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Wo soll ich bloß anfangen. Am Anfang?

Eine Freundschaft

Nun, der liegt fast zwei Jahrzehnte zurück. Und er ist so privat, dass ich ihn hier nicht medial ausbreiten möchte. Doch soviel sei gesagt. Ich lernte Kerstin Frickmann während meines Studiums kennen. Bei einem Französisch-Kurs an der Hamburger Universität, den wir beide belegt hatten. Unsere Freundschaft war Liebe auf den ersten Blick. Meinerseits auf jeden Fall. Wir teilten eine Zeit lang innigste Momente und lachten und weinten gemeinsam. Doch wie das so ist bei den jungen Leuten, die studieren. Es treibt sie hinaus in die Welt. Und Kerstin ist da noch mal ganz was Besonderes. Während ich auf gut Deutsch gesagt „gutes Sitzfleisch“ habe, ist Kerstin eine, zumindest habe ich sie so kennengelernt, die gerne unterwegs ist. Wobei schon der Weg ihr zum Leben – und wie ich jetzt weiß – zur Inspiration gereicht. Kerstin beschreibt sich selbst als Staubsauger, der alles aufsaugt, beäugt, neu durchdenkt, neu kombiniert und zu Geschichten verarbeitet. Meist kurze. Geschichten.

Eine Facebook-Freundschaft

Es kam, dass wir uns nach einigen Jahren aus den Augen verloren. Ich kann aber ehrlichen Herzens schreiben, dass das Sprichwort „Aus den Augen – aus dem Sinn“ auf mich nicht zutrifft. Nicht in Bezug auf Kerstin. Ich habe mich oft gefragt, was aus ihr wurde. Ich habe ihre alte Adresse und die ihrer Eltern aufgesucht. Ohne Erfolg. Doch vor Kurzem lief Kerstin mir plötzlich direkt in die Arme. Also nicht gleich wirklich. Zunächst erst virtuell. Auf Facebook. Wer hätte das gedacht? Und dank der Facebook-Verbundenheit konnte ich mir ein Bild von Kerstins heutigem Leben machen. Ihre Website spricht buchstäblich Bände.

Ein Buch

Ich las: Kerstin ist Schriftstellerin. Sie schreibt. Romane. Sie schreibt so gut, dass sie ausgezeichnet wurde. Ihren bepreisten Text habe ich gelesen. Er hat mehr Fragen offen gelassen, als er schließen konnte.

Keine Frage, als ich vor wenigen Wochen – wieder auf Facebook – davon las, dass Kerstin eine Lesung zu ihrem ersten Buch in ihrer alten Heimat, dem Hamburger Stadtteil Rissen veranstalten würde, habe ich die Gelegenheit genutzt, flugs eine Karte für fünf Euro in der Buchhandlung Kötz und Buchenau gekauft und mich vergangenen Mittwoch zum ersten Mal von meiner Nr. 4, 10 Monate, für mehr als eine Stunde getrennt. Ich habe Kerstin an diesem Abend zur obersten Priorität gemacht. Unser Wiedersehen. Natürlich war das Baby in besten Händen – nur wenige Schritte vom Schauplatz der Begegnung entfernt. Selbstverständlich war ich auf Abruf. Und klar hatte ich ein schlechtes Gewissen. Gott sei Dank, lief mit dem Kleinen alles gut. Ich war von Anfang bis Ende auf Kerstins Lesung – körperlich. Nach 15 Minuten Bangen um Babys Wohl auch geistig. Und was soll ich sagen – ich habe mich köstlich amüsiert. Das lag zum einen an der Freude über unser Wiedersehen, die mich erfüllte. Zum anderen an Kerstins Art, ihre Lesung zu halten.

Ihr müsst wissen. Kerstin feilt an jedem Buchstaben. Sie sucht nach der Essenz desselben. Sie reiht nicht bloß Buchstabe an Buchstabe, Wort an Wort und erzählt seitenlang. Nein, Kerstin reduziert ihre Worte auf die wesentlichen. Und das macht ihr Buch zu lesenswerter Lektüre. Die ich, als lebende Schreibmaschine (Journalistin, Bloggerin, Content-Produzentin) von Masse außerordentlich inspirierend finde. Auch wenn das bedeutet, zu schnell geblätterte Seiten des Buches seitenweise zurückzublättern und sich den zu schnell verstanden geglaubten Text erneut vorzunehmen – um ihn vielleicht immer noch nicht zu verstehen. Kurz: An Kerstins reduzierter Schreibweise kann man sich festbeißen. Und das inspiriert. Mich.

Euch möchte ich Kerstins Buch „Der 7281. Tag mit Zuckerguss“ ans Herz legen. Es ist ohne Bilder – und liefert doch unzählige davon. Es bietet Kopfkino-Starts vom Feinsten, zaubert ein Lächeln ins Gesicht („Mama, warum lächelst Du beim Lesen? Was liest Du, Mama?“), lässt einen lauthals auflachen („Mama, warum lachst Du? Was liest Du da?“) und rührt mitunter zu Tränen („Mama, was ist das für ein Buch? Jetzt weinst Du!“). Es hat also alles, was ein gutes Buch braucht. Lesestoff.

Das Buch von kerstin Frickmann

Der Klappentext weckt vielleicht Eure Neugier auf Kerstins Buch: „Dieser Roman erzählt vom Umbruch, vom Blick in den Rückspiegel, vom Abtragen der Krusten und Beläge auf Möbeln, Menschen, Erinnerungen und Landschaften. Er erzählt vom Zufall, der aufweckt und alles ändert. Es gibt eine Allwetterjoggerin und Schatzhüterin mit Paierkristall, ein Mutter-Tochter-Gespann, einen Einmal-sieben-Kleptomanen, einen Festgefrorenen, einen Mann-Mann-Lieber, einen Herzschmerztaucher, Erschöpfte mit schwieliegen Händen. Es gibt Mrs Main Coon, eine Stubenfliege, Herrn Feig und keine Frau namens Alma. Es gibt Aufziehmännchen und Männer, die dreizehn Sprachen sprechen. Vor allem gibt es eingeschobene Geschichten von Weltkriegsmenschen, Dampfschiffflüchtlingen, Olympioniken, Blutsbrüdern und Sommerfrischlern. Es ist ein Roman über die Kunst, Vergangenheiten zu finden, freizulegen, wiederzubeleben und zu bewahren.“

In diesem Sinn: Auf die Freundschaft, Kerstin! Und alles Gute zum heutigen 50.! Nimm meine Liebeserklärung als Geschenk! In Liebe, Deine Doreen.

 

 

 

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