Sommer 2005. Ich war mit Nr. 1 im Urlaub, mein Mann musste arbeiten. Wir waren bei den Schwiegereltern zu Besuch. Und es war heiß. Richtig heiß. Und trocken. Richtig trocken. Und mein kleines Stillkind kannte mit seinen zehn Monaten nur meine Milch und erste Löffelchen mit Getreidebrei. Wir schwitzten beide wie noch nie: Stillkind und Stillmama. Ich trank deshalb viel mehr als sonst und fragte mich, ob mein Kind ausreichend Flüssigkeit bekam. Es hing fast nur noch an meiner Brust. Und während ich ein Wasserglas nach dem anderen in mich hinein schüttete, verfolgte Nr. 1 in meinem Arm jede meiner Bewegungen mit großen Augen. Sie schaute und schaut und schaute. Blinzelte kaum. Und griff plötzlich zu. Wir wurden beide nass, sie mehr als ich (Stichwort Schwerkraft), weil ich damit gar nicht gerechnet hatte. Doch das verplemperte Wasser war kein Problem, eher willkommene Abkühlung. Wir lachten beide.
Ich nahm die unfreiwillige Dusche als Zeichen dafür, dass der Moment gekommen war, wo es mit dem Wassertrinken losgeht. Nicht, weil ich das als Mutter so entscheide, sondern, weil mein Kind reif dafür war. Ich hatte damals jedoch kein kleinkindgerechtes Trinklerngefäß zur Hand und habe erstmal einen Pappbecher genommen und ihr geholfen, die ersten Schlückchen Wasser zu trinken beziehungsweise die Zunge ins Wasser zu tauchen. Bei der ersten Gelegenheit kaufte ich, was es vor Ort als Trinkgefäß für Kinder zu kaufen gab – ein Fläschchen mit Schnuller oben drauf. Doch das hat sie gar nicht angenommen. Also blieben wir beim offenen Pappbecherchen. Vorerst.
Als #motherof4 habe ich diesen Moment viermal erlebt. Viermal die Neugier, viermal das Zögern vor dem ersten Schluck, viermal der nasse Babybody danach. Und jedes Mal war es ein bisschen anders. Was meine Nr. 1 sich von mir und meinem Mann abschaute, sah Nr. 2 bei uns und Nr. 1. Und Nr. 3 und 4 hatten beim Trinkenlernen gleich vier beziehungsweise fünf Vorbilder am Tisch sitzen.
Dieser Ratgeber ist das, was ich damals gerne gehabt hätte. Denn bei Nr. 1 hatte ich als frischgebackene Mutter viele Fragen. Ich erinnere mich, dass ich vor dem Becherregal im Babymarkt meines Vertrauens stand und nicht wusste: Wann fangen wir an, Wasser anzubieten? Welcher Becher ist für den Start der richtige – und gibt es den richtigen Trinklernbecher auch in ecoquenter Ausführung? Wie bringe ich meinem Kleinkind das Trinken so bei, dass es nicht jedes Mal pitschepatsche nass wird? Fragen über Fragen. Meine Antworten fand ich nach und nach heraus.
Lest selbst. Und gönnt euch dabei ruhig ein Glas frisches Leitungswasser.
Wann: Der richtige Moment fürs Trinkenlernen
Bevor ich gleich über Becher zum Trinkenlernen schreibe, muss ich etwas Grundsätzliches loswerden – weil es mich damals verunsichert hat und weil ich weiß, dass es anderen Eltern genauso geht: Babys brauchen in den ersten Lebensmonaten kein zusätzliches Getränk. Kein Wasser, keinen Tee, nichts.
Muttermilch beziehungsweise Säuglingsmilch versorgen das Baby ausreichend mit Flüssigkeit. Das gilt auch an heißen Sommertagen und auch dann, wenn mensch selbst das Gefühl hat, das Kind müsse doch durstig sein. Wer stillt, legt einfach öfter an – der Körper produziert von sich aus mehr Milch, wenn sie abgerufen wird. Nachfrage regelt Angebot. Und wer mit der Flasche füttert, bietet einfach häufiger an. Das isses.
Das mit der gedeckten Versorgung ändert sich laut dem bundesweiten Netzwerk Gesund ins Leben, hinter dem die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) steht, erst mit der Einführung des dritten Breis. Bis dahin decken Milch und die wasserreichen Breie den Flüssigkeitsbedarf weitgehend ab. Erst dann, wenn zwei Milchmahlzeiten täglich mit Brei ersetzt werden, braucht das Baby demnach zusätzliche Flüssigkeit: am besten Wasser, etwa 200 Milliliter (ml) pro Tag. Nicht weil das Kind dringend dürstet – sondern weil es anfängt, das Trinken als eigenständige Handlung zu üben.
Und hier beginnt die “Die Suche nach dem Trinklernbecher”.
Was: Getränke, die Kinder trinken sollten
Das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit fasst es klar zusammen: Leitungswasser und stilles Mineralwasser sind die idealen Getränke ab Beikoststart – im ersten Lebensjahr und weit darüber hinaus. Ich erweitere das hier aus tiefster Überzeugung auf: lebenslang. Milder Kräuter- oder Früchtetee ist als Abwechslung demnach erlaubt, sollte aber ungesüßt und nicht dauerhaft das einzige Angebot sein.
Was auf keinen Fall in den ersten Becher gehört:
- Fruchtsäfte – auch keine zur Schorle verdünnten. Sie enthalten Zucker und Fruchtsäuren, die den Zahnschmelz angreifen und unerwünschte Kalorien liefern. Wichtig: Ein Schuss Apfelsaft macht Wasser nicht gesünder.
- Instanttees – die sind fast immer gezuckert. Wer das Etikett liest, wird meist unangenehm überrascht.
- Smoothies und Quetschies als Dauergetränk – sie sind säurehaltig und kleben an den Zähnen. Als gelegentlicher Snack für unterwegs sind sie okay, als Durstlöscher im Becher problematisch.
Ich rate auch von der Nuckelflasche als Einschlafhilfe ab, selbst wenn sie mit klarem Wasser gefüllt ist. Das dauernde Umspülen der Zähne – auch mit ungesüßter Flüssigkeit – begünstigt Karies. Denn der Speichelfluss sinkt, da im Mund beim Dauernuckeln weniger Speichel gebildet wird. Der schützt die Zähne jedoch normalerweise vor Säuren. Das Risiko für sogenannten Nuckelflaschenkaries gehört zu den häufigsten Zahnerkrankungen im Kleinkindbereich.
Auch eine Erfahrung, die wir mit einem Kind machen mussten – allerdings soll damals meine Muttermilch Schuld am Stillkaries von Babys ersten Zähnchen gewesen sein. Die ganze Geschichte lest ihr hier in der Deutschen Hebammenzeitung (DHZ).

Bei uns zu Hause war von Anfang an klar: Wir trinken Wasser aus dem Hahn. Manchmal Tee: Kamillentee, Hagebuttentee, Fenchel-Anis-Kümmeltee. Fertig. Das ist bis heute unser Normal. Die Kinder haben nie etwas anderes kennengelernt – und fragten auch nicht danach. Irgendwann kauften wir noch einen Sprudler, also gab es stilles Wasser und Sprudelwasser zur Auswahl. Als dann mit den ersten Verabredungen auch die ersten Trinkerfahrungen in anderen Familien gesammelt wurden, hatten wir Glück: Entweder wurde dort auch konsequent Wasser angeboten – oder es wurde vorher unter uns Eltern abgesprochen, was meine Kinder trinken sollten und was nicht.
Ab dem ersten Geburtstag: Wasser zu jeder Mahlzeit
Wenn ein kleines Kind zunehmend auf festere Familienkost umgestellt wird, steigt sein Flüssigkeitsbedarf. Denn das Essen enthält weniger Wasser als Brei, zumal dieser als Mahlzeit dann auch seltener wird. Empfohlen werden rund 600 bis 700 ml Wasser täglich, aufgeteilt auf Mahlzeiten und Zwischenzeiten. Das Kind soll lernen: Zum Essen gehört ein Becher Wasser.
Klingt banal. Ist es aber nicht – weil man diese Selbstverständlichkeit als Familie erstmal zur Selbstverständlichkeit machen muss. Und genau da spielt das Vorbild der Eltern seine entscheidende Rolle. Aber dazu gleich noch mehr.
Welcher Trinklernbecher zu welchem Alter passt – meine Erfahrungen als #motherof4
Ich sage es gleich vorweg: Es gibt nicht den einen richtigen Becher. Was bei unserer Nr. 1 wunderbar funktionierte, lehnte Nr. 2 wochenlang ab – und griff dann von einem Tag auf den anderen wie selbstverständlich danach. Nr. 3 wollte überhaupt nur das, was die Geschwister hatten. Und Nr. 4 hatte den Trinklernbecher lange in der Hand während ich es stillte, bevor es endlich selbst mal daraus trank.
Jedes Kind findet seinen Weg zum Trinken – mit seinem Becher. Es hilft dennoch, zu wissen, was es an Trinklernbechern inzwischen alles gibt.
Meine erste Adresse für die Bechersuche war damals Baby Walz – und das aus einem sehr praktischen Grund: Meine Redaktion Computerbild (Springer) lag damals direkt gegenüber der Filiale in der Hamburger Innenstadt. Kürzester Weg in der Mittagspause, breites Sortiment. Die Babyausstattung für Nr. 1 kaufte ich nahezu komplett da. Der Gang über die Straße: bester Pausenfüller ever. Und auch all die Dinge, die sich dann nach und nach auf der Einkaufsliste fürs neugeborene Kind sammelten, trieben mich zurück zu diesem Laden, auch wenn ich gar nicht mehr gegenüber arbeitete (Stichwort: Elternzeit). Wer sich einen ersten Überblick verschaffen möchte, was es dort aktuell an Trinklernbechern und -flaschen gibt: Hier geht es zur Auswahl. Ganz ehrlich: Ich beneide alle, die heute vor dem Regal stehen. Meine Optionen 2005 waren längst nicht so vielfältig und vielzählig. Doch ich gönn’s allen: Mamas, Papas und Kindern.
Ab etwa 6 Monate: Die ersten Schlückchen Wasser
Fachleute, darunter auch das schon erwähnte Netzwerk Gesund ins Leben, empfehlen, Flüssigkeit von Anfang an aus einem offenen Becher oder einer Tasse anzubieten. Der Grund: Das Schlucken aus einem offenen Gefäß entspreche der natürlichen Mundmotorik.
Man füllt dazu am besten einen kleinen, weichen Silikonbecher halb voll – wirklich nur ein bisschen Wasser, damit er nicht zu schwer wird. Das Kind sitzt aufrecht, am besten auf dem Schoß. Man hält den Becher an die Unterlippe, lässt es die Lippen befeuchten – und schon öffnet sich der Mund automatisch. Dann kippt man einen winzigen Schluck hinein. Das Meiste landet anfangs sowieso auf dem Kind (Tipp: Handtuch oder Lätzchen fangen das Tropfwasser auf) – und das ist vollkommen fein.

Bei uns kam der allererste Trinklernbecher übrigens mit einer Familientradition ins Haus, die ich so nicht geplant hatte: Meine Cousine gab mir einen gebrauchten Becher weiter – gut erhalten, bewährt, mit Familiengeschichte drin und den Namen ihrer Töchter reingeritzt. Meine Nr. 1 hat ihn bekommen, Nr. 2 auch, Nr. 3 und Nr. 4 ebenso. Alle vier hatten also irgendwann diesen einen Becher im Mund. Eine kleiner Becher voller Erinnerungen. Ich hätte diesen Becher selbst nie gekauft – doch als Weitergebsel hatte er was. Wir wechselten unterschiedlich schnell zu eigenen Trinkgefäßen, jedes Kind zu seinem – die von Nr. 3 und 4 habe ich auch noch in der untersten Küchenschublade gefunden (siehe Titelfoto).
Wichtig: In dieser Phase geht es nicht ums Sich-satt-trinken. Oder wie mensch auch schreiben kann: ums Sich-sitt-trinken. Noch nicht. Erstmal geht’s ums Kennenlernen. Der Becher ist neu, das Wasser ist neu, die Trinkbewegung ist neu. Wenn das Kind lieber mit dem Becher spielt oder ihn umwirft und den Inhalt verschüttet: ganz normal.
Ab etwa 9 Monate: Greifen, halten, selbst trinken wollen
Jetzt greift das Kind aktiv zu – so, wie damals meine Nr. 1. Es will den Becher selbst halten, selbst heben, selbst entscheiden. Genau hier kommen Trinklernbecher mit zwei Griffen ins Spiel – weil die kleinen Hände noch nicht sicher genug zupacken, um ein normales Glas zu halten.
Was sich bei uns bewährt hat – und was Fachleute empfehlen:
- 360°-Becher: Das Kind kann von jeder Seite trinken, ohne dass etwas ausläuft. Es gibt kein Schnabelstück, das aktiv angesaugt werden muss – stattdessen öffnet sich ein Silikonventil erst beim Kontakt mit den Lippen. Das kommt dem offenen Becher deutlich näher als ein Schnabel und fördert die natürliche Trinkmotorik. Unser klarer Favorit für diese Phase.
- Becher mit weichem Silikonstrohhalm: Fördert eine andere, aber zahnfreundlichere Saugbewegung als der Schnabel. Gut für unterwegs, weil auslaufsicher. Nicht als Dauerlösung, aber als Ergänzung absolut sinnvoll. Hatten wir mehrere von in unterschiedlichen Designs.
- Becher mit Druckventil im Deckel: Der Deckel gibt erst nach, wenn das Kind mit den Lippen drückt. Praktisch für Kinder, die noch nicht sicher genug für den 360°-Becher sind. Auch hier gilt: Dieser Bechertyp ist nicht zum Dauernuckeln geeignet. Einen davon hatten wir eine zeitlang in Gebrauch.
Einen guten Vergleich verschiedener Bechertypen mit Altersangaben und konkreten Modellen findet ihr übrigens auf dem Internetportal der Zeitschrift Eltern: eltern.de.
Ich habe mit Nr. 1 in dieser Phase sogar ein kleines Gläschen ausprobiert. Doch sie hatte recht früh ihre wunderschönen kleinen Zähnchen bekommen und damit biss sie ganz schön fest zu. Als ich merkte, dass sie gleich das Glas anbeißt, bekam ich es mit der Angst zu tun und verschob diesen Trinklernversuch mit Glas auf später.

Ab 12 bis 18 Monate: Der Weg zum offenen Glas
Zu Hause sollte das Kind in diesem Alter zunehmend aus dem offenen Becher oder Glas trinken. Mein Tipp: Macht das Trinkgefäß nicht randvoll und nehmt kein allzu schweres – ein kleines, stabiles Kinderglas passt. Wir hatten Gläser mit Märchenmotiven. Wer eins umwirft, lernt dabei. Unterwegs darf es gerne die dichte Trinklernflasche sein, die in der Wickeltasche oder im Rucksack nicht ausläuft und im Sommer die Flüssigkeit kühl hält.
Und genau in dieser Phase passiert es: Das Kind beobachtet euch Eltern und gegebenenfalls Geschwister am Familientisch. Es sieht, was alle anderen trinken. Es sieht, wie ihr trinkt: Glas zum Mund heben, kippen, schlucken, abstellen. Und es will genau das auch. Nicht den Trinklernbecher. Es will sein eigenes Glas.
Bei uns war das so: Nr. 1 hat den Übergang zum offenen Glas im Sprint genommen. Nr. 2 hat es sich von Nr. 1 abgeschaut – tat sich aber deutlich schwerer damit. Nr. 3 und 4 saßen beim Übergang bereits neben zwei Geschwistern und uns Eltern, die ihnen täglich vormachten, wie das Trinken geht. Die lernten das quasi ab ihrem ersten Tag in unserer Familie.
Schnabeltasse, 360°-Becher oder offenes Glas – was das Trinken lernen wirklich fördert
Die Schnabeltasse ist das Erste Trinklerngefäß, wonach die meisten Eltern greifen. Kein Wunder: Sie haben sie meist selbst benutzt und verbinden damit Erinnerungen beziehungsweise Gewohnheiten: Die Schnabeltasse gilt als praktisch und auslaufsicher. Aber: Wer aus einem Schnabel saugt, macht eine Bewegung, die weder dem Stillen noch dem Trinken aus einem Glas gleichkommt. Der Kiefer wird anders belastet, die Zunge nimmt eine andere Position ein. Kinderärztinnen und Kinderärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte empfehlen deshalb, Schnabeltassen möglichst rasch wieder abzuschaffen – oder gar nicht erst einzuführen.
Was ich nach vier Kindern sagen kann: Je früher man zum offenen Becher wechselt, desto schneller klappt das mit dem selbständigen Trinken. Weil die Kids keine Alternative kennen und sich entsprechend schnell anpassen.
Der 360°-Becher: ein echter Kompromiss
Der 360°-Becher ist eine sinnvolle Brücke zwischen Schnabeltasse und offenem Glas. Das Kind kann von jeder Seite trinken – es muss den Becher nicht ausrichten, nicht drehen, nicht eine bestimmte Klappe suchen. Das Silikonventil öffnet sich erst beim Lippenkontakt, hält aber sonst dicht. Das fördert eine Mundmotorik, die dem Trinken aus einem Glas näherkommt als jede Schnabeltasse.
Der Munchkin Miracle 360° ist in der Eltern-Community besonders bekannt – weil er das Prinzip gut umsetzt und robust genug ist, um den Familienalltag unbeschadet zu überstehen. Doch es gibt inzwischen viele gute Varianten davon, zu meiner großen Freude auch aus nachhaltigeren Materialien – darauf komme ich gleich nochmal zurück.
Der Strohhalm-Becher: für unterwegs und als Übergang
Strohhalm-Becher sind praktisch für unterwegs. Die Saugbewegung ist anders als beim Schnabel – insbesondere zahnfreundlicher, weil die Flüssigkeit gezielter in den Mund geleitet wird. Für zuhause sind sie als Dauerlösung nicht ideal, aber als Ergänzung fein. Besonders für Kinder, die auf dem Spielplatz nicht jedes Mal nass werden sollen.
Das offene Glas: das eigentliche Ziel
Das offene Glas ist das Ziel. Je früher Kinder lernen, aus normalen Trinkgefäßen zu trinken, desto unkomplizierter wird der Familienalltag – in der Kita, bei den Großeltern, im Restaurant, beim Picknick.
Und der einfachste Weg dorthin ist, das Trinken aus einem Glas täglich beobachten zu können. Am Esstisch. Bei den Eltern. Bei den Geschwistern.
“Baby-Led Weaning” (BLW) und das Trinken: Selbst entscheiden lernen
Baby-Led Weaning, also der babygesteuerte Beikoststart, bedeutet, dass das Baby entscheidet. Es greift selbst nach Fingerfood und kostet dieses nach Lust und Laune in seinem Tempo. Keine Löffelbrei-Annäherungsversuche mehr wie “Daaaaa kommt das Flugzeug (der Hubschrauber, der Dino oder wasweißichwas) aaaaaah …” und die Klappe geht zu früh wieder zu oder gar nicht erst auf, so dass der fliegende Brei abdrehen muss und überall landet (meist auf mir), nur nicht da, wo er hin sollte: in Babys Schnute. Wer kennt’s nicht?). BLW ist Essen auf den Tisch, Kind schaut, greift zu, probiert.
Dieses Prinzip lässt sich auch aufs Trinken übertragen – mit einer wichtigen Einschränkung: Beim Essen kann ein BLW-Baby vieles entdecken und verwerfen, ohne dass ernsthafter Schaden entsteht. Beim Trinken muss es genug in sich rein bekommen. Besonders im Sommer, wenn es heiß ist und besonders bei Krankheit. Das bedeutet: Der Becher steht allzeit bereit und wird auch regelmäßig aktiv angeboten – zwanglos selbstverständlich. Trinken gehört zur Mahlzeit. Der Becher mit Wasser steht auf dem Tisch wie der Teller mit dem Essen.
Was BLW-Familien beim Trinken erleben
Was viele berichten: Anfangs wird der Becher nicht zum Trinken genutzt, sondern spielerisch entdeckt. Er wird angefasst, geschoben, umgeworfen, gerollt, gegen den Tisch geklopft. Das ist nicht Scheitern – das ist Lernen. Das Kind begreift dabei unter anderem, dass Wasser nass ist. Der Becher macht ein Geräusch. Wenn er kippt, kommt was raus. Irgendwann kommt der Moment, in dem es einfach trinkt. Meistens ohne Ankündigung.
Praktisch hat sich bewährt:
- Nur wenig Wasser einfüllen – der Becher soll nicht zu schwer sein.
- Kind sitzt aufrecht, am besten noch gestützt.
- Den Becher ruhig mit beiden Händen des Kindes führen – aber nicht kippen, nur halten.
- Wenn das Kind nicht trinkt: nichts sagen, einfach stehen lassen.
- Wenn das Kind den Becher umwirft: Becher aufheben, verschüttetes Wasser wegwischen, Becher neu füllen und wieder hinstellen. Ohne großes Gewese.
Wir haben bei Nr. 1 echt früh begonnen, ein kleines Gläschen mit Wasser auf den Tisch zu stellen. Es hat nicht lange gedauert, bis etwas davon im Kind ankam.

Die beste Schule: Vorbilder
Ich könnte jetzt noch mehr Becher beschreiben. Stattdessen möchte ich über das sprechen, was ich für die beste Trinklernschule halte – und das kein Produkt ist:
Das Vorbild der Eltern. Das Vorbild der Geschwister. Die Gewohnheiten am Familientisch. Die Selbstverständlichkeit, die nicht erklärt werden muss.
Bei uns trinken alle Wasser. Wasser aus dem Hahn, täglich, beim Frühstück, beim Mittagessen, beim Abendessen, zwischendurch. Oft gibt’s Tee, im Sommer auch mal kühles “infused water”, also Wasser mit einer Scheibe Gurke, Zitrone oder Orange, einem Zweig frischer Bio-Minze und/oder einem Spritzer Ingwersaft. Im Winter ist das Wasser warm und Zitrone, Orange, Ingwer, Gewürznelken oder Zimt sorgen für den Geschmack.
In Restaurants bestellen meine Kinder heute, mit 21, 19, 17 und 12, ihr Getränk längst nach Geschmack selbst: Meist eine Rhabarberschorle, eine Holunderschorle oder eine Limo. Was ich allerdings noch nie für uns zuhause gekauft habe, ist Cola. Im Restaurant wird sie im Spezi aber schon mal von dem einen oder anderen Kind getrunken.
Saft kommt bei uns höchstens als Schorle vor – und das eher selten. Limos kaufen wir gar nicht. Dafür seit einigen Jahren Kombucha regelmäßig. Auch ein kalter oder heißer Kakao wird mal aufgetischt – allerdings nur noch mit pflanzlicher Milch zubereitet. Dafür haben Nr. und ich gesorgt, seit wir uns tierleidfrei (rein pflanzlich, vegan) ernähren.
Das ist einfach unser Alltag. Und genau darin liegt die Kraft: Unsere Kinder lernen nicht, was wir ihnen sagen. Sie lernen, was sie bei uns sehen.
Was das für Eltern bedeutet
Ihr müsst keine Perfektion anstreben. Es lohnt sich schon, bewusster darauf zu achten:
- Steht Wasser zu Mahlzeiten auf eurem Tisch?
- Greift ihr selbst zum Glas Wasser, wenn ihr Durst habt?
- Trinkt ihr, wenn das Kind trinkt – so dass es das als soziale Handlung erlebt?
Diese kleinen Dinge bewirken viel. Nicht sofort – aber mit der Zeit. Und irgendwann sagt das Kind von selbst: „Ich will auch Wasser.” Weil es das selbstverständlich kennengelernt hat.
Weniger Plastik am Familientisch: Nachhaltige Trinkgefäße im Überblick
Hier kommt meine #DoGreen!-Perspektive ins Spiel. Weil Trinklernbecher nicht nur funktionieren sollen – sondern aus Materialien bestehen sollten, die ich meinen Kindern gegenüber verantworten kann. Und weil ich mir schon immer nicht nur darüber Gedanken mache, was wir täglich auftischen, sondern auch wie wir das tun.
Die gute Nachricht: Es gibt inzwischen wirklich gute Alternativen zu herkömmlichem Plastikgeschirr – deutlich mehr als zu den Trinklernzeiten meiner Kids. Wobei ich dazuschreiben muss, dass komplett plastikfrei bis heute kaum zu machen ist, denn irgendwie steckt irgendwo meistens ein kleines Silikonventil, ein Dirchtungsring oder ein Kunststoffdeckel mit drin. Aber der Unterschied zwischen einem Becher aus unbekanntem Kunststoff und einem aus geprüftem, schadstofffreiem Material ist beträchtlich. Und zudem gilt: Weniger Plastik ist mehr Gesundheit.
Silikon: weich, fein für den Start
Silikon ist weich, angenehm für kleine Münder und zartes Zahnfleisch, frei von Weichmachern wie Bisphenol A (BPA), PVC und Phthalaten. Es übersteht Stürze vom Tisch, verträgt Spülmaschine, Mikrowelle und Gefrierschrank. Für das erste Trinklernalter – wenn der Becher öfter auf dem Boden als im Mund landet – kaum zu übertreffen. Und anders als viele Kunststoffbecher verändert Silikon seinen Geruch nicht, hinterlässt keinen Plastikgeschmack und behält seine Form über Jahre.
Einen reinen Silikonbecher als Trainingsbecher für Babys gibt es zum Beispiel von Ekobo – das französische Familienunternehmen verarbeitet seit 2003 lebensmittelechtes Silikon und legt großen Wert auf schadstofffreie, wiederverwendbare Materialien.
Edelstahl: langlebig, robust, praktisch für unterwegs
Für ältere Kinder, die fester zugreifen, ist Edelstahl eine starke Wahl. Langlebig, schadstofffrei, isoliert gut – das heißt: Wasser bleibt im Sommer länger kühl. Ein Edelstahlbecher oder eine Edelstahlflasche kann viele Jahre ihren Dienst tun, ohne dass Material oder Geschmack leiden. Das macht das Material nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich: einmal kaufen, für alle Kinder nutzen.
Für unterwegs lohnt sich ein Blick auf Marken wie Klean Kanteen oder Hydro Flask, die Edelstahltrinkflaschen auch in kleinkindgerechten Größen und mit auslaufsicheren Deckeln anbieten – langlebig, schadstofffrei und in vielen Farben erhältlich. Schaut dazu auch gerne in meinen aktuellen Testbericht nach 20 Jahren Praxis zu Trinkflaschen hier auf dem Blog:
Borosilikatglas: robust, aber nur unter Aufsicht anbieten
Glas ist lebensmittelsicher, sterilisierbar, trägt keinen Eigengeschmack. Wer Wert auf Optik legt: Ein liebevoll gestalteter Glasbecher ist wirklich schön. Die Einschränkung: Glas und selbstständig trinkende Kleinkinder sind kein unproblematisches Duo. Wer Glas möchte, sollte unbedingt auf Borosilikat achten – das ist deutlich bruchfester als Standardglas. Und es gilt wie immer beim Essen und Trinken mit Kleinkindern: nie unbeaufsichtigt lassen.
Emaille: unkaputtbar, aber angeschlagen rostet’s
Emaille-Becher erleben gerade eine echte Renaissance – und das nicht ohne Grund. Sie sind BPA-frei, schadstofffrei, schlagfest und spülmaschinenfest. Ihr Charme ist unbestreitbar: Ein Emaille-Becher sieht aus wie aus einer anderen Zeit, hält aber dem trubeligen Familienalltag locker stand. Für Ausflüge, Picknicks oder den Frühstückstisch draußen sind sie kaum zu schlagen.
Der Vorbehalt: Emaille ist eine Glasurschicht auf Metall – meist Stahl. Wenn diese Schicht aufgrund von Stürzen oder scharfen Gegenständen absplittert, liegt das blanke Metall frei – Rostgefahr! Abgesplitterte Stellen sollten immer Anlass sein, den Becher auszutauschen. Solange die Emaille intakt ist, ist der Becher absolut unbedenklich.
Für Kleinkinder, die noch häufig werfen und schmeißen: lieber erst ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr einführen, wenn der Becher etwas gezielter gehandhabt wird. Dann aber gerne – denn kaputt geht so ein Emaille-Becher bei normaler Nutzung praktisch nie.
Holz: natürlich, aber hygienisch bedenklich
Holzbecher passen zur Idee eines plastikfreien Familientischs. Ich bin mit Holzgeschirr groß geworden, Opa hat in seiner Freizeit gedrechselt. Ich lieb’s. Wir essen bis heute teils von Holztellern und mit Holzlöffeln. Trotzdem bin ich ehrlich: Als Trinkbecher für Kleinkinder empfehle ich Holz nur mit Einschränkungen.
Das Problem ist weniger das Material selbst als die Hygiene. Die Verbraucherzentrale Hessen weist darauf hin: Holzgeschirr, das regelmäßig mit Flüssigkeit in Kontakt kommt, ist schwieriger sauber zu halten als Silikon oder Edelstahl. Feuchtigkeit dringt ins Material ein, Risse entstehen – und in Rissen können sich Keime festsetzen. Spülmaschinenfest ist Holz in der Regel nicht, was die Reinigung aufwändiger macht. Verleimtes Holzgeschirr kann außerdem Lösungsmittel enthalten, lackiertes oder lasiertes Holz sollte mensch ebenfalls kritisch prüfen.
Was gut funktioniert: unbehandeltes oder mit lebensmittelechtem Öl behandeltes Holz aus regionaler, nachhaltiger Forstwirtschaft – für gelegentlichen Einsatz, nicht als täglicher Trinkbecher. Als Frühstücksbrettchen oder Snackschale am Tisch ist Holz wunderbar. Als Haupttrinkgefäß für ein Kleinkind, das täglich trinkt, greife ich aber lieber zu Silikon oder Edelstahl.
Bambus und Zellulose-Verbund: praktisch, aber umweltunfreundlich
Bambus-Becher werden gerne als die ultimative Öko-Alternative vermarktet. Aber Vorsicht: Viele dieser Produkte bestehen aus einem Verbund von Bambusfasern und Melamin. Melamin kann bei hohen Temperaturen oder in Verbindung mit Säure in Lebensmittel übergehen. Wer wirklich nachhaltig kaufen möchte, sollte genau aufs Kleingedruckte schauen und im Zweifelsfall Silikon oder Edelstahl vorziehen. Wir hatten früher viel Melamingeschirr, jedes Familienmitglied in seiner eigenen Farbe. Heute würde ich es nicht mehr kaufen, denn ich habe dazugelernt.
Bambusgeschirr habe ich einmal gekauft: vier kleine Schüsselchen in vier Farben. Doch die verloren mir zu schnell an Farbe. Und als ich lernte, dass das Material nicht besser als Melamingeschirr ist, nahm ich davon ganz Abstand. Die Verbraucherzentrale Hessen schreibt dazu, dass Bambusgeschirr in der Regel auch aus Kunststoff-Melamin-Gemischen bestehen, in denen Bambus lediglich als Füllstoff drinsteckt. Demnach bestehen damit ähnliche Risiken wie bei der Nutzung von Melamingeschirr. Auch unter ökologischen Gesichtspunkten sind die Produkte, so schreibt die Verbraucherzentrale weiter, entgegen ihrer Aufmachung und Werbung nicht vorteilhafter. Wegen der enthaltenen Kunststoffanteile sind sie nämlich nicht biologisch abbaubar.
Herkömmlicher Kunststoff: stabil, aber auf Qualität achten
Wenn überhaupt Plastikgeschirr, dann greift ausschließlich zu BPA-freiem und auf Schadstoffe geprüftem. Zur Orientierung: ÖKO-TEST hat im Jahr 2013 Trinklernbecher mal untersucht – die meisten Becher aus Polypropylen im Test waren bei korrekter Verarbeitung unbedenklich. Worauf ihr achten solltet: keine PVC-, PVDC- oder chlorierten Kunststoffe, keine bedenklichen Weichmacher, keine Phenole wie Bisphenol A. Prüfzeichen und Transparenz der Hersteller helfen euch beim Kauf.
#DoGreen!-Fazit: Silikon oder Edelstahl, wenn es geht. Qualität statt Menge – lieber einen guten Becher kaufen, der alle Kinder überlebt, als lauter mittelmäßige.
So trinken Babys und Kleinkinder im Sommer genug: Alltagstipps für heiße Tage
Kleinkinder sind keine kleinen Erwachsenen – zumindest nicht, was die Hitzeregulierung betrifft. Ihr Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpergewicht ist größer als bei Erwachsenen, das bedeutet: Sie nehmen Wärme schneller auf. Gleichzeitig schwitzen sie weniger gut und können sich so schlechter abkühlen. Hinzu kommt ein schwächer ausgeprägtes Durstgefühl – Kleinkinder trinken oft zu wenig, weil sie viel zu sehr beschäftigt sind, um auf ihren Körper zu hören.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Kinder zwischen 1 und 3 Jahren rund 820 ml Flüssigkeit täglich – als Faustregel etwa sechs kleine Becher Wasser über den Tag verteilt. Bei Hitze über 30 Grad Celsius kann sich dieser Bedarf verdoppeln oder sogar verdreifachen. Das ist viel. Und deshalb lohnt es sich, einen Plan zu haben.
Woran ihr erkennt, dass euer Baby oder Kleinkind zu wenig trinkt
Die Zeichen werden leicht übersehen – gerade weil Kleinkinder nicht sagen können, wie es ihnen geht:
- wenig Urin, oder Urin, der dunkel aussieht und konzentriert riecht
- trockene Lippen oder trockene Mundschleimhaut
- Ungewöhnliche Müdigkeit, Reizbarkeit oder Apathie an heißen Tagen
- kein Interesse am Trinken, obwohl das Kind schwitzt und aktiv war
- keine Tränen beim Weinen – ein ernstes Zeichen, das sofortigen Handlungsbedarf bedeutet
Wenn ihr unsicher seid: Im Zweifelsfall lieber einmal mehr zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt gehen als einmal zu wenig. Dehydration bei Kleinkindern geht schnell – und ist ernst zu nehmen.
Was wirklich hilft beim Trinkenlernen: Alltagstipps einer #motherof4
- Angebot schafft Nachfrage: Der Becher steht immer auf dem Tisch. Das Kind greift zu, wenn es will. Das Angebot ist der Schlüssel.
- Routine statt Erinnerung: Morgens beim Frühstück, nach dem Spielen draußen, vor dem Mittagsschlaf, zu jeder Mahlzeit – Trinken wird zum festen Ritual.
- Wasser attraktiv machen: Eine Scheibe Gurke, eine Erdbeere, eine Zitronenspalte – schon wird Leitungswasser was fürs Auge.
- Wasserreiches Essen anbieten: Wassermelone, Gurke, Erdbeere, Pfirsich – sie liefern Flüssigkeit und sind für Kleinkinder im Sommer ohnehin beliebt.
- Unterwegs mit dem richtigen Becher: Im Rucksack braucht man etwas, das dicht und die Flüssigkeit kühl hält – und von Kinderhand gut gehändelt werden kann. Edelstahl mit gutem Deckel ist hier klar im Vorteil.
- Kühles Wasser anbieten – nicht eiskaltes: Eiskalte Getränke werden von manchen Kleinkindern abgelehnt. Kühles Wasser oder leicht temperiertes ist angenehmer.
- Kein Zwang: Ein Kind, das regelmäßig Trinkangebote bekommt und nie unter Druck gesetzt wird, trinkt am Ende mehr als eines, das täglich dazu angehalten oder gar ermahnt wird. Stress beim Trinken erzeugt Ablehnung. Außerdem lernt ein Kind unter Zwang nicht, seinen Durst zu erkennen und darauf zu hören.
Mein bester Tipp: Wir stellen den Becher mit Wasser auf den Tisch, bevor jemand danach fragt.

Fazit: Trinkenlernen braucht Geduld und Vorbild
Der richtige Becher ist der, der zum Kind passt – nicht der, der die beste Bewertung in Markttests hat. Das richtige Getränk ist Wasser. Und die beste Trinklernschule ist der Familientisch, an dem Eltern und gegebenenfalls Geschwister täglich vorleben, wie’s geht: das Wassertrinken.
Fotos: Doreen Brumme
