Tauchen auf Curacao

Geokosmetik: Andere Länder, andere Toiletten – ein Weltreisebericht von stillen Örtchen

Nicole Bralo-Dunker (38, Journalistin) und Michael Dunker (40, Journalist und Unternehmer) sind die weltbewandertsten Menschen, die ich persönlich kenne. Das Reise-Motto der beiden Hamburger: „Weltreise scheibchenweise“ (die entsprechenden Reiseberichte findet man auf dem Blog des Ehepaares). Die beiden haben sich sofort bereit erklärt, mir für meine Geokosmetik-Serie von den stillen Örtchen dieser Welt zu berichten, die sie auf ihren unzähligen Reisen zu Gesicht bekommen haben. Machen wir uns also auf eine Reise, eine Toilettenweltreise!

Weltenbummler Nikki und Michi vor der Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha
Weltenbummler Nikki und Michi vor der Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha.
Nikki, Michi, ich rede gar nicht lange um den heißen Brei herum – Ihr wisst, ich will mit Euch vor  allem über die ganz besonderen Orte reden, die Ihr auf Euren Reisen besucht habt: die Toiletten. Wo standen die ungewöhnlichsten Toiletten, die Ihr je benutzt habt?

Michi: Ungewöhnlicher als ein Toilettenhäuschen ist die freie Natur. Wenn man am Rande des „Grand Canyon“ im Oman steht, den letzten Menschen Stunden zuvor gesehen hat und über die spektakuläre Aussicht fast den irdischen Drang vergessen hat, dann ist auch das kleinste Geschäft recht erhebend.

Nikki: Etwas weniger spektakulär, aber durchaus ungewöhnlich ist eine volle Blase unter Wasser. Zum Beispiel beim Tauchgang in den etwas kühlen Gewässern des Pazifiks vor Costa Rica. Da gibt’s dann keine Häuschen – und einfach Auftauchen geht auch nicht. Unter Tauchern wispert man sich dann später etwas von Heizung im Neoprenanzug zu. Daher mögen auch viele die Leihanzüge nicht… Ist man auf dem traditionellen Boot Dhoni auf den Malediven unterwegs, ist da auch kein WC an Bord. Dann geht man für einen kurzen „Strömungscheck“ mal kurz ins Wasser.

Welches war das schönste Klo, das Ihr bisher gesehen habt?

Beide: Marrakesch!

???

Nikki: Wir waren dort in einem sensationellen 6-Sterne-Palast. Ich wurde von vier livrierten Angestellten zum WC eskortiert. Die Toilette war größer als unsere Wohnung in Hamburg. Und perfekt gestylt – wie in 1001 Nacht. Es gab sämtliche Düfte, Kosmetik, Tücher usw. Hier kann man sich einen Eindruck vom Royal Mansour Marrakesch (مراكش), Marokko, und den Räumlichkeiten verschaffen.

Und welches das Schlimmste?

Michi: Im Norden von Costa Rica, an der Grenze zu Nicaragua tief im Dschungel. Wir besuchten das letzte Dorf am Grenzfluss. Die Menschen dort waren furchtbar arm, aber sehr liebenswert und hilfsbereit. Das kleine Häuschen am Rande des Dorfes war für alle Bewohner gedacht. Der Abfluss völlig überfordert. Selbst mit Gummistiefeln wäre es dort schwierig geworden. Knöchelhoch standen dort die Exkremente. Wir haben uns dann doch lieber in den Busch geschlagen …

Weltenbummler Nikki und Michi: Kachelausstellung der gehobenen Kategorie in Costa Rica
Erinnerungsfoto: Toilette in Costa Rica
Wo steht das High-Tech-Klo dieser Welt?

Nikki: Nach unseren bisherigen Erfahrungen sind die Asiaten da ganz weit vorn. Dort gibt es beheizte WC-Brillen – das ist wirklich großartig. Gerade nachts. Aber auch für die Hygiene ist gesorgt, mit eingebautem Bidet, unterschiedlichen Wassertemperaturen und sogar Föhn! Es gibt sogar Toiletten, die Melodien spielen, um eventuelle Geräusche zu überspielen. Ob man das wirklich braucht, ist natürlich fraglich.

(Ich sag nur: Wöchnerinnenstation Uniklinik Hamburg … – Anmerkung Insiderin Doreen)

Seid Ihr euch da einig – Mann und Frau haben ja mitunter verschiedene Ansichten über Toilettenstandards …?

Nikki: Eigentlich nicht. Natürlich haben es Männer einfacher. Straßenrand und raus. Aber ich bin tatsächlich auch lieber in der Natur als auf einem mäßigen Klo.

Michi: Und auch Männer mögen es sauber, denke ich. (lacht) Aber in der Tat haben wir es viel einfacher. Vor allem in Ländern, in denen man ein Loch im Boden bevorzugt.

WC-Häuschen am Strand von Tulamben, Mexiko
Weltreise, Station Tulum, Mexico: WC-Häuschen am Strand.
Wie viele Länder habt Ihr beide eigentlich schon besucht?

Michi: Insgesamt sind es knapp 50 Staaten. Das ist echt eine Menge. Unser Motto heißt ja „Weltreise scheibchenweise“. Wir kommen also zwischen den Trips immer wieder zurück nach Hause. Man muss ja auch Geld verdienen, um die Welt entdecken zu können. Aber in den letzten 16 Jahren, die wir zusammen sind, sind da schon einige Urlaube zusammen gekommen.

Wenn einer eine Reise bucht, dann will er was erleben, heißt es. Spielen sanitäre Aspekte eine Rolle, wenn Ihr Euch auf den Weg in die weite Welt macht? Oder nehmt ihr das Klo, wie es kommt?

Nikki: Wir nehmen es definitiv wie es kommt. Alles andere würde zu Einschränkungen führen. Man könnte einige Länder kaum bereisen, wenn man sich permanent geriert. Obwohl wir sehr auf Hygiene achten, vor allem, um uns nicht anzustecken oder sonst krank zu werden, sind wir nicht wirklich zimperlich.

Wer so viel unterwegs ist wie Ihr beide, und dabei nicht nur ausgelatschte Touristenpfade beschreitet, kommt früher oder später bestimmt mal in eine dringliche Situation – habt Ihr ein Kloabenteuer, das Ihr nie vergessen werdet?

Michi: Hach ja, das ist dann wohl meine Geschichte aus Yucatan in Mexiko. Wir essen auf unseren Reisen häufig auf der Straße, auch in einfachen Restaurants. Und trotzdem wir sehr auf Sauberkeit und Hygiene achten, kann man sich nicht vollständig vor Kolibakterien schützen. Wie eben dort in Mexiko. Schon zwei Stunden nach dem Lunch in einer stickigen Markthalle drehte sich mein Magen. Kurze Zeit später sah ich aus wie ein Ballon. Wenn jemand einen drastischen Bericht zu Montezumas Rache schreiben könnte, dann wohl ich. Diese Rache war fürchterlich. Das kleine finstere Hotelzimmer mit der noch kleineren Toilette hatte wohl auch noch nicht gesehen, wie sich bei einem Menschen das Innerste nach Außen kehrt. Am nächsten Tag schleppte ich mich in eine Apotheke, dort schob man mir „Pool-Tabletten“ über den Tresen. Ich fragte natürlich, woher der komische Name käme. Die Apothekerin lächelte: „Wenn Sie eine davon in den Swimmingpool werfen, können Sie zehn Minuten später darauf laufen.“ Und so war es auch – kurze Zeit später hatte ich Ruhe.

Welches war der ungewöhnlichste Ort, wo Ihr mal Eure Notdurft verrichtet habt?

Nikki: Hmm, ich erinnere mich an den ausbrechenden Vulkan Arenal in Costa Rica – man konnte das tiefe Grollen hören und hatte einen schönen Blick auf die Lava direkt von der Schüssel aus.

Michi: Noch krasser war doch wohl unser Stopp in der ägyptischen Wüste auf der Rückfahrt von Abu Simbel. Nikki ging es furchtbar schlecht, wir hatten Geleitschutz eines Soldaten im Jeep. Da fährt man nur Kolonne, darf eigentlich nicht anhalten. Aber für Nikki machten sie eine Ausnahme.

Nikki: Ja, stimmt! Ich musste aber eine halbe Stunde durchhalten, bis die einzige winzige Düne kam, hinter die ich mich verkriechen konnte. Geblieben ist nichts im Wüstensand – es war fast 50 Grad heiß …

Michi: Tja, wer wissen möchte, wie es kam, das Nikki sich nach einem Besuch im Hospital im Buch des Lagerkommandanten von Abu Simbel verewigen musste, kann das hier nachlesen.

Gibt es eine Toiletten-Notfallausrüstung, die Ihr unterwegs immer dabei habt? Falls ja, was gehört dazu?

Michi: Ja, unbedingt. Wie gesagt, wir achten sehr auf Hygiene, haben immer zwei Fläschchen mit Desinfektionsmittel dabei. Und „WC-Papiersitze“, etwa von Toly. Legt man einfach auf die Brille, wenn man der Location nicht so traut.

Nikki: Ein echtes Notfall-Tool sind die Notfall- oder Einmal-WCs. Plastikbeutel mit einer Substanz, die jede Flüssigkeit vollständig aufsaugen. Wir haben diese handtellergroßen Tüten oft auf ausgedehnten Roadtrips mit, bringen sie aber meist auch wieder mit nach Hause.

Mitunter ist es schwer, in fremden Ecken dieser Welt eine öffentliche Toilette zu finden. Es gibt da ja sogar schon Apps, um die Toilettensuche anderswo zu erleichtern. Welchen heißen Klo-suchen- und-finden-Tipp habt Ihr für andere Weltenbummler?

Nikki: Ehrlich gesagt gibt’s nur einen Tipp: Man darf sich nicht verrückt machen lassen. Eine halbe Stunde in die Zukunft sehen sollte man aber schon können. Dann lässt sich alles planen. Wir marschieren immer zielstrebig in Restaurants oder Hotels. Da gibt es immer ein vernünftiges WC neben der Lobby.

Welche Landsleute gehen aus Eurer Sicht recht entspannt mit dem Thema Toilette um, in welchem Land fühlt sich ein Toilettengang eher verkrampft an?

Michi: Die Amerikaner sind wohl eher verkrampft, brauchen immer eine Kachelausstellung. Im arabischen oder südamerikanischen Raum ist das viel entspannter.

Habt Ihr für das ein oder andere Land eine spezielle Reisempfehlung bezüglich Toilette und Waschraum?

Nikki: Generell habe ich für ländliche Trips, egal in welchem Land, immer ein paar Papiertaschentücher in der Hosentasche. Das reicht. Spezielle Warnungen kann ich eigentlich gar nicht aussprechen.

Fremdländische Badezimmer bestehen ja nicht nur aus der Toilette, gibt es irgendwo auf dieser Welt eine für unsereins ungewöhnliche Gepflogenheit bezüglich Kosmetik oder Kosmetikprodukten, die Euch besonders in Erinnerung geblieben ist/sind?
Ein Wüstencamp mit Tolettenhäuschen im Oman.
Weltenbummler Nikki und Michi erzählen der Insiderin von Stillen Örtchen, die sie auf ihrer Weltreise besucht haben. Hier: Ein Wüstencamp mit Toilettenhäuschen im Oman.

Michi: Lustig war das in Jordanien und im Oman. Dort ist man sehr an Wohlgerüchen interessiert. Weihrauch, Sandelholz und andere Dinge werden dort verräuchert. Wenn man in der Wüste dann morgens einmal keine Dusche hat, lässt man den Rauch unter das traditionelle Gewand Dishdash ziehen. Eine Art Deo, wenn man so will. Das soll übrigens nicht heißen, dass die Menschen dort unsauber wären. Im Gegenteil, dort wird auf Körperpflege großer Wert gelegt.

Habt Ihr von einer Eurer Reisen eine Badezimmer-Gepflogenheit mitgebracht, die Ihr Euch zu Eigen gemacht habt?

Nikki: Wir nutzen die Räucherwaren aus dem Orient zu Hause zwar nicht als Deo-Ersatz, schaffen mit Weihrauch und Co. aber gern eine gemütliche Atmosphäre. Unser Besuch ist immer begeistert, weil diese Düfte tatsächlich ein wenig die Sinne betören.

Wohin soll Eure nächste Reise gehen?

Beide: Das entscheiden wir spontan!

Nikki: Unser großer Traum ist Palau, Mikronesien, mitten im Pazifik. Ein Taucherparadies.

Michi: Kann aber auch sein, dass wir ganz woanders landen. Immer der Nase nach. Es gibt noch so viel zu entdecken!

Vielen Dank, Nikki und Michi, für Eure Offenheit in diesem Gespräch! Weiterhin: Gute Reisen mit guten Klos!

Fotos (5): Nikki und Michi

x geteilt

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.