Grüner leben. Weil jeder Schritt zählt

Grüner leben. Weil jeder Schritt zählt

Grüner leben, weil Grün zählt. Grüner leben, weil jeder Schritt zählt. Es gibt eine Frage, die mir dazu immer wieder begegnet: in Medienberichten, auf Social Media und mitunter in persönlichen Gesprächen mit Menschen, die ich schätze. Die Frage lautet: “Was bringt es denn, wenn ich meinen Müll daheim brav trenne, während China massenweise Kohle verbrennt?” Oder anders formuliert: „Unternehmen sind für 70 Prozent aller Emissionen verantwortlich – was kann ich Einzelne:r da schon ausrichten?”

Ich sehe und verstehe das Ohnmachtsgefühl, die Enttäuschung und die Erschöpfung hinter der Frage. Ehrlich. Ich kenne sie aus meinem Alltag auch. Der Gedanke, dass mein bisschen ecoquentes Machen und Tun zu klein ist, um etwas nachhaltig zu bewegen, ist verführerisch. Er entlastet. Er verschafft eine Pause.

Doch er stimmt nicht. Schaut selbst!

Zahlen belegen, dass jeder Schritt zählt

Fangen wir mit konkreten Zahlen an, auch wenn mir diese bei einem Thema, für das mein Herz schlägt, zu nüchtern erscheinen.

Mülltrennung.

Lahm! Und doch: Allein mit dem Recycling von Verpackungen aus der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack, Glas sowie Papier, Pappe und Karton werden in Deutschland jedes Jahr 1,95 Millionen Tonnen (t) CO2-Äquivalente eingespart – das entspricht dem CO2-Ausstoß von 1,38 Millionen Flügen von Berlin nach New York. Das hat das Öko-Institut in einer Studie belegt. Und das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft: Würden wir alle noch konsequenter Müll trennen, könnten die Einsparungen bis zum Jahr 2030 auf über 2,5 Millionen t steigen.

Wenn ich also abends die Becher unseres veganen Joghurts ausspüle und in den Plastikbeutel tue, in dem wir in der Küche unseren Plastikmüll sammeln, um ihn dann in die Gelbe Tonne vor dem Haus zu werfen, bin ich Teil dieser Zahl. Eine Person unter Millionen – aber genau das ist der Punkt.

Wassersparen.

Zwischen den Jahren 1991 und 2021 ist der Trinkwasserverbrauch pro Person in Deutschland von 144 auf rund 126 Liter täglich gesunken. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis von Millionen kleiner Entscheidungen – kurze Duschen, volle Waschmaschinen, tropfende Hähne, die repariert statt ignoriert werden. Und da geht noch mehr: Wer auf den Warmwasserverbrauch achtet, spart nicht nur Wasser, sondern auch Energie, um dieses aufzuwärmen. Das Umweltbundesamt schätzt, dass die Warmwasserbereitung im Schnitt zwölf Prozent des gesamten Energiebedarfs eines Haushalts ausmacht.

Stromsparen.

Private Haushalte verursachten im Jahr 2021 im Bereich Wohnen rund 210 Millionen t CO2-Emissionen – das ist ein Viertel des gesamten deutschen Energieverbrauchs. Gegenüber dem Jahr 2000 sanken diese Emissionen jedoch bereits um 14 Prozent. Auch das ist kein Selbstläufer. Dahinter stecken Menschen wie ich, die Energiesparlampen kaufen, die Geräte wirklich ausschalten und nicht im Stand-by lassen, die auf Ökostrom wechseln.

Die Lücke zwischen „nur Konzerne können etwas ändern” und „was ich tue, ist wirkungslos” wird auch Ohnmachtslücke genannt. Sie ist eine Lüge, die uns bequem macht – und gefährlich untätig.

Das Argument “aber die Konzerne” spricht uns nicht frei

Ja, es stimmt: Ein Großteil der globalen Emissionen lässt sich auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Unternehmen zurückführen. Aber wer produziert denn bitteschön für wen? Konzerne verbrennen Kohle und pumpen ohne Unterlass Plastik in die Welt, weil wir ihre Produkte und Dienstleistungen kaufen, verbrauchen, wegwerfen. Die Nachfrage kommt von uns Verbraucher:innen. Wenn wir unseren Verbrauch und damit die Nachfrage ändern, ändert sich auch der Markt. Nicht über Nacht. Doch unsere Kaufentscheidung wirkt.

Außerdem: Auch wir Privatpersonen tragen direkte Verantwortung. Etwa drei Viertel der Zahlungen für die CO2-Bepreisung in Deutschland leisteten laut dem Verbraucherzentrale Bundesverband letztlich private Haushalte – direkt oder indirekt über Produktpreise. Wir sind Teil des Systems.

Was ich meinen Kindern an Ecoquenz mitgebe: Grüner leben. Weil jeder Schritt zählt

Ich bin eine #motherof4. Das ist nicht nur mein Status, sondern auch meine Haltung, die ich jeden Tag forme. Und eine der gleichermaßen schwersten und schönsten Aufgaben meiner Elternschaft ist diese: Werte so zu leben, dass sie in Herz und Hirn meiner Kids ankommen – ohne wortreiche Predigt, ohne Druck, ohne erhobenen Zeigefinger.

Bei uns zu Hause gibt es keine Diskussion (mehr) über das WARUM. Klimawandel ist in unseren Augen Realität. Und alltägliche Maßnahmen zum Schutz von Klima und Umwelt sind unsere Wahl

  • Und deshalb gibt es getrennten Müll in der Küche und getrennte Mülltonnen vor dem Haus (blauer Deckel=Papier und Pappe, gelber Deckel=Plastik, roter Deckel=Biomüll, grauer Deckel=Restmüll), die unsere Hausverwaltung uns gesetzeskonform hinstellt.
  • Es gibt bei uns Leitungswasser, das selbstverständlich aus dem Hahn fließt und nicht etwa aus Plastikflaschen kommt, die wir kaufen.
  • Es gibt den Moment, in dem jede:r das Licht ausmacht, weil sie:er als Letzte:r den Raum verlässt.

Nicht weil wir Eltern es jedes Mal sagen (das war nur anfangs so), sondern weil es für alle längst gewohnt ist.

Und genau das ist unser Geheimnis. Nicht die einmalige Entscheidung, sondern die Routine, die wir daraus machen. Wir Eltern leben unsere ecoquenten Werte vor – sie fruchten in den Kindern. Sie werden zu ihrer Natur. Selbstverständlich.

Ich beobachte das an meinen vier Kindern: Sie trennen Müll, ohne nachzudenken. Sie drehen das Wasser ab, während sie Zähne putzen. Sie kaufen – sofern es im Budget ist – eher bio als konventionell, eher unverpackt als verpackt. In ihrer alltäglichen Ecoquenz haben sie uns Eltern längst überholt. Diese Leichtigkeit, mit der sie von klein auf nachhaltig handeln, musste ich meinem Gehirn erst mühsam beibringen. Mitunter bin ich darauf neidisch.

Doch das ist kein rein privater Erfolg, sondern auch ein gesellschaftlicher. Denn unsere vier Kinder werden Erwachsene. Vielleicht Eltern. Und damit vielleicht selbst Vorbilder. Unsere grüne Saat ging auf. Sie trägt schon heute Früchte – das lässt mich auf eine grünere Zukunft hoffen.

Warum das Narrativ der Ohnmacht so gefährlich ist

Doch ich möchte nochmal auf die eingangs erwähnte Ohnmacht zurückkommen: Es ist verlockend, die eigene Untätigkeit mit der Größe des Problems zu rechtfertigen. Aber dieses Narrativ hat einen doppelten Boden: Es nimmt uns nicht nur aus der Verantwortung – es nimmt uns auch aus der Wirksamkeit.

Studien zur Umweltpsychologie wie diese oder diese zeigen immer wieder: Menschen, die glauben, dass ihr Verhalten nichts bewirkt, handeln auch nicht. Die Überzeugung von der eigenen Wirksamkeit – als das Gegenteil – ist einer der stärksten Motoren für nachhaltiges Verhalten. Was wir denken, bestimmt, was wir tun.

Das heißt: Wer die Geschichte erzählt, dass Einzelne ohnehin nichts ausrichten können, betreibt keine realistische Analyse. Sie:Er betreibt Sabotage.

Kein Entweder-oder

Ich sage nicht: Das umweltschädigende Verhalten vieler Konzerne ist fein für mich, die Politik des Staates, der Nachhaltigkeit nicht priorisiert, ist fein mich, Hauptsache, wir zuhause sortieren unseren Müll. Das wäre naiv. Systemische Veränderungen brauchen politischen Willen und auch einen gewissen Druck, Gesetze, mutige Entscheidungen auf Ebenen, die über meinen Küchenmüll weit hinausgehen.

Doch ich sage: Beides gehört zusammen. Das Private und das Politische sind keine Gegensätze. Wer zuhause anfängt, sein Verhalten auf Nachhaltigkeit zu prüfen und entsprechend zu verändern, hört nicht auf, wenn sie:er die Wohnung verlässt. Menschen, die ihren CO2-Fußabdruck reduzieren, wählen häufiger grün. Fordern mehr Nachhaltigkeit. Dulden weniger Ressourcenverschwendung.

Die Veränderung beginnt im Kleinen – und endet im Großen.

Grüner leben. Weil jeder Schritt zählt: Meiner. Deiner. Ihrer. Seiner. Unser.

Ich lebe schon lange so, dass jeder Schritt möglichst nachhaltig ist. Nicht perfekt – das ist das Leben nie. Aber bewusst. Und ich merke: Diese Bewusstheit erschöpft nicht. Sie gibt. Sie gibt mir das Gefühl, nicht Opfer einer problematischen Entwicklung zu sein, sondern Teil einer Lösung dafür.

Müll trennen. Wasser und Strom sparen. Das klingt nach was Kleinem. Und ja – jede einzelne Handlung ist klein. Aber in ihrer Summe, die sich aus den Kleins von Millionen von Haushalten ergibt, über Jahrzehnte, über Generationen: Da entstehen die 14 Prozent weniger CO2. Die 26 Liter weniger Wasserverbrauch pro Tag. Die 1,95 Millionen t Treibhausgase, die nie in die Atmosphäre gelangt sind.

Und das ist nicht nichts.

Das ist alles.

Alles was zählt.

Weil du zählst.

Weil Grün zählt.

Foto: AungMyo – Adobe.Stock.com

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert