Wer schon den einen oder anderen Artikel hier auf meinem Blog gelesen hat, weiß, dass ich am liebsten kein Fleisch essen würde. Leider ist mir der Verzicht auf Fleisch bislang nur lebensabschnittweise gelungen, denn während der Schwangerschaften und Stillzeiten hatte ich immer einen unbändigen Appetit auf insbesondere scharf angebratenes Fleisch und diesem nachgegeben. Als ich kürzlich dank Christiane vom Green Lifestyle Blogazin StyleMom die Gelegenheit bekam, an einem veganen Kochkurs namens “Vleischeslust” in der veganen Kochschule Kurkuma teilzunehmen, war ich sehr gespannt, ob ich dort auf den veganen Geschmack von Speisen mit ohne Fleisch kommen würde. Lest hier von meinem Selbstversuch.
Der Ort des vleischeslustigen Selbstversuchs: die vegane Kochschule Kurkuma
Christiane hatte mich zu einem Kochkurs in der “Veganen Kochschule Kurkuma” im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel eingeladen. Die hat ihren Sitz in einem schönen Ladenlokal in der Methfesselstraße 28 in 20257 Hamburg und nennt sich auf ihrer Webseite selbst “Deutschlands erste vegane Kochschule”.
Unser Kurs startete an einem Mittwochabend um 18 Uhr und sollte bis 22 Uhr gehen. Auf dem Speiseplan, der von uns Kursteilnehmern an diesem Abend nachzukochen war und den ich bereits online gelesen hatte, standen unter anderem Speisen wie:
- veganes Gyros
- vegane Rouladen
- veganes Pulled Pork
- und veganer Braten.
Ich war neugierig und gespannt – zum einen auf Christiane, die ich bislang nur virtuell als Facebook-Freundin und Bloggerin kannte, zum anderen auf das Ergebnis des Kochkurses in der “Vegane Kochschule Kurkuma”: unser veganes Menü mit ohne Fleisch.
Kochschule, Kochlehrer und Kochschüler
In der Veganen Kochschule Kurkuma begrüßte uns als Kochlehrer des Abends Lars, der ein Physiker ist und seit Jahren vegan lebt und kocht. Wir waren insgesamt 16 Kochschüler, darunter jüngere und ältere Pärchen, Freundinnen, Töchter mit Müttern und Christiane und ich. Ein Viertel der Gruppe waren Männer – die Frauen eindeutig in der Überzahl. Bei der Vorstellungsrunde bekamen wir alle unser Namensschild und konnten uns ein Bild von der Vielzahl und Vielfalt der Gründe machen, warum wir alle Interesse an der veganen Fleischküche hatten.
Vegan kochen mit ohne Fleisch
Dann ging es auch schon los. Lars und seine Assistentin hatten die großen Kochinseln in der Kochschule Kurkuma bereits vorbereitet: Rezeptspezifische Zutaten und zugehörige Rezepte waren ansprechend angerichtet worden, die Basis-Zutaten standen separat für alle zur Benutzung an der Seite bereit. Wir teilten uns in Grüppchen auf – Lars wollte uns eigentlich alle bunt verlosen – aber ich erhob Einspruch gegen das Losverfahren, da ich ja mit Christiane zusammen kochen un sie dabei kennen lernen wollte. Auch kein Problem!
Schnell waren die Kochplätze besetzt, Christiane und ich landeten vor einer großen Schüssel mit Zutaten für “Veganes Pulled Pork”.
Ich kannte das Gericht nicht und hatte demnach auch keine Vorstellung, wohin es bei unserem veganen Kochen gehen sollte. Also folgte ich stur der Anweisung auf dem Rezept. Basis des veganen pulled pork war die tropische Jackfrucht, auch Jackfruit genannt. Von der wusste ich nur, dass sie den Beinamen “Stinkefrucht” trägt und deshalb in manchen Ländern nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln mitgeführt werden darf. Ich machte mich auf Einiges gefasst und war dann doch etwas enttäuscht, dass wir es nur mit Jackfruit aus der Dose zu tun bekamen. Die zerlegte und in Salzwasser eingelegte Frucht roch leicht fruchtig und sah aus wie eingelegte Artischocke.
Unsere erste Aufgabe in der Veganen Kochschule Kurkuma war es, die vorgeschnittenen Fruchtstücke zu zerfasern, um den “pulled”-Effekt zu erzielen.
Das war eine leichte Übung, so dass Christiane und ich ausgiebig schnacken und auch viel nach rechts und links schauen konnten, wo unter anderem Teig für Fladenbrot geknetet und grüner und lilafarbener Rosenkohl fein geschnitten wurde.
An der Nebenkochinsel wurden Saitanflocken (aus purem Gluten) eingeweicht, um sie dann zu rollen, so dass eine Art Fleischwurst im veganen Schlauch entstand. Die wurde dann gegart und die fertige Wurst anschließend in Gyroshäppchen zerkleinert.
Andere Mitkochschüler in unserer Kochstunde in der Kochschule Kurkuma garten Sojaschnitzel in Wasser, die trocken wie überdimensionale unförmige Knäckebrotscheiben und nass wie ein nasser Naturschwamm aussahen.
Wir mussten unsere Jackfruit in Öl anbraten und dazu mit einer selbst gemixten Würzmischung kräftig würzen, die in pürierte Tomaten und O-Saft eingerührt wurde. Heraus stach meiner Nase nach aus der Gewürzmischung das Raucharoma. Diese Soße gaben wir über unsere angegarte Jackfruit. Auf die Pfanne kam ein Deckel drauf und fertig waren Christiane und ich – das vegane pulled pork sollte jetzt auf kleiner Flamme langsam vor sich hinziehen. Wir ließen es also vor sich hinköcheln und zogen selbst von Topf zu Pfanne, von Herdplatte zu Backröhre, um zu sehen, was die anderen so zubereiteten. Naschen war überall erlaubt, dabei kamen wir gut ins Gespräch mit unseren Mitkochschülern.
Lars aus der Kochschule Kurkuma machte seine Sache als Kochlehrer prima: Er war immer dort, wo er gebraucht wurde und hatte stets eine Hintergrundinfo zu den Speisen, an denen wir arbeiteten. Irgendwann fragte Lars Christiane und mich, ob wir uns wohl ums Tzatziki kümmern würden – klar, machten wir. Andere machten derweil einen veganen Nacho-Cheese-Dip:
Die Kochzeit in der Kochschule Kurkuma verging sehr schnell, es gab nie Geräte- oder Kochgeschirrmangel und die Zutaten waren auch reichlich da. Das spricht für die Konzeption des Abends seitens der Hamburger Kochschule und unseres engagierten Kochlehrers des Abends Lars.
Gegen 21 Uhr war es dann soweit: Unser veganes Büffet nahm Gestalt an: Neben den eingangs erwähnten veganen Hauptspeisen mit ohne Fleisch hatten wir gemüsige Beilagen, darunter besagten Rosenkohl mit gerösteten Kokos-Chiliflocken
und Bohnen sowie zweierlei Kartoffelstampf und Smashed Potatoes, gekocht und Fladenbrot gebacken.
Schön während der Kochschulstunden in der Kochschule Kurkuma durften wir als Fingerfood Blumenkohlröschen kosten, die mit einer Kruste aus ichweißnichtmehrwas (siehe Foto unten) überbacken worden waren und die wir noch warm in eine kalte Soße aus Sojasoße und Ahornsirup tunkten und die einfach nur herrlich schmeckten – meine größte Gaumenfreude des Abends in der Kochschule Kurkuma.
Doch eins nach dem anderen:
Das selbst gekochte Büffet lockte mit einer Vielzahl an veganen Speisen, die allesamt appetitlich aussahen.
Fürs Auge war der Anblick absolut in Ordnung. Ach die Nase fand die Düfte der Speisen ok. Ich lud mir von allem etwas auf den Teller und nahm zum Essen Platz inmitten der Runde Mitkochschüler.
Alle waren neugierig auf das bevorstehende Geschmackserlebnis, das konnte ich sehen. Ich wagte den ersten Happen – natürlich von unserem fleischlosen Pulled Pork Barbecue. Ok. Es schmeckte OK. Nachkochen werde ich es nicht. Schade. Ähnlich entschied ich, nachdem ich die veganen Rouladen aus Soja
und das vegane Gyros gekostet hatte. Der Blumenkohl war lecker, die Bohnen und die gestampften Kartoffeln auch. Ich kaute langsam und nachdenklich auf meinen fleischlosen Vleischspeisen herum und kam zu folgendem Fazit:
Fazit: Vleischesfrust statt Vleischeslust
Mein Fazit zu Vleischspeisen ohne Fleisch lautet nach diesem Selbstversuch so: Vleisch ist kein Fleisch – ich werde keine der Vleischspeisen daheim nachkochen. Sämtliche unserer veganen Speisen mit ohne Fleisch schmeckten nur dank der extrem starken Gewürze, die wir offensichtlich alle an unsere Zutaten machten, nach der fleischigen Vorlage.
Die veganen Zutaten dienten hier buchstäblich “nur” als Geschmacksträger, die – bis auf das Gyros -auch in der Konsistenz nicht an die originale Fleischspeise herankamen. Geschmacksbringer waren neben den Gewürzen vor allem die mir (zu) vielen Öle und Fette, mit denen die veganen Zutaten angerichtet worden waren. Gesund kochen geht anders.
Doch es war nicht nur der Geschmack, der mir nicht passte. Mit jedem Bissen fühlte ich auch die der Zubereitung in reichlich Öl und Fett geschuldete Schwere, mit der die vleischigen Speisen mir im Magen lagen. Ich habe keine meiner Kostproben aufgegessen, das spricht für sich, denn ich bin von Küche aus ein Genießer. Mein Verdauungssystem brauchte ein, zwei Tage, um die Vleischeslast zu verarbeiten.
Mit Abstand betrachtet bleibt mir zur Kochstunde in der Veganen Kochschule Kurkuma zu schreiben, dass ich die Inkonsequenz von Vleischspeisen nicht gutheiße. Wenn ich vegan essen will, dann bleibe ich bei fleischfreien Zutaten und kaue lieber auf Grünzeug & Co. herum, statt auf ungesunden beziehungsweise ungesund zubereiteten Ersatzspeisen, die nicht annähernd an das Fleischgericht kommen, das ich meiden will. Und die, wie m Falle des Gyros aus Saitan sogar zu Problemen führen können, wenn sie jemand isst, der eine unerkannte Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) hat.
Denn eine Fleisch ausschließende Ernährungsweise, wie es die vegane, die ich in der Kochschule Kurkuma kenenngelernt habe, nun einmal ist, braucht nach meinem Geschmack keine Fleisch-Ersatz-Speisen. Soja, Saitan und Jackfruit sind keine Alternativen zu Fleisch, die mir schmecken.
Und so lauteten denn meine Abschiedsworte an Lars, unseren Kochlehrer des veganen Abends, der seine Aufgabe sehr gut erfüllt hat: “Das Gemüse war lecker!”
Schlusswort zu Essensresten und Müll
Ihr könnt euch vorstellen, was wir an diesem Abend in der Kochschule Kurkuma verkochten. Dabei fielen jede Menge Reste von Zutaten und Speisereste an – und natürlich Verpackungen aus Plastik, Papier, Glas und Metall. Sämtlicher Müll kam in eine Tonne, das ist mir übel aufgestoßen. Als überzeugter Mülltrenner und Wertstoffblogger ist Mülltrennung in meinen Augen eine Sache, die zu tun ist. Lars antwortet auf meine Nachfrage, dass der Vermieter der Kurkuma-Kochschule die Möglichkeit zur Mülltrennung nicht anbiete. Wie schade! Hier besteht dringender Handlungsbedarf.
Fotos: Doreen Brumme
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