern denn androhen? Ich nehme dir dein Gerät weg? Nö. Nicht unser Ding. Ich schalte das Internet ab? Das wir Eltern selbst zum Arbeiten brauchen? Nö. Nicht unser Ding. 

Übrigens, solche Richtwerte gibt es zuhauf. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt beispielsweise, dass Kinder unter drei Jahren überhaupt keine Bildschirmmedien nutzen sollten. Diese Info fand ich in dem E-Book “Social Media Guide für Eltern und Großeltern“, das ihr euch als 55-seitiges PDF-Dokument kostenlos aus dem Internet herunterladen könnt. Es informiert euch darüber, was Social Media sind und wie sie funktionieren. Es beschreibt, wie man sich für verschiedene Angebote registriert und wie die Anbieter von Gratis-Diensten davon profitieren. Allen, die sich mit Social Media noch nicht auseinandergesetzt haben, liefert der Guide einen guten ersten Überblick. Nicht mehr, nicht weniger.

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Das E-Book “Social Media Guide” für Eltern und Großeltern liefert Basiswissen zu Social Media. Grafik: Mona.de (Screenshot)

Der von der BZgA genannte Richtwert “unter drei bildschirmfrei” ist aus meiner Sicht, insbesondere ab dem zweiten Kind, allerdings so fernab der Realität einer modernen Familie, dass es mich schmerzt. Denn diese Empfehlung macht mit ganz vielen Eltern nur eins: Sie macht ihnen ein schlechtes Gewissen, weil es ihnen nicht gelingt, die jüngeren Geschwister davon abzuhalten, es den älteren gleich zu tun, die schon an den Geräten Zeit verbringen. Oder es den Eltern wie uns gleichzutun, die acht Stunden und mehr täglich, wochentags wie wochenend- und feiertags, vor dem Bildschirm sitzen und arbeiten. In die Familie bringt solch ein familienlebensferner Richtwert viel Unruhe und Streit.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich der Medienkonsum bei Kindern recht schnell von allein auf ein Maß nahe unserer Faustregel einpegelt. Vorausgesetzt, es ist keine Pandemie. Die ändert alles. Langer Medienkonsum von Kindern – er wird kommen. Auch diesen Winter. Ich sag’s euch. Ist dann eben so.

Foto: Doreen Brumme (Titelbild und Kopf-hoch-Bild), Grafik: Screenshot des Titels des E-Books von Mona.de

 

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