Warum Gedankenhygiene Teil meiner nachhaltigen Lebensweise ist – und welche Rolle Journaling dabei spielt
Ich berichte hier auf meinem Bio- und Familienblog immer wieder und vor allem über nachhaltige Lifestylehacks. Also Dinge, die ich tue oder lasse, um mein Leben und das Leben meiner Familie mitten in Hamburg nachhaltiger zu gestalten.
Wenn ich über Nachhaltigkeit schreibe, geht es meist um Energie (wer mich kennt, weiß, dass eins meiner beruflichen Schreibthemen Erneuerbare Energien sind), Ressourcen und Konsum. Diese Themen sind mir wichtig und für unser aller Fortbestehen auf diesem Planeten sind die Energiewende, insbesondere Wärmewende, Rohstoffwende und Konsumwende notwendige Must-Dos.
Doch bei der Beschäftigung mit all den zwingend nötigen Wendemanövern bleibt eins oft unbeachtet: der Umgang mit den eigenen Gedanken. Dabei entscheidet gerade er darüber, wie aufmerksam, reflektiert und langfristig handlungsfähig wir sind. Nachhaltigkeit beginnt nicht beim Heizen oder Einkaufen – sie beginnt im Kopf. Und der braucht nachhaltige Gedankenhygiene.
Nachhaltigkeit im Außen und im Innen
Und deshalb übertrage ich das Prinzip Nachhaltigkeit in diesem Artikel auf die innere Ebene. Kurz zur Erinnerung: Nachhaltigkeit ist mehr als ein Umweltbegriff. Sie steht vielmehr für ein grundlegendes Handlungsprinzip: Ressourcen so zu nutzen, dass sie sich erneuern können und langfristig erhalten bleiben. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Forstwirtschaft und meint, nicht mehr Holz zu schlagen, als nachwachsen kann. Dieses Prinzip lässt sich auf viele Bereiche übertragen – auf Wirtschaft, Gesellschaft und individuelle Lebensführung. Nachhaltig handelt, wer kurzfristige Vorteile nicht über langfristige Stabilität stellt, sondern Regeneration, Ausgleich und Zukunftsfähigkeit mitdenkt.
Mir geht es bei Nachhaltigkeit nicht um Verzicht um jeden Preis, sondern um bewusste Entscheidungen: Was verbrauche ich, was erhalte ich, und was ermögliche ich für die Zukunft? Nachhaltigkeit ist damit weniger eine einzelne Maßnahme als eine Haltung, die meinen Blick vom Heute auf das Morgen erweitert. Und das bin ich mir selbst und als #motherof4 meinen Kindern schuldig.
Nachhaltige Gedankenhygiene
Ich habe kürzlich die österreichische Schauspielerin Marion Mitterhammer interviewt und mit ihr über Gedankenhygiene gesprochen.

Sie sagte mir: “Gedankenhygiene ist Selbstfürsorge”. Ich habe unser Gespräch zum Anlass genommen, im folgenden Blogbeitrag zu diskutieren, wie Gedankenhygiene zu meiner nachhaltigen Lebensweise beitragen kann und warum Journaling dabei eine sinnvolle Hilfe ist.
Nachhaltigkeit als Prinzip – auch nach innen gedacht
Nachhaltigkeit meint im Kern, verantwortungsvoll mit begrenzten Ressourcen umzugehen. Nicht alles sofort zu verbrauchen, sondern so zu handeln, dass Stabilität, Regeneration und Zukunftsfähigkeit möglich bleiben. Dieses Prinzip lässt sich nicht nur auf Böden, Wälder oder Energiesysteme anwenden, sondern auch auf unser Denken
Auch meine Aufmerksamkeit, meine geistige Energie und meine emotionale Belastbarkeit sind begrenzte Ressourcen. Im Alltag werden sie jedoch häufig überbeansprucht: von permanenten Reizen, Informationsflut, Multitasking und meinem Anspruch, jederzeit reagieren zu müssen. Im unermüdlichen Machen und Tun als Vollzeit arbeitende Journalistin, Rund-um-die-Uhr-Mutter, drei Mal die Woche trainierende Karateschülerin, im Schnitt einmal im Monat demonstrierende Demokratin und Umweltschützerin bleiben so manche meiner vielen Gedanken ungeordnet, Themen ungeklärt, innere Spannungen ungelöst. Was nach außen wie Produktivität aussieht, führt nach innen oft zu Erschöpfung. Und ganz ehrlich: In diesem Jahr blieb mir wegen der vielen Arbeit in Job, Familie, Training und Demokratie nicht mal die Zeit, um wirklich erschöpft zu sein. Das geht natürlich nicht auf Dauer.
Nachhaltige Gedankenhygiene muss deshalb sein: Nicht jeder Gedanke muss sofort von mir bewertet oder gelöst werden. Aber ich sollte ihn wahrnehmen, einordnen und verarbeiten. Denn wenn ich das andauernd unterlasse, verschleiße ich innerlich. Lasst uns erstmal schauen, was Gedankenhygiene meint:
Gedankenhygiene: Warum unser Denken regelmäßige Pflege braucht
Nachhaltige Gedankenhygiene beschreibt den bewussten Umgang mit dem eigenen inneren Erleben. Es geht nicht darum, nur „positive“ Gedanken zuzulassen oder sich selbst zu optimieren. Gedankenhygiene bedeutet vielmehr, Gedanken ernst zu nehmen und ihnen Raum zur Klärung zu geben. “Ungepflegte” Gedanken äußern sich generell häufig als:
- kreisende Sorgen ohne Lösung
- diffuse Überforderung
- innere Unruhe auch bei äußerer Ruhe
- Entscheidungsblockaden
Diese Zustände entstehen nicht, weil wir zu wenig denken, sondern weil unsere Gedanken keinen Ort haben, an dem sie sortiert werden können. Die fehlende Ordnung führt nicht sofort zum Zusammenbruch des Denkens, aber langfristig zu Belastung beziehungsweise sogar Überlastung.
Nachhaltige Gedankenhygiene ist daher eine präventive, also vorbeugende Praxis. Sie hilft mir, innere Prozesse zu strukturieren, bevor sie zur Dauerbelastung werden. Wer regelmäßig klärt, statt aufzuschieben, erhält sich gedankliche Beweglichkeit – eine zentrale Voraussetzung für nachhaltiges Handeln.
Journaling als Praxis innerer Nachhaltigkeit
Journaling ist eine einfache, aber wirkungsvolle Methode der Gedankenhygiene. Gemeint ist nicht das klassische Tagebuchschreiben im nostalgischen Sinn, sondern das bewusste schriftliche Reflektieren. Gedanken werden aus dem Kopf auf das Papier gebracht – nicht, um sie zu bewerten, sondern um sie sichtbar zu machen.
Das Schreiben – bei mir: unbedingt handschriftlich! – erfüllt dabei mehrere Funktionen:
- Es verlangsamt mein Denken.
- Es zwingt mich zu Struktur.
- Es holt die Gedanken aus dem Kopf aufs Papier und schafft somit Abstand zwischen mir (meinem Kopf) und meinen Gedanken auf Papier. Spannend ist auch, dass ich sie mit einem meiner Sinne (dem Sehsinn – oder beim Lautvorlesen sogar auch noch mit dem Hörsinn) aus dem Außen wieder ins Innen hole.
Gerade diese Distanz ist entscheidend. Mentale Belastung (Mental Load) oder gar mentale Überlastung (Mental Overload) kommt auch deshalb auf, weil wir unsere Gedanken als Tatsachen erleben. Mit dem Aufschreiben werden sie zu etwas Betrachtbarem. Das entlastet und eröffnet uns neue Perspektiven.
Metakognition: Das eigene Denken überdenken
Die Fähigkeit, eigene Gedanken beobachten zu können, bezeichnen Neurowissenschaftler:innen als “Metakognition” – ein Thema, das ich aus Platzgründen jedoch nur kurz anreißen möchte: Metakognition gilt als zentraler Baustein von Gedankenhygiene. Während Intelligenz häufig mit schneller Informationsverarbeitung oder Problemlösung gleichgesetzt wird, beschreiben der Neurowissenschaftler Anil Seth und der Psychologe Robert Sternberg eine weiterführende Fähigkeit: den eigenen Denkprozess bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren. Metakognition bedeutet demnach, dass das Gehirn seine eigenen Abläufe beobachtet. Nicht nur, was wir denken, wird relevant, sondern wie wir denken, welche Annahmen wir treffen und wo unsere inneren Vorhersagen über die Realität nicht mehr passen. Seths Forschung zeigt, dass metakognitives Denken genau dort ansetzt: Es macht uns aufmerksam auf Lücken im eigenen Verständnis und ermöglicht Anpassung. Sternberg ergänzt, dass Menschen mit ausgeprägter Metakognition nicht nur lernen, sondern auch verstehen, wie sie lernen – und ihre Denkstrategien fortlaufend weiterentwickeln. Für die Gedankenhygiene ist das entscheidend: Wer Gedanken beobachten kann, statt sich automatisch mit ihnen zu identifizieren, gewinnt Abstand, Klarheit und Handlungsspielraum. Metakognition schafft damit die Voraussetzung für einen nachhaltigen Umgang mit dem eigenen inneren Erleben – nicht mit Kontrolle, sondern mit bewusster Wahrnehmung und Reflexion.
Doch zurück zum Journaling: Aus Nachhaltigkeitssicht ist es eine durchaus ressourcenschonende Praxis für nachhaltige Gedankenhygiene:
- Es braucht keine Technik.
- Es erzeugt keinen Leistungsdruck.
- Es funktioniert unabhängig von Ort und Zeit.
Vor allem aber wirkt Journaling nicht punktuell, sondern langfristig. Die Wirkung entsteht mehr dank Regelmäßigkeit und weniger dank spektakulärer Erkenntnisse.
Warum Journaling nachhaltig wirkt – und nicht sofort „hilft“
Aber: Journaling ist keine Methode für schnelle Lösungen. Es verspricht keine sofortige Klarheit und ersetzt weder Therapie noch fachliche Beratung. Seine Stärke liegt woanders: in der kontinuierlichen Pflege des inneren Raums.
Vergleichbar mit nachhaltiger Bodenpflege geht es nicht um kurzfristige Erträge, sondern um langfristige Stabilität. Wer regelmäßig schreibt, entwickelt mit der Zeit:
- ein besseres Gespür für eigene Muster
- mehr Klarheit über Prioritäten
- eine höhere Toleranz für Ungewissheit
Diese Effekte entstehen leise. Sie sind nicht spektakulär, aber belastbar. Genau darin liegt ihre Nachhaltigkeit.
Innere Ordnung als gesellschaftliche Ressource
Gedankenhygiene ist für mich nicht nicht nur eine private Angelegenheit. Menschen, die innerlich überlastet sind, reagieren häufiger impulsiv, polarisierend oder defensiv. Reflexionsfähigkeit und emotionale Stabilität sind jedoch Voraussetzungen für konstruktiven, friedlichen Austausch – im Beruflichen wie im Privaten.
Deshalb gehört für mich systematische mentale Bildung unbedingt auch ins Bildungssystem. Denn, wer von klein auf lernt, Verantwortung für ihren:seinen eigenen inneren Raum zu übernehmen, schafft die Grundlage für reflektiertes Handeln nach außen. In diesem Sinne ist Journaling für mich nicht nur Selbstfürsorge, sondern auch ein Beitrag zu einer verantwortungsvollen, nachhaltigen, friedlichen und demokratischen Gesellschaft.
Kleine Impulse für nachhaltige Gedankenhygiene statt großer Vorsätze
Wenn ihr Journaling ausprobieren möchtet, braucht es keine festen Regeln. Entscheidend ist nicht die Form, sondern eure Haltung. Hilfreich können zum Start einfache Fragen sein, beispielsweise diese:
- Was beschäftigt mich gerade wirklich?
- Welche Gedanken wiederholen sich?
- Was ist ungeklärt, aber wichtig?
Schon wenige Minuten Journaling genügen, wenn ihr sie euch regelmäßig nehmt. Nachhaltigkeit entsteht nicht infolge Perfektion, sondern infolge Kontinuität.
Ich habe seit ich denken kann, einen Kalender aus Papier, in dem ich Tag für Tag alle meine Wichtigkeiten und Nichtigkeiten aufschreibe, zum Beispiel jobliche, sportliche, familiäre und freundschaftliche Termine, To-do-Listen, Lesetipps und mein Gewicht des Tages (ich weiß: krankhaft).
Gängige Journaling-Methoden – ein kurzer Überblick
Journaling ist kein einheitliches Verfahren. Je nach Ziel, Persönlichkeit und Lebenssituation haben sich unterschiedliche Methoden etabliert. Allen gemeinsam ist, dass sie Gedanken strukturieren sollen – sie unterscheiden sich jedoch darin, wie stark sie lenken und welchen Fokus sie setzen. Für eine nachhaltige Praxis ist es hilfreich, diese Unterschiede zu kennen.
Freies Schreiben (Free Writing)
Beim freien Schreiben werden Gedanken ohne Vorgaben, Zensur oder feste Struktur notiert. Grammatik und Orthografie, Sprachstil sowie Logik spielen keine Rolle. Entscheidend ist der kontinuierliche Schreibfluss über einen festgelegten Zeitraum. Diese Methode eignet sich besonders:
- zum Entlasten bei innerem Druck
- zum Sichtbarmachen ungeordneter Gedanken
- als Einstieg in die Journaling-Praxis
Der nachhaltige Effekt liegt darin, dass Gedanken nicht bewertet, sondern zunächst nur angenommen werden. Freies Schreiben schafft Raum, bevor Ordnung entsteht.
Geführtes Journaling mit Fragen
Hier strukturieren gezielte Fragen den Schreibprozess. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen, etwa Entscheidungen, Emotionen oder wiederkehrende Muster. Typisch sind offene Fragen wie:
- Was hat mich heute gedanklich beschäftigt?
- Was kostet mich gerade besonders viel Energie?
- Was brauche ich, um klarer zu werden?
Geführtes Journaling ist hilfreich für Menschen, die:
- Orientierung suchen
- Schwierigkeiten haben, „einfach loszuschreiben“
- gezielt reflektieren möchten
Aus Nachhaltigkeitssicht bietet diese Methode Struktur, ohne das Denken zu stark einzuengen.
Reflexionsjournaling (rückblickend)
Diese Methode fokussiert sich auf Rückschau und Einordnung. Ereignisse werden nicht nur beschrieben, sondern in ihrer Wirkung auf das eigene Denken und Handeln reflektiert. Typische Inhalte sind:
- Entscheidungen und ihre Folgen
- emotionale Reaktionen
- Lernprozesse
Reflexionsjournaling unterstützt langfristige Selbstwirksamkeit. Es hilft, Erfahrungen nicht nur zu machen, sondern aus ihnen zu lernen – ein zentrales Element nachhaltiger Entwicklung.
Dankbarkeitsjournaling
Beim Dankbarkeitsjournaling werden bewusst positive Aspekte des Alltags festgehalten. Ziel ist nicht Schönfärberei, sondern Perspektivschärfung. Diese Methode kann:
- den Blick für Ressourcen stärken
- emotionale Ausgeglichenheit fördern
- ein Gegengewicht zu problemorientiertem Denken schaffen
Wichtig ist die Einordnung: Dankbarkeitsjournaling ersetzt keine Auseinandersetzung mit Belastungen. Nachhaltig wirkt es dann, wenn es ergänzend, nicht verdrängend eingesetzt wird.
Themen- oder Projektjournaling
Hier steht ein klar umrissenes Thema im Mittelpunkt, etwa:
- berufliche Entscheidungen
- persönliche Veränderungsprozesse
- komplexe Fragestellungen
Gedanken werden über einen längeren Zeitraum zu einem Thema gesammelt, sortiert und weiterentwickelt. Diese Methode eignet sich besonders für Menschen, die strategisch denken oder vor größeren Entscheidungen stehen.
Nachhaltig ist sie, weil sie Tiefe statt Schnelligkeit fördert.
Welche Methode ist die richtige für mich?
Es gibt keine „beste“ Journaling-Methode. Entscheidend ist, ob sie:
- entlastet statt überfordert
- Klarheit schafft statt zusätzlichen Druck
- sich langfristig in den Alltag integrieren lässt
Viele kombinieren die praktizierten Methoden oder wechseln sie je nach Lebensphase. Auch das ist nachhaltig: Die Praxis passt sich dem Menschen an – nicht umgekehrt.
Was die Wissenschaft zum Journaling herausgefunden hat
Journaling ist kein rein subjektives Wohlfühlkonzept, sondern seit Jahrzehnten Gegenstand psychologischer und medizinischer Forschung. Die Studienlage zeigt ein differenziertes Bild: Schreiben kann positive Effekte haben – aber es ist kein Wundermittel. In der Forschung werden vor allem drei Formen untersucht:
- Expressive Writing, bei dem Menschen über belastende oder traumatische Erfahrungen schreiben (bekannt aus dem Pennebaker-Paradigma),
- Positive Writing wie Dankbarkeitsjournale oder die „Best Possible Self“-Übung
- sowie Symptom- und Emotionsjournaling, das häufig in klinischen Kontexten eingesetzt wird, zum Beispiel bei der Behandlung von Angststörungen, Depression oder posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Typisch sind kurze Interventionen von 15 bis 20 Minuten über mehrere Sitzungen oder regelmäßig wiederholtes Schreiben über einige Wochen.
Psychische Effekte: klein, aber belastbar
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse zu Journaling bei Depression, Angst und PTBS zeigt im Durchschnitt eine etwa 5 Prozent stärkere Symptomreduktion im Vergleich zu Kontrollgruppen. Die Effekte gelten als klein bis moderat, sind bei Angststörungen und PTBS deutlicher ausgeprägt und bei Depressionen schwächer.
Ein Studie zum Expressive Writing, einen positiven Effekt des expressiven Schreibens, insbesondere auf Angstzustände und speziell bei jungen Erwachsenen mit hoher emotionaler Ausdrucksfähigkeit.
Positive Schreibinterventionen wie Dankbarkeitstagebücher oder Zukunftsvisionen („Best Possible Self“) zeigen in mehreren Meta-Analysen verlässliche Verbesserungen von Wohlbefinden, positivem Affekt, Optimismus und Lebenszufriedenheit, während Effekte auf Stress, Angst und depressive Symptome uneinheitlicher und meist kleiner ausfallen.
Körperliche Effekte: messbar, aber begrenzt
Die frühen Studien von James W. Pennebaker konnten zeigen, dass Expressive Writing mit weniger Ärztinnen- und Arztbesuchen, reduzierten körperlichen Beschwerden und Hinweisen auf eine verbesserte Immunfunktion einhergehen kann, insbesondere wenn belastende oder traumatische Erfahrungen verarbeitet werden.
Meta-Analysen berichten insgesamt kleine, aber statistisch nachweisbare Effekte auf körperliche Gesundheitsindikatoren und allgemeines Funktionsniveau. Allerdings sind diese Effekte heterogen und nicht in allen Studien reproduzierbar. Für positive Journaling-Formen zeigen sich bislang eher konsistente Effekte auf subjektives Gesundheitsgefühl, weniger auf objektive körperliche Parameter.
Die Forschung ist sich einig: Die Wirkung von Journaling hängt stark ab von
- dem Thema (Trauma vs. positive Zukunft),
- der emotionalen Involviertheit,
- Dauer und Frequenz des Schreibens,
- sowie individuellen Faktoren wie Ausgangsbelastung und emotionaler Ausdrucksfähigkeit.
Es gibt Hinweise darauf, dass Frauen stärker profitieren, insbesondere bei Angstsymptomen. Die Datenlage ist jedoch nicht eindeutig.
In medizinischen und psychologischen Leitlinien gilt Journaling daher nicht als eigenständige Therapie, sondern als ergänzendes Selbsthilfetool. Die Effekte sind real, aber begrenzt – und gerade deshalb gut mit dem Nachhaltigkeitsgedanken vereinbar: Journaling wirkt nicht spektakulär, sondern leise, risikoarm und langfristig unterstützend.
Von der Theorie zur Praxis: Journals und Workbooks als Einstieg ins Journaling
Ihr seht: Das bewusste Wahrnehmen und Reflektieren der eigenen Gedanken ist eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige innere Ordnung. Ebenso zeigt die Forschung, dass schriftliches Reflektieren mental entlasten und Wohlbefinden unterstützen kann, ohne dabei ein Allheilmittel zu sein. Doch wie lässt sich diese Erkenntnis konkret im Alltag umsetzen?
Mein Einstieg in die Praxis des Journalings gelang mir mit Journals und Workbooks. Anders als leere Notizseiten gaben sie mir strukturierte Impulse, Fragetechniken und Reflexionsanleitungen vor, die mir das Nachdenken über Gedanken, Muster und Emotionen erleichtern.
Solche Tools in Buchform können mir und euch helfen, zuerst das Beobachten der eigenen Gedanken zu üben, bevor wir ins eigene freie Schreiben kommen. Journale und Workbooks sind aus meiner Sicht besonders dann nützlich, wenn wir mit festen Fragen, klaren Themen oder einem regelmäßigen Rhythmus starten möchten.
Deshalb stelle ich euch die Workbooks von Sophia Rüscher-Fussenegger vor, die ich mit meinen beiden Töchtern (16 und 21) getestet habe. Sophia ist psychologische Beraterin für alle Lebenslagen im österreichischen Bregenz. Ich arbeite schon seit vielen Jahren mit ihr zusammen – zusammengebracht hat uns der Job. Sophia stellte mir und meinen Töchtern jeweils drei Workbooks kostenlos zum Testen zur Verfügung – dafür an dieser Stelle noch einmal besten Dank, liebe Sophia!
Ich finde, Sophias Workbooks fügen sich inhaltlich und methodisch gut in meine nachhaltige Praxis der Gedankenhygiene ein – von strukturierten Reflexionsanleitungen bis zu kreativen Schreibimpulsen.
Meine drei Workbooks

Selbstwert – eine Reise zu dir Selbst
Das Workbook soll mir helfen, mein Selbstwertgefühl zu stärken und mich mit neuer Klarheit und Selbstvertrauen auf meinen eigenen Weg zu machen. In 24 Tagen soll ich lernen, alte Glaubenssätze loszulassen, meine Stärken zu erkennen und mutig die Veränderung anzugehen, die ich mir
wünsche. Jeder Tag enthält:
- eine Reflexionsfrage, um meine Gedanken zu meinem Selbstbild bewusst zu hinterfragen
- eine praktische Übung, die mir hilft, mein Selbstvertrauen zu stärken
- eine Affirmation, die mich ermutigt, meinen Wert anzuerkennen
- Platz für Journaling, um meine Fortschritte und Erkenntnisse festzuhalten
Dieses Workbook ist Sophia zufolge ideal für alle, die ihr Selbstwertgefühl stärken, sich selbst mehr wertschätzen und mutig ihren eigenen Weg gehen möchten.
Überforderung – Eine Reise zu mehr Balance & Klarheit
Das Workbook begleitet eine:n über 24 Tage, um die eigene Überforderung besser zu verstehen, gezielt anzupacken und wieder Raum für Ruhe und Balance im Leben zu schaffen. Mit
Reflexionsfragen, praktischen Übungen und stärkenden Affirmationen regt es an, die Ursachen der eigenen Überforderung zu erkennen und neue Wege für das eigene Wohlbefinden zu finden. Jeder der 24 Tage enthält:
- eine Frage zur Reflexion, um die eigene Überforderung zu hinterfragen
- eine praktische Übung, die hilft, neue Strategien für mehr Balance zu entwickeln
- eine Affirmation, die eine:n auf dem eigenen Weg stärkt
- Platz für Notizen und Journaling, um Gedanken und Fortschritte festzuhalten
Dieses Workbook ist laut Sophia ideal für alle, die sich nach mehr Balance, Klarheit und Gelassenheit im Alltag sehnen. Es bietet Werkzeuge, um Stress abzubauen und das eigene Leben bewusster und freier zu gestalten.
Loslassen – eine Reise zu innerer Freiheit & Leichtigkeit
Das Workbook soll helfen, bewusst Ballast abzugeben (Dinge, Gedanken, Gefühle) und mehr Leichtigkeit ins Leben zu bringen. In 24 Tagen sollen mensch lernen, hinderliche Gedankenmuster zu erkennen, emotionale Lasten zu lösen und sich für Neues zu öffnen. Jeder Tag enthält:
- eine Frage zur Reflexion, um bewusst loszulassen
- eine praktische Übung für deinen Alltag
- eine kraftvolle Affirmation zur Stärkung des Mindsets
- Platz für Journaling, um Fortschritte zu reflektieren
Laut Sophia bedeutet Loslassen nicht Verlust, sondern Neubeginn. Es schafft Raum für neue Möglichkeiten, Klarheit und ein Leben, das sich wirklich nach mir anfühlt. Sophia sagt, dieses Workbook ist für alle, die sich von belastenden Gedanken, alten Gewohnheiten oder einschränkenden Glaubenssätzen lösen und ein Leben mit mehr Leichtigkeit, Klarheit und innerem Frieden führen möchten.
Meine Bewertung meiner 3 Test-Workbooks: Zum Einstieg ins Journaling eignen sich die 24-Tage-Bücher von Sophia gut. Ich habe im Hinterkopf immer den Gedanken, dass ich mir Gewohnheiten innerhalb von drei Wochen ab- und angewöhnen kann. Der Erwartungsdruck (ich bin vom Sternzeichen Jungfrau und Perfektionistin) an mich selbst war bei dem 24-Tage-Pensum niederschwellig, da ich nicht an Tag 1 starte und 365 unendlich lange Tage Journaling vor mir lagen. Die Aufgabe war stattdessen sehr gut überschaubar. Das stärkte mein Dranbleibenwollen und -können. Zugleich konnte ich mich leichter auf die jeweilige Frage und Übung des Tages einlassen. Die Workbooks sind gut durchdacht aufgebaut und liebevoll gestaltet. Es macht Freude, sie täglich in die Hand zu nehmen und nach und nach durchzuarbeiten. Ich habe zum Testen ein Buch nach dem anderen gefüllt und kann die Workbooks allen ans Herz legen, die mit dem Journaling starten wollen.
Die drei Workbooks, die Tochter 1 testete

Female Rage – eine Reise zu deiner Kraft und Klarheit
Sophia sieht Wut als eine kraftvolle und oft missverstandene Emotion. Besonders Frauen wird laut Sophia häufig beigebracht, ihre Wut zu unterdrücken oder als „unangebracht“ zu betrachten. Doch Wut gehört genauso zum emotionalen Repertoire wie Freude, Trauer oder Liebe. Sie ist
ein wertvolles Signal, das frau zeigt, wenn ihre Grenzen überschritten werden oder ihre Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Wut ist kein Feind, sondern Verbündete, die frau auf
Ungerechtigkeiten hinweist und ihr hilft, für sich selbst einzustehen. Sophias Workbook lädt dazu ein, Wut nicht länger als Schwäche oder Makel zu sehen, sondern als ein
Werkzeug, das Klarheit und Kraft schenkt.
Mit Sophias Workbook “Female Rage” soll frau über 24 Tage lernen, ihre Wut zu verstehen und sie gezielt
in positive Energie umzuwandeln. Jeder Tag enthält:
- eine Frage zur Reflexion, um die eigene Wut und ihre Ursachen zu erkennen
- eine praktische Übung, um die eigenen Gefühle zu verstehen und zu transformieren
- eine Affirmation, die Mut macht und Selbstvertrauen schenkt
- Platz für Notizen und Journaling, um Gedanken festzuhalten
Einsamkeit – eine Reise zu innerer Verbindung und Nähe
Einsamkeit kann sich Sophia zufolge tief und überwältigend anfühlen. Sie kann viele Formen annehmen – von der Erfahrung, keine engen Freund:innen oder Vertraute
zu haben, über das Gefühl, von den Menschen im Umfeld nicht
verstanden oder gesehen zu werden, bis hin zu der Schwierigkeit, echte, tiefgehende Verbindungen zu anderen aufzubauen. Zugleich sieht Sophia in Einsamkeit eine Chance: Denn sie ist auch ein Zeichen, dass mensch etwas sucht – tiefere Verbindung, Verständnis und eine Möglichkeit, sich selbst und andere besser kennenzulernen. Jeder Tag enthält:
- eine Frage zur Selbstreflexion, um die eigene Einsamkeit und ihre Ursachen besser zu verstehen
- eine praktische Übung, die hilft, bewusst mit de eigenen Einsamkeit umzugehen und Lösungen zu finden
- eine Affirmation, die mensch dabei unterstützt, Selbstakzeptanz zu entwickeln und die eigenen
Gedanken zu transformieren - Platz für Notizen und Journaling, um Gedanken, Fortschritte und Erkenntnisse festzuhalten.
Sophia hat das Workbook für alle gemacht, die lernen möchten, ihre Einsamkeit zu überwinden, sich
selbst zu lieben und erfüllende Verbindungen zu anderen aufzubauen.
Platz einnehmen – eine Reise zu mehr Authentizität & Ausdruck
Sophia schreibt zu diesem Workbook, dass viele von uns mit der Vorstellung aufwachsen, sich zurücknehmen zu müssen, um akzeptiert zu werden. Doch wahre Stärke liegt Sophia zufolge in der eigenen Vielfalt und Authentizität. Das Workbook soll mensch 24 Tage lang dabei begleiten, Selbstzweifel abzulegen, Ängste und Blockaden zu
überwinden und mutig den eigenen Platz in der Welt einzunehmen. Jeder Tag enthält:
- eine Frage zur Selbstreflexion, die mensch tiefer in dihre:seine Gedanken und Gefühle eintauchen lässt
- eine praktische Übung, um das Thema des Tages im Alltag zu verankern
- eine Affirmation, die mensch darin bestärkt, ihren:seinen Raum mutig einzunehmen
- Platz für Notizen und Journaling, um Fortschritte und Erkenntnisse festzuhalten
Die Bewertung von Tochter 1: Der Aufbau der Workbooks ist ähnlich. Das ist gut, denn so lassen sich mehrere Themen/Workbooks gut hintereinanderweg kaufen und “durcharbeiten”. Mensch weiß nach einem Workbuch, wie’s geht und kann sich voll auf das jeweilige Thema konzentrieren. Mir gefiel der teils auch persönliche Input von Sophia zum jeweiligen Thema sehr gut. Das war unterstützend, anregend und begleitete mich jeweils durchs ganze Buch. Die klaren Aufgaben und Anregungen machten die Selbstreflektion abwechslungsreich und lebendig.
Die drei Workbooks, die Tochter 2 testete

Glücklich – eine Reise zu innerer Zufriedenheit
Glücklichsein, so schreibt Sophia zu diesem Workbook, ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Das Workbook
begleitet mensch über 24 Tage auf einer Reise, um mehr Zufriedenheit, Freude und innere Erfüllung ins Leben zu bringen. Schritt für Schritt kannst mensch mit dem Workbook herausfinden, was sie:ihn wirklich glücklich macht und wie sie:er diese Erkenntnisse im Alltag umsetzen kann. Jeder Tag enthält:
- eine Frage zur Reflexion, um die eigenen Vorstellungen von Glück zu erkunden
- eine praktische Übung, die einer:m hilft, ihr:sein Glück aktiv zu gestalten
- eine Affirmation, die mensch Mut und Zuversicht schenkt
- Platz für Notizen und Journaling, um die eigenen Gedanken festzuhalten
Meine Grenzen – eine Reise zu sich selbst & innerem Frieden
Die Fähigkeit, gesunde Grenzen zu setzen, ist Sophia zufolge eine der wichtigsten Grundlagen für ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben. Das Workbook hilft mensch, zu lernen, die eigenen Grenzen zu erkennen, zu respektieren und sie mit Selbstvertrauen zu kommunizieren. Über 24 Tage lang wird sie:er durch praktische Übungen, Reflexionsfragen und Affirmationen geführt, die ihr:ihm helfen, Grenzen zu definieren und im Alltag umzusetzen. Jeder Tag enthält:
- eine Frage zur Reflexion, um eigene Grenzen zu erkennen und zu hinterfragen
- eine praktische Übung, die einem hilft, klare und gesunde Grenzen zu setzen
- eine Affirmation, die mensch darin bestärkt und ihr:ihm hilft, Grenzen zu wahren
- Platz für Notizen und Journaling, um Fortschritte festzuhalten
Schlechtes Gewissen – eine Reise zu innerer Balance und Selbstmitgefühl
Sophia schreibt, dass dieses Workbook hilft, ein schlechtes Gewissen zu reflektieren, loszulassen und in Selbstmitgefühl zu wachsen. Schuldgefühle sind ihr zufolge oft ständige Begleiter, die uns lähmen können, doch sie müssen uns nicht beherrschen. Stattdessen können sie zu einem Anstoß für
persönliches Wachstum und Veränderung werden.
Mit dem Workbook kann mensch in 24 Tagen lernen, zwischen Schuld und Verantwortung zu unterscheiden, unrealistische Erwartungen loszulassen und innere Stärke zu entwickeln. Mit gezielten Fragen, Übungen und Affirmationen wird mensch den Ursprung von Schuldgefühlen verstehen, gesunde Grenzen setzen und Selbstvergebung üben. Schritt für Schritt öffnet sich so ein Weg zu einem freieren, friedvolleren und ausgeglicheneren Leben. Jeder Tag enthält:
- Eine Frage zur Reflexion, um deine Gefühle besser zu verstehen.
- Eine praktische Übung, die dir hilft, neue Perspektiven einzunehmen.
- Eine Affirmation, die dich stärkt und ermutigt.
- Platz für Notizen und Journaling, um deine Erkenntnisse festzuhalten.
Laut Sophia ist dieses Workbook für alle, die sich von der Last eines schlechten Gewissens befreien und mit Selbstmitgefühl und innerer Balance ihren Alltag gestalten möchten.
Die Bewertung von Tochter 2: Mir gefiel, dass die Workbooks mich Tag für Tag Schritt für Schritt aufforderten, über “meine Themen” nachzudenken und “zwangen”, meine Gedanken dazu aufzuschreiben. Das jeden Tag auch wirklich zu tun – daran musste ich mich anfangs zwar erst einmal gewöhnen, doch nach einigen Tagen war das schon fast selbstverständlich. Ich fand gut, dass die Workbooks “nur” 24 Tage umfassen, das reichte für jeweils ein Thema aus. Zudem sind die Workbooks gut strukturiert, das half mir beim Durcharbeiten sehr.
Mein Fazit: Nachhaltigkeit beginnt im Kopf
Nachhaltigkeit bedeutet, Zukunft mitzudenken. Das gilt nicht nur für Umwelt und Ressourcen, sondern auch für den Umgang mit den eigenen Gedanken. Journaling ist kein Trend und kein Allheilmittel. Aber es ist eine stille, wirksame Praxis, um innere Ordnung zu schaffen und mentale Ressourcen zu erhalten.
Wer wie ich nachhaltig leben möchte, darf sich deshalb auch fragen: Wie gehe ich mit dem um, was täglich in mir entsteht? Denn langfristig entscheidet genau das darüber, wie klar, handlungsfähig und verantwortungsvoll wir sind.
Fotos der Workbooks & Screenshot: Doreen Brumme, magele-picture – Adobe.Stock.com (Metacognition), MarekPhotoDesign.com – Adobe.Stock.com (Positiv denken)


